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    Rezension: “Comme les autres” von Vincent Garenq

    Neu im Kino, Rezensionen | 29. Mai 2009 von Lory Roebuck

    Rezension: "Comme les autres" von Vincent Garenq

    Vincent Garenq behandelt in seiner flotten französischen Komödie schwule Elternschaft. Doch an sich brisante Themen werden bei ihm zugunsten einer konventionellen Erzählung fast völlig unter den Tisch gewischt.

    Der Kinderarzt Manu (Lambert Wilson) und der erfolgreiche Jurist Philip (Pascal Elbé) schwelgen im Liebesglück. Bis sich herausstellt, dass Manu unbedingt ein Kind adoptieren möchte. Weil Philipe sich quer stellt, zieht Manu das Ganze im Alleingang durch und macht sich auf die Suche nach einer Leihmutter. Zufälligerweise lernt er Fina (Pilar López de Ayala) kennen, eine viel jüngere südamerikanische Studentin, die sans papiers nach Paris gereist ist. Die beiden freunden sich schnell an - Fina zieht bei Manu ein und bietet ihm schon bald an, sein Kind auszutragen. Im Gegenzug soll Manu mit ihr eine Scheinehe eingehen, damit sie eine Aufenthaltsbewiligung erhält. Dummerweise verliebt sich Fina in Manu, der sich aber langsam wieder Philipe annähert.

    Konventionelle Liebesgeschichte
    “Comme les autres” erinnert ein wenig an den Schweizer Film “Die Standesbeamtin”: Beide sind nicht mehr (und nicht weniger) als solide, aber mut- und konturlose Komödien für das breite Publikum des eigenen Landes. In beiden Fällen scheuen die Filmemacher jegliches Risiko, um ja niemanden vor den Kopf zu stossen. Der Film des Franzosen Vincent Garenq gibt sich als durch und durch konventionell erzählte und inszenierte Liebesgeschichte zu erkennen, die schnell einmal auf das bekannte Szenario der klassischen Dreiecksbeziehung hinausläuft.

    Dabei spielt sich “Comme les autres” eigentlich vor einem eher nichtalltäglichen Handlungshintergrund ab. Bloss ist die Diskussion um das umstrittene Kinderadoptierungsrecht für homosexuelle Paare hier nicht Thema der Handlung, sondern bloss ihre Verzierung. Garenq, der auch das Drehbuch zum Film geschrieben hat, wischt an sich hochinteressante (und teilweise ganz brisante) Themen wie homosexuelles Konkubinat, schwule Elternschaft, Diskriminierung von Homosexuellen, Leihmutterschaft und Scheinehen fast komplett unter den Tisch - angerissen werden sie höchstens zwecks Komik, oder um der Story eine neuerliche Wendung zu bescheren.

    Latente Homophobie?
    Aus dem Potential der an sich spannenden Gegenüberstellung von Randständigkeit (Homosexualität) und Konformismus (Familie und traditionelle Familienwerte) holt Garenq auch nur sehr wenig heraus. Man wird den Eindruck nicht los, dass sich Garenq offenbar unwohl fühlt, solche schwierigen Themen ernsthaft anzusprechen. Ursprünglich wollte er einen Dokumentarfilm drehen, sperrte sich dann aber gegen ein schwules Paar, das sich an eine Leihmutter in den USA gewandt hatte, weil er so etwas völlig ablehnte. Garenqs Abneigung gegenüber seines eigenen Filmstoffs äussert sich auch darin, dass sich die einzige Liebesszene im ganzen Film zwischen einem Mann und einer Frau abspielt; der Austausch von Zärtlichkeiten zwischen Manu und Philip dagegen zeigt sich nur in flüchtigen Küsschen!

    Trotz all dieser Mängel ist “Comme les autres” recht flott erzählt. Das sympatische Darstellerensemble um Wilson, Ayala, Elbé und Anne Brochet sprüht ungeheuer viel Charme aus und die Dynamik zwischen ihren Figuren sorgt für einen vergnüglichen Filmspass. Tatsächlich: Würde der Film auf eine weniger kontroverse bzw. viel sicherere Basis aufbauen, könnte man ihn als unterhaltsame Komödie loben. Genau wie “Die Standesbeamtin” hätte sich “Comme les autres” aber viel besser als TV-Spielfilm geeignet. Dass ihm das Format fürs Kino abgeht ist nicht weiter verwunderlich, hat sich Garenq in seiner bisherigen Karriere vor allem als Fernsehregisseur einen Namen gemacht.

