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    Rezension: “The Duchess” mit Keira Knightley

    Neu im Kino, Rezensionen | 31. März 2009 von Lory Roebuck

    Rezension: "The Duchess" mit Keira Knightley

    Saul Dibbs historischer Kostümfilm mit Keira Knightley und Ralph Fiennes ist prachtvoll anzusehen, erzählt aber eine weitgehend langweilige Geschichte.

    Am Ende des 18. Jahrhunderts wird die siebzehnjährige Georgiana (Keira Knightley) mit dem weitaus älteren Herzog von Devonshire (Ralph Fiennes) verheiratet. Als sie ihm in den ersten Ehejahren keinen männlichen Erben gebärt, gibt sich der Herzog zahlreichen Affären hin, obwohl Georgiana ihre gemeinsamen Töchter und ein uneheliches Kind von ihm liebevoll grosszieht. Ihr einziger Halt ist die mittellose Lady Bess Foster (Hayley Atwell), die Georgiana zu einer Affäre mit ihrem früheren Schwarm und dem zukünftigem Premierminister Charles Grey (Dominic Cooper) rät. Der heuchlerische Herzog, der bald mit Bess anbandelt, duldet aber die Seitensprünge seiner Herzogin nicht.

    Biografie einer Aristokratin
    “The Duchess” basiert auf dem gleichnamigen Roman von Amanda Foreman. Ihr Buch ist eine Biografie der realen Figur Georgiana Cavendish, eine englische Aristokratin, die 1774 dem Duke of Devonshire angetraut wurde und später als vom Gatten vernachlässigte Duchess von Devonshire zum prominenten Trendsetter in Sachen Mode avancierte. Die Verfilmung des Materials wurde dem relativ unerfahrenen Saul Dibb überantwortet, der zuvor erst einen einzigen Kinofilm abgedreht hatte. Sein “Bullet Boy” wurde 2004 aber immerhin für den British Independent Film Award nominiert.

    Ein Fest fürs Auge
    Pathé und die BBC statteten Dibbs neue Produktion mit einem beachtlichen Budget aus, mit dem er den renommierten Darsteller Ralph Fiennes und die gross angesagte Keira Knightley für das Projekt gewinnen konnte. Knightley überzeugte schon in Joe Wrights Jane Austen-Verfilmung “Pride and Prejudice” (2005) in einem Kostümfilm. An ihr wurde nun die gesamte Vermarktung von “The Duchess” aufgehängt, Knightleys Gesicht ziert ganz gross jedes Filmplakat. Tatsächlich liefert die junge Schauspielerin im Film eine überraschend nuancierte Vorstellung ab.

    Das Geld floss aber nicht nur in die Besetzung, sondern augenscheinlich auch in die Aufmachung des Films. Die Adelshäuser im ländlichen England und ihre prunkvollen Innenräume wurden von Kameramann Gyula Pados (”Sorstalanság”) prachtvoll und mit guten Auge aufgenommen. Mit seinen aufwendigen und detailreichen Kostümen ging Michael O’Connor an der diesjährigen Oscarverleihung verdientermassen als Sieger hervor. Und Georgianas zahlreiche, von der 17-teiligen Maskenabteilung hergerichtete Frisuren verdienten eine eigene Betrachtung ganz für sich alleine.

    Fehlende Dramatik
    Diese Punkte machen aber bereits den ganzen Reiz von “The Duchess” aus. Der Film enttäuscht nämlich handlungstechnisch mit einer überraschend konsequent fehlenden Dramatik. Zum Einen ist es zwar lobenswert, dass anfangs aufgeworfene Klischees (junges Mädchen muss unliebenden älteren Mann heiraten, sehnt sich aber nach gleichaltrigem Liebhaber) nicht zu Ende gedacht werden. Zum Anderen laufen solche Ansätze aber auf ziemlich gar nichts hinaus. Damit wird nicht nur keine künstliche Spannung erzeugt, sondern auch keine Spannung per se.

    So schlendert “The Duchess” in gemächlichem Tempo voran, ohne das viel passiert; und wenn doch etwas passiert, dann ohne dass die Hauptfiguren gross davon beeinflusst werden. In dieser Hinsicht ist der Film ein frustrierendes Erlebnis. Seine Figuren unternehmen irgendwie nicht genug gegen ihre Missstände, und ihre (fehlenden) Absichten bleiben dem Zuschauer oft genauso schleierhaft, wie die Motive des Herzogs, der von Ralph Fiennes fast belanglos als passiv-aggressiver Langweiler gespielt wird.

