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    Filmchef Nicolas Bideau tritt zurück

    Aktuelle Themen, Schweizer Film | 7. Mai 2010 von Lory Roebuck

    Rücktritt: Nicolas Bideau, der Leiter der Sektion Film im Bundesamt für Kultur

    Nicolas Bideau, der Leiter der Sektion Film im Bundesamt für Kultur (BAK), hat per Ende Jahr den Rücktritt von seinem Amt bekannt gegeben, wie das BAK in einer Medienmitteilung heute bestätigt.

    Bideau ist seit 2005 Schweizer Filmchef. Er stand immer wieder im Kreuzfeuer der Kritik, weil sein Konzept zur Förderung nationaler Filmprojekte nur mangelnden Erfolg nach sich zog.

    Bideaus Rücktrittsankündigung fällt in eine Periode, in der gerade die neue schweizweite Filmförderungspolitik für die Jahre 2011 bis 2013 ausgearbeitet wird (vgl. Artikel aus Solothurn).

    Das BAK leitet das Auswahlverfahren für die Nachfolge von Bideau in die Wege, der ab 2012 die Leitung der Bundesagentur Präsenz Schweiz im Generalsekretariat des EDA übernimmt.


    “Space Tourists” am Sundance Film Festival geehrt

    Filmauszeichnungen, Schweizer Film | 1. Februar 2010 von Lory Roebuck

    "Space Tourists" am Sundance Film Festival geehrt

    Der Schweizer Christian Frei hat für seinen Dokumentarfilm “Space Tourists” am Sonntag am Sundance Twentyten den Regiepreis in der Dokkategorie gewonnen. Das von Robert Redford gegründete Sundance Film Festival gilt in den USA als das wichtigste Event für unabhängige Filmemacher.

    Frei geht in “Space Tourists” der Frage nach, was von der Raumfahrt, dem Traum des 20. Jahrhunderts, heute noch übrig bleibt. Das gelungene Werk debütierte vergangenen September am Zurich Film Festival, startete Mitte Oktober in den Schweizer Kinos an und ist nun für den Schweizer Filmpreis Quartz 2010 nominiert.

    Freis Film und Pipilotti Rists “Pepperminta” waren die einzigen beiden Schweizer Vertreter am Sundance Twentyten. “Space Tourists” trat im internationalen Dokumentarfilmwettbewerb gegen elf andere Doks an, der Jurypreis ging in dieser Kategorie an den dänischen Film “The Red Chapel”.

    Der Hauptpreis des Sundance Film Festivals ging dieses Jahr an das Drama “Winter’s Bone”, dass die Geschichte eines Mädchens aus dem Ozarkgebirge erzählt, das nach ihrem verschwunden Vater sucht. Neben dem Grossen Jurypreis wurde der Film von Debra Granik auch für sein Drehbuch ausgezeichnet.


    Die Nominierungen für den Schweizer Filmpreis 2010

    Filmauszeichnungen, Schweizer Film | 28. Januar 2010 von Lory Roebuck

    Der Film "Giulias Verschwinden" mit Bruno Ganz (r.) ist in fünf Kategorien für den Schweizer Filmpreis Quartz 2010 nominiert

    Im Rahmen einer geschlossenen Veranstaltung gab gestern das Bundesamt für Kultur (BAK) nach einer Eröffnungsrede vom neuen Bundesrat und Kulturminister Didier Burkhalter an den Solothurner Filmtagen die Nominierungen für den Schweizer Filmpreis Quartz 2010 bekannt.

    Für die Nominierten steht ein Preisgeld von insgesamt 375′000.- Franken zur Verfügung, sie wurden in den acht Kategorien (Spielfilm, Dokumentarfilm, Kurzfilm, Darsteller, Nachwuchstalent, Drehbuch und Filmmusik) auf Empfehlung der von Fredi M. Murer präsidierten Schweizer Filmakademie gewählt.

