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    Die Gewinner des Oscartippspiels

    Wettbewerb | 10. März 2010 von Lory Roebuck

    Kathryn Bigelow mit Oscar

    Ich habe bei der diesjährigen Oscarverleihung auf meiner persönlichen Tippliste (die ich im Hinblick auf unseren Wettbewerb nicht publizieren wollte) die Gewinner in 18 von 24 Kategorien richtig vorausgeahnt, also genau 75% getroffen. Der Gewinner unseres Tippspiels hat mich aber übertrumpft: Vor Roland Meiers 19 korrekten Vorhersagen ziehe ich meinen Hut!

    Roland Meier gewinnt somit die drei DVDs, die in unserem Oscarwettbewerb für den besten Tipper in Aussicht gestellt wurden: “The Hurt Locker” plus zwei weitere oscarnominierte Filme nach Wahl (Voraussetzung: die DVDs müssen im Schweizer Handel schon im Verkauf sein). Ich bitte Roland also, sich bei mir mit seinen beiden Wünschen zu melden.

    Auch dem zweit- und drittbesten Tipper habe ich je eine DVD von “The Hurt Locker” als Preis versprochen. Diese gehen an Peter Girsberger (17 Treffer) sowie an Felix Bartos und Samuel Meier (je 16 Treffer). Gratulation! Alle DVDs gehen Ende Woche auf die Post (vorher komme ich auf Grund meiner täglichen Pendlerreisen leider nicht dazu, mich darum zu kümmern).


    Das 3D-Kino füllt Säle und Kassen

    Zuschauerzahlen | 10. März 2010 von Lory Roebuck

    Szenenbild aus "Alice in Wonderland"

    Wachablösung an der Spitze der Besuchercharts, doch das 3-D-Kino bleibt top. James Camerons “Avatar” gehörte am vergangenen Wochenende erstmals seit seiner Veröffentlichung im Dezember nicht zu den zwei meistbesuchtesten Kinofilme in der Deutschschweiz. Platz eins und zwei wurden aktuell zwischen den beiden Neustarts “Alice in Wonderland” und “Shutter Island” ausgemacht.

    Obwohl beide Filme viele Kinogänger vor die Leinwand lockten, verzeichnete Tim Burtons neuestes Fantasywerk mit 55′405 Zuschauern doch deutlich mehr Eintritte als Martin Scorseses starker Psychothriller (33′268 Zuschauer). Der 3D-Trend hält also an: Wie der Verleih mitteilte, entfielen 80 Prozent der Einnahmen (bereits über eine Million Franken!) von “Alice in Wonderland” auf die 3D-Vorstellungen des Films.

    “Alice in Wonderland” ist die erste grössere Kinoproduktion in 3D seit “Avatar” und nimmt James Camerons Werk somit nun viele der immer zahlreicheren, aber doch noch begrenzt vorhandenen, 3D-fähigen Kinosäle weg. So überrascht es nicht, dass der Zuschaueraufmarsch bei “Avatar” im Vergleich zur Vorwoche um fast 35 Prozent zurückgegangen ist (17′693 Besucher letzte Woche, nur noch 11′623 diese).

    Unter den Neustarts dieser Woche wird sehr wahrscheinlich die Starkomödie “The Men Who Stare At Goats” das grösste Publikum anlocken (obwohl sich “Alice in Wonderland” kaum bereits von der Spitze verdrängen lassen wird). Empfehlen möchten wir aber lieber den Besuch von Xavier Dolans beeindruckendem Erstling J’ai tué ma mère” sowie Hans-Christian Schmids politischem Drama “Sturm”.

    Hier noch das vergangene Deutschschweizer Kinowochenende im Gesamtüberblick:

    Deutschschweiz Woche 10: Do 4.3.2010 - So 7.3.2010
    Filmtitel Screens Besucher
    1. “Alice in Wonderland” 69 55405
    2. “Shutter Island” 38 33268
    3. “Avatar” 24 11623
    4. “Up In The Air” 29 9509
    5. “Valentine’s Day” 33 8546
    6. “The Book of Eli” 26 8252
    7. “Sherlock Holmes” 28 6748
    8. “Invictus” 17 5474
    9. “It’s Complicated” 26 5315
    10. “The Ghost Writer” 10 4132
    Totale Zuschauerzahl (Top 10) Deutschschweiz: 148′272

    Zahlen: SFV.


    Rezension: “The Men Who Stare At Goats” von Grant Heslov

    Neu im Kino, Rezensionen | 9. März 2010 von Andreas Weber

    Grant Heslovs Regiedebüt handelt von einer Irrfahrt durch die Wüste Iraks und natürlich Männern, die auf Ziegen starren. Wieso, erfährt man in einer schräg-charmanten, wenn auch im Plot schwächelnden Komödie.

    Der Journalist Bob Wilton (Ewan McGregor) möchte seine gescheiterte Ehe im Trubel des Irakkriegs hinter sich lassen. Doch noch bevor er ins Krisengebiet eingelassen wird, lernt er in seinem Hotel den mysteriösen Lyn Cassady (George Clooney) kennen. Dieser behauptet, als Jedi-Krieger auf geheimer Mission zu sein, und Bob schliesst sich ihm interessiert an. Lyn verlässt sich während des Einsatzes stets nur auf seine Intuition und erzählt Bob von der Spezialeinheit der New Earth Army. Begründet wurde diese von Bill Django (Jeff Bridges), einem Berufssoldaten, der in der Hippie-Bewegung die Grundlage für eine parapsychologische, friedliche Kriegsführung fand. Mit reiner Gedankenkraft soll es etwa möglich sein, das Herz einer Ziege zum Stillstand zu bringen.