    Fazit
    “The Duchess” kann sich in ästhetischer Hinsicht mit anderen Kostümfilmen messen lassen und weiss mit einer starken Hauptdarstellerin zu überzeugen. Das langsame Erzähltempo und die ereignisarme Handlung trüben den Filmspass aber ungemein.

    Bewertung: 3 Sterne ("Sehenswert")

    Infos:
    “The Duchess”, Grossbritannien 2008, 110 Min., R: Saul Dibb, D: Keira Knightley, Ralph Fiennes, Simon McBurney, Dominic Cooper, Charlotte Rampling, Hayley Atwell, Aidan McArdle, Angus McEwan, Richard McCabe, Georgia King.

    Im Kino ab: 02.04.2009


    “Der Kaufhaus Cop” setzt sich an die Spitze

    Zuschauerzahlen | 31. März 2009 von Lory Roebuck

    Kevin James ist "Der Kaufhaus Cop"

    Dem veregneten Wetter und einer ganzen Reihe an neuen Kinofilmen ist es zu verdanken, dass Deutschschweizer Kinos dieses Wochenende einen wahren Besucherzustrom erlebten. Insgesamt 111′732 Personen wollten ins Kino, was gegenüber der Vorwoche einen gewaltigen Anstieg um 42% ausmacht.

    Von den je nach Region bis zu neun Neustarts schafften “Paul Blart: Mall Cop”, “Beverly Hills Chihuahua” und “Che Part One: The Argentine” den Sprung in die Top Ten. Der vierte Neuling unter den zehn Meistbesuchten ist der Trickfilm “The Tale of Despereaux”, der bereits vorletzte Woche angelaufen war und jetzt einen Besucheranstieg verzeichnen konnte.  

    “Paul Blart: Mall Cop” war zwar in der gesamten Deutschschweiz nur in seiner synchronisierten Fassung als “Der Kaufhaus Cop” zu sehen, konnte sich dank dem Comedyfaktor aber an die Spitze der Besuchercharts setzen. Nicht weniger als 32′062 Menschen haben sich diesen Klamauk angetan; über insgesamt 29 Leinwände verteilt ergibt das einen unglaublichen Schnitt von 1106 Zuschauern pro Leinwand!

    Selbst der bei den Zuschauern ungemein beliebte “Slumdog Millionaire” kann da nicht mehr mithalten, auch wenn er gegenüber der Vorwoche ein Plus von 3000 Zuschauern erreichte. Auf dem zweiten Platz kommt der Oscarabräumer mit 19′561 Zuschauern vor 32 Leinwänden aber auf einen immernoch hervorragenden Schnitt von 611 Personen pro Leinwand.

    Derweil hält sich “Die Standesbeamtin” gut auf Platz 4, auch wenn die Schweizer Liebeskomödie viel besser fürs kleinformatige Fernsehen geeignet wäre. 10′579 Menschen haben den Film an seinem zweiten Wochenende geschaut, das reicht für Platz 4. Zuschauerschnitt: 341 Personen pro Leinwand.

    “Beverly Hills Chihuahua”, der zweite Neueinsteiger, schaffte es gleich dahinter mit 8404 Zuschauer auf Platz 5. Die Hundekomödie für Kinder wurde auf 41 Leinwänden gezeigt (Spitzenwert in der Top Ten), was insgesamt einen Schnitt von 205 Zuschauern pro Leinwand ergibt.

    Gut besucht wurde auch “Che Part One: The Argentine”. Obwohl der erste Teil von Steven Soderberghs “Che”-Biografie nur auf 11 Leinwänden gezeigt wurde, schaffte er es auf fast 5000 Zuschauer und Platz 9 der Besuchercharts mit einem sehr guten Schnitt von 442 Zuschauern pro Leinwand.

    Diesen Donnerstag starten drei neue Kinofilme, von denen der Dreamworks-Animationsfilm “Monsters vs. Aliens” gute Aussichten auf einen Spitzenplatz hat. “The Duchess” dürfte ebenfalls ein Publikum finden, zumal historische Kostümfilme hierzulande eine beachtliche Fangemeinde haben; dass der Film mit Keira Knightley und Ralph Fiennes prominent besetzt ist wird noch zusätzlich anlocken.

