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    Wenn die Sonne stirbt

    Rezensionen | 19. April 2007 von Lory Roebuck

    SunshineSUNSHINE / Unsere Sonne ist der wichtigste Lebensspender für die Erde. Was wäre, wenn sie schon in naher Zukunft verglüht? Dieses Szenario nimmt Kultregisseur Danny Boyle als Ausgangslage für einen klugen und spannenden Science-Fiction-Thriller.

    Heute in fünfzig Jahren ist die Sonne am Sterben und die Erde in einen ewigen Winter gefallen. Eine internationale Besatzung an Astronauten und Wissenschaftlern reist an Bord des Raumschiffs Icarus II zum dahinscheidenden Stern. Ihre Mission lautet, mithilfe einer riesigen Atombombe die Sonne wieder zu entzünden. Aber schon bald nachdem der Funkkontakt mit der Erde verloren geht, empfängt die Besatzung ein Notsignal der Icarus I - das Schiff, das auf ähnlicher Mission sieben Jahre zuvor spurlos verschwand. Nachdem der Kurs der Icarus II leicht geändert wird, um möglichst nahe am anderen Schiff vorbeizufliegen, gerät die Mannschaft aufgrund einer schwerwiegenden Unachtsamkeit in tödliche Gefahr. Dazu kommt, dass die endlose Weite des Weltalls und die ungeheure Grösse der Sonne die Icarus-Crew langsam um ihren Verstand zu bringen scheint.

    Das 1×1 des Science-Fiction
    Danny Boyle ist auf seiner Reise durch die Landschaft der verschiedenen Filmgenres im All angekommen. Mit „Sunshine” kann der britische Kultregisseur („Trainspotting”, „The Beach”, „28 Days Later”) nun Science-Fiction als eine weitere Kategorie abhaken, die er gemeistert hat. Sein neuer Film ist zwar von Sci-Fi Klischees geradezu durchzogen (Conaisseurs des Genres werden viele Anspielungen auf Filme wie „Alien”, „Event Horizon” und „Solaris” finden), aber der Mangel an Originalität wird mehr als wettgemacht durch „Sunshines” Spannungskurve. Drehbuchautor Alex Garland, der mit Boyle bereits für „The Beach” und „28 Days Later” zusammengespannt hat, wob auf geschickte Art und Weise die Story zu einem Thriller, der an Spannung kaum zu überbieten ist. Je weiter der Film fortschreitet, desto mehr finden wir uns in unseren Kinosessel hineingedrückt. Die Figuren auf der Leinwand sind ständig entweder am Rennen, sich Verstecken, Schreien, Weinen, Durchdrehen oder Sterben. Und Letzteres in nicht geringem Masse. Die brilliante Filmmusik von Karl Hyde, John Murphy und Rick Smith - stimmungsvoll und eindringlich zugleich - bietet eine perfekte Umrahmung für die angespannte und manchmal klaustrophobische Grundstimmung des Films.

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    Rezension: “300″ von Zack Snyder

    Rezensionen | 5. April 2007 von Lory Roebuck

    Rezension: "300" von Zack Snyder

    Die brutalen Comics von Frank Miller erleben auf der Kinoleinwand eine erfolgreiche Wiedergeburt. Nach „Sin City” wurde nun sein antikes Schlachtenepos „300″ verfilmt. Der kurzweilige Actionkracher besticht mit überwältigenden Bildern und einer absurden Handlung.

    Im antiken Griechenland zieht 480 vor Christus der Spartanerkönig Leonidas (Gerard Butler) mit seinen 300 besten Kämpfern in den Krieg. Im Nadelöhr der Thermopylen gilt es, die übermächtige Streitkraft der Perser davon abzuhalten, ihr Imperium Richtung Westen auszudehnen. Während der persische König und selbsternannte Halbgott Xerxes (Rodrigo Santoro) Welle um Welle seiner Legionen auf die kleine Armee Spartas hetzt, versucht Königin Gorgo (Lena Headey) beim spartanischen Parlament vergeblich eine grössere militärische Unterstützung für ihren Gatten Leonidas auszuhandeln. Tagelang halten die 300 Superkrieger ihre Stellung, selbst gegen gröbere Geschütze wie Riesenelefanten, Nashörner und die eintausend Ninja-ähnlichen „Unsterblichen”. Aber mit Hilfe des Verräters Ephialtes (Andrew Tiernan) gelingt es Xerxes schliesslich doch noch, den Griechen in den Rücken zu fallen.

    Kassenschlager
    Mit dem fulminanten Start von „300″ purzelten in den USA gleich reihenweise Einspielrekorde im sonst so flauen Kinomonat März. Die Comicadaption scheint ein noch breiteres Publikum anzusprechen, als der Verleih sich das im Vorfeld zu erhoffen wagte. Und verschiedener könnte die Mischung an Zuschauern, die ins Kino strömt, kaum sein: Videospiele-Fans kommen wegen der ausgeprägten Gewaltszenen, Geeks wegen dem Graphic-Novel-Ursprung, Frauen wegen den leichtbekleideten Kriegern mit den omnipräsenten Sixpacks, Ältere wegen dem historischen Rahmen. Alle wollen scheinbar diesen Film sehen.

