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    “The Hurt Locker” mit sechs Oscars ausgezeichnet

    Aktuelle Themen, Filmauszeichnungen | 7. März 2010 von Lory Roebuck

    Live: Die Oscarverleihung 2010

    Wenige wolltens im Vorfeld glauben, waren überzeugt, dass “Avatar” abräumt. Der grosse Gewinner des Abends ist aber – wie hier prognostiziert – Kathryn Bigelows “The Hurt Locker” mit sechs Oscars: Bester Spielfilm, beste Regie, bestes Originaldrehbuch, bester Schnitt, beste Tonabmischung und bester Tonschnitt.

    James Camerons “Avatar” dagegen nimmt “nur” die drei Auszeichnungen in den Kategorien beste Kamera, beste Ausstattung und beste visuelle Effekte mit nach Hause.

    Je zwei Oscars gingen an “Crazy Heart” (bester Hauptdarsteller und bester Filmsong), “Up” (bester animierter Spielfilm und beste Filmmusik) und “Precious” (beste Nebendarstellerin und bestes adaptiertes Drehbuch).

    Alle Oscargewinner im Überblick:

    Bester Nebendarsteller: Christoph Waltz in “Inglourious Basterds”
    Bester animierter Film: “Up”
    Bester Filmsong: “The Weary Kind” aus “Crazy Heart”
    Bestes Originaldrehbuch: “The Hurt Locker” von Mark Boal
    Bester animierter Kurzfilm: “Logorama”
    Bester Dokumentarkurzfilm: “Music by Prudence”
    Bester Kurzfilm: “The New Tenants”
    Beste Maske: “Star Trek”
    Bestes adaptiertes Drehbuch: “Precious” von Goeffrey Fletcher
    Beste Nebendarstellerin: Mo’Nique in “Precious”
    Beste Ausstattung: “Avatar”
    Beste Kostüme: “The Young Victoria”
    Bester Tonschnitt: “The Hurt Locker”
    Beste Tonabmischung: “The Hurt Locker”
    Beste Kamera: “Avatar”
    Beste Filmmusik: Michael Giacchino für “Up”
    Beste visuelle Effekte: “Avatar”
    Bester Dokumentarfilm: “The Cove”
    Bester Schnitt: “The Hurt Locker”
    Bester fremdsprachiger Film: “El secreto de sus ojos”
    Bester Hauptdarsteller: Jeff Bridges in “Crazy Heart”
    Beste Hauptdastellerin: Sandra Bullock in “The Blind Side”
    Beste Regie: Kathryn Bigelow für “The Hurt Locker”
    Bester Spielfilm: “The Hurt Locker”

    Wer nochmals die gesamte Oscarnacht – Ereignis um Ereignis – miterleben möchte, kann sich nach dem Schnitt den Live-Ticker durchlesen (chronologisch von unten nach oben geordnet, vgl. die Zeitmarkierungen).

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    “Cœur animal” gewinnt Quartz 2010 als bester Schweizer Spielfilm

    Filmauszeichnungen | 6. März 2010 von Lory Roebuck

    Szenenbild aus "Cœur animal"

    Im KKL Luzern wurde heute Abend im Rahmen einer grossen Gala der Schweizer Filmpreis Quartz 2010 verliehen. Obwohl die Zeremonie auf SF1 jetzt (22:37 Uhr) noch läuft, stehen die Gewinner seit rund 21 Uhr fest – und können (teilweise) auf dem Teletext vom Schweizer Fernsehen bereits eingesehen werden.

    So kann man aktuell auf Teletextseite 745 nachlesen, dass nicht Christoph Schaubs Erfolgsfilm “Giulias Verschwinden” – der grosse Favorit – die Auszeichnung für den besten Schweizer Spielfilm des Jahres gewonnen hat, sondern Séverine Cornamusazs – weitaus beeindruckenderes – Regiedebüt “Cœur animal”.

    Das ist eine mutige Wahl, aber vor allem auch die richtige. “Giulias Verschwinden” geht fast jegliche filmische Dimension abhanden: Das Drehbuch von Autor Martin Suter liest sich wie ein Theaterstück, was Schaubs Inszenierung nicht verbergen kann. Solche aufgesetzten Dialoge, egal wie messerscharf, sind in einem Film zum Haareraufen.

    Folgerichtig wurde auch nicht Martin Suter für das beste Drehbuch mit einem Quartz geehrt, sondern Frédéric Mermoud für sein Script zum Westschweizer Spielfilm “Complices”. Genau genommen ging “Giulias Verschwinden” trotz seinen fünf Nominierungen sogar komplett leer aus. Völlig zurecht.

    Ganz im Gegensatz zu diesem “Film” ist “Cœur animal” ein eindringliches Werk mit einer einzigartigen Handschrift – ein psychologisches Kammerspiel, das voll unter die Haut geht. Antonio Buil gewann heute Abend den Quartz als Bester Darsteller, wohl stellvertretend für den Nichtschweizer Olivier Rabourdin, der in der Hauptrolle des Films voll überzeugte.

    Das Aufgebot an Kandidatinnen für den Preis als beste Darstellerin war ungeheuer mager – immerhin gewann nicht Melanie Winiger für ihre unglaubwürdige Darbietung in “Sinestesia”, sondern Marie Leuenberger für ihre Rolle in der schwachen deutschschweizer Komödie “Die Standesbeamtin”.