    Der wahre Höhepunkt unter den dieswöchigen Neustarts ist aber der schwedische Genrefilm “Let The Right One In” von Tomas Alfredson, dessen Sichtung ich jedem nahelegen will. Wenn ihr dieses Jahr auch nur ein einziges Mal ins Kino geht, dann stellt sicher, dass es dieser Film ist, den ihr schaut. Meine ausführliche Besprechung dieses Meisterwerks, sowie meine Rezensionen der anderen beiden Neustarts, folgen in den nächsten paar Tagen.

    Hier noch das vergangene Kinowochenende Überblick:

    Deutschschweiz Woche 13: Do 26.3. - So 29.3.2009
      Filmtitel Screens Admissions
    1. “Der Kaufhaus Cop” 29 32062
    2. “Slumdog Millionaire” 32 19561
    3. “The Reader” 23 12110
    4. “Die Standesbeamtin” 31 10579
    5. “Beverly Hills Chihuahua” 41 8404
    6. “Gran Torino” 29 7572
    7. “Marley and Me” 38 7162
    8. “Confessions of a Shopaholic” 25 5767
    9. “Che Part One: The Argentine” 11 4859
    10. “The Tale of Despereaux” 26 3656

    Totale Zuschauerzahl (Top 10) Deutschschweiz: 111′732.

    Zahlen: SFV.


    John Ford, Danièle Huillet und Jean-Marie Straub diesen April im Stadtkino Basel

    Aktuelle Themen, Retrospektiven | 31. März 2009 von Lory Roebuck

    John Wayne in John Fords "Stagecoach" (1939)

    Das Stadtkino Basel hat sein Programm für den Monat April bekannt gegeben. Gezeigt werden Retrospektiven des Filmschaffens von John Ford und von Danièle Huillet und Jean-Marie Straub.

    John Ford ist bekannt für Western wie “Stagecoach” (1939) und “The Searchers” (1956), die unter anderem den Schauspieler John Wayne zur Westernlegende machten, sowie für Literaturadaptionen wie “The Grapes of Wrath” (1940). Ganze vier Mal wurde Ford an der Oscarverleihung als Bester Regisseur ausgezeichnet (1935, 1940, 1941, 1952) und ist damit alleiniger Rekordhalter. Fords Einfluss auf das Kino war so gross, dass er von Regiegrössen wie Ingmar Bergman und Orson Welles als grossartigster Regisseur aller Zeiten bezeichnet wurde.

    Das Stadtkino zeigt folgende 18 Filme aus Fords Werk:
    “The Informer” (1935), “The Whole Town’s Talking” (1935), “The Hurrican” (1937), “Stagecoach” (1939), “Young Mr. Lincoln” (1939), “The Grapes of Wrath” (1940), “How Green Was My Valley” (1941), “My Darling Clementine” (1946), “She Wore A Yellow Ribbon” (1949), “The Quiet Man” (1952), “Mogambo” (1953), “The Searchers” (1956), “The Last Hurrah” (1958), “Sergeant Rutledge” (1960), “The Man Who Shot Liberty Valance” (1962), “Donovan’s Reef” (1963), “Cheyenne Autumn” (1964) und “Seven Women” (1966).

    Das Filmemacherduo Danièle Huillet und Jean-Marie Straub zeichneten sich zwischen 1963 und 2006 mit einer Reihe an intellektuellen Literatur-, Opern- und Theateradaptionen aus. Ihr eigenwilliges Werk, das unter anderem Vorlagen von Brecht, Kafka und Schubert aufgriff, war mitunter auch von einer stark marxistischen Grundhaltung geprägt. Ihr kompromissloser Umgang mit Sprache, Bild und Ton mündete in einer strengen und einzigartigen Filmästhetik.

    Das Stadtkino zeigt folgende acht Filme vom Duo Huillet-Straub:
    “Chronik der Anna Magdalena Bach” (1968), “Geschichtsunterricht” (1972), “Dalla nube alla resistenza” (1978), “Klassenverhältnisse” (1983), “Von heute auf morgen” (1996), “Sicilia!” (1999), “Quei loro incontri” (2006) und “Itinéraire de Jean Bricard” (2008). Dazu wird an zwei Daten ein kleines Straub-Huillet Kurzfilmprogramm gespielt.