    Gleich für fünf Preise wurde Christoph Schaubs Erfolgsfilm “Giulias Verschwinden” vorgeschlagen, nämlich für den besten Darsteller (Bruno Ganz), die beste Darstellerin (Sunnyi Melles), die beste Filmmusik (Balz Bachmann), das beste Theaterst…, äh, Drehbuch (Martin Sutter) und natürlich für den besten Spielfilm.

    Ebenfalls als bester Spielfilm nominiert sind Séverine Cornamusazs weitaus besserer Film “Cœur animal”, Bettina Oberlis “Tannöd”, Frédéric Mermouds “Complices” – und überraschenderweise auch die gründlich misslungene Science-Fiction Produktion “Cargo” von Ivan Engler und Ralph Etter.

    Das Stirnrunzeln geht gleich weiter: Melanie Winiger ist als Beste Darstellerin nominiert. Wenn ihre Darbietung in “Sinestesia” zu den drei besten weiblichen Schauspielleistungen des Jahres in einer Schweizer Produktion gehört, ist das wirklich ein Armutszeugnis für das Filmland Schweiz.

    Vergeblich sucht man auch nach einer Berücksichtigung von “Cœur animal”-Hauptdarsteller Olivier Rabourdin; an seiner Stelle wurde immerhin Antonio Buil (der in Cornamusazs Film den Spanischen Gastarbeiter spielt) für den Darstellerpreis nominiert – neben Bruno Ganz und Roeland Wiesnekker (“Der Fürsorger”).

    Nun sind aber auch Marie Leuenberger,  Jennifer Mulinde-Schmid (beide für “Die Standesbeamtin”) und eben Sunnyi Melles (“Giulias Verschwinden”) für Darstellerpreise nominiert – und so fällt langsam auf, dass der Schweizer Filmpreis dieses Jahr wohl eine reine PR-Übung ist. Stars statt Talent.

    Weitaus spannender und gerechter sehen die Nominierungen für den besten Dokumentarfilm aus, der hierzulande sowieso einen grösseren Stellenwert besitzt als der Schweizer Spielfilm: “Die Frau mit den 5 Elefanten”, “Rocksteady”, “Sounds and Silence”, “Space Tourists” und “The Sound of Insects” konkurrieren um diese Auszeichnung.

    Die Preisverleihung findet am 6. März im Rahmen einer Galaveranstaltung im Kultur- und Kongresszentrum KKL Luzern statt. Moderiert wird das Event von Monika Schärer (SF Box Office), während das Schweizer Fernsehen wie letztes Jahr wieder eine “lange Nacht des Schweizer Films” programmiert.

    Die vollständige Liste der Nominierungen folgt nach dem Sprung:

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    Der Bund über das neue Filmförderungskonzept

    Aktuelle Themen, Schweizer Film | 27. Januar 2010 von Lory Roebuck

    BAK-Filmchef Nicolas Bideau (2. v. r.) informiert an den Solothurner Filmtagen über die Filmförderung des Bundes

    Was die Schweizer Filmszene betrifft, bin ich zwar mit (noch) keinem Service Public beauftragt – weil ich am Montag an den Solothurner Filmtagen aber der eineinhalbstündigen Informationsveranstaltung über die Filmförderungskonzepte des Bundesamts für Kultur beigesessen bin, will ich meine Notizen dazu an dieser Stelle trotzdem noch verarbeiten.

    In Anbetracht meines verstaubten français konnte ich den Ausführungen von BAK-Filmchef Nicolas Bideau nicht immer ganz folgen; zusätzlichen Rat geholt habe ich mir deshalb in den korrespondierenden Berichten der Solothurner Zeitung und des Tages Anzeigers. Es ist aber keineswegs so, dass etwas weltbewegendes verlautbart worden wäre.

    Angesetzt war die Besprechung des Konzepts für die Filmförderung in den Jahren 2011 bis 2013, orientiert wurde aber hauptsächlich über die von verschiedenen Arbeitsgruppen vorgenommene Evaluation des bestehenden Konzepts der Periode 2006 bis 2010, auf deren Grundlage das neue Modell verbessert – aber nicht grundlegend verändert – werden soll.

