
Grant Heslovs Regiedebüt handelt von einer Irrfahrt durch die Wüste Iraks und natürlich Männern, die auf Ziegen starren. Wieso, erfährt man in einer schräg-charmanten, wenn auch im Plot schwächelnden Komödie.
Der Journalist Bob Wilton (Ewan McGregor) möchte seine gescheiterte Ehe im Trubel des Irakkriegs hinter sich lassen. Doch noch bevor er ins Krisengebiet eingelassen wird, lernt er in seinem Hotel den mysteriösen Lyn Cassady (George Clooney) kennen. Dieser behauptet, als Jedi-Krieger auf geheimer Mission zu sein, und Bob schliesst sich ihm interessiert an. Lyn verlässt sich während des Einsatzes stets nur auf seine Intuition und erzählt Bob von der Spezialeinheit der New Earth Army. Begründet wurde diese von Bill Django (Jeff Bridges), einem Berufssoldaten, der in der Hippie-Bewegung die Grundlage für eine parapsychologische, friedliche Kriegsführung fand. Mit reiner Gedankenkraft soll es etwa möglich sein, das Herz einer Ziege zum Stillstand zu bringen.
Absurdes
Als Antikriegs-Satire besitzt “The Man Who Stare At Goats” sicherlich nicht die Schärfe eines “Catch-22″ (1970). Doch zumindest auf der Ebene des Humors geht der Erstling von Regisseur Grant Heslov einen ähnlichen Weg: Das Absurde steht im Mittelpunkt. Absurd erscheint zunächst nur schon, wie überzeugt Clooneys Charakter Lyn von seinen Fähigkeiten ist, obwohl sich diese nach aussen kaum manifestieren. Absurd ist dann auch die Irrfahrt von Lyn und Bob durch die Wüste. Lyns Intuition scheint die beiden bloss immer tiefer in Schwierigkeiten, ja Lebensgefahr zu bringen.
Unterdessen kommt Bob, und mit ihm das Publikum, nicht umhin zu zweifeln, ob Lyn nicht einfach nur ein Spinner ist. Absurd ist nicht zuletzt ja schon die Grundidee der Jedi-Krieger: die friedliche Kriegsführung. Und genau diese wird gefährdet, als einer der begabteren Schüler Bill Djangos, der von Kevin Spacey maximal grimmig gespielte Larry Hooper, illegale Experimente durchführt, um die parapsychologischen Fähigkeiten auch zur aggressiven Kriegsführung nutzbar zu machen.
Schwacher Plot, charismatische Darsteller
Die kuriosen Erlebnisse von Bob und Lyn in der Wüste werden regelmässig von Rückblenden zur Gründung und Glanzzeit der Jedi-Spezialeinheit unterbrochen. Leider verzettelt sich der Plot beim beständigen vor- und zurückspringen gehörig. Man fühlt sich ähnlich orientierungslos wie die beiden Protagonisten im endlosen Sandmeer. Nicht weil das Gebotene so komplex wäre, sondern weil ihm eine einheitliche Ausrichtung fehlt. Rettender Anker sind aber immer wieder die in Einzelszenen gut funktionierenden humoristischen Einlagen und die Darsteller.
McGregor wirkt in der Rolle des skeptischen und doch faszinierten Journalisten zwar etwas unterfordert, doch Clooney kann sich bei der Darstellung seines mysteriösen und doch so gewöhnlich scheinenden Charakters gut in Szene setzen. Jeff Bridges darf die Gelassenheit seines Dudes in “The Big Lebowski” (1998) mit einer Prise militärischer Strenge würzen und Spaceys Figur hat zwar äusserliche Ähnlichkeiten mit Adolf Hitler, ist aber sicherlich nicht einfach platter Bösewicht sondern vielmehr ein sehr rücksichtsloser und ambitionierter Mensch.
Fazit
“The Man Who Stare At Goats” ist ein vergnüglicher kleiner Film, der bei seiner spielerischen Auseinandersetzung mit dem Krieg nicht unbedingt grosse Tiefen zu erreichen sucht, als Satire ist er dadurch natürlich allzu harmlos. Dafür gelingt es ihm, mit charismatischen Darstellern und absurd-komischen Szenen der Schwäche des oftmals zu verzettelten Plots effektiv Gegensteuer zu geben.

Infos:
“The Man Who Stare At Goats”, USA/Grossbritannien 2009, 94 Min., R: Grant Heslov, D: Ewan McGregor, George Clooney, Jeff Bridges, Kevin Spacey, V: Ascot Elite.
Im Kino ab: 11.03.2010