
Im Basler Pathé Küchlin bin ich gestern Abend zusammen mit Freunden in die einzigartige Filmwelt von James Camerons “Avatar” eingetaucht – bereits zum vierten Mal, aber es wurde ein ganz neues Erlebnis daraus. Während alle Welt gerade die Vorzüge des 3D-Kinos kennenlernt, machten wir schon mit der vierten Dimension Bekanntschaft.
Etwa zwei Drittel der Filmvorstellung waren durch, als Colonel Quaritch mit seiner Streitmacht das Feuer auf die Na’vi eröffnet und “Avatar” seinen emotionalen und explosionsartigen Höhepunkt erreicht. Die Eingeborenen werden von ihrer Stätte vertrieben, ihr riesiger Heimatbaum wird in die Luft gejagt, links und rechts fliegen die Fetzen.
Die Szene ist so gewaltig, dass abseits der Leinwand selbst der Kinosaal in Mitleidenschaft gezogen wird. Das Bild wird plötzlich schwarz, die Lichter gehen abrupt an – per Lautsprecher ist eine Durchsage zu hören: Ein ernstes technisches Problem liegt vor, alle Zuschauer sollen den Saal unverzüglich über den Notausgang verlassen.
Die Meldung wird zwar ruhig und sachlich verlautbart, weil es aber zum Schluss noch heisst, man soll auf keinen Fall den Lift benutzen, sind aus der gemächlich herausströmenden Menschenmenge bald einmal Sätze wie “Do brennts dängg neume” zu hören, die wohl nur halbironisch gemeint sind.
Wie ernst ist die Lage? Die Meisten gehen hinten zum Gebäude raus und schnurstracks vorne wieder rein, um nachzufragen, was denn los sei. Die Angestellten sind aber genauso ratlos. Eine Logenbedienerin meint, sie sei in den Hauptsaal rein und plötzlich waren alle ihre Gäste weg gewesen. Die anderen sieben Säle sind nicht betroffen.
Kriegen wir ein neues Ticket? Geht der Film doch noch weiter? In Ermangelung an Auskunft begeben sich die ersten Besucher wieder an ihre Plätze. Zwei Telefongespräche mit dem Kinomanager später ist die Sache geklärt: Fehlalarm! Alle Zuschauer können wieder unbesorgt in den Saal hinein, die Vorführung geht gleich weiter.
Um zehn Minuten zurückgespult reisst “Avatar” wieder alle in seinen Bann. Hat das Intermezzo dem Erlebnis einen Abbruch getan? Keinesfalls. Von Bekannten zum Besuch dieses bahnbrechenden Films mit den Bildern von morgen angespornt, können die Gäste dieser Vorstellung nun behaupten, sie hätten sogar schon das 4D-Kino von übermorgen erlebt!