    Ich werde mir sicherlich eine Handvoll aus dieser Auswahl ansehen, und hoffentlich wieder einige Retrospektiven dazu verfassen.

    Die genauen Spielzeiten und detaillierte Beschreibungen zu den einzelnen Filmen können auf Stadtkino.ch in Erfahrung gebracht werden.


    Cronenberg plant “Eastern Promises”-Fortsetzung

    Ausblicke | 31. März 2009 von Lory Roebuck

    Viggo Mortensen in "Eastern Promises"

    David Cronenberg, Meister des Körperhorrors, möchte wieder in die Welt der Russischen Mafia abtauchen - der kanadische Regisseur plant eine Fortsetzung zu seinem letzten Film “Eastern Promises” (2007).

    “Wir kommen damit vorwärts,” gab Cronenberg gegenüber MTV News in einem exklusiven Gespräch bekannt. “Die Idee, ein Sequel zu machen, hat uns alle begeistert.” Dieses uns umfasst neben Cronenberg Schauspieler Viggo Mortensen, der für seine Rolle als Nikolai für einen Oscar nominiert wurde, Drehbuchautor Steve Knight, Produzent Paul Webster, und das Filmstudio Focus Features.

    “Wir werden sehr bald ein Treffen zwischen mir, Steve Knight und Paul Webster abhalten, um zu besprechen, wie das Drehbuch aussehen soll,” sagt Cronenberg. “Ich habe einige sehr starke Ideen darüber, was ich sehen will, aber ich möchte auch hören, was sie zu sagen haben. Danach, wenn alles gut läuft, geht Steve weg und schreibt ein grossartiges Drehbuch. Wenn es uns allen gefällt, dann machen wir das.”

    Cronenbergs Filmografie ist zwar umfangreich, Fortsetzungen finden sich darin aber keine. Der Regisseur verspürte bisher noch nie das Bedürfnis zu einer früheren Arbeit zurückzukehren. “Es ist das erste Mal, dass ich in einer Situation bin, in der ich tatsächlich eine Fortsetzung von etwas machen will. Ich hatte zuvor nie das Bedürfnis danach. Aber in diesem Fall dachte ich, wir hätten mit diesen Figuren noch eine Rechnung offen. Es fühlte sich für mich nicht so an, als hätten wir mit Nikolai abgeschlossen, und wir hatten mehr Nachforschungen betrieben, als wir in diesen einen Film packen konnten.”

    Während die Filmfigur Nikolai ganz bestimmt im Vordergrund der Fortsetzung stehen wird, kann man noch nicht abschätzen, ob die anderen Hauptfiguren - wie die von Naomi Watts gespielte britische Hebamme Anna, oder Vincent Cassels launischer Gangster Kirill - ebenfalls Teil der Handlung des Sequels sein werden. Beide Schauspieler wurden bezüglich einer möglichen Rückkehr noch nicht angefragt.

    Gegenwärtig ist Cronenberg einfach fasziniert von der Möglichkeit, mit Viggo Mortensen (nach “A History of Violence” und “Eastern Promises”) ein drittes Mal zusammen arbeiten zu können. “Viggo ist ein ganz spezieller Typ,” sagt Cronenberg. “Ich betrachte ihn als persönlichen Freund und wir stehen ständig in Kontakt. Mit Schauspielern passiert das nicht immer. Er ist sehr seriös, was die Schauspielerei angeht. Aber er ist ein wirklich lustiger Typ. Wir lachen viel. Wir kichern viel.”


    Eindrücke von der Kurzfilmnacht

    Aktuelle Themen | 30. März 2009 von Lory Roebuck

    Die Kurzfilmnacht-Tour 2009 in Basel (Fotos: kurzfilmnacht-tour.ch)

    Vergangenen Freitag machte die Kurzfilmnacht-Tour von Swiss Films in Basel im kult.kino Atelier halt. Aufgrund der grossen Nachfrage wurde das mehrstündige Programm, das in vier Themenblöcke unterteilt war, in zwei separaten Säalen zeitversetzt gezeigt. Beide Säale waren ausverkauft.

