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    Brüche, die reparieren

    Rezensionen | 23. Januar 2007 von Lory Roebuck

    Breaking and EnteringBREAKING AND ENTERING / Vor der Kulisse von Londons wandelnder Kultur zeigt Anthony Minghella auf einfühlsame Art, dass Raub nicht immer mit Verlust einher gehen muss. Manchmal kann ein Bruch auch etwas reparieren. Jude Law und Juliette Binoche führen vor Augen, welche Auswirkungen krimineller und emotionaler Diebstahl haben kann.

    Die aufstrebenden jungen Architekten Will (Jude Law) und Sandy (Martin Freeman) haben ihr modisches, neues Büro mitten in einem Londoner Immigrantenviertel eingerichtet. Ihr neustes Grossprojekt sieht dort eine Umgestaltung und Aufbesserung des Quartiers vor, doch die verarmten Anwohner interessiert das wenig. Eines Nachts brechen zwei Jugendliche akrobatisch bei ihnen ein und lassen teure Computer und Bildschirme mitgehen. Will heftet sich heimlich an die Fersen von einem der beiden Einbrecher, Miro (Rafi Gavron), und macht dabei Bekanntschaft mit dessen Mutter Amira (Juliette Binoche), einem bosnischen Kriegsflüchtling. Um seinem unerfüllten Familienalltag zu entkommen, geht Will eine verhängnisvolle Affäre mit ihr ein. Doch Amira hegt bereits den Verdacht, dass er in erster Linie ihrem Sohn nachspioniert und sie ist zu allem bereit, um ihren Jungen zu schützen.

    Regisseur Anthony Minghella steht für gefühlvolles Kino abseits des Kitsch. Mit seiner Literaturverfilmung „The English Patient” ergatterte er 1996 praktisch jeden Filmpreis von Bedeutung, danach folgten weitere Hits mit „The Talented Mr. Ripley” und „Cold Mountain”. Im Unterschied zu diesen Filmen basiert sein neustes Werk aber nicht auf einer Buchvorlage, sondern entstammt seiner eigenen Idee. Das macht es aber nicht weniger reich an komplexen Emotionen und interessanten Themen. Will beispielsweise hat beruflichen Erfolg, eine wunderschöne, schwedische Freundin (Robin Wright Penn) und lebt in einem modernen Haus. Sein Geschäftspartner Sandy beneidet ihn deswegen. Aber Wills Leben macht bloss den Anschein von vollendetem Glück: Seit zehn Jahren ist er mit Liv zusammen, geheiratet haben sie nie. Aus einer früheren Partnerschaft hat sie eine verhaltensgestörte Tochter, und in ihrer mütterlichen Fürsorge schliesst sie Will komplett aus. Nachdem schliesslich sein Büro leergeräumt wird, fängt die Fassade seines oberflächlich erfüllten Lebens an zu bröckeln.

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    Tödliche Rivalität unter Magiern

    Rezensionen | 19. Januar 2007 von Lory Roebuck

    The PrestigeTHE PRESTIGE / Es gibt viele Filme mit Zauberei. Aber wieviele handeln von der Zauberei? Im raffinierten Film von „Batman Begins”- und „Memento”-Regisseur Christopher Nolan versuchen sich Christian Bale und Hugh Jackman als verfeindete Magier gegenseitig zu übertrumpfen - und schrecken bei ihren Sabotierungsversuchen auch nicht vor Mord zurück.

    Der Film beginnt wie ein Krimi: Der aus bescheidenen Verhältnissen zum populären Magier aufgestiegene Alfred Borden (Christian Bale) sitzt vor Gericht. Ihm wird der Mord am konkurrierenden Mitmagier Robert Angier (Hugh Jackman) zur Last gelegt. Und Ende des 19. Jahrhunderts gilt in England noch die Todesstrafe. Geschickt springt der Film zwischen den wichtigsten Punkten der Vorgeschichte. So erfahren wir, dass Borden und Angier zunächst Kollegen waren, bis ein fataler Unfall bei einem misslungenen Trick sie auseinander trieb. Gegenseitig sabotieren sie fortan ihre Aufführungen und spionieren den Berufsgeheimnissen des anderen nach. Was wie ein Kleinkinderstreit beginnt, artet schnell in ruchlose Besessenheit aus.

