
Dune basiert auf einer Reihe von Science Fiction Romanen von Frank Herbert. Doch obwohl David Lynchs Umsetzung sehr vage daherkommt, ist der Film ein epochales Meisterwerk, das sich selbst mit modernen Science-Fiction Filmen immer noch messen kann.
Wir schreiben das Jahr 10991: Mithilfe einer speziellen Materie, dem “Spice Melange”, ist es der Menschheit möglich, den Raum zu falten und dadurch das ganze Universum zu bereisen. Doch Spice ist nur auf einem einzigen Planeten vorhanden. Einem Wüstenplaneten namens Arrakis –simpel genannt: Dune. Zwei große Familien kämpfen um diesen unscheinbaren Planeten. Das Haus Atreides und das Haus von Vladimir Harkonnen (Kenneth McMillan) mit seinen beiden Neffen Feyd (Sting) und Rabban (Paul Smith). Paul Atreides (Kyle McLachlan), der Sohn des Herzogs Leto Atreides (Jürgen Prochnow), spielt dabei die größte Rolle. Er ist der Auserwählte, den die Prophezeiung vorhergesehen hatte, der Kwisatz Haderach. Nur er kann den Krieg entscheiden und beenden, damit das Universum unter der Herrschaft Kaiser Shaddams IV. wieder in Frieden leben kann. Denn wer das Spice beherrscht, hat die Macht über das Universum.
Die Romanvorlage
Der Roman “Der Wüstenplanet” (so der deutsche Titel) von Frank Herbert wurde bisher weltweit über 12 Millionen Mal verkauft. Damit misst sich Autor Herbert problemlos mit Patrick Süskinds “Das Parfüm”, Nicholas Evans “Pferdeflüsterer” oder dem “Manifest der kommunistischen Partei” von Karl Marx. “Dune” brachte Herbert 1965 nicht nur den Nebula Award als bestes Buch, sondern 1966 auch den prestigeträchtigen Hugo Award. Der Roman ist sehr komplex und schafft wortwörtlich ein ganzes Universum mit eigenen Planeten, Rassen und Namen. Es war dieser Umfang der ganzen Geschichte Dunes, die den späteren Filmmachern zum Problem wurde.
Die Geschichte eines Mammut Projekts
Nach dem ungebändigten Erfolg des Buches versuchten sich mehrere Regisseure daran, “Dune” filmisch zu verwirklichen. Den Anfang nahm diese lange Geschichte 1971 mit Arthur P. Jacobs. Dieser erwarb von Frank Herbert persönlich die Rechte am Buch für 10′000 Dollar und fünf Prozent des voraussichtlichen Profits. Kurz nach diesem Deal verstarb Jacobs aber und das Projekt blieb für mehrere Jahre liegen, bis die Rechte verfallen waren.
Alejandro Jodorowsky nahm sich als Nächster der Herausforderung an. Der chilenische Regisseur hatte sich einen Namen gemacht als Filmmacher, der gerne an seine Grenzen geht. Der Dune-Film, den Jodorowsky im Sinne hatte, unterschied sich enorm von der Buchvorlage – so sehr, dass gesagt wird, Jodorowsky sei sehr beschäftigt damit gewesen, Frank Herbert vom Projekt fern zu halten.
Jodorowskys Verwirklichung wäre bestimmt den Fans der Vorlage sauer aufgestoßen, doch seine Ideen wären fantastisch gewesen. Er hatte die kreativsten Köpfe der Branche auf seiner Seite. Darunter die vor ein paar Tagen verstorbene Filmmacher-Legende Dan O’Bannon für die Special Effects und Pink Floyd für den Soundtrack. Wie legendär diese Umsetzung geworden wäre, wird man leider genauso unmöglich sagen können, wie was herausgekommen wäre, hätte David Lynch die erste “Star Wars” Trilogie verfilmt (seine Begründung dazu hier).
Ridley Scott vs. David Lynch
Im Oktober 1976 stattete Frank Herbert in Europa Alejandro Jodorowsky einen Besuch ab. Dessen Projekt steckte tief in der Krise: 2 Millionen Dollar waren bereits ausgegeben worden und das vorhandene Skript hätte einen 14 Stündigen Film ergeben. Dafür meldete Dino de Laurentiis zum ersten Mal Interesse an den Filmrechten von “Dune”. Er kaufte die Rechte und spannte Frank Herbert als Drehbuchautor ein. Drei Jahre lang wurden Drehbücher geschrieben und wieder verworfen. 1979 heuerte De Laurentiis Ridley Scott frisch nach seinem unglaublichen Erfolg mit “Alien” an, um die Regie für “Dune” zu übernehmen. HR Giger, der schon die Illustration für “Alien” angefertigt hatte, kam auch mit an Bord.
