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    Rezension: “Duplicity” von Tony Gilroy

    Neu im Kino, Rezensionen | 30. April 2009 von Lory Roebuck

    Rezension: "Duplicity" von Tony Gilroy

    Regisseur und Drehbuchautor Tony Gilroy tischt nach seinem Oscar nominierten “Michael Clayton” einen weiteren Konzernthriller auf. Dieser besticht mit Wortwitz, dynamischen Wendungen - und mit Julia Roberts und Clive Owen als charmante Protagonisten.

    Die ehemalige CIA-Beamtin Claire Stenwick (Julia Roberts) und der ehemalige MI6-Agent Ray Koval (Clive Owen) strecken sich nach dem grossen Coup aus. Sie haben ihre jeweilige Arbeit beim Geheimdienst quittiert, um sich bei zwei rivalisierenden Grosskonzernen einzuschleusen. Sie arbeitet beim Titan Howard Tully (Tom Wilkinson) an einem gewinnbringenden neuen Geheimprodukt, er versucht für Chefetagen-Freibeuter Dick Garsik (Paul Giamatti) Tullys Rezeptur zu klauen. In Wirklichkeit aber wollen Claire und Ray in gemeinsamer Sache die beiden Unternehmen gegeneinander ausspielen und selber das grosse Geld machen. Doch sie sind nicht als Einzige mit gewieften Tricks ausgestattet.

    Von Staats-Spionage zum Industriediebstahl
    Der gebürtige New Yorker Tony Gilroy machte sich bis vor Kurzem eigentlich als smarter Drehbuchautor der “Bourne”-Trilogie  einen Namen. Bei seinen Recherchen zu “The Bourne Identity” (2002), “The Bourne Supremacy” (2004) und “The Bourne Ultimatum” (2007) stiess er aber auf viele ehemalige Geheimdienstler, die in die Privatindustrie gewechselt waren. Dieser Gedanke bildete eine Art Sprungsbrett zu seinem gelungenen Regiedebüt “Michael Clayton” (2007), der mit sieben Oscarnominierungen bedacht wurde. Für seine zweite Regiearbeit “Duplicity” wandte Gilroy seinen Blick erneut auf die schmutzigen Machenschaften in der Geschäftswelt - doch anstelle des unnahbaren Einzelgängers George Clooney steht jetzt die Leinwandromanze zwischen Clive Owen und Julia Roberts im Mittelpunkt.

    Der Zuschauer lernt Ray und Claire in mehreren Rückblenden kennen, die das Zustandekommen ihrer Liebesbeziehung nachzeichnet und die eigentliche Haupthandlung um ihren gemeinsamen Coup in Manhatten immer wieder unterbricht. Obwohl Gilroy diese Einschübe etwas zu oft einsetzt, erwirkt er dadurch ein erfrischend dynamisches Storytelling, dass der leichtfüssigen Inszenierung und den geistreichen Dialogen entgegenkommt. Owen und Roberts geben ein charmantes Leinwandduo ab, dem man anmerkt, dass es sich bestens miteinander versteht. Die beiden Hollywoodstars waren bereits 2006 in Mike Nichols Theaterverfilmung “Closer” gemeinsam vor der Kamera gestanden. Ihre Filmfiguren in “Duplicity” mögen mitunter zwar wie Karikaturen aus einer Screwball-Komödie wirken, nichtsdestotrotz ist es immer wieder amüsant mitanzusehen, wie sie sich wiederholt gegenseitig in die Falle tappen, weil sie ihre vertrauenslose Berufslügnernatur nicht ablegen können.

    Doppelspiel
    “Duplicity” - der Titel ist Programm. Nicht nur die persönlichen Verstrickungen zwischen Claire und Ray münden immer wieder in ein ständiges Doppelspiel, auch in den oberen Etagen der Chefs hintergeht jeder jeden, haut bald jeder alle anderen übers Ohr. Gilroy wirft ein Verwirrspiel auf, das immer neue Überraschungen bereit hält. Die Fronten wechseln andauernd, bis sei kaum noch klar umrissen sind. Eine Wendung türmt sich im Handlungsverlauf auf die nächste strudelartig in die Höhe. Am Anfang ist das faszinierend und spassig, nach über zwei Stunden Spieldauer zum Schluss aber eher schwindelerregend. Gilroys Enthusiasmus am eigenen Projekt hat wohl Überhand gewonnen, aber etwas weniger wäre mehr gewesen. Obwohl “Duplicity” zugegebenermassen am Ende auf eine ganz köstliche Pointe hinausläuft.