    In der spannendsten Kategorie ging der Preis für den besten Dokumentarfilm an Vadim Jendreykos “Die Frau mit den 5 Elefanten”. Wer die restlichen Gewinner in Erfahrung bringen möchte, schaut am besten auf der offiziellen Webseite des Schweizer Filmpreises 2010 vorbei.


    Der grosse Oscarausblick

    Aktuelle Themen, Filmauszeichnungen | 5. März 2010 von Urs Arnold

    Welcher Film räumt bei der Oscarverleihung ab?

    In der Nacht auf Montag geht es endlich an die Goldmänner-Vergabe. Der Verleihungs-Marathon im Januar und Februar bestimmte die Favoriten – wir sagen, wer wohl gewinnt – und wer wirklich gewinnen sollte.

    Wird „Avatar“ der diesjährige Oscarüberflieger? Oder heimst „The Hurt Locker“ eine ganze Kiste voller Statuen ein? Wird Österreich temporär zum europäischen Filmland Nr. 1? Mit Bestimmtheit lässt sich vor der Zeremonie im Kodak Theater in Los Angeles nichts sagen, auch wenn sich in einigen Kategorien eindeutige Entscheidungen abzeichnen. Es darf also munter drauflos spekuliert werden.

    BESTER SPIELFILM

    Wer gewinnen wird: „The Hurt Locker“
    Der Wind hat sich gedreht: Vermochte sich „Avatar“ nach dem Triumph an den Golden Globes Mitte Januar in die Favoritenposition zu hieven, so lief ihm „The Hurt Locker“ in der Zwischenzeit diesen Rang ab. Auszeichnungen bei Produzenten- und Regie-Gilden sowie bei den wegweisenden Critics’ Choice Awards (Preis des grössten amerikanischen Filmkritikerverbandes) und zuletzt den BAFTAS sprechen dafür, dass „The Hurt Locker“ „Avatar“ wegbombt. Da sollten auch die leichten Verwirbelungen (Co-Produzent von der Gala ausgeschlossen; Vorwurf des unauthorisierten Verwendung der Geschichte eines Soldaten) nicht ins Gewicht fallen.

    Wer gewinnen sollte: „Inglourious Basterds“
    Ausgleichende Gerechtigkeit wäre es ja, nach der Nichtberücksichtigung von „Wall-E“ 2009 jetzt „Up“ als ersten Animationsfilm in der Hauptkategorie auszuzeichnen. Dies bleibt jedoch wohl genauso ein Wunschdenken wie die Coens ihre Dankesrede halten zu sehen, oder dass das eindrückliche Sozialdrama „Precious“ sich die Krone aufsetzen wird. Keineswegs chancenlos ist hingegen „Inglourious Basterds“. Ein Epos, welches nicht so aufgeblasen wirkt wie „Avatar“ und sich nicht so bierernst mit der Kriegsmaterie auseinandersetzt wie „The Hurt Locker“. Coolness war nie ein einschlägiges Kriterium bei den Oscars. Dieses Jahr hat die Academy aber in „Inglourious Basterds“ einen abgedrehten Film zur Wahl, hinter dem sie stehen könnte.

    BESTE REGIE

    Wer gewinnen wird: Kathryn Bigelow
    Kaum je standen die Chancen besser, dass endlich eine Frau dieses Goldmännchen in den Händen halten könnte. Zuletzt scheiterte Sofia Coppola 2004 mit „Lost in Translation“, und auch nur, weil mit dem dritten Herr-der-Ringe-Teil DER Oscar-Überfilm der 00er-Jahre die Verleihung dominierte. Sollte „Avatar“ nicht zu diesem Überfilm entwickeln (was man im Verlaufe der Gala herauslesen kann), dann wird sich Kathryn Bigelow gegenüber ihrem Ex-Mann James Cameron durchsetzen. Diese Konstellation hätte eigentlich einen eigenen Drama-Oscar verdient.

    Wer gewinnen sollte: Jason Reitman
    „Up In The Air“ war der geschmeidigste Film des letzten Jahres. Ihm Oberflächlichkeit, ja sogar Sterilität vorzuwerfen – was Kritiker auch hierzulande taten – ist die Suche nach dem Riss im perfekten Ei. Jason Reitmans Werk umfasst gerade mal drei Filme. Und doch ist daraus herauszulesen, dass er sich nicht auf Dimensionslosigkeit bequemen mag, so wie es etwa sein Vater Ivan tut. Dass er schwere Themen wie Teenager-Schwangerschaften, die dreckigen Machenschaften der Raucherlobby oder sozial unwürdige Stakkato-Entlassungen nicht als eine einzige griechische Tragödie inszeniert, kann bei der Qualität seiner Filme nicht als Vorwurf durchgehen.

    BESTER HAUPTDARSTELLER

    Wer gewinnen wird: Jeff Bridges
    Am Sonntag wird der Dude endlich Rache nehmen. Jeff Bridges wurde für seine Kultrolle als Kultkiffer im Kultfilm der Coen-Brüder bei den Oscars 1999 gnadenlos übergangen. Jetzt ist er zurück mit Bart und Bauchspeck; dieses Mal aber als knorriger Countrysänger, der seine Erfolglosigkeit im Whiskey ersäuft. Die tragischere Auslegung des Dudes also, und siehe da: schon gewinnt Bridges den Critics’ Choice Award, den SAG-Award und den Golden Globe. Zementiert wird seine Favoritenposition zudem von seiner langen und verdienstvollen Karriere, die ihm bisher vier Oscar-Nominationen einbrachte. Bridges wird die Statue nicht nur für seine Rolle bekommen, sondern auch zu einem gewissen Grad für sein Lebenswerk.