    Absurdes
    Als Antikriegs-Satire besitzt “The Man Who Stare At Goats” sicherlich nicht die Schärfe eines “Catch-22″ (1970). Doch zumindest auf der Ebene des Humors geht der Erstling von Regisseur Grant Heslov einen ähnlichen Weg: Das Absurde steht im Mittelpunkt. Absurd erscheint zunächst nur schon, wie überzeugt Clooneys Charakter Lyn von seinen Fähigkeiten ist, obwohl sich diese nach aussen kaum manifestieren. Absurd ist dann auch die Irrfahrt von Lyn und Bob durch die Wüste. Lyns Intuition scheint die beiden bloss immer tiefer in Schwierigkeiten, ja Lebensgefahr zu bringen.

    Unterdessen kommt Bob, und mit ihm das Publikum, nicht umhin zu zweifeln, ob Lyn nicht einfach nur ein Spinner ist. Absurd ist nicht zuletzt ja schon die Grundidee der Jedi-Krieger: die friedliche Kriegsführung. Und genau diese wird gefährdet, als einer der begabteren Schüler Bill Djangos, der von Kevin Spacey maximal grimmig gespielte Larry Hooper, illegale Experimente durchführt, um die parapsychologischen Fähigkeiten auch zur aggressiven Kriegsführung nutzbar zu machen.

    Schwacher Plot, charismatische Darsteller
    Die kuriosen Erlebnisse von Bob und Lyn in der Wüste werden regelmässig von Rückblenden zur Gründung und Glanzzeit der Jedi-Spezialeinheit unterbrochen. Leider verzettelt sich der Plot beim beständigen vor- und zurückspringen gehörig. Man fühlt sich ähnlich orientierungslos wie die beiden Protagonisten im endlosen Sandmeer. Nicht weil das Gebotene so komplex wäre, sondern weil ihm eine einheitliche Ausrichtung fehlt. Rettender Anker sind aber immer wieder die in Einzelszenen gut funktionierenden humoristischen Einlagen und die Darsteller.

    McGregor wirkt in der Rolle des skeptischen und doch faszinierten Journalisten zwar etwas unterfordert, doch Clooney kann sich bei der Darstellung seines mysteriösen und doch so gewöhnlich scheinenden Charakters gut in Szene setzen. Jeff Bridges darf die Gelassenheit seines Dudes in “The Big Lebowski”  (1998) mit einer Prise militärischer Strenge würzen und Spaceys Figur hat zwar äusserliche Ähnlichkeiten mit Adolf Hitler, ist aber sicherlich nicht einfach platter Bösewicht sondern vielmehr ein sehr rücksichtsloser und ambitionierter Mensch.

    Fazit
    “The Man Who Stare At Goats” ist ein vergnüglicher kleiner Film, der bei seiner spielerischen Auseinandersetzung mit dem Krieg nicht unbedingt grosse Tiefen zu erreichen sucht, als Satire ist er dadurch natürlich allzu harmlos. Dafür gelingt es ihm, mit charismatischen Darstellern und absurd-komischen Szenen der Schwäche des oftmals zu verzettelten Plots effektiv Gegensteuer zu geben.

    Infos:
    “The Man Who Stare At Goats”, USA/Grossbritannien 2009, 94 Min., R: Grant Heslov, D: Ewan McGregor, George Clooney, Jeff Bridges, Kevin Spacey, V: Ascot Elite.

    Im Kino ab: 11.03.2010


    Eiserne Armee – Neuer Trailer zu “Iron Man 2″

    Ausblicke, Trailer | 9. März 2010 von Lory Roebuck

    Szenenbild aus dem Trailer zu "Iron Man 2"

    “This doesn’t have to be a one man show.”

    Paramount Pictures und Marvel Entertainment haben den vollen Trailer zu “Iron Man 2″ im Internet veröffentlicht. Der Charme des Teaser Trailers weicht hier mehr Storydetails und mehr BOOM! Das grössere Budget des Superheldensequels gegenüber seinem Vorgänger ist in jeder Einstellung sichtbar:

    Ob Teil zwei trotz seinen vielen neuen Filmfiguren überschaubar und locker bleibt? Zu Robert Downey Jr. als Tony Stark/Iron Man und Gwyneth Paltrow als Pepper Potts (und Don Cheadle als Ersatz für Terrence Howard) gesellen sich neu noch Mickey Rourke, Sam Rockwell und Scarlett Johansson als prominente Nebenfiguren dazu.

    Das allseits bekannte Problem von Comicverfilmungen – vor allem in den Sequels – ist es, zu viele Figuren in der Geschichte unterbringen zu wollen. Auch wenn Comicfans ihre Lieblinge unbedingt sehen wollen, darunter leidet schlussendlich die Erzählstärke des Films (vgl. “Spider-Man 3″).