    Gilroys gescheiteste Wendung ist nämlich schon die, dass er den Kalten Krieg in die Grossstadt verlegt hat. Hier bekriegen sich nicht gegnerische Nationen, sondern konkurrierende Grossunternehmen - das aber nicht weniger erbittert. Die geniale Eröffnungsszene verbildlicht das perfekt: Draussen vor den eigenen Corporate Jetplanes, die Assistenten und Untergebenen im Schlepptau, laufen die Business-Giganten Tully und Garsik im strömenden Regen aufeinander zu, die Zeitlupe stilisiert die drohenden Gesten, die feurige Mimik, den fliegenden Speichel, die in eine urtümlichen Pausenhofschlägerei mit Vormachtsanspruch ausarten. Es ist ein Bild, das stellvertretend für den gesamten Film steht, der den zeitgenössischen Gesellschaftskampf gewaltig auf die Schippe nimmt.

    Bewertung: 4 Sterne ("stark")

    Infos:
    “Duplicity”, USA 2009, 125 Min., R: Tony Gilroy, D: Clive Owen, Julia Roberts, Tom Wilkinson, Paul Giamatti.

    Im Kino ab: 30.04.2009


    “Robin Hood” wird von Tom Stoppard überarbeitet

    Ausblicke | 30. April 2009 von Lory Roebuck

    Tom Stoppard (rechts) soll Ridley Scotts "Robin Hood" (mit Russell Crowe, links) überarbeiten

    Obwohl die Dreharbeiten zu Ridley Scotts “Robin Hood” bereits laufen (wie das Bild von Russell Crowe in der Aufmachung des Titelhelden bezeugt), wird der Film ein weiteres Mal komplett umgeschrieben. Das vermeldet zumindest Showbiz411, die neue Seite von Roger Friedman, der vor ein paar Wochen im Zuge seines Reviews der illegalen “Wolverine”-Fassung von seiner Position als Kolumnist bei Fox News gefeuert worden war.

    Friedmans Bericht gibt uns zu verstehen, dass niemand geringeres als Tom Stoppard für die Überarbeitung angeheuert wurde. Stoppard ist ein gefeierter Bühnenautor (”Rosencrantz and Guildenstern Are Dead”) und ein fast ebenso anerkannter Drehbuchautor. Mit seinem Script zu “Shakespeare in Love” (1998) gewann er den Oscar, ebenfalls in seiner Filmografie vertreten sind Werke wie “Brazil” (1985 von Terry Gilliam), “Empire of the Sun” (1987 von Steven Spielberg) und “Enigma” (2001 von Michael Apted).

    Das Drehbuch zu “Robin Hood” hat schon mehrere Male eine Komplettüberholung durchgemacht. Die erste Fassung unter dem Titel “Nottingham” wurde von Ethan Reiff und Cyrus Voris verfasst. Ihre ursprüngliche Version sollte den Robin Hood-Mythos auf den Kopf stellen, in dem sie den unverstanden Sheriff von Nottingham zum Protagonisten erhob und Robin Hood zum Bösewicht degradierte. Ihre nächste Fassung lief darauf hinaus, dass Robin Hood und der Sheriff als ein und dieselbe Person entlarvt wurden.

    Dann übernahm Autor Brian Helgeland das Ruder und warf alle Handlungsansätze über den Haufen, die mit dem traditionellen Mythos des englischen Volkshelden brachen. Auf Basis seiner vermeintlich finalen Drehbuchfassung begannen vor etwas über einer Woche die Dreharbeiten zu Ridley Scotts Film. Inwieweit Stoppard das Ganze jetzt wieder umschreibt ist vorläufig unklar - vielleicht soll er “Robin Hood” doch noch einige erzählerische Wendungen verpassen, vielleicht soll er aber nur die ganzen Filmdialoge mit seinem Talent für Wortwitz aufbessern.


