Rezension: “Comme les autres” von Vincent Garenq
Neu im Kino, Rezensionen | 29. Mai 2009 von Lory Roebuck
Vincent Garenq behandelt in seiner flotten französischen Komödie schwule Elternschaft. Doch an sich brisante Themen werden bei ihm zugunsten einer konventionellen Erzählung fast völlig unter den Tisch gewischt.
Der Kinderarzt Manu (Lambert Wilson) und der erfolgreiche Jurist Philip (Pascal Elbé) schwelgen im Liebesglück. Bis sich herausstellt, dass Manu unbedingt ein Kind adoptieren möchte. Weil Philipe sich quer stellt, zieht Manu das Ganze im Alleingang durch und macht sich auf die Suche nach einer Leihmutter. Zufälligerweise lernt er Fina (Pilar López de Ayala) kennen, eine viel jüngere südamerikanische Studentin, die sans papiers nach Paris gereist ist. Die beiden freunden sich schnell an - Fina zieht bei Manu ein und bietet ihm schon bald an, sein Kind auszutragen. Im Gegenzug soll Manu mit ihr eine Scheinehe eingehen, damit sie eine Aufenthaltsbewiligung erhält. Dummerweise verliebt sich Fina in Manu, der sich aber langsam wieder Philipe annähert.
Konventionelle Liebesgeschichte
“Comme les autres” erinnert ein wenig an den Schweizer Film “Die Standesbeamtin”: Beide sind nicht mehr (und nicht weniger) als solide, aber mut- und konturlose Komödien für das breite Publikum des eigenen Landes. In beiden Fällen scheuen die Filmemacher jegliches Risiko, um ja niemanden vor den Kopf zu stossen. Der Film des Franzosen Vincent Garenq gibt sich als durch und durch konventionell erzählte und inszenierte Liebesgeschichte zu erkennen, die schnell einmal auf das bekannte Szenario der klassischen Dreiecksbeziehung hinausläuft.
Dabei spielt sich “Comme les autres” eigentlich vor einem eher nichtalltäglichen Handlungshintergrund ab. Bloss ist die Diskussion um das umstrittene Kinderadoptierungsrecht für homosexuelle Paare hier nicht Thema der Handlung, sondern bloss ihre Verzierung. Garenq, der auch das Drehbuch zum Film geschrieben hat, wischt an sich hochinteressante (und teilweise ganz brisante) Themen wie homosexuelles Konkubinat, schwule Elternschaft, Diskriminierung von Homosexuellen, Leihmutterschaft und Scheinehen fast komplett unter den Tisch - angerissen werden sie höchstens zwecks Komik, oder um der Story eine neuerliche Wendung zu bescheren.
Latente Homophobie?
Aus dem Potential der an sich spannenden Gegenüberstellung von Randständigkeit (Homosexualität) und Konformismus (Familie und traditionelle Familienwerte) holt Garenq auch nur sehr wenig heraus. Man wird den Eindruck nicht los, dass sich Garenq offenbar unwohl fühlt, solche schwierigen Themen ernsthaft anzusprechen. Ursprünglich wollte er einen Dokumentarfilm drehen, sperrte sich dann aber gegen ein schwules Paar, das sich an eine Leihmutter in den USA gewandt hatte, weil er so etwas völlig ablehnte. Garenqs Abneigung gegenüber seines eigenen Filmstoffs äussert sich auch darin, dass sich die einzige Liebesszene im ganzen Film zwischen einem Mann und einer Frau abspielt; der Austausch von Zärtlichkeiten zwischen Manu und Philip dagegen zeigt sich nur in flüchtigen Küsschen!
Trotz all dieser Mängel ist “Comme les autres” recht flott erzählt. Das sympatische Darstellerensemble um Wilson, Ayala, Elbé und Anne Brochet sprüht ungeheuer viel Charme aus und die Dynamik zwischen ihren Figuren sorgt für einen vergnüglichen Filmspass. Tatsächlich: Würde der Film auf eine weniger kontroverse bzw. viel sicherere Basis aufbauen, könnte man ihn als unterhaltsame Komödie loben. Genau wie “Die Standesbeamtin” hätte sich “Comme les autres” aber viel besser als TV-Spielfilm geeignet. Dass ihm das Format fürs Kino abgeht ist nicht weiter verwunderlich, hat sich Garenq in seiner bisherigen Karriere vor allem als Fernsehregisseur einen Namen gemacht.
![]()
Infos:
“Comme les autres”, Frankreich 2008, 93 Min., R: Vincent Garenq, D: Lambert Wilson, Pilar López de Ayala, Pascal Elbé, Anne Brochet, Andrée Damant, Florence Darel, Marc Duret, Liliane Cebrian.
Im Kino ab: 11.06.2009


























= Meisterwerk