    Statt dem von Festivaldirektor Ivo Kummer totgesagten “Popularité et qualité” heisst das Mantra jetzt “Vielfalt und Qualität”, und während der Filmkredit des Bundes um 1,7 Millionen Franken auf 47 Millionen Franken erhöht wird, soll in Zukunft vermehrt dem filmschaffenden Nachwuchs und der zunehmenden Digitalisierung Rechnung getragen werden.

    Konkrete Ergebnisse werden erst im April erwartet, vorerst vertröstete die Evaluationsbeautragte Anne-Catherine de Perrot von Pro Helvetia mit der Eisbergmetapher, die vor Augen halten soll, dass Aussenstehende eh nichts vom operativen, wichtigsten Teil der Filmförderung verstehen. Gleichzeitig wurde aber mehr Transparenz versprochen.

    Ob die bisherige Filmförderung gelungen sei, wurde hinterher aus dem Publikum gefragt – symptomatisch dafür, dass hier über eine Evaluation genau dieses Themas informiert wurde, ohne dass aber bereits brauchbare Resultate vorlägen. Immerhin wissen wir jetzt, dass Fördergesuche für Spielfilme in den letzten Jahren stagniert und solche für Dokfilme zugenommen haben.

    Die Frage wurde jedenfalls in bester Politmanier beantwortet bzw. umgangen: Die bisherige Filmförderung funktioniere, sie habe aber Schwachstellen. Diese machte Thomas Geiser, Professor für Privat- und Handelsrecht an der Uni St. Gallen, vor allem in der Phase zwischen der Fertigstellung eines Drehbuchs und ihrer filmischen Umsetzung aus.

    Faktisch aufbereitet wird das Ganze in den nächsten Tagen auf der Webseite des Bundesamts für Kultur. Verzichtet habe ich am Tag nach dieser Orientierungsveranstaltung auf die Medienkonferenz zum verstärkten Engagement des Migros Kulturprozents. Die relevanten Infos dazu hat aber Kollege Sennhauser auf seinem Filmblog zusammengetragen.

    (Foto ©Eddymotion)


    Sundance und die Schweiz

    Filmfestivals, Schweizer Film | 7. Dezember 2009 von Lory Roebuck

    Das Sundance Film Festival in Salt Lake City, Utah

    Das Sundance Filmfestival im US-amerikanischen Salt Lake City ist eines der international wichtigsten neben Cannes, Berlin und Venedig. Unter dem Vorsitz von Robert Redford avancierte es ab 1981 zu einem der bedeutendsten Plattformen für unabhängige Filmproduktionen aus der ganzen Welt.

    Sundance verhalf Filmemachern wie Quentin Tarantino, Kevin Smith, Robert Rodriguez, Marc Forster oder Jim Jarmusch zum Durchbruch und brachte Filme wie “The Blair Witch Project” (1999), “Donnie Darko” (2001), “Saw” (2004) oder zuletzt “Little Miss Sunshine” (2006) ins breite Licht der Öffentlichkeit.

    2010 sind auch zwei Schweizer Filme am Sundance Twentyten vertreten, das zwischen dem 21. und 31. Januar stattfindet. Christian Freis “Space Tourists” tritt im internationalen Dokumentarfilmwettbewerb gegen elf andere Doks an, die aus 782 Einsendungen ausgewählt wurden.

    Neben Frei ist Pipilotti Rist mit ihrem Film “Pepperminta” in der Reihe New Frontier nach Sundance eingeladen. Die Videokünstlerin aus Grabs zeigt ausserdem ihre Video-Installation “Lungenflügel”. Die Schweiz wurde letztmals 2007 durch Andrea Stakas “Das Fräulein” am Sundance repräsentiert.