    Trailer zu “Julie and Julia” mit Meryl Streep und Amy Adams

    Ausblicke | 30. April 2009 von Lory Roebuck

    Während “X-Men Origins: Wolverine” im Kino zurzeit den Beginn der sommerlichen Blockbustersaison einläutet, bewirbt Columbia Pictures ihr an das weibliche Publikum orientierte Gegenprogramm. Und zwar gibt es seit heute den Trailer zu “Julie & Julia” mit Meryl Streep und Amy Adams in den Hauptrollen zu sehen:

    Gedreht hat die Komödie eine feste Grösse des Genres: Nora Ephron, die Regisseuren von Filmen wie “Sleepless in Seattle”, “Bewitched” und “You’ve Got Mail”. “Julie & Julia” basiert auf den beiden Bestseller-Memoiren “Julie & Julia” von Julie Powell und “My Life in France” von Julia Child.

    “Julie & Julia” verflechtet die Leben zweier Frauen, die, obwohl durch Raum und Zeit getrennt, beide an einem losen Ende angekommen sind… bis sie entdecken, dass mit der richtigen Kombination von Leidenschaft, Furchtlosigkeit und Butter alles möglich ist. Das meint zumindest der offizielle Handlungsabriss vom Studio.

    Der Film läuft bei uns am 24. September 2009 im Kino an.


    Zhang Yimou schiesst “Three Guns”

    Ausblicke | 30. April 2009 von Lory Roebuck

    Zhang Yimou (rechts) zusammen mit Gong Li bei den Dreharbeiten zu "Curse of the Golden Flower" (2006)

    Der chinesische Top-Regisseur Zhang Yimou (”House of Flying Daggers”) hat einen neuen Film in Arbeit. Sein “Amazing Tales - Three Guns” hat beim chinesischen Filmbüro die erste Zulassungsphase überstanden.

    Laut Variety wird der Film in zwei Hälften unterteilt: Die eine ist ein spannender Thriller, die andere eine Komödie. Ob das Ganze wieder so wunderbar stilisiert wie in Yimous Kampfkunstfilmen “Hero” (2002), “House of Flying Daggers” (2004) und “Curse of the Golden Flower” (2006) daher kommt, oder eher eine Rückkehr zu bedachteren Dramen wie “Raise the Red Lantern” (1991) und “The Road Home” (1999) wird, ist noch nicht absehbar.

    In den Hauptrollen von “Three Guns” werden chinesische Schauspielgrössen wie Sun Honglei (”Mongol”), Ni Dahong (”Curse of the Golden Flower”), Xiao Shenyang (”Village of Love”) und Wang Xiaohua (”Sai Long duo jin”) zu sehen sein. Yimou hat ausserdem die beiden Drehbuchautoren Shi Jianquan (”Devils on the Doorstep”) und Shang Jing (”My Own Swordsman”) zu einer Zusammenarbeit am Projekt eingeladen.

    Yimou hat letztes Jahr die eindrückliche Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele inszeniert und wird diesen Oktober eine grosse Parade zu Ehren des 60. Jubiläums des Aufstiegs der kommunistischen Partei choreografieren. Die Dreharbeiten zu “Three Guns” sollen im Juni in der Provinz Gansu beginnen.


    McG fordert Michael Bay zum Duell… unter der Gürtellinie

    Sonstiges | 30. April 2009 von Lory Roebuck

    McG fordert Michael Bay zum Duell

    Für den Brüller des Tages sorgt heute McG, seines Zeichens Regisseur solch filmischer Meisterwerke (*hust*) wie “Charlie’s Angel” (Teil 1 und 2) und “We Are Marshall” und diesen Sommer mit “Terminator Salvation” Konkurrent von Michael Bays “Transformers 2: Revenge of the Fallen” um die Krone des grössten Blockbusters.