    Der offizielle Kurzinhalt von “Iron Man 2″:

    Nun, da die ganze Welt weiss, dass Milliardär und Erfinder Tony Stark der gepanzerte Superheld Iron Man ist, wird er von Regierung, Presse und der Öffentlichkeit dazu gedrängt, seine Technologie militärischen Zwecken zur Verfügung zu stellen. Stark befürchtet jedoch, sie könnte in die falschen Hände geraten und weigert sich, die Geheimnisse seiner Iron Man-Rüstung zu enthüllen. Mit Pepper Potts (Gwyneth Paltrow) und James “Rhodey” Rhodes (Don Cheadle) an seiner Seite formt Stark neue Bündnisse und tritt fremden, mächtigen Kräften entgegen, die den Frieden und die Stabilität der Welt gefährden.

    Eine Sammlung hochauflösender Screencaps aus dem Trailer gibt es auf /Film zu finden. Deutschschweizer Kinostart von “Iron Man 2″ ist am 29. April.


    Rezension: “Madly in Love“ von Anna Luif

    Neu im Kino, Rezensionen | 8. März 2010 von Nicky Schaefer

    Anna Luif lässt sich von Bollywood inspirieren – und legt einen zwar interessanten, aber leider völlig misslungenen Gegenentwurf zu „Wanakam“ vor.

    Die alleinerziehende Mutter Leo (Laura Tonke) hat einen neuen Job. Ihren neuen Chef, einen jungen Tamilen namens Devan (Muraleetharan Sandrasegaram), hält sie zuerst für einen einfachen Angestellten. Eine peinliche Situation – doch schon bald freunden sich die zwei an. Ihr Bub darf gar in der tamilischen Mannschaft Fussball spielen – allerdings gegen den Widerstand von einigen älteren tamilischen Herren. Was Leo aber nicht weiss: Devans Hochzeit ist bereits geplant.

    Tandoori Love
    Es muss doch seltsam anmuten, wenn Filmemacherinnen in der Deutschschweiz sich ausgerechnet von Bollywood inspirieren lassen. Der Grund dafür ist wohl, dass es als unschön gilt, einen wirklichen Genrefilm zu machen. Insofern ist diese Wahl denn auch unehrlich. Wirklich problematisch ist aber nun, dass zumindest “Madly in Love” weder als Genrefilm noch als Arthaus-Streifen funktioniert. Der Streifen ist weder wirklich witzig noch romantisch, im Gegensatz zu einem echten Hindi Movie. Trotzdem ist der Film in Sachen Gender doch sehr à l’ancienne, etwa in der Darstellung eines Crossdressers.

    Klischees
    Auch die anderen Figuren wirken klischiert, zugleich aber sind sie nie so witzig wie in einem echten Genrefilm (z.B. „My Big Fat Greek Wedding“, um beim Liebesfilm zu bleiben). Völlig unklar ist auch, weshalb Moni eine Deutsche sein muss – und unpassend wirkt es zudem, wenn der Tamile Devan kaum deutsch spricht. Dies erklärt sich wohl nur daraus, dass in der Schweiz kein passender Schauspieler gefunden wurde. Zwar spielt anders als im Dokumentarfilm „Wanakam“ das Elend der tamilischen Diaspora nur eine untergeordnete Rolle, doch wenn der Rassismus doch zum Vorschein kommt, dann in Gestalt eines (Basler) Hip-Hop-Produzenten. Ausgerechnet? Sicher ist Musik keineswegs immer völkerverbindend – die Musik im Film ist dabei aber sicher eine gelungenere Synthese zwischen Ost und West als der Film selber.

    Potenzial verschenkt
    „Little Girl Blue“, Anna Luifs erster Langspielfilm, war durchaus vielversprechend, wenn auch nicht ganz so gelungen wie der Kurzfilm „Summertime“, mit dem die ungarischstämmige Schweizer Regisseurin debütierte. Leider kommt unter diesen Voraussetzungen Anna Luifs unbestreitbares Talent kein bisschen zur Geltung. Zu wünschen ist eine Rückkehr zum wirklichen Arthaus-Film. Theo Angelopoulos sagte zwar im Gespräch mit Walter Ruggle im Stadtkino Basel, es sei einfacher, Genrefilme zu machen – genau das stimmt aber eben nicht. Egal ob Genrefilm oder Arthaus-Extravaganza – Filme machen ist immer Knochenarbeit. „Schuster bleib bei deinen Leisten“ ist zwar ein Gemeinplatz, aber es ist eben nicht allen vergönnt, sowohl im Genrefilm als auch im Arthaus-Bereich zu brillieren wie Martin Scorsese.

    Infos:
    “Madly in Love”, CH 2009, 82 Min., R: Anna Luif, D: Muraleetharan Sandrasegaram, Laura Tonke, Murali Perumal, Beat Schlatter, V: Filmcoopi Zürich.

    Im Kino ab: 18.03.2010


    “The Hurt Locker” mit sechs Oscars ausgezeichnet

    Aktuelle Themen, Filmauszeichnungen | 7. März 2010 von Lory Roebuck

    Live: Die Oscarverleihung 2010

    Wenige wolltens im Vorfeld glauben, waren überzeugt, dass “Avatar” abräumt. Der grosse Gewinner des Abends ist aber – wie hier prognostiziert – Kathryn Bigelows “The Hurt Locker” mit sechs Oscars: Bester Spielfilm, beste Regie, bestes Originaldrehbuch, bester Schnitt, beste Tonabmischung und bester Tonschnitt.