    Dem eigentlichen Programm, das 31 Kurzfilme umfasste, ging um 20.45 Uhr die tourexklusive Premiere von “Second Me” der Baslerin Anna Thommen voran. Der Kurzdokumentarfilm wurde bereits mit mehreren nationalen Filmpreisen ausgezeichnet; Thommen konnte an der Basler Premiere nicht anwesend sein, da sie und ihr Film zu einem Film Festival in Brasilien eingeladen worden waren. “Second Me” kam auch beim Basler Publikum sehr gut an. Der hervorragend geschnittene und erzählte Film über einen IV-Bezüger, der die ganze Zeit Zuhause sitzt und sich online in der virtuellen Welt von “Second Life” ein erfolgreiches Alter Ego geschaffen hat, entlockte dem Saal einige Lacher und einen grossen Applaus.

    Anhand des Klatschens konnte man ganz allgemein den Zuspruch jedes Kurzfilms einschätzen. Gefiel ein Film sehr, wurde er sofort beim Beginn des Abspanns beklatscht; machte er nur mässig Eindruck, wurde erst ganz am Schluss des Abspanns und eher aus Höflichkeit applaudiert. Den grössten Anklang fanden lustige Kurzfilme, darunter im Block Schweizer Filmpreis Quartz 2009 die für den Schweizer Filmpreis nominierten animierten Werke “Die Seilbahn” von Claudius Gentinetta und Frank Braun sowie Quartz-Gewinner “Tôt ou tard” von Jadwiga Kowalska.

    “Die Seilbahn”, über einen alten Mann in einer von Wetter und Rost angegriffenen Seilbahnkapsel, bestach durch seine Situationskomik und den mit zunehmender Höhe immer skurriler werdenden Probleme, mit denen sich der alte Mann auseinander setzen muss. “Tôt ou tard” dagegen gefiel mir vor allem in seiner Perspektive: Gezeigt wurde ein unterirdisches Räderwerk, das Tag und Nacht steuert. Die Äste des darüberliegenden Baumes bewohnt am Tag ein Eichhörnchen, in der Nacht eine Fledermaus. Als eine Haselnuss die Fugen ins Stocken bringt, spannen die beiden Tiere in herzigen Bildern zusammen, um ihren geregelten Tagesablauf wiederherzustellen.

    Gezeigt wurden innerhalb dieses Blocks auch die nicht-animierten Kurzfilme, die für den Quartz nominiert wurden. “Monsieur Sélavy” von Peter Volkart, über die Schieflagen des Daseins, war mir zu sinnlos abstrakt, und “Ich träume nicht auf Deutsch” von Ivana Lalovic, über die Absurdität des Kriegs, in seinen Wendungen zu konstruiert. Umso mehr gefiel mir Lorenz Merzs “Un dia y nada”, der zurecht den Schweizer Filmpreis gewann, beim Publikum aber überhaupt nicht ankam. Für einen Kurzfilm erstaunlich langsam erzählt (was viele wohl als langweilig empfanden), studiert “Un dia y nada” in eindrücklich symbolträchtigen Bildern die Natur von drei verschiedenen Generationen.

    Im zweiten Block der Kurzfilmnacht wurde eine Auswahl an One Shot Movies gezeigt, eine Art Subgenre zum Kurzfilm, die sich dadurch auszeichnet, dass die Filme mit nur einer einzigen Kameraeinstellung, ohne Schnitt auskommen. Gleich beim ersten Film stellte ich aber fest: Die Umschreibung “ohne Schnitt” stimmt nicht ganz. Die eine Einstellung bleibt zwar immer bestehen, dazwischen finden aber immer wieder sogenannte unsichtbare Schnitte statt (z.b. wenn das Bild kurz dunkel wird und dann der Schauplatz verändert wurde).

    In diesem Block wussten fast alle Filme zu überzeugen, heraus ragten aber der erste und der letzte: In “Ketchup” von Ivan Goldschmidt und Manu Coeman (Belgien 1996) nahm die Kamera die Position der letzten Ketchupflasche in einer Imbissbude ein. Diese wird von Tisch zu Tisch weitergereicht, wobei der Zuschauer immer einen kurzen Einblick in das Leben der verschiedenen Gäste erhält. In “The Facts in the Case of Mister Hollow” von Rodrigo Gudino und Vincent Marcone (Kanada 2008), das den Block abschloss, wurde ein einziges Foto gezeigt, dessen Geschichte sich laufend änderte und immer mehr zuspitzte, je nachdem, welche Details auf dem Foto näher gezeigt wurden, oder in welcher Reihenfolge die Kamera diese untersuchte. Wie hier aus einem statischen Bild eine hoch-dynamisch Handlung entsteht ist schlicht genial!

