Rezensionen | 30. März 2007 von Lory Roebuck
MR. BEAN’S HOLIDAY / Mr. Bean war in den Neunzigerjahren einer der witzigsten Blödiane im Fernsehen. Nun schlüpft der englische Komiker Rowan Atkinson ein weiteres Mal in seine zweite Haut, um mit Bean auf der Kinoleinwand von einem Fettnäpfchen ins nächste zu treten.
Zu Hause im verregneten London gewinnt Mr. Bean (Rowan Atkinson) nach einigem Trara in einer Kirchentombola den Hauptpreis: Eine Reise an die französische Riviera, inklusive einer Videokamera. Sonnenschein und Strände vor Augen reist er mit dem Eurostar nach Paris. Doch nach einem versehentlichen Umweg quer durch die Grossstadt und einem Missgeschick mit seiner Kamera sitzt Bean plötzlich mit dem Sohn (Max Baldry) eines russischen Filmregisseurs (Karel Roden) fest. Während der Vater die französische Polizei auf den vermeintlichen Kindsentführer hetzt, stolpern Bean und der Junge auf ihrer gemeinsamen Reise ans Meer durch allerlei Katastrophen. Aber das wahre Unheil schlägt erst zu, als die beiden mit der Hilfe der reizenden jungen Schauspielerin Sabine (Emma de Caunes) an den Filmfestspielen in Cannes ankommen.
Regisseur Steve Bendelack macht mit seinem neuen Film keinen Hehl daraus, dass ‚Mr. Bean’s Holiday’ vordergründig auf eine Serie von fröhlichen Lachnummern abzielt. Wer mit anderen Erwartungen den Kinosaal betritt, verfehlt den Sinn. Andererseits hat der Filmverleih die meisten der lustigsten Szenen bereits mit dem Trailer verschossen, und so finden sich im Film tatsächlich nur noch eine Handvoll wirklich guter Scherze, die frisch rüberkommen. Beans Odyssey an die französische Riviera ist im Innersten ein pikareskes Abenteuer, aber der Schelm Bean ist nicht Candide (und das Autorengespann nicht Voltaire) und die Folge an Pannen, die er durchtorkelt ist oft nervig und manchmal sogar extrem schauderlich mitanzusehen.
Diesen Beitrag weiterlesen »
Kommentieren » |
Rezensionen | 24. März 2007 von Lory Roebuck
MISS POTTER / In „Miss Potter” mimt die amerikanische Schauspielerin Renée Zellweger die berühmte Kinderbuchautorin Beatrix Potter. Mit seinem neuen Werk gelingt „Ein Schweinchen namens Babe”-Regisseur Chris Noonan dabei ein feinfühliger Film, der den Spagat zwischen Biografie und Familienfilm schafft.
Beatrix Potter (Renée Zellweger) lebt im viktorianischen England ihrer Zeit voraus. Anders als die anderen Frauen aus gutem Hause ist sie auch im Alter von 32 noch unverheiratet, sehr zum Missfallen ihrer Mutter (Barbara Flynn). Und anstatt ihre Zeit in der Gesellschaft vornehmer Mitmenschen zu verbringen, zieht sie sich lieber in ihr Zimmer zurück, um Geschichten zu schreiben. Ihre tierischen Hauptfiguren malt sie sodann mit Pinsel auf Papier um mit ihnen zu schwatzen, denn sie sind ihre besten - und einzigen - Freunde. Es gelingt ihr schliesslich, ihre Texte und Bilder bei einem Verlag unterzubringen. Potters Kinderbücher um Peter Hase, Frau Tiggy-Wiggel und Jemima Pratschel-Watschel werden unmittelbar zu Kassenschlagern, die jung und alt gleich verzaubern. So kommt Miss Potter an genug Geld, um ein eigenständiges Leben führen zu können. Und dieses wird dann selber zum Märchen, als sie ihrem jungen Verleger Norman Wane (Ewan McGregor) auch privat näherkommt. Doch das Glück währt nicht lange.
Tierischer Spass
Elf Jahre hat sich Chris Noonan Zeit gelassen, um nach seinem mehrfach ausgezeichnetem Tierfilm „Ein Schweinchen namens Babe” erstmals wieder auf dem Regiestuhl Platz zu nehmen. Seinem einfühlsamen Stil ist er aber treu geblieben, und „Miss Potter” besticht durch Liebe zum Detail. So lässt Noonan mittels einfachen (und dafür umso wirkungsvolleren) Spezialeffekten Beatrix’ Tierzeichnungen zum Leben erwachen und mit ihr interagieren. Oder so ähneln in einer Szenenmontage die von der Mutter angeschleppten potentiellen Heiratspartien auf subtil-komische Art alle einem Tier.
