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    Start zum NIFFF ‘09

    Cineast.ch, Filmfestivals | 30. Juni 2009 von Lory Roebuck

    NIFFF 09

    Heute Abend startet die neunte Ausgabe des Neuchâtel International Fantastic Film Festivals (NIFFF) am Neuenburgersee. Eröffnet wird das sechstägige Grossevent um 19:30 Uhr mit dem Science-Fiction-Film “Moon” von Duncan Jones (den ich in einem Artikel im April noch als kommende Filmperle vermutet habe), bevor dann im Openair Kino Julie Delpys “The Countess” aufgeführt wird.

    Auch ich werde, von morgen Mittwoch bis Freitag Nacht, am NIFFF ‘09 zugegen sein, weshalb die Updates auf cineast.ch in diesen drei Tagen eher sporadisch daherkommen werden. Ich werde zwischen den vielen Filmvorführungen versuchen (sofern ich irgendwo eine geeignete WiFi-Verbindung finde), meine Eindrücke zum bisher gesehenen zu publizieren und evtl. auch einige Fotos zu posten.

    Am NIFFF ‘09 konkurrieren rund zwanzig Kinofilme von renommierten oder vielversprechenden internationalen Regisseuren in zwei Wettbewerben. Im internationalen Wettbewerb laufen Filme wie “Moon” oder Lars von Triers kontrovers diskutierter “Antichrist”, auf die ich mich besonders freue, im Wettbewerb des New Asian Cinema gibt es u.a. neue Werke von Joko Anwar (”The Forbidden Door”) und Mamoru Oshii (”The Sky Crawlers”) zu bestaunen.

    Für meine drei Tage am NIFFF ‘09 habe ich es mir zum Ziel gesetzt, soviele der Wettbewerbsfilme wie möglich zu schauen - so um die 15 Stück sollten hoffentlich drin liegen. Auslassen muss ich dafür das vielfältige und ebenso eindrückliche Rahmenprogramm des NIFFFs, das sich u.a. dem neuen skandinavischen Genrekino und einer Retrospektive von William Castle widmet.

    Das volle Programm des NIFFFs lässt sich auf der Festivalwebseite einsehen. Festivalpässe (CHF 150.) und Multipässe (10 Filme CHF 100.-, 4 Filme CHF 45.-) können vor Ort, online oder in allen Starticketfilialen erworben werden.


    Rezension: “Alle anderen” von Maren Ade

    Neu im Kino, Rezensionen | 30. Juni 2009 von Nicky Schaefer

    Rezension: "Alle anderen" von Maren Ade

    Noch selten war das Mittelmeer so unattraktiv wie in Maren Ades Arthaus-Beziehungsdrama, das an der diesjährigen Berlinale mit grossen Preis der Jury ausgezeichnet wurde.

    Chris (Lars Eidinger) und Gitti (Birgit Minichmayr) verbringen ihre Ferien in Sardinien – wobei der eher trübsinnige Chris eigentlich in beruflicher Mission auf der Mittelmeerinsel weilt. Gitti hingegen, die bei einer grossen Plattenfirma arbeitet, macht Ferien. Vielleicht sind es nicht nur die charakterlichen Unterschiede, die also dazu führen, dass es zwischen den zwei schon bald ordentlich brodelt. Als sie aber den erfolgreichen Hans (Hans-Jochen Wagner) und seine wohl noch erfolgreichere Frau Sana (Nicole Marischka) antreffen, werden die wahren Probleme sichtbar.

    Gender Troubles
    “Alle anderen” ist nicht so sehr ein Film über Paare, sondern vielmehr eine Studie über verschiedene Bilder von Männlichkeit und Weiblichkeit. Die offensive Gitti eckt dabei nicht nur bei ihrem zurückhaltenden Freund Chris an, sondern natürlich ebenso bei Hans und Sana, die eine eher traditionelle Vorstellung von Geschlechterrollen verkörpern. Und das ist hier durchaus wörtlich zu verstehen – Sana hat lange Haare, Hans ist mehr oder weniger bärtig, Chris hingegen bartlos, seine Freundin Gitti hat kurze Haare. Erst ganz am Schluss, nachdem sich Gitti von der Veranda stürzt, kann Chris ihre nun traditionellere Weiblichkeit akzeptieren. Chris wiederum wird sich wohl auch in Zukunft nicht gegen die Hanse der Welt behaupten können – im Grunde genommen verändert sich in ihrer Beziehung nichts. Wäre da nicht Gittis anfängliche Verweigerung und ihr Sturz von der Veranda. Aber am Schluss ist wohl doch wieder alles beim alten – und das ist wohl auch gut so.

    Spartanisches Arthaus-Kino
    Die 1976 in Karlsruhe geborene Maren Ade hat sich für ein bewusst spartanisches Kino entschieden, in dem die Charaktere im Vordergrund stehen. Das ist im Grunde genommen das Gegenteil von dem, was sich Otto Normalverbraucher unter Kino vorstellt. Hans und Sana würden sich den Film wohl nicht antun. Einen Plot hat “Alle anderen” nicht im eigentlichen Sinne – gerade deshalb wirkt der Film authentischer, überzeugender als “Ein fliehendes Pferd”, an den der Film streckenweise erinnert. In beiden Filmen geht es um ein Paar. Der Mann hat panische Angst vor einem “Freund”, den er eben nicht für einen Freund hält, sondern wohl eher für einen Rivalen. Schliesslich kommen die Paare aber doch zusammen – und am Schluss kommt es zur Explosion.