    Im Hinblick auf diese beiden Filme hat McG seinem grossen Mundwerk schon einmal nicht Einhalt bieten können, als er Bay mit der Aussage anstacheln wollte, dass seine Roboter in “Terminator” viel realistischer als Bays breakdancende “Transformers” seien. Bay ging auf den Köder nie ein, wahrscheinlich war er zu sehr mit der Fertigstellung von “Revenge of the Fallen” beschäftigt.

    Doch McG lässt nicht locker. Im Magazin Men’s Style liess er sich mit einer neuerlichen Provokation zitieren, die an Dümmlichkeit kaum zu unterbieten ist. Und zwar fordert er Bay zum Duell der klassisch-unreifen Art: “Michael Bay hat einen grossen Schwanz. Aber ich möchte gerne glauben, dass meiner grösser ist. Wenn er es sich zutraut, können wir uns beide auf den Spartakusstufen von Universal entblössen und die Frage klären.”

    Ohne Scherz, das sind McGs Worte. Wobei, wer verpasst sich in seiner Berufswelt sonst schon einen Namen wie McG und lebt nicht in einer pubertär-verklärten Blase? Ob Michael Bay sich zu einem Konter herablassen wird? Eigentlich müsste er nur die Einspielergebnisse seiner Filme McG vor die Nase halten (oder vor ein anderes Körperteil), was eine ungemein deutlichere Sprache sprechen würde.


    Rezension: “X-Men Origins: Wolverine” von Gavin Hood

    Neu im Kino, Rezensionen | 29. April 2009 von Lory Roebuck

    Rezension: "X-Men Origins: Wolverine" von Gavin Hood

    Gavin Hood geht in seinem “X-Men”-Ableger den Ursprüngen von Wolverine nach. Das war schon von Anfang an als Konzept unnötig und ist jetzt, schlimmer noch, als Endprodukt ziemlich mies.

    Die unsterblichen Brüder James (Hugh Jackman) und Victor (Liev Schreiber) kämpften sich durch Kriege der verschiedenen Epochen, bis Colonel William Stryker (Danny Huston) auf ihre Fähigkeiten aufmerksam wird und sie für seine militärische Spezialeinheit rekrutiert. Zusammen mit anderen kampflustigen Mutanten mischen sie sich in Afrika unter Diamantenschmuggler. James wird Strykers Mission und Victors immer brutalere Vorgehensweise bald einmal zu blutrünstig, also verlässt er die Gruppe. In einem einsamen kanadischen Dörfchen macht er sich unter dem neuen Namen Logan mit der Lehrerin Kayla (Lynn Collins) ein schönes Leben. Einige Jahre später taucht dort aber Victor auf, der inzwischen unter der alten Mutantengruppe aufgeräumt hat. Logan wird darauf von Stryker zu einem verhängnisvollen Experiment verleitet, das in ihm den tierischen Urinstinkt erweckt: geboren wird der Wolverine.

    Die Geldmachinerie Spin-off
    Die drei Filme der “X-Men”-Trilogie gehören zu den erfolgreicheren Comicverfilmungen der letzten Zeit. Der Gelingen des ersten “X-Men”, inszeniert von Bryan Singer, leitete 2000 so etwas wie ein Revival des Superheldengenres ein, das zwei Jahre später durch Sam Raimis “Spider-Man” gefestigt wurde. Die Fortsetzung “X-Men 2″ (2003, ebenfalls von Singer) gilt heute neben “The Dark Knight” (Chris Nolan, 2008) und “Spider-Man 2″ (Sam Raimi, 2004) als eine der besten Comicfilme überhaupt. Brett Ratners “X-Men: The Last Stand” bildete 2006 den Abschluss der Trilogie und war in zweierlei Hinsicht monumental: Er spielte an seinem Startwochenende bereits über 120 Millionen Dollar ein, war aber trotz spektakulärer Bilder ein handlungstechnisch substanzloses Chaos der schlimmsten Sorte.