    Bewertung: 3 Sterne ("ordentlich")

    Infos:
    “Comme les autres”, Frankreich 2008, 93 Min., R: Vincent Garenq, D: Lambert Wilson, Pilar López de Ayala, Pascal Elbé, Anne Brochet, Andrée Damant, Florence Darel, Marc Duret, Liliane Cebrian.

    Im Kino ab: 11.06.2009


    Erste Bilder und das Poster zu “New Moon”

    Ausblicke | 29. Mai 2009 von Lory Roebuck

    Ich gebs zu: Heute ist ein langsamer Newstag, und dem Sequel zu “Twilight” steht auf cineast.ch normalerweise nicht viel Aufmerksamkeit zu. Wenn ich hier also Bilder zu “New Moon” publiziere, dem zweiten Teil der Saga, der gerade in Kanada gedreht wird, dann mache ich das wegen den zusätzlichen Hits, die meiner Seite dadurch beschert werden. Und wenn solch ein neuer Leser beim Konsumieren dieser Seite doch noch auf einen besseren Filmgeschmack kommt, na dann umso besser!

    Kommen wir also zu den Bildern. Drei sinds, die Summit Entertainment bisher veröffentlicht hat, und die ich via den deutschen Verleiher Concorde Film hier wiedergeben darf. Abgebildet sind natürlich die beiden Stars Robert Pattinson und Kristen Stewart, aber auch der neue Regisseur Chris Weitz (”The Golden Compass”), der hoffentlich von Catherine Hardwickes pseudo-scharfkantiger Inszenierung in “Twilight” wieder ablässt:

    Szenenbild aus "New Moon"

    Szenenbild aus "New Moon"

    Hinter den Kulissen von "New Moon"

    In “The Twilight Saga: New Moon” (so der volle Titel, bzw. auf Deutsch: “Biss zur Mittagsstunde”) ist Bella Swan (Stewart) am Boden zerstört, nachdem ihr geliebter Vampir Edward Cullen (Pattinson) abrupt verschwunden ist. Aber ihre Seele lebt durch ihre wachsende Freundschaft mit dem unwiderstehlichen Jacob Black (Taylor Lautner) neu auf. Mehr und mehr wird Bella in die Welt der Werwölfe hineingezogen, die urzeitlichen Feinde der Vampire, und sieht sich mit einem Interessenskonflikt konfrontiert. Das alles hätte ich von meiner Freundin und meinen Cousinen in Erfahrung bringen können, habe es aber aus Summits offizieller Synopsis zum Film übersetzt. Hier noch das Filmplakat zu “New Moon”:

    Filmplakat "The Twilight Saga: New Moon"

    Das Beste habe ich mir aber für den Schluss aufgehoben. JustJared hat Fotos vom Set, auf denen Robert Pattinson ohne Shirt herumläuft. Das ist aber noch nicht der springende Punkt. Die schwarzen Tüpfelchen auf Pattinsons Gesicht, wohl zwecks der einzufügenden Spezialeffekte (das Vampirgesicht muss schliesslich funkeln), ist es auch nicht. Sondern: Die Muskelkonturen an Pattinsons Oberkörper, auf die will ich hinaus. Sie sind nämlich… aufgemalt! Anbei eine Kostprobe (weitere Fotos in viel höherer Auflösung finden sich hier):

    Robert Pattinson auf dem Set von "The Twilight Saga: New Moon"

    “The Twilight Saga: New Moon” startet am 7. Januar 2010 bei uns im Kino im Verleih von Elite. Nur wenige Monate später läuft dann bereits am 15. Juli 2010 der dritte Teil der Serie an, “Eclipse - Biss zum Morgengrauen”.


    Rezension: “Du bruit dans la tête” von Vincent Pluss

    Neu im Kino, Rezensionen | 28. Mai 2009 von Nicky Schaefer

    Rezension: "Du bruit dans la tête" von Vincent Pluss

    Der zweite Langspielfilm des Genfers Vincent Pluss überzeugt mit einem einfühlsamen Porträt von ganz normalen Menschen mit ihren ganz normalen Problemen – Hauptdarstellerin Céline Bolomey wurde mit dem Schweizer Filmpreis, dem Quartz 2009, ausgezeichnet.