    Wer gewinnen sollte: Colin Firth
    Will jemand wirklich, dass Jeff Bridges nicht gewinnt? Nun, müsste man trotzdem jemand anderes wählen, dann eigentlich Colin Firth. Das filmische Palmarès des Engländers ist hochkarätig, und trotzdem ging er als Nebendarsteller vielfach unter dem Radar durch – zumindest ausserhalb Grossbritanniens. Niemand aber wird sein Gesicht nach „A Single Man“ vergessen, die brechende Stimme und die durchdringende Ermattung der Sinne, als seine Figur am Telefon vom Tod dessen Freundes erfährt. Vielleicht eben doch die stärkste Schauspielerleistung dieses Oscar-Jahrgangs.

    BESTE HAUPTDARSTELLERIN

    Wer gewinnen wird: Sandra Bullock
    Sandra Bullock ist zweifellos einer der grössten weiblichen Hollywood-Stars der letzten 20 Jahre. Als relevante Schauspielkapazität wurde sie jedoch nie wirklich angesehen. Ihr Schwergewicht auf Komödien und Actionfilmen disqualifizierten sie jahrelang auf eine Oscar-Nomination, obschon sie nach ihrem 40. Lebensjahr zunehmend auch dramatische Rollen übernahm. Kaum aber schien es mit ihrer Karriere bergab zu gehen, kommt sie als fürsorgliche Adoptivmutter in „The Blind Side“ zu ausschweifenden Kritiker- und Preisehren. Wieso? Weil Bullock in diesem eher mittelmässigen Film mehr heraussticht als sonst. Weil sie in ihrer Figur ihr Comedy-Talent leicht mitschwingen lassen darf, ohne dabei den Ernst der Filmthematik einzuengen. Und auch, weil dieses Jahr extreme Schauspielleistungen wie etwa die von Charlize Theron in „Monster“ ausblieben.

    Wer gewinnen sollte: Meryl Streep
    Natürlich: Carey Mulligan war wunderbar in „An Education“. Trotzdem wäre es an der Zeit, Meryl Streep zu dem zu machen, was sie ist: Die herausragende Schauspielerin ihrer Generation. Wer 16 Mal für den Oscar nominiert ist, und davon elf Mal für die Hauptrolle, der hat diesen Titel mehr als verdient. Leider aber scheitert Streep seit nunmehr 27 Jahren an der 2-Oscar-Barriere. 1983 gewann sie ihre zweite Statue für „Sophie’s Choice“. Danach waren immer andere dran, ob verdient oder nicht. Sicherlich wünschte man sich für den Ritterschlag eine etwas zwingendere Rolle als die der TV-Köchin in „Julie & Julia“. Auch stehen selbst herausragende Leistungen bei den Oscars auf dem Abstellgleis, sind sie in Komödien erbracht worden. Trotzdem: Gegen eine Ehrung von Meryl Streep könnte kaum jemand etwas einwenden.

    BESTER NEBENDARSTELLER

    Wer gewinnen wird: Christoph Waltz
    Er spielte schon Roy Black und in so ziemlich jeder deutschen Krimiserie, die es gibt und gab. Christoph Waltz galt lange als fleissige Schauspieler-Biene, der man vornehmlich an TV-Bildschirmen bei der Arbeit zuschauen konnte. Dann aber lud ihn Tarantino zum Schnitzelessen ein – der Rest ist Geschichte. Waltz holte sich als polyglotter SS-Oberst Hans Landa völlig zu Recht den Darstellerpreis in Cannes und später alle weitere erdenklichen relevanten Filmpreise. Dabei beschritt Waltz in seiner Rollenauslegung einen schmalen Grat: Einen durchtriebenen Nazi-Schergen so zu spielen, dass man sogar so etwas wie Sympathie für ihn entwickeln kann, geht wohl nur durch, wenn der Regisseur Tarantino heisst. Der Oscar ist Waltz nicht zu nehmen.

    Wer gewinnen sollte: Woody Harrelson
    Der Wirbel um Waltz kann Woody Harrelson nur Recht sein. Der Mann mit dem kräftigen Unterkiefer holte sich klangheimlich seine zweite Nomination nach „The People vs. Larry Flint“ 1997. In „The Messenger“ spielt er brilliant einen Soldaten, der Todesmeldungen den Angehörigen überbringt. Äusserlich kalt und für keine Gefühle empfänglich, innerlich zerrissen und verstört. Dass „The Messenger“ nie bei uns lief, ist eine Enttäuschung, scheint doch die Thematik dieses Dramas auch hierzulande nachvollziehbar. Ein verdienter Oscargewinn von Woody Harrelson könnte den Film doch noch zu uns bringen.

    BESTE NEBENDARSTELLERIN

    Wer gewinnen wird: Mo’Nique
    Wir haben ja schon viele Rabenmütter auf der Leinwand gesehen. Mit welcher tiefen Gemeinheit aber Mo’Niques Figur in „Precious“ handelt, liess niemanden kalt. Auch nicht die Jurys der verschiedenen Filmpreise – wo Mo’Nique nominiert war, wurde sie auch ausgezeichnet. Zugute kommt ihr, dass ihre Rolle psychologisch und spielerisch weitaus die markanteste aller Kandidaten ist. Was will da eine Diane Kruger dagegen stellen?