    Dabei galt „300″ schon lange als Geheimtipp - seit die ersten Filmeindrücke im Juli 2006 an der San Diego Comic Con (des alljährlich stattfindenden Grossereignisses um kommende Hollywoodproduktionen) die Zuschauer zu grossem Staunen und lautem Beifall animierten. Diese frühen Bilder des Films verhiessen nämlich einen  Augenschmaus, der seinesgleichen sucht. In dieser Hinsicht, so stellt sich jetzt beim Kinostart heraus, hält der Film sein Versprechen.

    Fakt versus Fiktion
    Aber „300″ löste nach seiner Weltpremiere an den Berliner Filmfestspielen im Februar gemischte Reaktionen aus. Einerseits wurde dem Film für seine überwältigende visuelle Dimension mit frenetischem Applaus Tribut gezollt. Andererseits brüskierte sich manch einer an der von faschistischen Gedanken geprägten Handlung, die scheinbar den Vorzug von zügelloser Gewalt gegenüber sachlicher Diplomatie propagiert. Kritik dieser Art gipfelte schliesslich darin, dass der Iran bei der UNO gegen den Film protestierte: Er würde ihre persischen Vorfahren als blutrünstige Ungeheuer diffamieren und historische Tatsachen verfälschen.

    Eine genauere Betrachtung der Filmhandlung lässt im Grunde genommen aber nur einen Schluss zu: Als historische Abhandlung lässt sie sich genausowenig Ernst nehmen, wie der Film an sich. Dazu sind der Plot, die Figuren und die Dialoge viel zu bescheuert und/oder überrissen. Schwächlich-aussehende Neugeborene werden sogleich einen Hang hinunter geworfen, an dessen Abgrund sich die Schädel bereits türmen; spartanische Kinder kriegen ihre spätere Furchtlosigkeit täglich eingeprügelt; Leonidas und seine Krieger stapeln die toten Feinde zu einer meterhohen Schutzwand, während der Spartanerkönig genüsslich in einen Apfel beisst und sich ob des persischen Abgesandten mockiert; Köpfe und andere Gliedmassen werden in regelmässigem Takt abgehackt und fliegen in Zeitlupe und Nahaufnahme durch die Luft. Wer solche skurrilen Szenen nicht mit einem ironischen Schulterzucken sofort abtut, ist selbst Schuld.

    Visuelles Feuerwerk
    Einen tieferen Sinn hinter der ganzen Affiche wird man nämlich vergeblich suchen. „300″ ist ein Kinospektakel, das sich nur rein ästhetisch befriedigend erleben lässt. Soll heissen: Gehirn für zwei Stunden ausschalten und sich dem visuellen Feuerwerk zwecks Popcorn-Unterhaltung hingeben. Teils eins-zu-eins hat Regisseur Zack Snyder („Dawn of the Dead”) die Einstellungen aus dem Originalcomic von Frank Miller (seinerseits der Erfinder von „Sin City”, das 2005 unter seiner Mitarbeit ebenfalls erfolgreich verfilmt wurde) übernommen. Dabei verzichtete Snyder auf mühselige und teure Aussenaufnahmen an Originalschauplätzen und liess stattdessen minimalistische Sets vor riesigen Bluescreens im Filmstudio aufbauen, die in der Nachbearbeitung mit digital-erstellten Landschaften aus dem Computer vervollständigt wurden.

    Geschickterweise zielte der Filmemacher aber nicht auf möglichst echt wirkende Spezialeffekte ab, sondern wählte ganz im Gegenteil eine absichtlich opernhafte Ästhetik. Nicht selten erinnert der verwischte Pastellfarben-Look eher an ein Gemälde als an eine Filmeinstellung. Mit modernsten Methoden konstruierten Snyder und sein Team somit eine ungeheure visuelle Epik, die neue Massstäbe setzt. Die Zeitlupengemetzel und der Rockmusiksoundtrack komplettieren dann die scheinbar zeitgemässe Videoclipästhetik, dank der andere kürzlich erschienene Sandalenepen wie „Troy” und „Alexander” neben „300″ verblassen.

    Ernüchterung
    „300″ mag zwar den Platz eines technischen Meilensteins einnehmen, er ist aber bei Weitem kein cineastisches Meisterwerk. Zwischen der Epik der Bilder und die der Handlung klafft eine zu grosse Lücke. Snyders Film hat zweifellos dem Potential des Kinos aufregende neue Möglichkeiten abgewonnen, aber die fehlende Tiefe in der Story und der plumpe Pathos in den Dialogen, so programmatisch sie auch sein mögen, trüben schlussendlich den Filmspass doch noch ein wenig. Oder anders gesagt: Snyder ist eine getreue und innovative Comicadaption gelungen, die einen überdurchschnittlichen Film hergibt. Ein ausgereifterer Plot aber hätte „300″ zum unvergesslichen Filmerlebnis gemacht.

    Bewertung: 3 Sterne

    Infos:
    “300″, USA 2007, 117 Min., R: Zack Snyder, D: Gerard Butler, Lena Headey, David Wenham, Dominic West, Rodrigo Santoro, Vincent Regan, Michael Fassbender, Andrew Tiernan

    Im Kino ab: 5.4.2007