    Angesichts des finanziellen Erfolgs der Trilogie erachtete 20th Century Fox aber weitere Filme als ungemein lukrativ. Weil Sequels inzwischen ausgelatscht sind, müssen halt Prequels her. Das über Wolverine macht dieses Jahr den Anfang, folgen sollen weitere zu Magneto und zu den Mutanten im Schüleralter. Wie dumm, dass “X-Men Origins: Wolverine” (der umständliche Titel soll den Ablegerstatus auch für die Uninformierten markieren) einen Monat vor Kinostart im Internet auftauchte: Das Studio muss mit Einbussen an der Kinokasse rechnen. Wie dem auch sei, die Betreuung von “Wolverine” wurde Regisseur Gavin Hood anvertraut, dessen “Tsotsi” 2006 mit dem Oscar für den besten fremdsprachigen Film ausgezeichnet wurde. Leider kann er sein können in dieser Hollywoodgrossproduktion nicht unter Beweis stellen, zeigt sich “Wolverine” selbst (oder gerade) für einen Genrefilm äusserst unfesselnd inszeniert.

    Konfuse Vorgeschichte
    Gar nicht hilft dabei der Umstand, dass “Wolverine” etwa so konfus beginnt, wie “X-Men: The Last Stand” aufgehört hatte. Die schnell abgehandelte Vorgeschichte des jungen James, der Victors Vater umbringt und dann lernt, dass der Mann auch sein eigener Vater gewesen war, hätte den Auftakt zu einem starken ödipalen Drama abliefern können - läuft dann aber komplett ins Leere. Erwachsen und als Brüder kämpfen die Beiden einige Jahre später im Amerikanischen Bürgerkrieg, kurz darauf in den Schützengräben des ersten Weltkriegs, dann an der Normandie und schliesslich in Vietnam. Irgendwann haben die beiden Unsterblichen wohl einfach aufgehört zu altern. Erklärt wird das nicht.

    “Wolverine”, so ist schnell klar, möchte vor allem mit aufregenden Actionsequenzen bestechen. Das geht aus zwei Gründen aber so was von in die Hose. Einerseits sind Kämpfe zwischen unsterblichen Figuren grundsätzlich unspannend, weil diesen ausser ein paar Kratzern nicht wirklich viel zustossen kann (und diese Kratzer heilt Logans Körper nach einigen Sekunden erst noch gleich selbst!). Dieses Szenario war schon beim Duell zwischen Jack Sparrow und Captain Barbossa am Ende des ersten “Pirates of the Caribbean” unsinnig und ist das jetzt noch immer. Andererseits weiss “Wolverine” auch tricktechnisch nicht zu überzeugen, sind die im Film angewandten Computereffekte doch teilweise wirklich mies. Als Paradebeispiel hervorzuheben ist hier der kurze Auftritt einer Figur aus den anderen “X-Men”-Filmen, deren Gesicht digital verjüngt wurde - mit lächerlichem Ergebnis.

    Kein überzeugendes Drama
    Das alles könnte man (beim besten Willen gerade noch) als Nicklichkeiten abtun, sofern wir einigermassen spannend zu sehen bekämen, wie dieser nette, konfliktscheue Logan zum einzelgängerischen, verrohten Antihelden der “X-Men”-Trilogie wurde. Das passiert aber nur bedingt. Logan mutiert nach einem schweren persönlichen Schicksalsschlag zum rachedürstenen Wolverine, doch der Aufbau zu diesem Punkt türmt soviel kitschige Klischees des good life aufeinander, dass man das gar nicht mehr Ernst nehmen kann. Die abgelegene Hütte am malerischen Waldrand, die umsorgende Freundin; aber auch die wiederholten Albträume über die vielen Kriege, der bestialische Urschrei mit nach oben gerichtetem Kopf - das sind abgeschmackte Bilder, allesamt.

    Logans Verwandlung in Wolverine, bei der sein Skelett mit dem unzerstörbaren (und nur ihm nicht schadenden) Metall Adamantium angereichert wird, trägt frankenstein’sche Züge, doch auf eine Besserung des Films wartet man vergeblich. Die Handlung läuft ab diesem Punkt in ein unsinniges Katz-und-Maus-Spiel hinaus, das Wolverine wieder mit einigen seiner alten Mutantenkollegen zusammenbleibt. Diese bieten aber nicht mehr als einen Vorwand, ein paar neue Mutantenkräfte zu präsentieren - und einige alte zu recyclen.