    James Camerons “Avatar” dagegen nimmt “nur” die drei Auszeichnungen in den Kategorien beste Kamera, beste Ausstattung und beste visuelle Effekte mit nach Hause.

    Je zwei Oscars gingen an “Crazy Heart” (bester Hauptdarsteller und bester Filmsong), “Up” (bester animierter Spielfilm und beste Filmmusik) und “Precious” (beste Nebendarstellerin und bestes adaptiertes Drehbuch).

    Alle Oscargewinner im Überblick:

    Bester Nebendarsteller: Christoph Waltz in “Inglourious Basterds”
    Bester animierter Film: “Up”
    Bester Filmsong: “The Weary Kind” aus “Crazy Heart”
    Bestes Originaldrehbuch: “The Hurt Locker” von Mark Boal
    Bester animierter Kurzfilm: “Logorama”
    Bester Dokumentarkurzfilm: “Music by Prudence”
    Bester Kurzfilm: “The New Tenants”
    Beste Maske: “Star Trek”
    Bestes adaptiertes Drehbuch: “Precious” von Goeffrey Fletcher
    Beste Nebendarstellerin: Mo’Nique in “Precious”
    Beste Ausstattung: “Avatar”
    Beste Kostüme: “The Young Victoria”
    Bester Tonschnitt: “The Hurt Locker”
    Beste Tonabmischung: “The Hurt Locker”
    Beste Kamera: “Avatar”
    Beste Filmmusik: Michael Giacchino für “Up”
    Beste visuelle Effekte: “Avatar”
    Bester Dokumentarfilm: “The Cove”
    Bester Schnitt: “The Hurt Locker”
    Bester fremdsprachiger Film: “El secreto de sus ojos”
    Bester Hauptdarsteller: Jeff Bridges in “Crazy Heart”
    Beste Hauptdastellerin: Sandra Bullock in “The Blind Side”
    Beste Regie: Kathryn Bigelow für “The Hurt Locker”
    Bester Spielfilm: “The Hurt Locker”

    Wer nochmals die gesamte Oscarnacht – Ereignis um Ereignis – miterleben möchte, kann sich nach dem Schnitt den Live-Ticker durchlesen (chronologisch von unten nach oben geordnet, vgl. die Zeitmarkierungen).

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    “Cœur animal” gewinnt Quartz 2010 als bester Schweizer Spielfilm

    Filmauszeichnungen | 6. März 2010 von Lory Roebuck

    Szenenbild aus "Cœur animal"

    Im KKL Luzern wurde heute Abend im Rahmen einer grossen Gala der Schweizer Filmpreis Quartz 2010 verliehen. Obwohl die Zeremonie auf SF1 jetzt (22:37 Uhr) noch läuft, stehen die Gewinner seit rund 21 Uhr fest – und können (teilweise) auf dem Teletext vom Schweizer Fernsehen bereits eingesehen werden.

    So kann man aktuell auf Teletextseite 745 nachlesen, dass nicht Christoph Schaubs Erfolgsfilm “Giulias Verschwinden” – der grosse Favorit – die Auszeichnung für den besten Schweizer Spielfilm des Jahres gewonnen hat, sondern Séverine Cornamusazs – weitaus beeindruckenderes – Regiedebüt “Cœur animal”.

    Das ist eine mutige Wahl, aber vor allem auch die richtige. “Giulias Verschwinden” geht fast jegliche filmische Dimension abhanden: Das Drehbuch von Autor Martin Suter liest sich wie ein Theaterstück, was Schaubs Inszenierung nicht verbergen kann. Solche aufgesetzten Dialoge, egal wie messerscharf, sind in einem Film zum Haareraufen.

    Folgerichtig wurde auch nicht Martin Suter für das beste Drehbuch mit einem Quartz geehrt, sondern Frédéric Mermoud für sein Script zum Westschweizer Spielfilm “Complices”. Genau genommen ging “Giulias Verschwinden” trotz seinen fünf Nominierungen sogar komplett leer aus. Völlig zurecht.

    Ganz im Gegensatz zu diesem “Film” ist “Cœur animal” ein eindringliches Werk mit einer einzigartigen Handschrift – ein psychologisches Kammerspiel, das voll unter die Haut geht. Antonio Buil gewann heute Abend den Quartz als Bester Darsteller, wohl stellvertretend für den Nichtschweizer Olivier Rabourdin, der in der Hauptrolle des Films voll überzeugte.

    Das Aufgebot an Kandidatinnen für den Preis als beste Darstellerin war ungeheuer mager – immerhin gewann nicht Melanie Winiger für ihre unglaubwürdige Darbietung in “Sinestesia”, sondern Marie Leuenberger für ihre Rolle in der schwachen deutschschweizer Komödie “Die Standesbeamtin”.

    In der spannendsten Kategorie ging der Preis für den besten Dokumentarfilm an Vadim Jendreykos “Die Frau mit den 5 Elefanten”. Wer die restlichen Gewinner in Erfahrung bringen möchte, schaut am besten auf der offiziellen Webseite des Schweizer Filmpreises 2010 vorbei.


