
Ich habe in meiner Rezension von “Transformers: Revenge of the Fallen” viele verschiedene Kritikpunkte angeführt, einer davon verdient es aber, separat und vertieft behandelt zu werden. Der durchweg niveaulose Humor des Blockbusters ist oft schon abstossend genug, die immer wiederkehrenden rassistischen Inhalte sind dann aber wirklich schockierend.
Wie schafft es eine solch grosse Kinoveröffentlichung auf die Leinwand, die nicht nur in vielen Szenen immer wieder kulturelle Klischees propagiert (Nudeln essender alter Mann in Shanghai, Kamel reitende Araber in Ägypten, Schneckenmenü im Pariser Restaurant etc.), sondern gleichzeitig auch mit zwei der anstössigsten Stereotypen einer schwarzen Person in der Filmgeschichte daherkommt?
Die Rede ist von den beiden Autobot-Zwillingen Skids und Mudflap, die nach einem anfänglichen Auftritt als vermoderter alter Glacéwagen zu einem grünen und einem orangen Chevy aufgerüstet werden. Das Sprechen von Skids und Mudflap entspricht (zumindest im englischen Originalton) dem Stereotyp des städtischen schwarzen Jungen. Beide haben ausserdem grosse Ohren und hervorstehende Zähne und verlautbaren, dass sie nicht viel lesen (bzw. “don’t do much readin’“). Skids hat sogar einen Goldzahn. Mehr als herumblödeln tun die Zwillinge nie.

Zehn Jahre sind inzwischen vergangen, seit dem Film “Star Wars Episode I: The Phantom Menace” von George Lucas ähnliche Vorwürfe angelastet wurden, doch Skids und Mudflap übertreffen (bzw. unterbieten) Jar Jar Binks um einiges. /Film hat sich gefragt, wie es solche Figuren durch die monatelange Entwicklungsphase des Films, durch Meetings und Renderings geschafft haben, um als solch rassistische Karikaturen auf der Leinwand zu landen.
In einem Pressegespräch gaben die beiden Drehbuchautoren Alex Kurtzman und Roberto Orci das faule Ei zunächst an Regisseur Michael Bay weiter, der seinerseits die Verantwortung am Erscheinungsbild der Figur den beiden Sprechern Tom Kenney und Reno Wilson (ein Afroamerikaner) in die Schuhe schob.
CHUD zitierte Kurtzman letzte Woche folgendermassen: “Ich glaube, wir sind in vielem einfach Michaels Anweisungen gefolgt. Für diese Figuren hatte er, mehr als für alle anderen, den stärksten Instinkt. Es war unsere Aufgabe, mit ihm Schritt zu halten.”
Bay hat zu verstehen gegeben, dass er die Figuren so entworfen hat, dass sie Kindern gefallen. Aus diesem Grund hätten Skids und Mudflap eine so cartoonmässige Natur. Bay attestiert aber den Sprechern einen grossen Einfluss: “Die Sprechdarsteller haben für die Zwillinge viel improvisiert. Wenn man Figuren animiert und sie aufbaut, dann ist das nicht so wie bei einem Schauspieler, wo man die Szene dreht und dann weitermacht.”
Film School Rejects konnte Kurtzman und Orci inzwischen einige offenere Statements zu den beiden Robotern entlocken: “Wir verstehen die Kritik. Ja, der Goldzahn war nicht im Drehbuch, das ist wahr”, sagte Orci. “Es fällt uns wirklich schwer, hier zu sitzen und zu versuchen, das zu rechtfertigen. Das wäre dumm. Wenn sich jemand daran stört, so ist es sein Recht”, meint Kurtzman und sagt weiter: “Wir waren auch überrascht, als wir das gesehen haben.”
Nachdem die Figuren u.a. auch in der USA Today angeprangert wurden, meldete sich schliesslich Reno Wilson, der Sprecher von Mudflap, zu Wort: “Er ist ein Ausserirdischer, der sich Informationen aus dem Internet raufgeladen hat, und sich dabei diese Persönlichkeit und diese Sprache gebildet hat. Hätte er sich Country-Musik raufgeladen, wäre er ganz anders herausgekommen.”
Aus Wilsons Perspektive macht das vielleicht Sinn, es ist gut möglich, dass er seine Figur mit diesen Hintergrundinformationen vertont hat. Im fertigen Film fällt aber dieser Kontext weg, und übrig bleibt nur noch die unbestreitbar rassistische Stereotypsierung (der sich Bay nichtmal bewusst zu sein scheint), die rein gar nichts auf der Kinoleinwand zu suchen hat. Ein paar billige Lacher im Film ist das niemals wert.