    Mehr oder weniger parallel zu Sundance Twentyten strahlt das Schweizer Fernsehen in ihrer Reihe Delikatessen zwischen dem 7. Dezember und dem 9. Februar einige Independentperlen aus, die in den vergangenen Jahren am Festival gespielt wurden. Alle Filme werden zum ersten Mal überhaupt bei uns zu sehen sein.

    Dazu gehören u.a. das Drama “We Don’t Live Here Anymore” mit Mark Ruffalo, Laura Dern und Naomi Watts, die Satire “Towelhead” von “American Beauty”-Autor Allan Ball, der Western “The Proposition” nach einem Drehbuch von Nick Cave und mit Guy Pearce in der Hauptrolle, aber auch Filme wie “The Squid and the Whale”, “Once” und “Hustle & Flow”.

    Den Anfang macht aber in wenigen Minuten “Red Road”. Der erste Spielfilm von “Fish Tank”-Regisseurin Andrea Arnold läuft heute Nacht (7. Dezember) um 23.10 Uhr auf SF zwei. In zwei Wochen (am 21. Dezember) folgt zur selben Uhrzeit der Fantasyfilm “MirrorMask” und am 4. Januar der wunderschöne Musikfilm “Once” mit Glen Hansard und Marketa Irglova.


    Erste Informationen zum Schweizer Filmpreis 2010

    Filmauszeichnungen, Schweizer Film | 27. November 2009 von Lory Roebuck

    Der Schweizer Filmpreis "Quartz"

    Wie ich bei Kollege Thomas Hunziker auf Filmsprung.ch erfahren habe, hat das Bundesamt für Kultur (BAK) diese Woche erstmals über den Schweizer Filmpreis Quartz 2010 orientiert. Wie bereits im Frühjahr dieses Jahres sollen die höchsten Auszeichnungen für das nationale Filmschaffen in einer Galaveranstaltung am 6. März 2010 im KK Luzern vergeben werden.

    Wieder werden die Nominierungen in den acht Kategorien Bester Spielfilm, Bester Dokumentarfilm, Bester Kurzfilm, Bestes Drehbuch, Beste Darstellerin, Bester Darsteller, Bestes schauspielerisches Nachwuchstalent und Beste Filmmusik im Rahmen der Solothurner Filmtage am 27. Januar 2010 bekannt gegeben. Dazu kommt nächstes Jahr auch ein Spezialpreis der Jury.

    Die Mitglieder der Nominationskommission sind Frédéric Choffat (Regisseur), Myriam Flury (Cutterin), Corinna Glaus (Casting), Ivo Kummer (Festivaldirektor), Kurt Mäder (Produzent), Stéphane Mitchell (Drehbuchautorin), Mariano Morace (Filmkritiker), Alexandra Prusa (Schauspielerin) und Elena Tatti (Produzentin).

    Dass das Nominationsverfahren in Zusammenarbeit mit der Schweizer Filmakademie stattfindet, ist neu. Das BAK wollte schon nach dem Quartz 2009 die Durchführung des Schweizer Filmpreises an die von Regisseur Fredi M. Murer (”Vitus”) präsidierte Filmakademie abtreten, diese wollte aber ursprünglich davon absehen (vgl. unser Bericht vom 27. Mai).

    Inzwischen hat die Filmakademie eine Übergangslösung des BAK angenommen, nach der die Stiftung Swiss Films in Zusammenarbeit mit der Filmakademie in Zukunft die Organistion des Filmpreises und die Koordination des Nominierungsverfahrens übernimmt. Es ist dies ein vernünftiger Schritt, der das BAK von Entscheidungsprozessen an Filmen distanzieren soll, die der Bund selber gefördert hatte.

    Das Schweizer Fernsehen hatte am 7. März 2009 die Verleihung des Schweizer Filmpreises 2009 im Rahmen eines zehnstündigen Spezialprogramms übertragen. Ob für 2010 wieder eine “lange Nacht der Schweizer Films” ansteht, die dem TV-Publikum das nationale Filmschaffen und die nominierten Filme näherbringen soll, ist bislang noch ungewiss.