    Laura (Céline Bolomey) hört Stimmen. Ihre Selbstzweifel nagen an ihr. So verliert sie nicht nur ihren Freund, sondern auch ihren Job. Sie nimmt den jungen “Gammler” Simon auf, der sie wiederum mit seinem eigenen chaotischen Wesen schliesslich auf die Palme bringt. Dann freundet sich Laura mit Simons Onkel, einem Arzt, an. Dieser hat zwar genau so seine Probleme wie Laura, aber es erscheint doch möglich, dass er etwas mehr Rationalität und Kontinuität in Lauras Leben bringt.

    Gelungener Zweitling
    “Du bruit dans la tête” ist ein ausgesprochen sympathischer Film, der allerdings etwas daran krankt, dass Lauras Stimmen schliesslich nicht zugeordnet werden können. Ist sie nun wirklich schizophren, oder sind das einfach ihre Selbstzweifel, die so für uns sicht- bzw. hörbar gemacht werden? Gleichzeitig ist es auch positiv, das Vincent Pluss in seinem zweiten Langspielfilm den selbstverordneten Naturalismus seines Erstlings “On dirait le sud” zumindest teilweise zurücknimmt. Leider etwas allzusehr im Vordergrund steht dafür das aggressive Product Placement – sicherlich muss Laura auf ihr Budget schauen, aber dass im Film beinahe ausschliesslich M-Budget-Produkte zu sehen sind, ist doch ein starkes Stück. Die Tücken des Kulturprozentes?

    Eine Komödie?
    Trotz allem: Céline Bolomey überzeugt; sie hat den Schweizer Filmpreis als beste Hauptdarstellerin sicherlich zu recht erhalten. Mängel zeigt der Film eher im Drehbuch – aber auch (u.a. humoristische) Höhepunkte, etwa dann, wenn ein alter Mann den Arzt Bruno nur dann ruft, weil er so einsam ist. Hier liegt der Hund begraben: im Grunde genommen ist “Du bruit dans la tête” eine Komödie, aber die bierernste Einführung – eine junge Frau hört Stimmen – lässt dies anfangs gar nicht zur Geltung kommen.

    Etwas weniger Schwere hätte dem Film also gut getan. Sicher ist es die eigentlich tragische Suche einer jungen Frau, die der Film erzählt – aber diese Suche nach Liebe und Anerkennung hat eben auch ihre komischen Seiten. Laura sucht die Nähe zu Jérôme, ihrem Freund, dieser wehrt aber ab. Der jüngere Simon interessiert sich auch nicht wirklich für Laura; er freut sich einfach über freie Kost und Logis. Schliesslich findet sie in Simons Onkel Bruno einen Gleichgesinnten. Insofern hätte “Du bruit dans la tête” gar das Zeug zur romantischen Komödie. Immerhin – gegenüber “On dirait le sud” ist “Du bruit dans la tête” schon verblüffend unterhaltsam.

    Wohltuende Ambiguität
    Und last but not least ist – verglichen mit Filmen, die einfach nur ein Krankheitsbild darstellen, wie etwa “Das weisse Rauschen” – “Du bruit dans la tête” gerade in seiner Uneindeutigkeit dann auch wieder gelungen. Vincent Pluss will uns nicht vorschreiben, wie wir Laura verstehen müssen – sie wird letztlich nicht pathologisiert, im Gegenteil wird die Gefühlskälte der Gesellschaft als die eigentliche Krankheit diagnostiziert. Kein Wunder also, wenn der völlig gesunde Senior also den Arzt Bruno zu sich bestellt, um wenigstens mit einem Profi ein Paar Worte wechseln zu können.

    Bewertung: 4 Sterne ("stark")

    Infos:
    “Du bruit dans la tête”, Schweiz/Deutschland 2008, 90 Min., R: Vincent Pluss, D: Céline Bolomey, Gabriel Bonnefoy, Frédéric Landenberg, François Nadin, Lucie Zelger.

    Im Kino ab: 28.05.2009


    Dreht Carl Erik Rinsch ein “Alien”-Remake?