    Der grosse Oscarausblick

    Aktuelle Themen, Filmauszeichnungen | 5. März 2010 von Urs Arnold

    Welcher Film räumt bei der Oscarverleihung ab?

    In der Nacht auf Montag geht es endlich an die Goldmänner-Vergabe. Der Verleihungs-Marathon im Januar und Februar bestimmte die Favoriten – wir sagen, wer wohl gewinnt – und wer wirklich gewinnen sollte.

    Wird „Avatar“ der diesjährige Oscarüberflieger? Oder heimst „The Hurt Locker“ eine ganze Kiste voller Statuen ein? Wird Österreich temporär zum europäischen Filmland Nr. 1? Mit Bestimmtheit lässt sich vor der Zeremonie im Kodak Theater in Los Angeles nichts sagen, auch wenn sich in einigen Kategorien eindeutige Entscheidungen abzeichnen. Es darf also munter drauflos spekuliert werden.

    BESTER SPIELFILM

    Wer gewinnen wird: „The Hurt Locker“
    Der Wind hat sich gedreht: Vermochte sich „Avatar“ nach dem Triumph an den Golden Globes Mitte Januar in die Favoritenposition zu hieven, so lief ihm „The Hurt Locker“ in der Zwischenzeit diesen Rang ab. Auszeichnungen bei Produzenten- und Regie-Gilden sowie bei den wegweisenden Critics’ Choice Awards (Preis des grössten amerikanischen Filmkritikerverbandes) und zuletzt den BAFTAS sprechen dafür, dass „The Hurt Locker“ „Avatar“ wegbombt. Da sollten auch die leichten Verwirbelungen (Co-Produzent von der Gala ausgeschlossen; Vorwurf des unauthorisierten Verwendung der Geschichte eines Soldaten) nicht ins Gewicht fallen.

    Wer gewinnen sollte: „Inglourious Basterds“
    Ausgleichende Gerechtigkeit wäre es ja, nach der Nichtberücksichtigung von „Wall-E“ 2009 jetzt „Up“ als ersten Animationsfilm in der Hauptkategorie auszuzeichnen. Dies bleibt jedoch wohl genauso ein Wunschdenken wie die Coens ihre Dankesrede halten zu sehen, oder dass das eindrückliche Sozialdrama „Precious“ sich die Krone aufsetzen wird. Keineswegs chancenlos ist hingegen „Inglourious Basterds“. Ein Epos, welches nicht so aufgeblasen wirkt wie „Avatar“ und sich nicht so bierernst mit der Kriegsmaterie auseinandersetzt wie „The Hurt Locker“. Coolness war nie ein einschlägiges Kriterium bei den Oscars. Dieses Jahr hat die Academy aber in „Inglourious Basterds“ einen abgedrehten Film zur Wahl, hinter dem sie stehen könnte.

    BESTE REGIE

    Wer gewinnen wird: Kathryn Bigelow
    Kaum je standen die Chancen besser, dass endlich eine Frau dieses Goldmännchen in den Händen halten könnte. Zuletzt scheiterte Sofia Coppola 2004 mit „Lost in Translation“, und auch nur, weil mit dem dritten Herr-der-Ringe-Teil DER Oscar-Überfilm der 00er-Jahre die Verleihung dominierte. Sollte „Avatar“ nicht zu diesem Überfilm entwickeln (was man im Verlaufe der Gala herauslesen kann), dann wird sich Kathryn Bigelow gegenüber ihrem Ex-Mann James Cameron durchsetzen. Diese Konstellation hätte eigentlich einen eigenen Drama-Oscar verdient.

    Wer gewinnen sollte: Jason Reitman
    „Up In The Air“ war der geschmeidigste Film des letzten Jahres. Ihm Oberflächlichkeit, ja sogar Sterilität vorzuwerfen – was Kritiker auch hierzulande taten – ist die Suche nach dem Riss im perfekten Ei. Jason Reitmans Werk umfasst gerade mal drei Filme. Und doch ist daraus herauszulesen, dass er sich nicht auf Dimensionslosigkeit bequemen mag, so wie es etwa sein Vater Ivan tut. Dass er schwere Themen wie Teenager-Schwangerschaften, die dreckigen Machenschaften der Raucherlobby oder sozial unwürdige Stakkato-Entlassungen nicht als eine einzige griechische Tragödie inszeniert, kann bei der Qualität seiner Filme nicht als Vorwurf durchgehen.

    BESTER HAUPTDARSTELLER

    Wer gewinnen wird: Jeff Bridges
    Am Sonntag wird der Dude endlich Rache nehmen. Jeff Bridges wurde für seine Kultrolle als Kultkiffer im Kultfilm der Coen-Brüder bei den Oscars 1999 gnadenlos übergangen. Jetzt ist er zurück mit Bart und Bauchspeck; dieses Mal aber als knorriger Countrysänger, der seine Erfolglosigkeit im Whiskey ersäuft. Die tragischere Auslegung des Dudes also, und siehe da: schon gewinnt Bridges den Critics’ Choice Award, den SAG-Award und den Golden Globe. Zementiert wird seine Favoritenposition zudem von seiner langen und verdienstvollen Karriere, die ihm bisher vier Oscar-Nominationen einbrachte. Bridges wird die Statue nicht nur für seine Rolle bekommen, sondern auch zu einem gewissen Grad für sein Lebenswerk.