    Fazit
    “Wolverine” ist zwar nicht ganz das Desaster, das “X-Men: The Last Stand” war; gegenüber von Bryan Singers tollen beiden Filmen stellt er aber einen durch und durch verzichtbaren Beitrag zur “X-Men”-Reihe dar. Vorgeschichten werden besser in Rückblenden erzählt, weil diese nicht noch ein ganzes Drumherum ausschmücken müssen. Und die Ausschmückung von Wolverines Vorgeschichte, die ja bereits vorbildlich in “X-Men 2″ in Rückblenden nachgestellt wurde, ist “X-Men Origins: Wolverine” überhaupt nicht gelungen.

    Bewertung: 2 Sterne ("dürftig")

    Infos:
    “X-Men Origins: Wolverine”, USA 2009, 97 Min., R: Gavin Hood, D: Hugh Jackman, Ryan Reynolds, Liev Schreiber, Dominic Monaghan, Danny Huston, Taylor Kitsch.

    Im Kino ab: 29.04.2009


    Oliver Stone geht wieder an die “Wall Street”

    Ausblicke | 29. April 2009 von Lory Roebuck

    Michael Douglas in "Wall Street" (1987)

    Regisseur Oliver Stone plant eine Fortsetzung zu seinem Film “Wall Street”, der 1987 mit Michael Douglas und Michael Sheen in den Hauptrollen bei  Kritikern und Publikum ein Hit war.

    Douglas’ Filmfigur Gordon Gekko soll im Sequel, deren Handlung von der gegenwärtigen Wirtschaftskrise umrahmt sein wird, einen neuen Gehilfen erhalten. Der Hauptanwärter für diese Rolle ist scheinbar Hollywoods neuer Jungstar Shia LaBeouf (”Transformers”, “Indiana Jones 4″).

    Im ursprünglichen Film spielte Charlie Sheen einen jungen, erfolgshungrigen Börsenmakler, der einen von Michael Douglas gespielten skrupellosen Unternehmensplünderer bewunderte. Douglas gewann für diese Rolle 1988 den Oscar als bester männlicher Hauptdarsteller.

    Schon 2007 versuchte das Produktionsstudio 20th Century Fox eine Filmfortsetzung mit dem Titel “Money Never Sleeps” zu lancieren. Oliver Stone verkrachte sich damals aber mit Produzent Edward R. Pressman und wendete sich stattdessen seinem George W. Bush-Biopic “W.” zu.

    Wie bald die Dreharbeiten zum “Wall Street”-Sequel beginnen und wann der Film dann schliesslich ins Kino kommt ist vorerst noch unklar.


    Neue Bilder aus Jacksons “The Lovely Bones”

    Ausblicke | 29. April 2009 von Lory Roebuck

    AccessSaoirse hat ein paar der exklusiven Fotos ins Netz gestellt, die in der aktuellen Jubiläumsausgabe des britischen Kinomagazins Empire abgedruckt waren:

    Saoirse Ronan in "The Lovely Bones"

    Mark Wahlberg und Saoirse Ronan in "The Lovely Bones"

    Abgebildet ist die Schauspielerin Saoirse Ronan (”Atonement”), die in Peter Jacksons Verfilmung des gleichnamigen Romans “The Lovely Bones” von Alice Sebold das 14-jährige Mädchen Susie Salmon spielt.

    Die Handlung dreht sich darum, wie Susie von einem Nachbarn vergewaltigt und ermordet wird, und dann vom Himmel mitverfolgt, wie ihre Familie mit ihrem Tod umgeht, und wie der Täter seine Spuren zu verwischen versucht.

    Mark Wahlberg, im zweiten Bild zu sehen, spielt Susies Vater. Rachel Weisz (als Mutter), Susan Sarandon (als Grossmutter) und Stanley Tucci (als Nachbar) tun ebenfalls mit. Deutschschweizer Kinostart von “The Lovely Bones” ist der 28. Januar 2010.