    Ausblicke | 28. Mai 2009 von Lory Roebuck

    "Alien" (1979) von Ridley Scott

    Was? Und wer?

    Letzten Monat verbreiteten sich erste Gerüchte, dass Filmemacher Ridley Scott mit dem Gedanken spiele, ein Prequel zu oder eine Neuauflage von “Alien” zu machen. Laut Bloody Disgusting hat sich das jetzt erhärtet; Ridley Scott hat sich demnach mit Tony Scott und Michael Costigan zusammengetan, um einen neuen Film in der “Alien”-Serie zu produzieren.

    Gedreht werden soll dieser von Carl Erik Rinsch, der sich bisher vor allem als Regisseur von Werbefilmen und Musikvideos ausgezeichnet hat. Rinsch ist ein Mitglied von Scotts Produktionsfirma RSA.

    Über die Geschichte des neuen Films oder deren zeitlichen Verortung im Handlungsbogen der gesamten “Alien”-Quadrologie ist nichts bekannt, /Film hat von ihren Quellen aber die Begriffe Prequel und Neuauflage (àla “Star Trek”) gehört, und dass wieder zum Prinzip 1 Alien auf 1 Raumschiff zurückgekehrt werden soll.

    Schaut man sich Rinschs Werbevideo “The Evolution of Technology” für Saturn an, wird schnell klar, warum die Scotts gerade ihn als Regisseur ausgesucht haben:

    /Film hat noch weitere Kostproben von Rinschs eindrücklicher Arbeit zusammengestellt.


    DreamWorks verkündet ihre Animationspalette für die nächsten 3 Jahre

    Ausblicke | 28. Mai 2009 von Lory Roebuck

    Szene aus "Madagascar 2"

    DreamWorks Animation würde sehr gerne mit Pixar Animation auf einer Höhe sein, sprich Animationsfilme veröffentlichen, die gut ankommen und viel Geld einbringen. Weil das kreative Potential bei DreamWorks aber nicht annähernd an das von Pixar heranreicht, müssen eben andere Strategien entwickelt werden: Einerseits werden künftig alle DreamWorks Trickfilme im innovativen 3D-Format produziert, andererseits wird der Output von einem Film pro Jahr auf fünf Filme alle zwei Jahre aufgestockt.

    Im Zuge dieser Ankündigung hat DreamWorks Animation auch gleich ihre nächsten acht Filme angekündigt, die innerhalb der nächsten drei Jahre ins Kino kommen. Auf der Liste finden sich neben neuen Geschichten natürlich auch einige Sequels - zu den erfolgreicheren DreamWorks-Werken, versteht sich. Die nachfolgend gelisteten Daten beziehen sich auf die Kinoveröffentlichung in den USA und werden in den meisten Fällen von den schweizer Startterminen um einige Monate abweichen:

    • “How To Train Your Dragon” (26. März 2010): Die Vikingergeschichte handelt von einem einzelgängerischen Teenager, der sich mit einem verletzten Drachen anfreundet. Die Originalstimmen werden von Jay Baruchel, Gerard Butler, America Ferrara und Jonah Hill gesprochen.
    • “Shrek Forever After” (21. Mai 2010): Über die Handlung des vierten “Shrek”-Filmes ist noch nichts bekannt - aber keine Sorge, die Ideen sind den Drehbuchautoren schon nach dem ersten Teil ausgegangen.
    • “Oobermind” (5. November 2010): Im interessantesten Projekt auf der Liste, das ursprünglich den Titel “Master Mind” trug, spricht Robert Downey Jr. einen Superschurken, dessen Leben plötzlich langweilig und sinnlos wird, nachdem er seinen Erzfeind besiegt hat.
    • “Kung-Fu Panda: The Kaboom Of Doom” (3. juni 2011): Jack Black und Dustin Hoffman haben dem Sequel bereits zugesagt, die übrigen Sprecher dürften nicht lange auf sich warten lassen. Details zur Handlung gibt es noch keine, der Titel klingt aber nach “Indiana Jones and the Temple of Doom”.
    • “The Guardians” (4. November 2011): Die Verfilmung eines noch unveröffentlichten Kinderbuches von William Joyce, der schon die Vorlage zu “Meet The Robinsons” verfasst hatte. Darin tun sich bekannte Kinderfiguren wie der Weihnachtsmann, die Zahnfee und der Osterhase zusammen, um die Welt vor den Übeltaten eines Schurken zu retten.
    • “Puss-In-Boots” (30. März 2012): Der “Shrek”-Ableger dreht sich um die von Antonia Banderas gesprochene, Degen schwingende Katze Puss. Diese trifft auf die von Salma Hayek gesprochene Mieze Kitty. “Desperado” als Trickfilm, quasi.
    • “Madagascar 3″ (Mai 2012): DreamWorks’ zweitbeliebteste Animationsreihe nach “Shrek”; im dritten Teil landen die immernoch verlorenen Zootiere in einem Wanderzirkus.