    Wer gewinnen sollte: Colin Firth
    Will jemand wirklich, dass Jeff Bridges nicht gewinnt? Nun, müsste man trotzdem jemand anderes wählen, dann eigentlich Colin Firth. Das filmische Palmarès des Engländers ist hochkarätig, und trotzdem ging er als Nebendarsteller vielfach unter dem Radar durch – zumindest ausserhalb Grossbritanniens. Niemand aber wird sein Gesicht nach „A Single Man“ vergessen, die brechende Stimme und die durchdringende Ermattung der Sinne, als seine Figur am Telefon vom Tod dessen Freundes erfährt. Vielleicht eben doch die stärkste Schauspielerleistung dieses Oscar-Jahrgangs.

    BESTE HAUPTDARSTELLERIN

    Wer gewinnen wird: Sandra Bullock
    Sandra Bullock ist zweifellos einer der grössten weiblichen Hollywood-Stars der letzten 20 Jahre. Als relevante Schauspielkapazität wurde sie jedoch nie wirklich angesehen. Ihr Schwergewicht auf Komödien und Actionfilmen disqualifizierten sie jahrelang auf eine Oscar-Nomination, obschon sie nach ihrem 40. Lebensjahr zunehmend auch dramatische Rollen übernahm. Kaum aber schien es mit ihrer Karriere bergab zu gehen, kommt sie als fürsorgliche Adoptivmutter in „The Blind Side“ zu ausschweifenden Kritiker- und Preisehren. Wieso? Weil Bullock in diesem eher mittelmässigen Film mehr heraussticht als sonst. Weil sie in ihrer Figur ihr Comedy-Talent leicht mitschwingen lassen darf, ohne dabei den Ernst der Filmthematik einzuengen. Und auch, weil dieses Jahr extreme Schauspielleistungen wie etwa die von Charlize Theron in „Monster“ ausblieben.

    Wer gewinnen sollte: Meryl Streep
    Natürlich: Carey Mulligan war wunderbar in „An Education“. Trotzdem wäre es an der Zeit, Meryl Streep zu dem zu machen, was sie ist: Die herausragende Schauspielerin ihrer Generation. Wer 16 Mal für den Oscar nominiert ist, und davon elf Mal für die Hauptrolle, der hat diesen Titel mehr als verdient. Leider aber scheitert Streep seit nunmehr 27 Jahren an der 2-Oscar-Barriere. 1983 gewann sie ihre zweite Statue für „Sophie’s Choice“. Danach waren immer andere dran, ob verdient oder nicht. Sicherlich wünschte man sich für den Ritterschlag eine etwas zwingendere Rolle als die der TV-Köchin in „Julie & Julia“. Auch stehen selbst herausragende Leistungen bei den Oscars auf dem Abstellgleis, sind sie in Komödien erbracht worden. Trotzdem: Gegen eine Ehrung von Meryl Streep könnte kaum jemand etwas einwenden.

    BESTER NEBENDARSTELLER

    Wer gewinnen wird: Christoph Waltz
    Er spielte schon Roy Black und in so ziemlich jeder deutschen Krimiserie, die es gibt und gab. Christoph Waltz galt lange als fleissige Schauspieler-Biene, der man vornehmlich an TV-Bildschirmen bei der Arbeit zuschauen konnte. Dann aber lud ihn Tarantino zum Schnitzelessen ein – der Rest ist Geschichte. Waltz holte sich als polyglotter SS-Oberst Hans Landa völlig zu Recht den Darstellerpreis in Cannes und später alle weitere erdenklichen relevanten Filmpreise. Dabei beschritt Waltz in seiner Rollenauslegung einen schmalen Grat: Einen durchtriebenen Nazi-Schergen so zu spielen, dass man sogar so etwas wie Sympathie für ihn entwickeln kann, geht wohl nur durch, wenn der Regisseur Tarantino heisst. Der Oscar ist Waltz nicht zu nehmen.

    Wer gewinnen sollte: Woody Harrelson
    Der Wirbel um Waltz kann Woody Harrelson nur Recht sein. Der Mann mit dem kräftigen Unterkiefer holte sich klangheimlich seine zweite Nomination nach „The People vs. Larry Flint“ 1997. In „The Messenger“ spielt er brilliant einen Soldaten, der Todesmeldungen den Angehörigen überbringt. Äusserlich kalt und für keine Gefühle empfänglich, innerlich zerrissen und verstört. Dass „The Messenger“ nie bei uns lief, ist eine Enttäuschung, scheint doch die Thematik dieses Dramas auch hierzulande nachvollziehbar. Ein verdienter Oscargewinn von Woody Harrelson könnte den Film doch noch zu uns bringen.

    BESTE NEBENDARSTELLERIN

    Wer gewinnen wird: Mo’Nique
    Wir haben ja schon viele Rabenmütter auf der Leinwand gesehen. Mit welcher tiefen Gemeinheit aber Mo’Niques Figur in „Precious“ handelt, liess niemanden kalt. Auch nicht die Jurys der verschiedenen Filmpreise – wo Mo’Nique nominiert war, wurde sie auch ausgezeichnet. Zugute kommt ihr, dass ihre Rolle psychologisch und spielerisch weitaus die markanteste aller Kandidaten ist. Was will da eine Diane Kruger dagegen stellen?