    Auf Awards Daily lassen sich übrigens noch die beiden ersten Seiten aus dem Drehbuch einsehen. Geschrieben wurde dieses von Peter Jackson in Zusammenarbeit mit Fran Walsh und Philippa Boyens, die ihm auch schon bei der “The Lord of the Rings”-Trilogie als Co-Autoren zur Seite gestanden sind.


    Rezension: “Birdwatchers” von Marco Bechis

    Neu im Kino, Rezensionen | 28. April 2009 von Nicky Schaefer

    Rezension: "Birdwatchers" von Marco Bechis

    Der chilenisch-argentinisch-italienische Regisseur Marco Bechis will mit seinem neuen Film aufrütteln – eine Geschichte aus Brasilien, vom Kampf der Indigenen gegen die Kolonialisierung ihres Lebensraumes.

    Im Mato Grosso Do Sul lebt eine Gruppe von Guaraní-Kaiowá-Indianern. Nach dem Selbstmord zweier Teenager verlassen sie das Reservat – und finden eine neue Bleibe neben dem Feld eines Grossgrundbesitzers. Dieser engagiert einen Wächter, der die Indigenen davon abhalten soll, das Feld zu überqueren. Die Gräben zwischen Weissen und Indigenen scheinen unüberwindbar – doch schon bald äussert sich beidseitiges Interesse.

    Engagiertes Kino
    Geboren wurde Marco Bechis 1955 in Santiago de Chile als Sohn einer Chilenin und eines Italieners. Er ist in Buenos Aires aufgewachsen und wurde von den Schergen der Militärdiktatur Jorge Rafael Videlas gefoltert. Schliesslich emigrierter er nach Italien. Marco Bechis ist im deutschen Sprachraum wohl am bekanntesten für seinen Film “Garage Olimpo” (deutscher Titel: “Junta”), in dem er seine eigenen Erfahrungen als Opfer der argentinischen Diktatur verarbeitet hat. Auch “Birdwatchers” ist engagiertes, politisches Kino vom Feinsten – der Film endet mit einigen Sätzen zum Genozid an den indigenen Völkern Amerikas.

    Der Film ist eine italienisch-brasilianische Koproduktion. Auf dem alten Kontinent ist es einfacher, sich für die Sache der indigenen Völker zu engagieren. Ironischerweise – schliesslich war Kolumbus Italiener. Der Originaltitel des Films lautet denn auch (englisch bzw. italienisch) “BirdWatchers – La terra degli uomini rossi” (”BirdWatchers – Das Land (bzw. die Erde) der roten Männer”) – und verweist wohl darauf, dass Amerika eben eigentlich das Land des sogenannten “roten Mannes” ist, nicht das des “weissen Mannes”.

    Stilistisch tadellos
    Es ist aber nicht allein das politische Engagement, das Bechis’ Filme auszeichnet. Detailtreue und grösstmögliche Authentizität zeichnen sowohl “Birdwatchers” als auch “Garage Olimpo” aus. Was den Film besonders auszeichnet, ist der interessante Einsatz der Musik: Zwei klassische Werke von Domenico Zipoli, “Sacris solemnis” und “O gloriosa virginum”. Einerseits symbolisiert diese Musik das Aufeinandertreffen von indigener und europäischer Kultur, mehr noch steht sie aber für den Kolonialismus selbst. Zipoli, geboren 1688 in Italien, wurde nämlich 1716 in Spanien Jesuit und kam 1717 zusammen mit 53 anderen Missionaren in Buenos Aires an. Diese Verbindung von Ästhetik und Politik – oder mehr noch: diese Politisierung der Ästhetik, die u.a. auch im mehrfachen Einsatz von Zipolis Musik zum Ausdruck kommt, ist typisch für das engagierte Kino des Marco Bechis.

    Bewertung: 4 Sterne ("stark")

    Infos:
    “BirdWatchers – La terra degli uomini rossi”, Italien/Brasilien 2008, 108 Min., R: Marco Bechis, D: Claudio Santamaria, Alicélia Batista Cabreira, Chiara Caselli, Abrísio da Silva Pedro, Matheus Nachtergaele.