    „Batman” Christian Bale und „Wolverine” Hugh Jackman laufen in ihren Auseinandersetzungen zur Höchstform auf. Bale mimt den bescheideneren Zauberer aufmüpfig und verroht, Jackmans Figur hat mehr Stil und einen ausgeprägteren Sinn für Dramatik. Auch die kleineren Rollen sind stark besetzt: Zwischen den beiden Männern im Clinch weiss die manipulierende Scarlett Johansson die beiden Magier gegeneinander auszuspielen und macht dabei eine gute Figur. Den noblen, aber ergebnisorientierten Ingenieur Cutter zeigt uns Altmeister Michael Caine in Bestform, aber die Schau stiehlt ihm Musiklegende David Bowie mit einem fantastischen Nebenauftritt als Wissenschaftler Nikola Tesla. Dieser nimmt mit seinen elektrischen Erfindungen eine zentrale Position in der Handlung ein.

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    Die globale Sprachlosigkeit

    Rezensionen | 7. Januar 2007 von Lory Roebuck

    BabelBABEL / Was geschieht, wenn in Marokko eine Amerikanerin zufällig von einem Schuss getroffen wird? Genau, das Unglück entartet zur internationalen Krise. Im Oscar verdächtigen „Babel” führen Brad Pitt und Cate Blanchett herausragend vor Augen, wie gefährlich schlecht das heutige Verständnis zwischen den Völkern ist.

    Der Filmtitel verweist auf den Babylonmythos aus dem Alten Testament, als Gott die Menschen für ihre Vermessenheit bestrafte, in dem er ihnen unterschiedliche Sprachen gab. Diese Thematik des Nicht-miteinander-reden-könnens durchzieht Iñárritus neustes Werk. Der mexikanische Regisseur veranschaulicht dabei auf virtuose Weise das brisante Problem unserer zunehmenden Kommunikationsunfähigkeit in einer immer stärker vernetzten Welt.

    Zwei marokkanische Kinder erhalten von ihrem Vater ein neuerworbenes Gewehr, um ihre Ziegenherde vor den Beutezügen eines Schakals zu bewahren. Um abzuschätzen, was für eine Reichweite die Waffe besitzt, schiessen sie leichtfertig auf einen entfernt vorbeifahrenden Touristenbus. Der Schuss trifft die Amerikanerin Susan (Cate Blanchett) am Oberkörper, worauf ihr Ehemann Richard (Brad Pitt) in einem unbekannten Dorf verzweifelt nach ärztlicher Hilfe suchen muss. Schnell erreicht die Meldung des Unfalls auch die amerikanischen Medien, die dahinter sofort einen terroristischen Anschlag sehen. Während die jungen Marokkaner ihrem Vater und der Polizei die Tat verschweigen, finden die auseinandergelebten Ehegatten Richard und Susan in dieser Extremsituation wieder zueinander.

    Beinahe zeitgleich nimmt ihr zuhause in San Diego schwarzarbeitendes Kindermädchen Amelia (Adriana Barraza) die beiden Sprösslinge von Richard und Susan mit an die Hochzeit ihres eigenen Sohnes in Mexiko. Auf der Rückfahrt vom festlichen Ereignis kommt es zum Eklat, als sich ihr angetrunkener Neffe Santiago (Gael García Bernal) mit der amerikanischen Grenzwache anlegt. Aber das Motiv der Sprachlosigkeit wird im vierten Handlungsstrang am eindrücklichsten ersichtlich, da direkt verkörpert durch die taubstumme Chieko (Rinko Kikuchi). Der Suizid ihrer Mutter hat im japanischen Teenager eine Leere ausgelöst, die sie durch sexuelle Avancen auf letztlich destruktive Art wieder aufzufüllen versucht.

    Obwohl lange unklar bleibt, wie diese Handlung überhaupt mit der restlichen Geschichte zusammenpasst, ist sie der stärkste Erzählstrang des Films. Das hat sehr viel mit Rinko Kikuchis reichhaltiger und abwechslungsreicher schauspielerischer Darbietung zu tun. Sie spielt die interessanteste Figur des Films: Chieko ist süss aber angsterfüllt, verspielt aber melancholisch, sozial integriert aber doch alleine. Regisseur Iñárritus talentierte japanische Entdeckung ist mit ihrer Rolle der schauspielerische Durchbruch auf der Weltbühne gelungen, von vielen renommierten internationalen Filmkritikerverbänden wurde ihre Leistung mit einer Nominierung als beste Nebendarstellerin des Jahres gewürdigt.

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