    Dazwischen gab es mit Balint Kenyeres “Before Dawn” (Ungarn 2005) ein bildstarkes Flüchtlingsdrama zu sehen, und mit Chris Niemeyers “30 Sekunden Schweiz” (CH 2005), dem kürzesten Film der Nacht und eines der am lautesten beklatschten, eine witzige Aufsummierung der Geldwerte aller Autos, die innerhalb von 30 Sekunden an der Kamera vorbeirasen. In “On a Wednesday Night in Tokyo” (Deutschland 2004) zeigt Jan Verbeek, wie sich Japanische Geschäftsleute in einen bereits vollgestopften U-Bahn-Wagon hineinzwängen - sechs Minuten lang, bis an den Rand des Unerträglichen. Wobei man annehmen kann, dass ausserhalb des Bildes Menschen wieder ausgestiegen sind, um den neuen Platz zu machen - und somit die Faszination des Filmes gleich wieder dekonstruiert wird. Am allerwenigsten Gefallen fand ich an “Public Spaces” von Martjin Veldhoen (Holland 2006), das elf Minuten lang auf aufgesetzte Weise Spannung aufzubauen versucht, um schlussendlich nur auf eine billige, handlungszirkuläre Pointe hinauszulaufen.

    Der dritte Block, La belle voisine, präsentierte ausgewählte Animationsfilme aus Frankreich, genauer genommen aus der der Schweiz angrenzenden Region Rhône-Alpes, die jährlich mit einem renommierten Trickfilmfestival besticht. Tatsächlich wusste fast die gesamte Auswahl, die ein beachtliches Spektrum an unterschiedlichen Animationsstilen offenbarte, zu begeistern. “La grande migration” von Iouri Tcherenkov (1995) beispielweise sorgte mit seiner Erzählung der absurden Abenteuer eines Wandervogels, der den Anschluss verliert, für einige herzhafte Lacher im Publikum. Genauso verhielt es sich mit “Au bout du monde” (1998) von Konstantin Bronzit, einem weiteren Highlight des Abends, das ein Haus zeigt, welches auf der Spitze eines Berges alternativ nach rechts und nach links schwankt - und ob des Ideenreichtums für brüllendes Gelächter sorgte.

    Wegen der fortgeschrittenen Zeit (es war bereits 1.30 Uhr und ich musste am folgenden Morgen relativ früh aufstehen) konnte ich dem finalen Block, Pink Dreams & Nightmares, leider nicht mehr beiwohnen. Gezeigt wurden in Zusammenarbeit mit den lesbisch-schwuligen Filmfestivals Pink Apple und Queersicht acht ausgewählte Kurzfilme aus den letzten zehn Jahren zum Thema Homosexualität, darunter das nicht unbekannte “Ferkel” (Deutschland 1998) von Luc Feit und Simon Steuris “Vandalen” (CH 2008).

    Insgesamt fand ich die Kurzfilmnacht sehr gelungen. Trotz einer kleinen Verspätung war das Ganze gut organisiert und bot zwischen den einzelnen Blöcken immer dankbare Pausen an, in denen man draussen am schönen Theaterplatz frische Luft schnappen oder innen an der Kinokasse bzw. im Restaurant Sonatino Verpflegung holen konnte. Desweiteren wurde jeder Block von einem Vertreter von Swiss Films sachkundig und bündig eingeführt. Diese führten nach der “Second Me”-Premiere auch ein kurzes Interview mit der Kamerafrau und den Musikkomponisten des Films durch (anstelle der abwesenden Regisseurin), das dem Publikum doch einen schönen Einblick in die Entstehung dieser hochinteressanten Filmgattung gewährte, die sich nicht zuletzt dank Reto Caffis Oscar-nominiertem Kurzfilm “Auf der Strecke” (das letztes Jahr im Programm der Kurzfilmnacht lief) aktuell im Hoch befindet.


    Wie kann Steiners “Sennentuntschi” gerettet werden?