    Wer gewinnen sollte: Vera Farmiga
    Die 80er-Fönfrisur täuscht nicht darüber hinweg, dass Alex Goran in „Up In The Air“ eine hochfliegende Geschäftsfrau der heutigen Zeit ist. Solche Geschäftsfrauen empfinden exklusive Airline-Karten als sexy und sehen Affären als Einpendelung der Work-Life-Balance an. Und doch ist von dieser Alex weit mehr zu erkennen als eine hochpolierte Fassade, und das hat auch mit dem differenzierten Spiel von Vera Farmiga zu tun. Farmiga flösst der selbstbewussten Businessdame mit der Zeit mehr und mehr geerdete Menschlichkeit ein. Und zeigt, wie wir uns in Personen doch täuschen können.

    BESTER FREMDSPRACHIGER FILM

    Wer gewinnen wird: „Das weiße Band“
    Österreich könnte gross an den Oscars abräumen, mit Waltz als bestem Nebendarsteller und Christian Berger als bestem Kameramann. Zudem ist „Das weiße Band“ nach Auszeichnungen in Cannes, den Globes und den BAFTAS Favorit in der Sparte „Bester Fremdsprachiger Film“. Der Austria-Fraktion stösst es indes bitter auf, dass der Film als deutscher Beitrag ins Rennen geht. Lange war nicht klar, ob X-Filme Creative Pool oder die österreichische Wega Film den majoritären Produktionanteil stellte. Schlussendlich entschied jedoch die schnellere Einreichung der German Films Service + Marketing GmbH den Streit. Nach dem kürzlichen Gewinn der Trophäe 2008 ist es jedenfalls wohl nicht von Nachteil, dass am Film nicht das Austria-Etikett hängt.

    Wer gewinnen sollte: „Un prophète“
    17 Jahre ist es her, seit das erklärte Filmland Frankreich den letzten Oscar für den besten fremdsprachigen Film erhalten hat. Nach „Entre les murs“ 2009 rüsteten unsere westlichen Nachbarn auf und schicken sozusagen den Kandidaten 2.0 ins Rennen: Dringlicher als „Un prophète“, dieses mehrstrukturische Meisterwerk von einem Gefängnisfilm, kann ein Oscaranwärter also wirklich nicht mehr sein. Sollte „Un prophète“ nicht gewinnen, dann nur, weil er im falschen Jahr antritt und sich an „Das weiße Band“ aufreibt, welcher im Vorfeld die bedeutenden Preise gewann. Oder weil die Academy eben doch keinen Filmgeschmack hat.


    Wettbewerb: Wer gewinnt bei den Oscars?

    Filmauszeichnungen, Wettbewerb | 4. März 2010 von Lory Roebuck

    Gewinnspiel: Wer gewinnt einen Oscar?

    In der Nacht von Sonntag auf Montag (7.-8. März) geht im Kodak Theater in Los Angeles die alljährliche Oscarverleihung über die Bühne. Im Rahmen dieser 82. Academy Awards – der Filmpreis schlechthin – veranstalten wir hier auf cineast.ch das klassische Oscar-Gewinnspiel:

    Aus der Liste aller für einen Oscar nominierten Filme und Filmschaffenden unten wählt ihr in jeder einzelnen Kategorie euren Favoriten (z.B. Bester Film: Avatar, Bester Schauspieler: George Clooney etc.). Wer die meisten richtigen Gewinner tippt, gewinnt drei DVDs in folgender Kombination:

    1. “The Hurt Locker”: Der Geheimfavorit bei der diesjährigen Oscarverleihung ist gleichzeit auch der Film unter den zehn Best Picture Nominierten, den am wenigsten Zuschauer (auch in der Schweiz) überhaupt gesehen haben. Für den Gewinner unseres Tippspiels wird sich das ändern.
    2. &   3. Zwei DVDs von oscarnominierten Filmen nach Wahl – die Selektionen des Gewinners müssen sich aber auf die Nominierten dieser Verleihung sowie auf Filme, die in der Schweiz bereits auf DVD erhältlich sind, beschränken (z.B. “Inglourious Basterds” und “Up”).

    Bei diesem Wettbewerb soll diesmal nicht nur ein Teilnehmer gewinnen, sondern auch die beiden Personen mit den zweit- bzw. drittmeisten korrekten Vorhersagen. Für die TipperInnen auf Platz zwei und drei gibt es jeweils eine DVD von “The Hurt Locker” nach Hause (oder ins Büro) geschickt.

    Schickt eure Tippliste mitsamt eurer Anschrift an:

    Hier klicken um an der Verlosung teilzunehmen

    Teilnahmeberechtigt sind Personen mit einer Anschrift in der Schweiz (das darf auch eine Geschäftsadresse sein). Über den Wettbewerb wird keine Korrespondenz geführt. Die Gewinner werden schriftlich benachrichtigt. Wie üblich ist der Rechtsweg ausgeschlossen. Teilnahmeschluss ist Sonntag, 7. März, 23:59 Uhr.

    Die Oscarverleihung beginnt zwischen 2 und 3 Uhr nachts. Ich habe vor, die Veranstaltung mit Live-Updates auf cineast.ch zu verfolgen – also online augenblicklich die Wahlen der Academy zu kommentieren, hochzujubeln und/oder zu verdammen. Ihr seid alle natürlich herzlich eingeladen, mit der Kommentarfunktion live mitzudiskutieren.

    Nach dem Schnitt findet ihr die Liste aller oscarnominierten Filme, aus denen ihr eure Tipps zusammenstellen sollt:

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    9 Césars für “Un prophète”, 2 für Tahar Rahim

    Filmauszeichnungen | 1. März 2010 von Lory Roebuck

    Tahar Rahim

    Eine Woche vor der Oscarverleihung wurden in Frankreich die César-Filmpreise verliehen. Grosser Gewinner war erwartungsgemäss und verdientermassen Jacques Audiards Gefängnisthriller “Un prophète”, der nicht weniger als neun Mal ausgezeichnet wurde, darunter in den Kategorien bester Spielfilm, beste Regie und bestes Originaldrehbuch.