    Schliesslich veröffentlicht DreamWorks im November 2012 noch einen Animationsstreifen, weiss aber noch nicht, welcher von drei Projekten, die sich momentan in der Frühphase der Entwicklung befinden, es sein wird. Die erste Möglichkeit wäre “The Croods”, eine Komödie über Höhlenbewohner; die zweite wäre “Truckers”, “Slumdog Millionaire”-Drehbuchautor Simon Beaufoys Adaptierung von Fantasyautor Terry Pratchetts “Bromediad”-Trilogie; und die dritte wäre das “Super-Secret Ghost Project”, welches der Frage nachgeht, was Gespenster eigentlich von Menschen halten.


    Rezension: “Tulpan” von Sergey Dvortsevoy

    Neu im Kino, Rezensionen | 27. Mai 2009 von Nicky Schaefer

    Rezension: "Tulpan" von Sergei Dvortsevoy

    Die internationale Koproduktion erzählt die Geschichte vom schwierigen Leben – und Lieben – in der kasachischen Steppe.

    Der Matrose Asa (Tolepbergen Baisakalov) ist nach langen Jahren auf der See zu seiner Schwester in die kasachische Steppe zurückgekehrt. Er will Schafhirt werden – doch erst muss er heiraten. Nur will die auserwählte Tulpan nichts von ihm wissen, da sie seine abstehenden Ohren abstossend findet. Doch Asa stellt sich diesen neuen Herausforderungen in der alten Heimat.

    Rivers of Kazakhstan
    Sergey Dvortsevoy, geboren 1962 in Chimkent (Kasachstan), erzählt in seinem ersten Langspielfilm eine Geschichte, die fast ebenso karg ist wie die kasachische Steppe selbst. Der Film erinnert dabei manchmal etwas an Jim Jarmusch – doch während in “Strangers in Paradise” immer wieder das famose “I Put a Spell on You” von Screamin’ Jay Hawkins zu hören ist, ist es hier “Rivers of Babylon” von Boney M.

    Auch hier ist der Film nur allzu konsequent, da der Song wohl nicht aus ästhetischen Gründen ausgewählt wurde, sondern eher irritiert – ähnlich wie “Brown Girl in the Ring” in “Touching the Void”, bezeichnenderweise einem Dokudrama. Vor “Tulpan” hat Dvortsevoy mehrere kurze und mittellange Dokumentarfilme realisiert und dabei Erfahrungen gesammelt, die “Tulpan” geprägt haben.

    Poesie der Steppe
    In “Tulpan” ist es der Alltag, der ganz im Zentrum steht – und der Alltag eines Schafhirten hat seine Tücken; etwa dann, wenn die Schafe ihre Lämmer zur Welt bringen wollen. “Tulpan” ist ein Film über die Geburt – und ein Film über die Wiedergeburt eines Kasachen, der ausgezogen ist und für Russland gedient hat und nun ein traditionell kasachisches Leben führen will. Es verwundert also nicht, dass Dvortsevoy seine Filme als “Kino des Lebens” sieht.

    Dvortsevoys Poesie der Steppe mag nicht immer einfach sein – sicherlich ist sie nicht besonders unterhaltsam, sondern oft äusserst anstrengend. Gerade deshalb sei der Film allen ans Herz gelegt, die sich wirklich für Kasachstan interessieren – und für die raue Poesie des Lebens. “Ich verstehe nicht, warum die Leute die Unterscheidung zwischen Spiel- und Dokumentarfilm immer vornehmen”, sagt Sergey Dvortsevoy. “Film ist Film”. Er mache einfach Filme in unterschiedlichen Farben.