    Aktuelle Themen, Schweizer Film | 30. März 2009 von Lory Roebuck

    "Sennentuntschi" von Michael Steiner

    Laut SonntagsZeitung steht die Schweizer Filmproduktion “Sennentuntschi” mit 2.8 Millionen Franken in der Kreide. Regisseur Michael Steiner und sein ausführender Produzent Stephan Barth halten dagegen: Das Budget von 5.5. Millionen Franken sei nur um 4.5 Prozent überschritten und die Subventionen vom Bundesamt für Kultur (1 Million) sauber verwaltet worden. Der Kostenrahmen sei nicht gesprengt worden.

    Das Loch in der Kasse wird unter anderem mit dem Abspringen eines französischen Koproduzents begründet. Zudem fliessen bestimmte Fördergelder, beispielsweise von Eurimages, erst nach Produktionsabschluss, und fallende Preise bedeuteten sinkende Einnahmen aus dem Vorverkauf.

    Steiner und Barth wehren sich gegen das vermeintliche Aus ihres Filmprojekts. Eine rund 100-minütige Rohfassung des Films besteht bereits; ein Darlehen von 1.5 Millionen Franken würde reichen, um den Film diesen Herbst im Kino anlaufen zu lassen. Steiner ist deshalb auf der Suche nach Geldgebern, die bei seiner verschuldeten, aber bisher sehr erfolgreichen Firma Kontraproduktion einsteigen.

    Sollten “Sennentuntschi” oder zukünftige Projekte nur annähernd so erfolgreich sein wie Steiners “Mein Name ist Eugen” oder “Grounding”, würde sich die Investition lohnen, ist der Regisseur überzeugt. Steiner misst “Sennentuntschi” ausserdem auch international Erfolgsaussichten zu. Der Film über drei Alphirten, die sich eine Ersatzfrau basteln, die lebendig wird und sich für ihre Demütigung rächt, sei Stoff für einen Late Night Film, der auch ausserhalb der Schweiz funktioniere.


    Die “Karate Kid” Neuauflage heisst jetzt “The Kung Fu Kid”

    Ausblicke | 30. März 2009 von Lory Roebuck

    Jackie Chan und Jaden Smith

    Hollywoods Ausschlachtung ihrer eigenen Vergangenheit geht munter weiter: “The Karate Kid”, vor mehr als fünfzehn Jahren im vorpubertären Alter einer meiner Lieblingsfilme, wird neu verfilmt. Die Hauptrolle spielt Will Smiths Sohn Jaden Smith, der zusammen mit Papa in “The Pursuit of Happyness” 2007 sein Filmdebüt hatte und kürzlich auch in “The Day the Earth Stood Still” zu sehen gewesen ist.

    Mr. Miyagi, der Mentor des Karate Kids und die Quelle solch zeitloser Einsichten wie “Mann der Fliege mit Stäbchen fängt alles kann erreichen”, wurde im Originalfilm von 1984 von Noriyuki ‘Pat’ Morita gespielt, der dafür sogar eine Oscarnominierung erhielt. In der Neuauflage, der ich mit Grauen entgegenschaue, wurde diese Rolle mit Jackie Chan (”Rush Hour”) besetzt.

    Dieses Vorhaben scheint so sehr auf Ablehnung gestossen zu sein, dass sich Columbia Pictures jetzt dazu entschlossen hat, den Titel des Films in “The Kung Fu Kid” zu ändern, damit das Projekt weniger den Anschein eines Remakes macht. Diese Titeländerung hat zumindest Jackie Chan laut First Showing in den Raum gestellt.

    Die Neuauflage soll an exotischen Schausplätzen spielen, Drehstart ist irgendwann dieses Jahr in Peking. Von Chris Murphys Drehbuch wird gesagt, dass es Elemente aus dem Originalfilm übernimmt, im weitesten Sinn aber kein striktes Remake ist. Laut Informationen von /Film steht Harald Zwart für die Regiearbeit bereit. Zwart führte zuletzt bei “The Pink Panther 2″ Regie, was dieses Filmprojekt nicht gerade in ein besseres Licht rückt.

    “The Kung Fu Kid” soll 2010 in die Kinos kommen.