    Ein kleines Kunststück gelang dem 28-jährigen Tahar Rahim, der in “Un prophète” einen jungen Insassen spielt, der in Haft zum Gangsterboss aufsteigt: Als erster Schauspieler überhaupt gewann er für dieselbe Rolle gleich zwei Césars – den als bester Hauptdarsteller und den als bestes Nachwuchstalent.

    Audiards Film war ausserdem in den Kategorien bester Nebendarsteller (Niels Arestrup), beste Kamera, bester Schnitt und beste Ausstattung erfolgreich. Einen César als beste Hauptdarstellerin gewann Isabelle Adjani (”La journée de la jupe”), während Emmanuelle Devos (”A l’origine”) als beste Nebendarstellerin ausgezeichnet wurde.

    Der César für den besten ausländischen Film ging indes an Clint Eastwoods Drama “Gran Torino”. Auch der Ehren-César wurde einem Amerikaner Zuteil: “Indiana Jones”-Star Harrison Ford. Eric Rohmer, der im Januar verstorbene Gründungsvater der Nouvelle Vague, wurde mit einer besonderen Hommage geehrt.

    Hier ein Übersicht aller Gewinner des wichtigsten französischen Filmpreises:

    Bester Film: “Un prophète”
    Beste Regie: Jacques Audiard für “Un prophète”
    Bester Hauptdarsteller: Tahar Rahim in “Un prophète”
    Beste Hauptdarstellerin: Isabelle Adjani für “La journée de la jupe”
    Bester Nebendarsteller: Niels Arestrup “Un prophète”
    Beste Nebendarstellerin: Emmanuelle Devos für “A l’origine”
    Bester Nachwuchsdarsteller: Tahar Rahim für “Un prophète”
    Beste Nachwuchsdarstellerin: Mélanie Thierry for “Le dernier pour la route”
    Bestes Spielfilmdebüt: “Les beaux gosses”
    Bestes Originaldrehbuch: “Un prophète”
    Bestes adaptiertes Drehbuch: “Mademoiselle Chambon”
    Beste Musik: “Le concert”
    Bester Ton: “Le concert”
    Beste Ausstattung: “Un prophète”
    Beste Kostüme: “Coco avant Chanel”
    Beste Kamera: “Un prophète”
    Bester Schnitt: “Un prophète”
    Bester ausländischer Film: “Gran Torino”
    Bester Dokumentarfilm: “L’enfer de Henri-Georges Clouzot”

    “Un prophète” tritt an der Oscarverleihung (7. März) im Rennen um die Auszeichnung als bester fremdsprachiger Film gegen Michael Hanekes (genauso brilliantes) Drama “Das weiße Band” an. Beide Filme wurden letzten Sommer in Cannes uraufgeführt, Hanekes Film gewann die Goldene Palme, Audiards den grossen Preis der Jury.


    “The Hurt Locker” gewinnt 6 BAFTAs

    Filmauszeichnungen | 22. Februar 2010 von Lory Roebuck

    Szenenbild aus "The Hurt Locker"

    Der Siegeszug von “The Hurt Locker” hält an: Kathryn Bigelows Kriegsthriller wurde von der Britischen Filmakademie (BAFTA) sechsfach ausgezeichnet, darunter als bester Spielfilm und für die beste Regie. Mitfavorit “Avatar” gewann nur in den Kategorien beste Spezialeffekte und bestes Produktionsdesign.

    Bigelow ist die erste Frau, die den Regiepreis der BAFTA gewinnt. Auch bei den Academy Awards hat bislang noch keine Regisseurin gewonnen, was sich in der Nacht vom 7. März ändern dürfte. Bigelows Ex-Ehemann James Cameron wird in dieser Kategorie für “Avatar” kaum noch Chancen zugemessen.

    “The Hurt Locker” wurde von der BAFTA ausserdem in den Kategorien bestes Originaldrehbuch, beste Kamera, bester Schnitt und bester Ton ausgezeichnet. Bigelows Film gewann schon die Preise der amerikanischen Director’s Guild und Producer’s Guild und dürfte bei den Oscars wohl ähnlich abräumen.

    Bei den Schauspielern wurden mit Colin Firth (“A Single Man”) und Carey Mulligan (“An Education”) von der BAFTA zwei einheimische Darsteller ausgezeichnet; favorisiert für die Oscars sind aber wohl nach wie vor die beiden Amerikaner Jeff Bridges (“Crazy Heart”) und Sandra Bullock (“The Blind Side”).

    Ein Überblick der BAFTA-Gewinner folgt nach dem Schnitt:

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    “Shutter Island” wäre ein Oscaranwärter gewesen

    Ausblicke, Filmauszeichnungen | 19. Februar 2010 von Lory Roebuck

    Sir Ben Kingsley, Leonardo Di Caprio, Martin Scorsese und Mark Ruffalo auf dem Set zu "Shutter Island"

    Nachdem ich heute Martin Scorseses mit Spannung erwartetes neues Werk sehen konnte, lege ich mich fest: “Shutter Island” hätte die Oscars 2010 aufgemischt. Der Film war nicht mehr für die diesjährige Verleihung der Academy Awards qualifiziert, nachdem sein ursprünglicher Kinostart letzten Oktober ins neue Jahr verschoben wurde.