    Bewertung: 4 Sterne ("stark")

    Infos:
    “Tulpan”, Deutschland/Kasachstan/Polen/Russland/CH 2008, 100 Min., R: Sergey Dvortsevoy , D: Tolepbergen Baisakalov, Ondas Besikbasov, Samal Esljamova, Askhat Kuchenchenekov.

    Im Kino ab: 28.05.2009


    Kannibalenfilm “Rohtenburg” darf gezeigt werden

    Aktuelle Themen | 27. Mai 2009 von Lory Roebuck

    Filmszene aus "Rohtenburg"

    Wer erinnert sich nicht daran? Im März 2001 erstach und entmannte der damals 41-jährige Armin Meiwes aus dem hessischen Rotenburg einen 43-jährigen Berliner auf dessen Wunsch hin, zerteilte danach die Leiche und verspies die Portionen. Der detailträchtigen Bildsprache der Boulevardpresse sei Dank, habe ich dieses widerliche Ereignis nie ganz aus meiner Erinnerung löschen können.

    2006 sollte die Verfilmung dieser Greueltat, mit Thomas Kretschmann in der Rolle des Kannibalen, ins Kino kommen, doch der zu lebenslanger Haft verurteilte Meiwes verhinderte die Veröffentlichung mit einer einstweiligen Verfügung. 2007 wurde die Untersagung der Vorführung von Martin Weiszs “Rohtenburg” zuerst am Landgericht Kassel bestätigt, 2008 dann am Oberlandesgericht Frankfurt am Main.

    Nun hat aber, laut der AP, das Deutsche Bundesgerichtshof diese Sperre wieder rückgängig gemacht. Die Kunstfreiheit wiege in diesem Fall schwerer als das Persönlichkeitsrecht des Mörders. Zwar wurde eingestanden, dass der Horrorfilm in seiner nahezu detailgetreuen Wiedergabe des Tatablaufs den Täter als Person erheblich belasten könnte, weil er die Tat auf stark emotionalisierende Weise erneut in Erinnerung rufe. Sein Persönlichkeitsrecht müsse aber nach eingehender Abwägung gegenüber der Kunst- und Filmfreiheit zurückstehen.

    Der Bundesgerichtshof betonte, dass an der Tat ein Informationsinteresse der Öffentlichkeit bestehe. Die Darstellungen im Film berührten zwar den schutzwürdigen Kern von Meiwes’ Privatsphäre. Weil sich aber diese Details unmittelbar auf die Tat und die Person als Täter bezögen, dürften sie gezeigt werden. Zudem seien sämtliche Einzelheiten der Öffentlichkeit auch schon durch Mitwirkung des Klägers bereits bekannt gewesen.


    Das Bundesamt für Kultur will den Schweizer Filmpreis künftig nicht mehr organisieren

    Aktuelle Themen, Schweizer Film | 27. Mai 2009 von Lory Roebuck

    Die Gewinner des Schweizer Filmpreises 2009: Domique Jann, Kacey Mottet Klein und Céline Bolomey

    Das Bundesamt für Kultur (BAK) fordert, die Schweizer Filmakademie solle in Zukunft die Verleihung des Schweizer Filmpreises selber organisieren, wie aus einem Bericht der SDA hervorgeht.

    Der Schweizer Filmpreis wurde erstmals im Jahre 1998 anlässlich der Solothurner Filmtage vergeben. Die Preisverleihung wurde bisher immer vom BAK ausgerichtet, in Zusammenarbeit mit den Partnern Swiss Films, SRG SSR idée suisse und den drei Filmfestivals in Solothurn, Locarno und Nyon.

    In einem Brief erklärte BAK-Direktor Jean-Frédéric Jauslin, das BAK sei bereit, “die Filmakademie in ihrem Willen zu unterstützen, den Schweizer Filmpreis für die Jahre 2010-2011 selber zu organisieren.” Dazu meint aber der Akademiepräsident und Regisseur Fredi M. Murer (”Vitus”): “Die Filmakademie beabsichtigte zu keiner Zeit, den Schweizer Filmpreis zu organisieren.”

    Das BAK zeigt sich gewillt, weiterhin für die Preisgelder für die künftigen Nominierten und Gewinner aufzukommen, wenn die Schweizer Filmakademie die Preisverleihung selber in die Hand nimmt. Der Vorstand der Filmakademie will aber seine Mitglieder an einer Versammlung am Freitag in Bern dazu aufrufen, den Vorschlag der BAK zurückzuweisen.