Ein Jahr lang wurden wieder Drehbücher (dieses Mal von Rudolph Wurlitzer) geschrieben, doch keines wollte Frank Herbert passen. Der Plot sei zu stark vereinfacht worden. Die dritte Variante enthielt gar eine inzestuöse Szene zwischen Paul und seiner Mutter Jessica. Damit wäre Alia Pauls Schwester und Tochter geworden. Ridley Scott verliess “Dune”, um sich dem späteren Science Fiction Klassiker “Blade Runner” zuzuwenden. Seine Begründung:
“But after seven months I dropped out of Dune, by then Rudy Wurlitzer had come up with a first-draft script which I felt was a decent distillation of Frank Herbert’s (book). But I also realised Dune was going to take a lot more work - at least two and a half years’ worth. And I didn’t have the heart to attack that because my [older] brother Frank unexpectedly died of cancer while I was prepping the De Laurentiis picture. Frankly, that freaked me out. So I went to Dino and told him the Dune script was his.”
1980 kam David Lynchs “Elephant Man” in die Kinos. Dino de Laurentiis war begeistert und fragte Lynch, ob er bei “Dune” Regie führen würde. Lynch schaffte, woran Ridley Scott und seine direkten Vorgänger gescheitert waren. Nach nur sechs Monaten stand die erste Hälfte des Drehbuchs. Für die zweite Hälfte brauchte es mehrere Entwürfe von Lynch. Der 6. Entwurf gefiel Frank Herbert und das ganze Material wurde in Mexiko verfilmt. Während den Dreharbeiten wurde eine 7. Version entworfen, die Darstellung des Plots blieb ein Problem. Viele Szenen wurden geändert, nachgedreht oder umgeschnitten. Am 27. Januar 1984 war schliesslich Drehschluss.
Der fertige Film
“Dune” gibt es in mehreren Versionen. Die Längste geht 3 Stunden und beginnt mit einem zehnminütigen Vorspann, der die Geschichte der drei Hauptplaneten (Arrakis, Caladan und Giedi Prime) und der verschiedenen existierenden Gilden und Völker kurz erklärt. Dieser Prolog stand jedoch gar nicht in David Lynch Sinne. Der Vorspann, der Box Office-Misserfolg und die vernichtenden Kritiken, die der Film in den ersten Wochen auf der ganzen Welt einholte, veranlassten Lynch dazu, seinen Namen kurzerhand aus dem Abspann entfernen zu lassen. An seiner Stelle wurde ein erfundener Name eingefügt: Alan Smithee. In der stark gekürzten Kinoversion gibt es diese Einleitung nicht. Auch ein paar gewalttätige Szenen wurden gänzlich weggelassen. Trotzdem wirkt diese Version arg zusammengewürfelt, da viele Erklärungen und Plotteile fehlen. Doch auch die überlange Version des Films kommt vom Verlauf her nicht an das Buch heran.
Der Soundtrack
Das Erfolgreichste am Film war sein Soundtrack, der von der damals überaus bekannten Hard- und Classic-Rock Band Toto komponiert wurde. Brian Eno steuerte ein Lied dazu bei (das Prophecy-Theme); es wird jedoch gemunkelt, dass dieser zu dem Zeitpunkt einen vollständigen Filmscore entworfen hatte, den David Lynch und De Laurentiis nicht wollten. Während der Film sich selbst unter Science-Fiction Afficionados eher mäßiger Beliebtheit erfreut, wird der dazugehörige Score noch heute sehr geschätzt. Auch David Lynch war am einen oder anderen Track beteiligt gewesen. Aufgenommen wurde der gesamte Soundtrack jedoch von Toto (ohne Lead-Sänger Bobby Kimball), dem Wiener Symphonie Orchester und dem Wiener Volksoper Chor. Geleitet wurde das Orchester von Marty Paich, dem Vater von Totos David Paich (Piano / Keyboard).
Fazit
Erst kürzlich lief “Avatar” in den europäischen Kinos an. Ich war völlig überwältigt von diesem cineastischen Meisterwerk. Trotzdem erinnerte mich die Erfahrung an das Gefühl, das ich durchlebte, nachdem ich zum ersten Mal “Dune” gesehen hatte. Tatsächlich erinnerten sogar ein paar Szenen bzw. Storyteile an Frank Herberts Science Fiction Klassiker. “Dune” als kontrovers zu bezeichnen wäre falsch. Doch “Der Wüstenplanet” traf 1984 wohl den Geschmacksnerv der Allgemeinheit nicht. Trotzdem bleibt der Film ein Meisterwerk der Extraklasse, und allein die beschwerliche Geschichte sowie der legendäre Soundtrack lassen uns die Plotlücken und Logiklöcher vergessen und die unrühmlichen Fortsetzungen übersehen. “Dune” ist auf jeden Fall immer noch ein Film für tolerante Science-Fiction Liebhaber.