    Der Hintergrund war, dass es sich sein Verleiher Paramount Pictures trotz Kassenschlagern wie “Star Trek” und “Transformers: Revenge of the Fallen” nicht leisten konnte, für “Shutter Island”eine aufwändige Promotionskampagne (Kostenpunkt ca. $50 Mio.) für die anstehende Oscarzeremonie und andere Filmauszeichnungen durchzuführen (vgl. Bericht).

    “Shutter Island” hätte sich aber problemlos im (dieses Jahr von 5 auf 10 Anwärter erweiterte) Feld der Kinoproduktionen eingereiht, die am 7. März um den Oscar  für den besten Spielfilm des Jahres wetteifern. Sein Platz wäre wohl auf Kosten von “The Blind Side” oder “District 9″ gegangen, den beiden grössten Aussenseitern in der Hauptkategorie.

    Ich bin im Verlauf des Januars durch Scorseses Filmografie gereist und möchte im Fall von “Shutter Island” nicht um jeden Preis von einem Meisterwerk reden. Bringt man dieses Wort mit Scorsese in Zusammenhang, denkt man zunächst an frühere Filme wie “Taxi Driver”, “Raging Bull” oder “Goodfellas”. Dieses Niveau erreicht selbst Scorsese nicht ohne Weiteres wieder.

    Doch “Shutter Island” kann man Scorseses handwerkliche Brillianz nicht abstreiten. Psychothrillermotive und -tropen, mit denen er 1991 in “Cape Fear” experimentiert hatte, sind in “Shutter Island” ausgereift, zu Ende gedacht. Da verzeihe ich Scorsese, dass er mit einigen Story-Wendungen in seinem neuen Film schummelt.

    Scorseses drei Spielfilme seit der Jahrtausendwende – “Gangs of New York” (2002), “The Aviator” (2004) und “The Departed” (2006) – brachten es zusammen auf insgesamt 26 Oscarnominierungen (9 davon wurden gewonnen). “Shutter Island” hätte diese Zahl weiter angehoben und wäre wahrscheinlich in folgenden Kategorien berücksichtigt worden:

    • Bester Spielfilm
    • Beste Regie (Martin Scorsese)
    • Bester Hauptdarsteller (Leonardo Di Caprio)
    • Bestes adaptiertes Drehbuch (Laeta Kalogridis)
    • Beste Kamera (Robert Richardson)
    • Bester Schnitt (Thelma Schoonmaker)
    • Beste Ausstattung (Dante Ferretti)

    Allen voran Leonardo Di Caprio legt in “Shutter Island” seine bislang wohl stärkste Darbietung ab. Aussichten auf eine Nominierungen hätten aber auch Sir Ben Kingsley und Mark Ruffalo (als beste Nebendarsteller), Michelle Williams (als beste Nebendarstellerin), Sandy Powell (für die besten Kostüme) sowie die Masken- und Tonabteilungen gehabt.

    Natürlich ist “Shutter Island” jetzt kein schlechterer Film, nur weil er später als geplant veröffentlicht wurde. Er kann logischerweise immernoch ins Rennen um die Oscars 2011 einsteigen. Nur berücksichtigen die Mitglieder der amerikansichen Filmakademie – die Oscarwähler – vor allem Werke, die Ende Jahr im Kino anlaufen.

    Das hat sich tatsächlich so eingependelt: Nominiert werden in der Regel Filme, die noch aktuell im Gedächtnis der Wähler sind, weshalb Studios ihre Oscaranwärter meistens erst Ende Jahr ins Kino bringen. Fakt ist, dass in den letzten 20 Jahren nur vier (!) Werke, die im ersten Jahresviertel angelaufen waren, für den Oscar als bester Spielfilm nominiert wurden.

    “Erin Brockovich” (2000), “Fargo” (1996) und “Four Weddings and a Funeral” (1994) starteten jeweils im Monat März. Nur “The Silence of the Lambs” (1991) lief wie “Shutter Island” bereits im Februar im Kino und wurde im Folgejahr noch als Bester Film ausgezeichnet. Auch dieser Ausnahmefilm hatte die Psychiatrie als Thema – ein gutes Omen für Scorsese 2011?


    Oscars 2010: Grosse Show, grosse Stars

    Filmauszeichnungen | 16. Februar 2010 von Lory Roebuck

    Oscar

    Die Academy of Motion Picture Arts & Sciences (AMPAS) schlägt eine neue Richtung ein. Schon letztes Jahr erhielt ihre Oscarverleihung ein neues Konzept: Hugh Jackman führte als Showmaster durch eine Zeremonie, die vermehrt als grosse Show ausgelegt war. Diese Linie soll am 7. März weitergeführt werden.

    Moderiert wird die Oscarverleihung 2010 an diesem Abend von den beiden Comedydarstellern Alec Baldwin und Steve Martin, die bereits an der Seite von Meryl Streep im Film “It’s Complicated” für gute Unterhaltung sorgten. Das Duo ist auf dem Oscarposter abgebildet, das sich von gediegeneren der letzten Jahre deutlich unterscheidet:

    Alec Baldwin und Steve Martin moderieren die Oscarverleihung 2010

    Gestern wurden dann die oscarnominierten Talente aus dem Filmbusiness an das alljährlich von der AMPAS organisierte Nominees Luncheon eingeladen, wo ihnen Zertifikate verliehen wurden und wo sie für Gruppenfotos gerade stehen mussten. Hier zwei prominente Gruppen (via Awards Daily):

    Oscar Nominees Luncheon 2010: Die besten Regisseure

    Nominiert in der Kategorie Beste Regie:
    (oben von links nach rechts) Quentin Tarantino (“Inglourious Basterds”), Kathryn Bigelow (“The Hurt Locker”), James Cameron (“Avatar”), (unten) Lee Daniels (“Precious”) und Jason Reitman (“Up In The Air”).