    Die Organisation des Filmpreises soll nach dem Willen des Vorstands von den Solothurner Filmtagen und dem Branchenverband Cinésuisse übernommen werden. Es heisst, die Exponenten der Solothurner Filmtage seien “grundsätzlich bereit”. Das BAK dagegen hat scheinbar auch die Promotionsgesellschaft SWISS FILMS (die jährlichen Organisatoren der Kurzfilmnacht) zu einem Vorschlag aufgefordert.

    Der Schweizer Filmpreis “Quartz” wurde dieses Jahr erstmals im Rahmen einer grossen Gala im KK Luzern verliehen, die von SRG SSR idée suisse ausgerichtet wurde. Obwohl das Medieninteresse relativ gross war (SF widmete dem Anlass in der “langen Nacht des Schweizer Films” ein zehnstündiges Programmfenster), scheint der “Schweizer Oscar” bei der nationalen Bevölkerung nur einen geringen Stellenwert zu besitzen.


    Die Museumsnacht kann nicht mit dem Vatikan mithalten

    Zuschauerzahlen | 26. Mai 2009 von Lory Roebuck

    Ron Howards "Angels & Demons" behauptet die Spitze der Deutschschweizer Besuchercharts

    Mit “Night at the Museum: Battle of the Smithsonian” startete vergangenen Donnerstag ein massentauglicher Familienfilm bei uns im Kino, der allerdings nicht an die noch wie vor hohen Besucherzahlen von “Angels & Demons” herankam. Auch wenn der Vatikanthriller in seiner zweiten Woche über 40% seiner Besucher einbüsste, konnte er die Spitze der Zuschauercharts wieder für sich behaupten.

    Von den insgesamt 94′640 Kinotickets, die zwischen Donnerstag und Sonntag (21.-24.5.) gelöst wurden (das sind rund 30′000 weniger als in der Vorwoche), entfielen 48′096 auf “Angels & Demons”. Das Sequel zu “The Da Vinci Code” wurde auf nicht weniger als 94 Leinwänden gespielt und kommt somit auf einen Schnitt von 512 Zuschauern pro Leinwand.

    “Night at the Museum 2″ wollten insgesamt 21′178 Kinogänger sehen, das ist selbst im Schatten von “Angels & Demons” ein etwas enttäuschender Wert. Die Fortsetzung zum Komödienhit von 2006 mit Ben Stiller in der Hauptrolle wurde erst noch auf 66 Leinwänden gezeigt (im Vergleich zu den restlichen Kinofilmen in der Top Ten sind das sehr viele), was eine Zuschauerdichte von 321 Personen pro Leinwand ergibt.

    Gleich dahinter befinden sich auf den Plätzen drei bis fünf, durch den Neueinstieg jeweils einen Rang abgerutscht, die Komödie “17 Again” (7867 Zuschauer und ein Schnitt von 281 Personen pro Leinwand), die Sci-Fi-Neuauflage “Star Trek” (4875 Zuschauer und ein Schnitt von 188 Personen pro Leinwand) und die Comicverfilmung “X-Men Origins: Wolverine” (4064 Zuschauer und ein Schnitt von 156 Personen pro Leinwand).

    Ansonsten haben sich keine Neuveröffentlichungen in der Top Ten etablieren können, Platz machen für “Night at the Museum 2″ musste Stephen Daldrys Oscar prämierte Romanverfilmung “The Reader”. Von den kommenden Kinostarts diesen Donnerstag haben wohl einzig der Chickflick “Ghosts of Girlfriends Past” mit Matthew McConaughey und Jennifer Garner sowie der deutsche Kindertrickfilm “Prinzessin Lillifee” eine realistische Chance, in den vorderen Plätzen mitzumischen.

    Hier noch das vergangene Kinowochenende im Gesamtüberblick:

    Deutschschweiz Woche 21: Do 21.5. - So 24.5.2009
    Filmtitel Screens Besucher
    1. “Angels & Demons” 94 48096
    2. “Night at the Museum 2″ 66 21178
    3. “17 Again” 28 7867
    4. “Star Trek” 26 4875
    5. “X-Men Origins: Wolverine” 26 4064
    6. “Duplicity” 23 2825
    7. “The Last House on the Left” 15 1999
    8. “Last Chance Harvey” 12 1284
    9. “Slumdog Millionaire” 9 1229
    10. “Crank 2: High Voltage” 10 1223

    Totale Zuschauerzahl (Top 10) Deutschschweiz: 94′640.