    Wer gewinnen sollte: Vera Farmiga
    Die 80er-Fönfrisur täuscht nicht darüber hinweg, dass Alex Goran in „Up In The Air“ eine hochfliegende Geschäftsfrau der heutigen Zeit ist. Solche Geschäftsfrauen empfinden exklusive Airline-Karten als sexy und sehen Affären als Einpendelung der Work-Life-Balance an. Und doch ist von dieser Alex weit mehr zu erkennen als eine hochpolierte Fassade, und das hat auch mit dem differenzierten Spiel von Vera Farmiga zu tun. Farmiga flösst der selbstbewussten Businessdame mit der Zeit mehr und mehr geerdete Menschlichkeit ein. Und zeigt, wie wir uns in Personen doch täuschen können.

    BESTER FREMDSPRACHIGER FILM

    Wer gewinnen wird: „Das weiße Band“
    Österreich könnte gross an den Oscars abräumen, mit Waltz als bestem Nebendarsteller und Christian Berger als bestem Kameramann. Zudem ist „Das weiße Band“ nach Auszeichnungen in Cannes, den Globes und den BAFTAS Favorit in der Sparte „Bester Fremdsprachiger Film“. Der Austria-Fraktion stösst es indes bitter auf, dass der Film als deutscher Beitrag ins Rennen geht. Lange war nicht klar, ob X-Filme Creative Pool oder die österreichische Wega Film den majoritären Produktionanteil stellte. Schlussendlich entschied jedoch die schnellere Einreichung der German Films Service + Marketing GmbH den Streit. Nach dem kürzlichen Gewinn der Trophäe 2008 ist es jedenfalls wohl nicht von Nachteil, dass am Film nicht das Austria-Etikett hängt.

    Wer gewinnen sollte: „Un prophète“
    17 Jahre ist es her, seit das erklärte Filmland Frankreich den letzten Oscar für den besten fremdsprachigen Film erhalten hat. Nach „Entre les murs“ 2009 rüsteten unsere westlichen Nachbarn auf und schicken sozusagen den Kandidaten 2.0 ins Rennen: Dringlicher als „Un prophète“, dieses mehrstrukturische Meisterwerk von einem Gefängnisfilm, kann ein Oscaranwärter also wirklich nicht mehr sein. Sollte „Un prophète“ nicht gewinnen, dann nur, weil er im falschen Jahr antritt und sich an „Das weiße Band“ aufreibt, welcher im Vorfeld die bedeutenden Preise gewann. Oder weil die Academy eben doch keinen Filmgeschmack hat.


    Retrospektive: “Naked Youth” (1960) von Nagisa Oshima

    Retrospektiven | 5. März 2010 von Lory Roebuck

    "Naked Youth" von Nagisa Oshima

    Retrospektive mal anders: Wie ich am Dienstag angekündigt habe, arbeite ich derzeit für SF Box Office, dem Kinomagazin des Schweizer Fernsehens. In der Sendung vom Mittwoch wurde mein allererster TV-Beitrag ausgestrahlt: Ich habe Nagisa Oshimas japanischen Filmklassiker “Naked Youth” als DVD-Tipp vorgestellt.

    Ich binde meinen Beitrag via SF-Videoportal hier ein:

    “Naked Youth” handelt von einem jungen Liebespaar, das sich sein Geld mit kleinen Gaunereien verdient und immer weiter in die Kriminalität abrutscht: Mako (Miyuki Kuwano) lässt sich nachts von fremden Herren nach Hause begleiten – wird einer zudringlich, taucht Kiyoshi (Yusuke Kawazu) auf, um den alten Widerling zusammenzuhauen und auszunehmen. Eine folgenschwere Masche.

    Japanische Nouvelle Vague
    Im Film geht es um Rebellion und Aufbruch – sowohl inhaltlich als auch filmhistorisch. Regisseur Nagisa Oshima, ein Geistesverwandter Godards und anderer Figuren der französischen nouvelle vague, setzte sich 1960 in seinem zweiten Spielfilm “Naked Youth” mit einer desillusionierten Jugend auseinander, die sich gegen die japanische Gesellschaft der Nachkriegszeit auflehnte. Oshima brach mit Studiokonventionen und überholten Erzählformen, in dem er mit Handkameras auf die Strasse ging und mit zynischem Blick die harte Realität ins Auge fasste.

    Das muss man gesehen haben: Stark, wie der Film zwischen jugendlicher Auflehnung und kriminellem Absturz eine fesselnde Spannung aufbaut, die sich regelmässig in Gewalt und Sex entlädt. Wunderbar, wie sich Oshimas Figuren mit einer sinnlichen Rohheit immer wieder gegeneinander aufreiben. Genial, wie die Radikalität von «Naked Youth» bis heute noch nachhallt.

    Infos:
    “Seishun zankoku monogatari”, Japan 1960, 96 Min., R: Nagisa Oshima, D: Yusuke Kawazu, Miyuki Kuwano, Yoshiko Kuga, Fumio Watanabe, V: Trigon.