    Im Kino ab: 30.04.2009


    “Crank 2″ büsst die geringste Anzahl an Kinobesuchern ein

    Zuschauerzahlen | 28. April 2009 von Lory Roebuck

    Jason Statham setzt sich mit "Crank 2: High Voltage" an die Spitze der Besuchercharts

    Anders kann ich die Analyse der aktuellen Besucherzahlen der Deutschschweizer Kinos fast nicht betiteln. “Crank 2: High Voltage” steht neu auf Platz 1, aber nur, weil er im Vergleich zu allen anderen Filmen in der Top Ten am wenigsten an Zuschauern eingebüsst hat. Gerade noch.

    Nur noch 60′500 Zuschauer lösten an diesem teilweise verregneten Frühlingswochenende (Donnerstag bis Sonntag) ein Kinoticket - das sind gerade mal halb so viele (genauer: 47.3%), wie die 115′000 vom Wochenende zuvor, ein gewaltiger Einbruch also.

    “Crank 2: High Voltage” kam vor 27 Leinwänden auf 12′601 Besucher (letzte Woche noch 22′292), was einem Schnitt von 467 Zuschauer pro Leinwand entspricht. Der überdrehte Actionfilm löst damit “Fast & Furious” an der Spitze ab. Der Strassenrennenfilm mit Vin Diesel und Paul Walker kam noch auf 11′103 Zuschauer (lezte Woche noch 26′653), auf 51 Leinwände verteilt ergibt das eine Dichte von 218 Personen pro Leinwand.

    Gleich dahinter konnte “Knowing” wieder einen Platz gut machen. Der Endzeitthriller mit Nicolas Cage kam noch auf 5823 Zuschauer (letzte Woche 10′664) und einen mageren Zuschauerschnitt von 146 Personen pro Leinwand. Gleich zwei Plätze nach oben gestiegen ist “Last Chance Harvey”, dem es mit 5323 Besuchern auf den vierten Platz reichte. Der Liebesfilm mit Dustin Hoffman und Emma Thompson kommt auf einen Zuschauerschnitt von 205 Personen pro Leinwand.

    Unter den ersten Zehn sind auch zwei Neueinsteiger anzutreffen. John Hamburgs Männerkomödie “I Love You, Man” schaffte es mit 4879 Zuschauern und einem Schnitt von 222 Personen pro Leinwand auf Platz 7, während der Kampfkunstfilm “The Forbidden Kingdom” mit Jackie Chan und Jet Li mit 2797 Besuchern (Schnitt: 215 Zuschauer pro Leinwand) gerade noch den 10. Platz erreichte.

    Für einen Besucheraufschwung diese Woche dürfte der Kinostart von “X-Men Origins: Wolverine” sorgen. Der Ableger der äusserst erfolgreichen “X-Men”-Trilogie zeigt die Vorgeschichte der von Hugh Jackman gespielten Titelfigur und läuft bereits morgen, Mittwoch, im Kino an. Ebenfalls Besucher anlocken könnte Tony Gilroys Thriller “Duplicity”, in dem Julia Roberts und Clive Owen gemeinsam vor der Kamera zu sehen sind.

    Hier noch das vergangene Kinowochenende im Gesamtüberblick:

    Deutschschweiz Woche 17: Do 23.4. - So 26.4.2009
    Filmtitel Screens Besucher
    1. “Crank 2: High Voltage” 27 12601
    2. “Fast & Furious” 51 11103
    3. “Knowing” 40 5823
    4. “Last Chance Harvey” 26 5323
    5. “Slumdog Millionaire” 32 5088
    6. “Der Kaufhaus Cop” 29 4971
    7. “I Love You, Man” 22 4879
    8. “Monsters vs. Aliens” 45 4676
    9. “The Reader” 28 3223
    10. “The Forbidden Kingdom” 13 2797

    Totale Zuschauerzahl (Top 10) Deutschschweiz: 60′484.

    Zahlen: SFV.