    Schweizer Oscarvertreter wird im Jura bestimmt

    Filmauszeichnungen, Schweizer Film | 13. August 2009 von Lory Roebuck

    Der Schweizer Oscarvertreter wird im Jura ausgewählt

    Der Oscar ist der prestigeträchtigste Filmpreis der Welt, doch weil sich die Mitgliederschaft der Academy of Motion Picture Arts and Sciences hauptsächlich aus Amerikanern zusammensetzt, die ihre Preise fast nur an einheimische Werke verteilen, bleiben internationale Produktionen bei der Oscarverleihung oft auf der Strecke.

    Einzig in der Kategorie des Besten fremdsprachigen Films konkurrieren jedes Jahr fünf nicht-anglophone Kinofilme um eine Goldstatue. Für diese Kategorie sind aber nicht alle Filmproduktionen aus allen Staaten ausserhalb der USA qualifiziert; stattdessen muss/darf jedes Land einen nationalen Vertreter auswählen und ihn für eine Beachtung durch die Academy einreichen.

    Hierzulande findet die Vorauswahl für den Schweizer Vertreter an den Oscars neu anlässlich einer Spezialwoche statt, in deren Verlauf die insgesamt neun Kandidaten-Filme nochmals öffentlich aufgeführt werden. Vom 15. bis 19. September werden sie in den Kinos von Delémont laufen und auch anderswo im Jura zahlreichen Schulklassen gezeigt.

    Die Bewertung übernimmt eine vom Bundesamt für Kultur eingesetzte Jury aus unabhängigen Experten; auch das Publikum erhält eine beratende Stimme. Der Film, der die Schweiz im Jahr 2010 in Kalifornien repräsentiert, reist direkt von Delémont nach Hollywood.

    Die Initiative hat sich mit der Aktion zum Ziel gesetzt, die Wahl des Schweizer Oscarkandidaten grösser zu mediatisieren und die Jura-Region mit einer Veranstaltung von schweizweiter Beachtung zu fördern. Ausserdem sollen Schweizer Filme mit den Schulaufführungen ein zukünftiges Filmpublikum erreichen.

    Die neun Kandidaten für den Schweizer Oscarbeitrag 2009 sind:

    • “Marcello Marcello” von Denis Rabaglia
    • “Home” von Ursula Meier
    • “Die Standesbeamtin” von Micha Lewinsky
    • “Happy New Year” von Christoph Schaub
    • “Pepperminta” von Pipilotti Rist
    • “Dirty Money - l’infiltré” von Dominique Othenin-Girard
    • “Luftbusiness” von Dominique De Rivaz
    • “Nomad’s Land” von Gaël Metroz
    • “Die Frau mit den 5 Elefanten” von Vadim Jendreyko

    Weitere Informationen und eine Liste der Jurymitglieder stehen auf delemont-hollywood.ch zur Verfügung.


    Kein rettendes Ufer für Steiners “Sennentuntschi”?

    Aktuelle Themen, Schweizer Film | 29. Juni 2009 von Lory Roebuck

    Filmszene aus Michael Steiners "Sennentuntschi"

    Neue Wasserstandsmeldung betreffend “Sennentuntschi”: Die Rettung ist ausser Sichtweite gerückt, das hochverschuldete Filmprojekt des Schweizer Regisseurs Michael Steiner (”Grounding”, “Mein Name ist Eugen”) droht abzusaufen. Weil jetzt sogar der Bund seine Subventionen zurückfordert, droht die Produktion noch weiter in Schulden abzusinken.

    Laut dem Tages Anzeiger arbeiteten die vielen Geldgeber des Films zusammen mit den Koproduzenten an einer Auffanggesellschaft, unter deren Einwirkung das Bundesamt für Kultur (BAK), die Zürcher Filmstiftung, die SRG und das Schweizer Fernsehen nochmals rund eine Million Franken einbringen sollten, um die Fertigstellung von “Sennentuntschi” zu gewährleisten.