    Box Office
    Falls jemand durch meinen Beitrag auf den Geschmack gekommen ist: Auf der Homepage von SF Box Office werden derzeit  fünf DVDs von “Naked Youth” verlost. Dort kann man sich übrigens auch die gesamte Sendung vom Mittwoch nochmals anschauen (vorgestellt werden auch “Shutter Island” und “Alice in Wonderland”) oder als Podcast abonnieren.

    Wer Box Office lieber nochmals vor dem Fernseher schauen möchte, beachtet bitte die folgenden Wiederholungstermine der Sendung:

    Fr 9.15 Uhr auf SF info
    Fr 10.45 Uhr auf SF info
    Fr 12.15 Uhr auf SF info
    Fr 13.45 Uhr auf SF info
    Fr 21.50 Uhr auf SF zwei
    Sa 16.45 Uhr auf SF zwei
    So 15.35 Uhr auf SF info

    Die Erstaustrahlung von Box Office ist jeweils Mittwochs um 23:30 Uhr auf SF1.


    Rezension: “Alice In Wonderland” von Tim Burton

    Neu im Kino, Rezensionen | 4. März 2010 von Nicky Schaefer

    Rezension: "Alice In Wonderland" von Tim Burton

    Nach James Cameron versucht sich nun auch Tim Burton des Mediums 3-D-Film – mit dem für ihn typischen Charme adaptiert er Lewis Carroll. Als Disney-Produktion musste das makabere Element aber etwas abgeschwächt werden.

    Alice (Mia Wasikowska) ist eine aufgeweckte junge Frau – trotzdem soll sie mit einem verstopften Aristokraten vermählt werden. Bei ihrer Verlobung ergreift sie die Flucht – in ein wunderbares Land, das sie schon von einem früheren Besucht kennt. Sie wird dort, in der Unterwelt, in den Kampf zwischen der bösen roten Königin Iracebeth (Helena Bonham Carter) und der guten weissen Königin Mirana (Anne Hathaway) eingespannt – unterstützt vom verrückten Hutmacher (Johnny Depp), der Grinsekatze (Cheshire Cat) und vielen anderen.

    Plädoyer für die Fantasie
    „Alice in Wonderland“ ist nicht der erste Film, den Tim Burton für Disney gedreht hat – „Ed Wood“ war beispielsweise eine Touchstone-Produktion. Auf den ersten Blick mag das verwundern; schliesslich haben Burton-Filme wie „Sleepy Hollow“ oder „Sweeney Todd“ nur wenig gemein mit dem familienfreundlichen Duktus der meisten Disney-Produktionen. Andererseits war Tim Burton schon immer ein Filmemacher, der sich im Zweifelsfall für die Fantasie entschieden hat – man denke etwa an „Big Fish“, in dem das reale Leben bewusst ausgeblendet wird. Angefangen hat Burton seine Karriere zudem bei Disney als in-between artist. „Alice in Wonderland“ ist nun aber tatsächlich der erste (aber wohl nicht der letzte) Burton-Film, der unter dem Label Disney in die Kinos kommt.

    Burton light
    „Alice in Wonderland“ ist nun verglichen mit anderen Burton-Filmen sicherlich eher harmlos; andererseits hat der Film doch alles, was einen Burton-Film ausmacht – nicht zuletzt dank den hervorragenden SchauspielerInnen, allen voran natürlich Johnny Depp als Mad Hatter und Helena Bonham Carter als Red Queen. In weiteren Nebenrollen sind u.a. Stephen Fry, Crispin Glover, Michael Sheen, Timothy Spall, Matt Lucas („Little Britain“) und Alan Rickman zu sehen (bzw. zu hören) – ein beeindruckendes Aufgebot an britischem Schauspieltalent. Aber auch die Newcomerin Mia Wasikowska (bald als Jane Eyre in einer Neuverfilmung von Charlotte Brontës Literaturklassiker zu sehen) als Alice weiss zu überzeugen.

    Rebellische Alice
    Das Medium 3-D kommt in „Alice in Wonderland“ immer wieder zum Tragen; naturgemäss eignet sich dieses für fantastische Stoffe (man denke auch an „Avatar“). Anders als bei „Avatar“ steht hier die neue Technologie aber nicht im Mittelpunkt – gleichzeitig hat man nie das Gefühl, es handle sich nur um einen billigen Gimmick, wie etwa bei „My Bloody Valentine“. Tim Burton nutzt 3-D, um seiner fantastischen Vision eine neue Dimension zu verleihen. In einem gewissen Sinne ist es zudem besonders passend, das in „Alice in Wonderland“ die neue und verbesserte 3-D-Vision eingesetzt wurde: Am Schluss wird nämlich klar, dass Alice auch für das Business ihres verhinderten Schwiegervaters ganz neue Ideen in petto hat.

    Infos:
    “Alice in Wonderland”, USA 2010, 108 Min., R: Tim Burton, D: Johnny Depp, Mia Wasikowska, Helena Bonham Carter, Anne Hathaway, Crispin Glover, Matt Lucas, Stephen Fry, Michael Sheen, Alan Rickman, Timothy Spall, V: WDSMP.

    Im Kino ab: 04.03.2010