Rezension: “Pinprick” von Daniel Young
Neu im Kino, Rezensionen | 23. Juli 2010 von Nicky Schaefer
Der Schweizer Regisseur Daniel Young legt ein spannend-kunstvolles Arthaus-Drama vor, in dem ein Krimineller sowohl Tochter als auch Mutter mit seinem Charme betört – und am Schluss dann doch alles ganz anders ist.
Miriam ist alleinerziehende Mutter – ihre Tochter Charlotte freundet sich unterdessen mit einem Kriminellen an, der bald schon eine wichtige Rolle nicht nur in Charlottes, sondern auch in Miriams Leben innehaben soll. Vater Alex hat dabei im wahrsten Sinne des Wortes nichts zu sagen – Charlotte redet zwar mit ihm, er nimmt ihre Worte aber scheinbar gar nicht zur Kenntnis. Was hat es auf sich mit diesem mysteriösen Kriminellen? Und was ist mit Vater Alex los?
Alex und Reyer
Reyer, so der Name des Mystery Mans, ist das absolute Gegenteil des stillen Alex: Er ist kein gesetzestreuer, zurückhaltender Bürger, sondern ein Mann, der sich nimmt, was er will. Dabei scheint er Charlotte ebenso zu faszinieren wie Mutter Miriam, die ihn als Schüler in ihrem Sprachkurs kennenlernt. Interessantes Detail am Rande: Miriam spricht Reyer einsilbig als ‹rare› (= rar, selten) aus, während Charlotte zweisilbig ‹rye-er› sagt.
Begehren
In diesem Versprecher kommt der andersartige Blickwinkel zum Ausdruck, mehr aber noch die Unfähigkeit, den Ungarn ohne magyarischen Namen als das zu sehen, was er ist. Gerade in dieser Hinsicht lässt uns Filmemacher Daniel Young, von dem auch das Drehbuch stammt, im Dunkeln tappen. Dies unterscheidet «Pinprick» auch am stärksten von Andrea Arnolds sozialkritischem Film «Fish Tank», in dem eigentlich immer klar ist, wer wer ist. Da passt es auch, das «Pinprick» in Ungarn gedreht wurde, obwohl der Film in England spielt.
Innenleben
Es geht also weniger um soziale Realitäten, sondern vielmehr um den Menschen an sich, um seine oft absurden Träume, sein Innenleben, um die Konflikte zwischen den Geschlechtern und den Generationen. Reyer stellt sich Mutter Miriam als Paul vor, also als ‹der Kleine› (lat. Paulus), während Charlottes Name an Charlemagne, also Karl den Grossen erinnert. Charlotte kennt auch Ryers Nachnamen, der an den deutschen ‹Reiher› erinnert, also an einen schreienden Vogel (engl. Heron). Last but not least verweist der Titel auf die kleinen Sticheleien, die das Leben erst so interessant machen…
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Infos:
«Pinprick», Ungarn/Schweiz 2009, 92 Min., R: Daniel Young, D: Rachel Blake, Laura Greenwoord, Ervin Nagy, Zoltan Ratoti, Deborah Kim Javor, V: Film Verleih Gruppe.
Im Kino ab: 22.07.2010






















= Meisterwerk