    Am Freitag sind aber scheinbar die Gespräche zur Rettung des Films geplatzt. In der SonntagsZeitung erhoben gestern Andres Brütsch, Vizepräsident der Zürcher Filmstiftung, und Alberto Chollet von der SRG schwere Vorwürfe gegen den Filmchef des Bundes, Nicolas Bideau. Bideau wird wegen seiner “Verschleppungstaktik” (Brütsch) für das Scheitern der Verhandlungen verantwortlich gemacht und agiere “überfordert und hilflos” (Chollet).

    Bideau soll ohne Rücksprache einen alternativen Rettungsplan entworfen haben, obwohl es Anzeichen dafür gegeben hatte, dass sich die Verhandlungspartner auf ein Modell zur Rettung des noch unfertigen Films bald einigen würden. Der Filmchef liess seine Partner kurz vor den abschliessenden Gesprächen am Freitag wissen, dass über die Produktionsfirma zuerst ein Konkursverfahren eröffnet werden müsse, bevor man über die Rettung von “Sennentuntschi” verhandeln könne.

    Bei der Zürcher Filmstiftung tippt man auf Inkompetenz seitens des BAK: “Die Sektion Film”, glaubt Brütsch, “weiss zu wenig genau, was in einer Krisensituation ihre Aufgaben sind. (Sie) kennt ihre rechtlichen Kompetenzen nicht - oder erst jetzt, nach beinahe fünf Monaten der Verhandlungen.” Bideau hat nun überraschend erklärt, dass der Bund von Steiners Firma Kontraproduktion ihre bereits ausbezahlten Subventionen zurückfordert. Der Schuldenbetrag von “Sennentuntschi” dürfte dabei auf über 3 Millionen Franken ansteigen.

    Bideau wehrte sich gegen die ihm angelasteten Vorwürfe: “Ich bin sehr erstaunt, wie die Vertreter der anderen Förderstellen meinen Spielraum beim Bund einschätzen.” Das BAK unterliege als staatliche Behörde “anderen rechtlichen und wirtschaftlichen Zwängen als die privaten Geldgeber.” Bideau sei von den vorliegenden Rettungsplänen nicht überzeugt gewesen, weil sie in rechtlicher und finanzieller Hinsicht zu vieles nicht geregelt hätten.

    Ein wenig Hoffnung für “Sennentuntschi” gibt es aber weiterhin. Brütsch und die Zürcher Filmstiftung wollen mit der SRG, dem Schweizer Fernsehen und den Koproduzenten des Films ihre Rettungsbemühungen vorantreiben. Auch mit dem BAK soll eine Lösung gefunden werden. Denn letztlich seien sich Brütsch und Bideau in einer Sache einig: “Sennentuntschi” soll so gerettet werden, dass auch die Kleingläubiger zu ihrem Recht kommen - und Steiner muss seinen Film fertigstellen können, “unter Bedingungen, die auch für ihn in Ordnung sind.”


    Das Bundesamt für Kultur will den Schweizer Filmpreis künftig nicht mehr organisieren

    Aktuelle Themen, Schweizer Film | 27. Mai 2009 von Lory Roebuck

    Die Gewinner des Schweizer Filmpreises 2009: Domique Jann, Kacey Mottet Klein und Céline Bolomey

    Das Bundesamt für Kultur (BAK) fordert, die Schweizer Filmakademie solle in Zukunft die Verleihung des Schweizer Filmpreises selber organisieren, wie aus einem Bericht der SDA hervorgeht.

    Der Schweizer Filmpreis wurde erstmals im Jahre 1998 anlässlich der Solothurner Filmtage vergeben. Die Preisverleihung wurde bisher immer vom BAK ausgerichtet, in Zusammenarbeit mit den Partnern Swiss Films, SRG SSR idée suisse und den drei Filmfestivals in Solothurn, Locarno und Nyon.