    “Wall-E” und “Finding Nemo” mit Menschen

    Sonstiges | 29. März 2009 von Lory Roebuck

    Wie hätten die beiden Pixarfilme “Wall-E” und “Finding Nemo” aussehen können, wenn sie mit menschlichen Figuren anstatt mit Robotern bzw. Fischen animiert worden wären? /Film hat zwei amüsante Bilder solcher Neuvorstellungen aufgespürt:

    "Wall-E" mit Menschen neuvorgestellt

    "Finding Nemo" mit Menschen neuvorgestellt

    Die Detailtreue und die jeweilige Wiedergabe der individuellen Charakterzüge ist umwerfend.


    Was ist mit Patient 67 geschehen? Erstes Poster zu Martin Scorseses “Shutter Island”

    Ausblicke | 29. März 2009 von Lory Roebuck

    Im Rahmen eines Artikels über TMG/Concorde, dem Verleiher von Oscargewinner Martin Scorseses neuem Film “Shutter Island”, hat die Berliner Zeitung ein erstes Poster zum Film abgedruckt. Rope of Silicon hat ein Scan davon ins Netz gestellt:

    "Shutter Island" Teaserposter

    Der blutige Schriftzug Was ist mit Patient 67 geschehen? ist ein direkter Verweis auf die Filmhandlung. Das Drama spielt im Jahre 1954 und zeigt die Fahndung des U.S. Marshals Teddy Daniels nach einer Mörderin, die aus einem Spital für Geisteskranke geflohen ist und sich auf der abgelegenen Shutter Island versteckt hält.

    Der Film von Martin Scorsese (”The Departed”) basiert auf dem gleichnamigen Roman von Dennis Lehane (die auch schon die Vorlagen zu “Gone Baby Gone” und “Mystic River” geschrieben hatte). Die Hauptrollen wurden mit Leonardo Di Caprio, Mark Ruffalo, Ben Kingsley, Emily Mortimer und Michelle Williams besetzt.

    “Shutter Island” startet am 8. Oktober 2009 in unseren Kinos.


    Erste Fotos von Nicolas Cage in “Der Zauberlehrling”

    Ausblicke | 29. März 2009 von Lory Roebuck

    Nicolas Cage und Jay Baruchel in "The Sorcerer's Apprentice"

    Jon Turteltaub, der Regisseur von erfolgreichen Mainstreamfilmen wie “Cool Runnings” (1993), “While You Were Sleeping” (1995), und den beiden “National Treasure”-Streifen (2004/2007), bringt nächsten Sommer seine Version des Zauberlehrlings in die Kinos.

    “The Sorcerer’s Apprentice”, so der englische Titel, geht zurück auf das gleichnamige Segment in Disneys “Fantasia” (1940), welches seinerseits auf Johann Wolfgang von Goethes Ballade “Der Zauberlehrling” von 1797 basiert. Ihre Handlung ist wohl den Meisten von uns geläufig: Ein fauler Zauberlehrling versucht einen Zauberspruch an einem Besen, der zuerst seine Arbeit für ihn erledigt, dann aber ausser Kontrolle gerät.

    In Turteltaubs Modernisierung des Stoffes spielt Nicolas Cage, der bereits in den beiden “National Treasure”-Filmen in der Hauptrolle zu sehen war, den Zauberer. Dieser gibt einem Collegestudenten, gespielt von Jay Baruchel (”Knocked Up”, “Tropic Thunder”), einen Crashkurs in der Kunst und Wissenschaft der Zauberei, um ihn auf den Kampf gegen die Mächte des Bösen im heutigen Manhatten vorzubereiten. Alfred Molina (”Spider-Man 2″) spielt den bösen Zauberer Horvath, Teresa Palmer (”Bedtime Stories”) das vom Zauberlehrling angehimmelte Mädchen.

    Im Netz sind nun die ersten Fotos aus dem Film aufgetaucht; ich musste schon zweimal hinsehen, bis ich da unter dem Hut Nicolas Cage erkannt habe. Aber schaut selbst:

    Nicolas Cage und Jay Baruchel in "The Sorcerer's Apprentice"

    Nicolas Cage in "The Sorcerer's Apprentice"

    Nicolas Cage in "The Sorcerer's Apprentice"

    Weitere Bilder gibt es auf Just Jared.

    Voraussichtlicher Kinostart von “The Sorcerer’s Apprentice” ist Juli 2010.