Diesen Beitrag weiterlesen »
1 Kommentar |
Rezensionen | 15. März 2007 von Lory Roebuck
THE LAST KING OF SCOTLAND / Forest Whitaker gewann an der diesjährigen Oscarverleihung die Auszeichnung zum besten Hauptdarsteller. Endlich sieht auch das Schweizer Publikum wofür: Der amerikanische Schauspieler brilliert in „The Last King of Scotland” als ugandischer Diktator Idi Amin.
In den frühen Siebzigerjahren reist der junge schottische Arzt Nicholas Garrigan (James McAvoy) nach Uganda, um als Entwicklungshelfer in einem ländlichen Krankenhaus zu assistieren. Im mittelafrikanischen Land findet zu dieser Zeit ein politischer Umbruch statt, mit Hilfe Grossbritanniens führt General Idi Amin (Forest Whitaker) einen erfolgreichen Putsch durch und wird zum neuen Staatsoberhaupt. Als ihn Garrigan nach der umjubelten Machtergreifung wegen einer Bagatelle verarztet, freunden sich die beiden Männer an. Garrigan nimmt ein Angebot vom sympathischen Machthaber an, als persönlicher Leibarzt für das Wohlergehen von Amin und seinen vielen Frauen und Kindern zu sorgen. Als die Jahre vergehen wird der Schotte sogar zum engsten Vertrauten Amins, doch dessen Unberechenbarkeit beunruhigt Garrigan mehr und mehr. Als schliesslich Amins berechtigte Angst vor Mordanschlägen in blutrünstigen Irrsinn umschlägt, kann der Arzt seine Augen nicht mehr vor den vielen Abscheulichkeiten verschliessen.
Mischung von Realität und Fiktion
Die wahre Geschichte um Idi Amin Dada, des Schlächters von Uganda, wird in „The Last King of Scotland” aus der Perspektive des fiktionalen Nicholas Garrigan geschildert. Diese Arzt-Figur wurde vom Schriftsteller Giles Foden erfunden, dessen gleichnamiger Roman dem Film zugrunde liegt. Garrigan wird darin vom talentierten schottischen Schauspieler James McAvoy („Die Chroniken von Narnia”) mit der nötigen Prise an Unbeschwertheit und Naivität gespielt. Sein frischgebackener Studienabgänger aus der englischen Mittelschicht wählt sich zu Beginn des Films den künftigen Einsatzort blind auf einem Globus aus - in Garrigan vereinen sich Abenteuerlust und der Wunsch, soweit wie möglich vom bestimmenden Vater wegzukommen.
In Uganda nimmt ihn Idi Amin quasi als Ersatzvater unter die Fittiche. Die Beiden verstehen sich in ihrer antikolonialistischen, antienglischen Haltung blendend, und der joviale Herrscher hinterlässt beim jungen Arzt einen durchweg sympathischen Eindruck. Amin erweckt zu Beginn seiner Amtszeit eine Aufbruchstimmung im Land, dafür liebt ihn sein Volk und Garrigan auch. Doch in den Genuss des besseren Lebens, das der Machthaber den Menschen verspricht, kommt nur Garrigan - und zwar im Überfluss: Ein geschenktes Mercedes Cabrio als Arbeitsmobil, die höchste Wohnqualität, der führende Posten im Gesundheitsministerium und offener Ein- und Ausgang in Amins persönlichem Palast. Es braucht schon seine Zeit, bis Garrigan hinter diese Fassade sieht.
Diesen Beitrag weiterlesen »
Kommentieren » |
Rezensionen | 8. März 2007 von Lory Roebuck

FREEDOM WRITERS und ALPHA DOG / Diesen März behandeln gleich zwei amerikanische Kinofilme das aktuelle Problem Jugendgewalt. In „Freedom Writers” bringt Oscarpreisträgerin Hilary Swank einer gewaltbereiten Schulklasse Toleranz bei, während Justin Timberlake in „Alpha Dog” als Kindesentführer in seiner ersten grossen Kinorolle zu sehen ist.
Erin Gruwell (Hilary Swank) ist eine idealistische junge Frau mit pädagogischer Veranlagung. In Long Beach Kalifornien tritt sie ihren ersten Lehrposten an und sieht sich bald mit der bitteren Erkenntnis konfrontiert, dass ihre Klasse keinen Bock auf Bildung hat. Die Gruppe ist eine explosive Mischung von Teenagern verschiedener Herkunft, die sich nur in ihrem gegenseitigen Hass gleichen. Um den Latinos, Asiaten und Afro-Amerikanern eine Prise wechselseitiges Verständnis beizubringen, lässt Erin die Klasse ein Tagebuch führen. So lernen die Teenager, dass sie im Grunde alle mit den selben Schwierigkeiten zu kämpfen haben.