    In einem Brief erklärte BAK-Direktor Jean-Frédéric Jauslin, das BAK sei bereit, “die Filmakademie in ihrem Willen zu unterstützen, den Schweizer Filmpreis für die Jahre 2010-2011 selber zu organisieren.” Dazu meint aber der Akademiepräsident und Regisseur Fredi M. Murer (”Vitus”): “Die Filmakademie beabsichtigte zu keiner Zeit, den Schweizer Filmpreis zu organisieren.”

    Das BAK zeigt sich gewillt, weiterhin für die Preisgelder für die künftigen Nominierten und Gewinner aufzukommen, wenn die Schweizer Filmakademie die Preisverleihung selber in die Hand nimmt. Der Vorstand der Filmakademie will aber seine Mitglieder an einer Versammlung am Freitag in Bern dazu aufrufen, den Vorschlag der BAK zurückzuweisen.

    Die Organisation des Filmpreises soll nach dem Willen des Vorstands von den Solothurner Filmtagen und dem Branchenverband Cinésuisse übernommen werden. Es heisst, die Exponenten der Solothurner Filmtage seien “grundsätzlich bereit”. Das BAK dagegen hat scheinbar auch die Promotionsgesellschaft SWISS FILMS (die jährlichen Organisatoren der Kurzfilmnacht) zu einem Vorschlag aufgefordert.

    Der Schweizer Filmpreis “Quartz” wurde dieses Jahr erstmals im Rahmen einer grossen Gala im KK Luzern verliehen, die von SRG SSR idée suisse ausgerichtet wurde. Obwohl das Medieninteresse relativ gross war (SF widmete dem Anlass in der “langen Nacht des Schweizer Films” ein zehnstündiges Programmfenster), scheint der “Schweizer Oscar” bei der nationalen Bevölkerung nur einen geringen Stellenwert zu besitzen.


    Wie kann Steiners “Sennentuntschi” gerettet werden?

    Aktuelle Themen, Schweizer Film | 30. März 2009 von Lory Roebuck

    "Sennentuntschi" von Michael Steiner

    Laut SonntagsZeitung steht die Schweizer Filmproduktion “Sennentuntschi” mit 2.8 Millionen Franken in der Kreide. Regisseur Michael Steiner und sein ausführender Produzent Stephan Barth halten dagegen: Das Budget von 5.5. Millionen Franken sei nur um 4.5 Prozent überschritten und die Subventionen vom Bundesamt für Kultur (1 Million) sauber verwaltet worden. Der Kostenrahmen sei nicht gesprengt worden.

    Das Loch in der Kasse wird unter anderem mit dem Abspringen eines französischen Koproduzents begründet. Zudem fliessen bestimmte Fördergelder, beispielsweise von Eurimages, erst nach Produktionsabschluss, und fallende Preise bedeuteten sinkende Einnahmen aus dem Vorverkauf.

    Steiner und Barth wehren sich gegen das vermeintliche Aus ihres Filmprojekts. Eine rund 100-minütige Rohfassung des Films besteht bereits; ein Darlehen von 1.5 Millionen Franken würde reichen, um den Film diesen Herbst im Kino anlaufen zu lassen. Steiner ist deshalb auf der Suche nach Geldgebern, die bei seiner verschuldeten, aber bisher sehr erfolgreichen Firma Kontraproduktion einsteigen.

    Sollten “Sennentuntschi” oder zukünftige Projekte nur annähernd so erfolgreich sein wie Steiners “Mein Name ist Eugen” oder “Grounding”, würde sich die Investition lohnen, ist der Regisseur überzeugt. Steiner misst “Sennentuntschi” ausserdem auch international Erfolgsaussichten zu. Der Film über drei Alphirten, die sich eine Ersatzfrau basteln, die lebendig wird und sich für ihre Demütigung rächt, sei Stoff für einen Late Night Film, der auch ausserhalb der Schweiz funktioniere.