    Oscar Nominees Luncheon 2010: Die besten Hauptdarsteller

    Nominiert in der Kategorie Bester Hauptdarsteller:
    (oben von links nach rechts) Colin Firth (“A Single Man”), Jeff Bridges (“Crazy Heart”), George Clooney (“Up In The Air”), (unten) Morgan Freeman (“Invictus”) und Jeremy Renner (“The Hurt Locker”).

    Welche beiden unter diesen zehn werden die begehrte Goldstatue nach Hause tragen? Ich gehe fest davon aus, dass Kathryn Bigelow und Jeff Bridges von den Wählern der Academy ausgezeichnet werden. Bigelow wäre in ihrer Kategorie die erste weibliche Preisträgerin überhaupt, zuvorkommen könnte ihr aber ausgerechnet Ex-Ehemann James Cameron.


    Fünf Leidtragende der Oscarverleihung 2010

    Aktuelle Themen, Filmauszeichnungen | 4. Februar 2010 von Lory Roebuck

    Die Academy hat bei ihren Nominierungen für den Oscar 2010 nicht alle berücksichtigt, die es verdient hätten

    Jeder Filmschauer hat seine eigenen Präfenrenzen, welche Filme, Schauspieler und Filmtechniker mit einem Oscar belohnt gehören. Mit den tatsächlichen Wahlen der amerikanischen Filmakademie decken sich diese nur selten. Ich hätte beispielsweise gerne Nominierungen für Filme wie “Antichrist” und “Moon” gesehen.

    Dass diese beiden Werke nicht berücksichtigt werden, war schon im Voraus klar. Die Oscars sind zwar umstritten, aber absehbar. Für gute Prognosen muss man bloss die Selektionen der diversen Filmgilden und Kritikerverbänden verfolgen. Kritiker beeinflussen das Wahlverhalten der Stimmberechtigten, die ihrerseits auch in den Gilden sitzen.

    Die wahren Leidtragenden der jährlichen Oscarverleihung sind also jene Filmschaffende, die sich dank Kritikerlob und/oder Berücksichtigung von den Gilden Chancen auf eine Oscarnominierung ausrechnen durften, nur um dann hinterher vergeblich ihre Namen auf der Nominationsliste der Academy zu suchen.

    Zu ihnen gehören dieses Jahr u.a. die folgenden fünf Personen:

    Melanie Laurent in “Inglourious Basterds”

    Melanie Laurent in "Inglourious Basterds"

    Oscarsnub als beste Nebendarstellerin:
    Sie stiehlt in Quentin Tarantinos jüdischer Rachefantasie SS-Offizier Hans Landa zwar nicht die Schau (und Christoph Waltz hat für diese Rolle zurecht den Oscar als bester Nebendarsteller schon in der Tasche), ist mit ihrer Bravour aber der ebenbürtige Kontrapunkt zum teuflischen Judenfänger. Kaum jemand kannte vor “Inglourious Basterds” ihren Namen, umso höher ist ihr anzurechnen, dass sie aus diesem stargespickten Cast herausragt. Die Neuentdeckung des Jahres verkörperte eine ikonische Rolle: Shoshannas Gesicht auf der Kinoleinwand, ihre Revenge of the Giant Face, wird noch einige zukünftige Filmmontagen zieren.

    Michael Stuhlbarg in “A Serious Man”

    Michael Stuhlbarg in "A Serious Man"

    Oscarsnub als bester Hauptdarsteller:
    Noch ein No-Name, der trotz grossartiger Darbietung von der Academy übergangen wurde. “A Serious Man” ist in der Oscarhauptkategorie als bester Spielfilm nominiert, Stuhlbarg brilliert in der Hauptrolle des Films der Gebrüder Coen und wird für einen Golden Globe nominiert, doch bei den Oscars scheitert er daran, dass er immernoch eine unbekannte Grösse ist. Schade, denn er spielt den verlorenen Mann der Coens, der Antworten sucht und keine erhält, auf den Punkt genau perfekt: sympathisch und mitleiderregend. Immerhin ist Stuhlberg jetzt auf dem Radar; noch so eine Leistung bringt ihm garantiert eine Oscarnominierung ein.

    S. Neustadter und M.H. Weber für “(500) Days of Summer”

    "(500) Days of Summer"

    Oscarsnub für das beste Originaldrehbuch:
    Gleich zu Beginn des Films heisst es: “This is a story of boy meets girl. But you should know upfront: this is not a love story.” Eine Beziehungskomödie, ja, aber alles andere als eine typische Rom-Com. Marc Webb inszeniert seinen Film temporeich und charmant, aber “(500) Days of Summer” würde ohne das originelle Drehbuch vom Autorenduo Scott Neustadter und Michael H. Weber als Grundlage keinen annähernd so tollen Film abgeben. Äusserst dynamisch (und gespickt mit popkulturellen Referenzen) springen sie in dieser 500-tägigen Beziehung umher und eröffnen einen glaubwürdigen Blick auf die Berührungs- und Abstosspunkte dieses Paares, das eine so grundverschiedene Auffassung von Beziehungen hat. Leider hat das nur die Autorengilde (WGA) gewürdigt.