    Zahlen: SFV.


    Rezension: “Prinzessin Lillifee” von Ansgar Niehbur, Zhijian Xu und Alan Simpson

    Neu im Kino, Rezensionen | 26. Mai 2009 von Nicky Schaefer

    Rezension: "Prinzessin Lillifee" von von Ansgar Niebuhr, Alan Simpson und Zhi-Jian Xu

    Der auf den Kinderbüchern von Monika Finsterbusch basierende Kinderfilm wird mit seiner mittelmässigen Animation und seinen nur bedingt lustigen Figuren wohl nur gerade den Kleinsten gefallen.

    Prinzessin Lillifee herrscht über Rosarien. Zusammen mit ihrem besten Freund, dem Schwein Pupsi, will sie Rosarien täglich verschönern, zur Freude aller. Aber in Wirklichkeit sind die Bewohner von Rosarien stockhässig auf die selbstsüchtige Prinzessin und das ungehobelte Schwein sowie die anderen, rowdyhaften Feen. Elfen, Zwerge und Tiere tun sich zusammen und fordern von ihrer Monarchin und ihren Freunden mehr Gemeinschaftssinn. Und je mehr Lillifee sich Sorgen macht um ihren Ruf, desto mehr schwinden ihre Zauberkräfte.

    Regierungskrise in Rosarien
    In “Prinzessin Lillifee” befindet sich die Monarchie in der Krise – das Volk begehrt gegen die Prinzessin auf. Nur Pupsi, das Schwein, der Frosch Carlos (der seltsamerweise mit einem pseudofranzösischen Akzent parliert) und Iwan der Igel verhalten sich immer loyal gegenüber der Prinzessin. Die anderen Feen wollen sie anfangs nämlich auch nicht unterstützen. Erst am Schluss gelingt es der Prinzessin, die anderen Feen (die etwas an Anime-Figuren erinnern) für ein Musical zu gewinnen, mit dem sie das Volk von ihrer noblen Gesinnung überzeugen kann.

    Fazit: Nicht mit Taten gewinnt man den Goodwill des Volkes, sondern mit Entertainment. Die Moral von der Geschicht’ (”zusammen geht’s besser”) spielt da nur eine Nebenrolle. Insofern transportiert der Film also durchaus fragwürdige Botschaften – dazu kommt noch die sehr traditionelle Rollenverteilung. Der ethnische Frosch sorgt zusammen mit dem Schwein für “comic relief”; und Iwan der Igel (der Russe?) ist ebenfalls ein treuer Verbündeter der (deutschen?) Prinzessin.

    Mittelmässige, heterogene Animation
    Das wirkliche Problem des Films ist aber eher die wirklich sehr mittelmässige Animation, die zwar Elemente aus Anime und traditionellem westlichem Zeichentrickfilm à la Disney aufnimmt, diese verschiedenen Elemente aber einfach nebeneinander stehen lässt. Und wie gesagt: besonders gut gemacht ist das auch abgesehen vom eher heterogenen Stil nicht. Die Kleinsten werden aber wohl ihre Freude haben an der Prinzessin und den anderen lustigen Figuren, die ja auch schon aus den Kinderbüchern von Monika Finsterbusch bekannt sind. Der Film basiert allerdings nicht auf schon bestehenden Büchern, sondern auf einem Original-Drehbuch von Mark Slater und Produzentin Gabriele M. Walther.

    Bewertung: 2 Sterne ("dürftig")

    Infos:
    “Prinzessin Lillifee”, Deutschland 2009, 70 Min., R: Ansgar Niehbur, Zhijian Xu, Alan Simpson, S: Sabine Bohlmann, Max Felder, Stefan Günther, Julia Haacke, Gudo Hoegel, Domenic Redl, Patrick Roche, Barbi Schiller, Sandra Schwittau, Maresa Sedlmeier, Andrea Wick, Angela Wiederhut, Maresa Sedlmeir.

    Im Kino ab: 28.05.2009