Johnny Truelove (Emile Hirsch) versucht im San Gabriel Valley, einem priviligierten Vorort von Los Angeles, in die Fussstapfen seines kriminellen Vaters (Bruce Willis) zu treten. Als Kleinganove dealt er mit Drogen, und zusammen mit seinem Rudel an Freunden verprasst er sein Geld für Parties und Mädchen. Als ihm sein zugedröhnter Handlanger Jake Mazursky (Ben Foster) geschuldetes Geld nicht zurückbezahlt, entführen Johnny und sein Kumpel Frankie (Justin Timberlake) fast beiläufig dessen jüngeren Bruder Zack (Anton Yelchin). Der dumme Streich eskaliert, die Polizei beginnt nach ihnen zu fahnden. Und auf Kindesentführung winkt eine lebenslange Haftstrafe. Während sich Frankie mit dem Jungen anfreundet, sieht Johnny nur noch einen Ausweg: Zack muss umgebracht werden, damit er sie nicht verpfeifen kann.
Ursprung der Gewalt
„Freedom Writers” macht die Entstehung der Gewalt in der Intoleranz gegenüber Andersartigkeit aus. Stolz, Vorurteile und Rassenunterschiede sind für die verfeindeten Gangs Mordmotive. Diese Erkenntnis bringt Lehrerin Erin auf die Idee, die zerstrittenen Teenager auf die bis dato vielleicht schlimmsten Auswüchse einer solchen Lebenseinstellung Aufmerksam zu machen. „Weiss irgendjemand, was der Holocaust ist?” fragt sie ihre Klasse. Nur einer hebt die Hand: Der einzige weisse Schüler. Erin kontrastiert die Gewaltdelikte der Jugendlichen mit den Exzessen der „grössten Gang” der modernen Geschichte, den Nazis. Es folgt ein Besuch in ein Kriegsmuseum zum Gedenken an die im Zweiten Weltkrieg getöteten Juden, die Lektüre des „Tagebuchs der Anne Frank” und schliesslich ein Zusammensitzen mit Überlebenden des Kriegs. Erin ermutigt ihre Schülerinnen und Schüler dazu, ihre eigenen Geschichten in Tagebüchern festzuhalten. So finden sie zueinander - Worte vereinen sie dort wieder, wo Waffen sie getrennt hatten.
Diesen Beitrag weiterlesen »
Kommentieren » |
Rezensionen | 1. März 2007 von Lory Roebuck
THE GOOD GERMAN / Alle Filme von Regisseur Steven Soderbergh unterscheiden sich grundlegend voneinander. In „The Good German” packt er einen Krimi mit George Clooney und Cate Blanchett in das vom Zweiten Weltkrieg verwüstete Berlin. Gefilmt ist das Ganze im Retro-look des klassischen Hollywoods der 1940er.
1945, kurz nach Kriegsende. Der amerikanische Kriegskorrespondent Jake Geismer (George Clooney) reist nach Berlin, um über die bevorstehende Potsdamer Friedenskonferenz zu berichten. Jake hat hier früher gelebt und ein Nachrichtenbüro geleitet, doch die einst prächtige Stadt ist nun von Ruinen überzogen. Als Fahrer wird ihm Tully (Tobey Maguire) zugewiesen, ein korrupter Kleinstadtamerikaner, der auf dem Schwarzmarkt handelt. Die deutsche Prostituierte Lena Brandt (Cate Blanchett), Jakes Berliner Freundin von früher, hat mit Tully angebandelt um an Ausreisepapiere zu gelangen. Jake wittert schon bald nach seiner Ankunft eine Story, als er einem Mord auf die Spur kommt. Dieser scheint seltsamerweise weder die amerikanischen noch die russischen Behörden der Alliierten gross zu interessieren. Die Spur führt Jake zu einer Intrige, in die sowohl Lena als auch ihr für tot erklärter Mann Emil Brandt verwickelt sind.
Mal gross, mal klein
Steven Soderbergh ist einer der innovativsten Regisseure Hollywoods. Jeder neue Film von ihm muss etwas anderes sein als das Bisherige. Er weiss sowohl grosse Big-budget-Produktionen („Ocean’s Eleven” und „Ocean’s Twelve”) als auch kleinere Indieprojekte („Traffic”, „Out of Sight”) erfolgreich zu inszenieren. Mit dem Erlös aus seinen Kassenschlagern finanziert Soderbergh jeweils experimentellere Filmprojekte, die zwar keinen Geldregen versprechen, ihm aber umso mehr am Herzen liegen. Ein solches Unterfangen ist „The Good German”, seine neuste Arbeit - ganz in Schwarzweiss präsentiert und trotz des schauspielerischen Staraufgebots alles andere als massentauglich.
Diesen Beitrag weiterlesen »
Kommentieren » |