Rezension: “The Duchess” mit Keira Knightley
Neu im Kino, Rezensionen | 31. März 2009 von Lory Roebuck
Saul Dibbs historischer Kostümfilm mit Keira Knightley und Ralph Fiennes ist prachtvoll anzusehen, erzählt aber eine weitgehend langweilige Geschichte.
Am Ende des 18. Jahrhunderts wird die siebzehnjährige Georgiana (Keira Knightley) mit dem weitaus älteren Herzog von Devonshire (Ralph Fiennes) verheiratet. Als sie ihm in den ersten Ehejahren keinen männlichen Erben gebärt, gibt sich der Herzog zahlreichen Affären hin, obwohl Georgiana ihre gemeinsamen Töchter und ein uneheliches Kind von ihm liebevoll grosszieht. Ihr einziger Halt ist die mittellose Lady Bess Foster (Hayley Atwell), die Georgiana zu einer Affäre mit ihrem früheren Schwarm und dem zukünftigem Premierminister Charles Grey (Dominic Cooper) rät. Der heuchlerische Herzog, der bald mit Bess anbandelt, duldet aber die Seitensprünge seiner Herzogin nicht.
Biografie einer Aristokratin
“The Duchess” basiert auf dem gleichnamigen Roman von Amanda Foreman. Ihr Buch ist eine Biografie der realen Figur Georgiana Cavendish, eine englische Aristokratin, die 1774 dem Duke of Devonshire angetraut wurde und später als vom Gatten vernachlässigte Duchess von Devonshire zum prominenten Trendsetter in Sachen Mode avancierte. Die Verfilmung des Materials wurde dem relativ unerfahrenen Saul Dibb überantwortet, der zuvor erst einen einzigen Kinofilm abgedreht hatte. Sein “Bullet Boy” wurde 2004 aber immerhin für den British Independent Film Award nominiert.
Ein Fest fürs Auge
Pathé und die BBC statteten Dibbs neue Produktion mit einem beachtlichen Budget aus, mit dem er den renommierten Darsteller Ralph Fiennes und die gross angesagte Keira Knightley für das Projekt gewinnen konnte. Knightley überzeugte schon in Joe Wrights Jane Austen-Verfilmung “Pride and Prejudice” (2005) in einem Kostümfilm. An ihr wurde nun die gesamte Vermarktung von “The Duchess” aufgehängt, Knightleys Gesicht ziert ganz gross jedes Filmplakat. Tatsächlich liefert die junge Schauspielerin im Film eine überraschend nuancierte Vorstellung ab.
Das Geld floss aber nicht nur in die Besetzung, sondern augenscheinlich auch in die Aufmachung des Films. Die Adelshäuser im ländlichen England und ihre prunkvollen Innenräume wurden von Kameramann Gyula Pados (”Sorstalanság”) prachtvoll und mit guten Auge aufgenommen. Mit seinen aufwendigen und detailreichen Kostümen ging Michael O’Connor an der diesjährigen Oscarverleihung verdientermassen als Sieger hervor. Und Georgianas zahlreiche, von der 17-teiligen Maskenabteilung hergerichtete Frisuren verdienten eine eigene Betrachtung ganz für sich alleine.
Fehlende Dramatik
Diese Punkte machen aber bereits den ganzen Reiz von “The Duchess” aus. Der Film enttäuscht nämlich handlungstechnisch mit einer überraschend konsequent fehlenden Dramatik. Zum Einen ist es zwar lobenswert, dass anfangs aufgeworfene Klischees (junges Mädchen muss unliebenden älteren Mann heiraten, sehnt sich aber nach gleichaltrigem Liebhaber) nicht zu Ende gedacht werden. Zum Anderen laufen solche Ansätze aber auf ziemlich gar nichts hinaus. Damit wird nicht nur keine künstliche Spannung erzeugt, sondern auch keine Spannung per se.
So schlendert “The Duchess” in gemächlichem Tempo voran, ohne das viel passiert; und wenn doch etwas passiert, dann ohne dass die Hauptfiguren gross davon beeinflusst werden. In dieser Hinsicht ist der Film ein frustrierendes Erlebnis. Seine Figuren unternehmen irgendwie nicht genug gegen ihre Missstände, und ihre (fehlenden) Absichten bleiben dem Zuschauer oft genauso schleierhaft, wie die Motive des Herzogs, der von Ralph Fiennes fast belanglos als passiv-aggressiver Langweiler gespielt wird.
Fazit
“The Duchess” kann sich in ästhetischer Hinsicht mit anderen Kostümfilmen messen lassen und weiss mit einer starken Hauptdarstellerin zu überzeugen. Das langsame Erzähltempo und die ereignisarme Handlung trüben den Filmspass aber ungemein.
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Infos:
“The Duchess”, Grossbritannien 2008, 110 Min., R: Saul Dibb, D: Keira Knightley, Ralph Fiennes, Simon McBurney, Dominic Cooper, Charlotte Rampling, Hayley Atwell, Aidan McArdle, Angus McEwan, Richard McCabe, Georgia King.
Im Kino ab: 02.04.2009


























= Meisterwerk