    Greig Fraser für “Bright Star”

    "Bright Star", fotografiert von Kameramann Greig Fraser

    Oscarsnub für die beste Kamera:
    Die berührende Liebesgeschichte zwischen Fanny Browne und dem englischen Romantikdichter John Keats erzählt Jane Campion in “Bright Star” mit einer Anmut, die Keats’ Poetik würdig ist. Ebenso eindrücklich ist aber, wie Kameramann Greig Fraser die lyrische Schönheit in grandiosen Bilder festhält, die die Sinnlichkeit der Dichtungen sichtbar und greifbar machen. In desaturierten Landschaften kommt dank Frasers Blick eine einzigartige Farbenpracht zum Vorschein, die trotz Campions realitätsnaher Auseinandersetzung mit dieser Epoche den Geist der Romantik einfängt. Diesen Augenschmaus würdigte die Academy leider nur (bzw. immerhin) mit einer Nominierung der Kostümdesignerin Janet Patterson.

    Dana E. Glauberman für “Up In The Air”

    Oscarsnub für den besten Schnitt:
    Schnell, aber kompakt; furios, aber elegant. Eine Kostprobe eine der genialen Schnitttechniken von Cutterin Dana E. Glauberman in “Up In The Air” liefert obige Filmszene. Die rapiden Serialcuts versinnbildlichen die saubere und gleichzeitig doch zerstückelte Lebensweise des professionellen Vielfliegers Ryan Bingham (George Clooney), der sich in Flughäfen Zuhause fühlt, also an den Übergangsschwellen und Zwischenräumen der üblichen menschlichen Existenz. Für diese einzigartige Filmfigur und dessen sympathisch-abstossende Philosophie hat Glauberman die richtige filmtechnische Entsprechung gefunden. Dafür hätte sie nicht nur eine Nominierung verdient, sondern gleich die Goldstatue.

    Klar könnte man noch weitere Snubs aufzählen – die ungewürdigte Kameraarbeit in Filmen wie “A Single Man” und “Where The Wild Things Are” zum Beispiel, oder die Schauspielleistung von Julianne Moore in “A Single Man”. Für mich waren diese fünf aber die augenfälligsten. Und wen habt ihr vermisst? Kommentare sind erwünscht.

    Die Liste aller Nominierten für die Oscars 2010 findet ihr in diesem Beitrag. Die Verleihung findet in der Nacht vom 7. auf den 8. März statt. Eine oder zwei Wochen zuvor veranstalten wir auf cineast.ch ein Wettbewerb, zu dem ich mir noch einen Preis überlegen muss. Gewinnen tut natürlich diejenige Person mit den meisten richtigen Tipps.


    Oscars 2010: Je neun Nominierungen für “Avatar” und “The Hurt Locker”

    Aktuelle Themen, Filmauszeichnungen | 2. Februar 2010 von Lory Roebuck

    Die Oscarverleihung 2010

    Soeben wurden im Samuel Goldwyn Theater in Beverly Hills von Academy President Tom Sherak und Schauspielerin Anne Hathaway die Nominierungen für die diesjährige Oscarverleihung bekanntgegeben. Am häufigsten nominiert – nämlich in jeweils neun Kategorien – wurden wie erwartet James Camerons “Avatar” und Kathryn Bigelows “The Hurt Locker”.

    Beide Werke stehen sich in den beiden Hauptkategorien Bester Spielfilm und Beste Regie gegenüber. Ebenfalls als bester Film nominiert sind “The Blind Side”, “District 9″, “An Education”, “Inglourious Basterds”, “Precious”, “A Serious Man”, “Up” und “Up In The Air”. Neu wurden dieses Jahr wieder zehn anstatt fünf Filme in dieser Kategorie berücksichtigt.

    Neben Cameron und Bigelow sind auch Quentin Tarantino (“Inglourious Basterds”), Lee Daniels (“Precious”) und Jason Reitman (“Up In The Air”) für den Regiepreis nominiert, während Michael Hanekes “Das weiße Band”, Jacques Audiards “Un prophète” und Claudia Llosas “La teta asustada” Anwärter auf den Oscar für den besten ausländischen Film sind.

    Bei den Darstellern sind Jeff Bridges (“Crazy Heart”), George Clooney (“Up In The Air”), Colin Firth (“A Single Man”), Morgan Freeman (“Invictus”) und Jeremy Renner (“The Hurt Locker”) nominiert, sowie Sandra Bullock (“The Blind Side”), Helen Mirren (”The Last Station”), Carey Mulligan (“An Education”), Gabouray Sidibe (“Precious”) und Meryl Streep (“Julie & Julia”).

    Unter den Nominierungen befinden sich auch einige erfreuliche Überraschungen. So wurde auch das (adaptierte) Drehbuch von “District 9″ berücksichtigt, ebenso wie Bruno Delbonnels geniale Kameraarbeit an “Harry Potter and the Half-Blood Prince”. Schön auch, dass die chaotischen Spezialeffekte von “Transformers: Revenge of the Fallen” nicht nominiert wurden.

    Die Verleihung der Academy Awards findet in der Nacht von Sonntag, 7. März, auf Montag, 8. März statt. Etwa eine Woche davor werden wir hier auf der Seite ein Gewinnspiel starten, bei dem es darum gehen wird, möglichst viele Oscargewinner richtig vorauszuahnen. Einige Favoriten haben wir bereits gestern in diesem Beitrag diskutiert.

    Die vollständige Liste aller Nominierungen folgt nach dem Schnitt:

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