    Offene Fragen
    Es ist aber eine leise Explosion in “Alle anderen”, kryptisch einerseits, aber doch überzeugend. Gitti – der zugrundeliegende Name Brigitte soll sich von einem keltischen Wort für “gross” herleiten – muss sich unterordnen (auch dies ist wörtlich zu verstehen). Erst so kann Chris sie akzeptieren. Vielleicht sind es auch esoterische Konzepte über Geschlechterrollen, die hier mitschwingen. Vielleicht sind es aber auch nur die Komplexe einer bestimmten Beziehung und keine Gebrauchsanweisung, die der Film der Zuschauerin mitgeben will. Bei alldem bleibt aber rätselhaft, wie es die unkonventionelle Gitti mit dieser Schlafpille von einem Mann so lange aushält. Ist es also letztlich doch die Tragödie des Verlusts von Gittis Kraft, von dem der Film uns erzählt?

    Bewertung: 4 Sterne ("stark")

    Infos:
    “Alle anderen”, Deutschland 2009, 119 Min., R: Maren Ade, D: Lars Eidinger, Birgit Minichmayr, Hans-Joachim Wagner, Nicole Marischka.

    Im Kino ab: 02.07.2009


    “Transformers 2″ erklimmt die Spitze

    Zuschauerzahlen | 30. Juni 2009 von Lory Roebuck

    Devastator erklimmt in "Transformers: Revenge of the Fallen" eine Pyramide

    Die Besuchszahlen an den Deutschschweizer Kinokassen waren gegenüber der Vorwoche leicht rückläufig. 76′400 gelöste Kinotickets zwischen Donnerstag und Sonntag entsprechen einem Minus von rund 7000 Besuchern bzw. einem Rückgang um 8.2%.

    Trotz dem breit gefächerten Angebot an neuen Filmen schaffte es nur ein Neustart unter die zehn bestbesuchtesten Kinofilme der Woche. Dafür landete dieser - erwartungsgemäss - gleich an der Spitze: “Transformers: Revenge of the Fallen” verzeichnete für einen grossen Sommerblockbuster aber “nur” 34′858 Besucher und einen Besucherschnitt von 505 Personen pro Leinwand.

    Michael Bays Roboterfortsetzung kommt damit auf etwa gleich viele Zuschauer, wie “Terminator Salvation”, “X-Men Origins: Wolverine” und “Der Kaufhaus Cop” an ihrem ersten Wochenende erreicht hatten, bleibt aber deutlich hinter den Startergebnissen von Hits wie “Angels & Demons” (83′900) und “Fast & Furious” (51′104) zurück.

    Auf Platz 2 abgerutscht ist Kevin Macdonalds “State of Play”. Der smarte Politthriller mit Russell Crowe und Ben Affleck kam noch auf 8716 Zuschauer (-8500) und einen Zuschauerschnitt von 291 Personen pro Leinwand. Ebenfalls einen Rang zurück fielen “Angels & Demons” (7685 Zuschauer, Schnitt von 179 Personen pro Leinwand) und “Night at the Museum 2″ (6493 Zuschauer, Schnitt von 144 Personen pro Leinwand).

    Alle anderen Filme in der Top Ten weisen gegenüber der Vorwoche nur noch ungefähr halb so viele Zuschauer auf. Am wenigsten betroffen von diesem Besucherschwund ist das Biopic “Coco avant Chanel” mit Audrey Tautou, deren 2504 Zuschauer (Schnitt: 209 Personen pro Leinwand) zu einem Sprung von Platz 9 auf Platz 7 reichten. Aus der Top Ten verabschiedet hat sich dagegen die Komödie “17 Again”.

    Es würde an ein Wunder grenzen, stünde nächste Woche nicht “Ice Age: Dawn of the Dinosaurs” (Kinostart bereits morgen Mittwoch, 1. Juli) an der Spitze der Zuschauercharts. Fraglich ist einzig, ob der Animationsfilm, der in einigen Kinos auch als 3D-Film gezeigt wird, ein neues Jahreshöchstergebnis erzielt oder nicht. Auf Grund der Sommerferien tippe ich eher auf nein.

    Zum Schluss noch das vergangene Kinowochenende im Gesamtüberblick:

    Deutschschweiz Woche 26: Do 25.6. - So 28.6.2009
    Filmtitel Screens Besucher
    1. “Transformers: Revenge of the Fallen” 69 34858
    2. “State of Play” 30 8716
    3. “Angels & Demons” 43 7685
    4. “Night at the Museum 2″ 45 6493
    5. “Hannah Montana: The Movie” 49 5125
    6. “Terminator Salvation” 35 4211
    7. “Coco avant Chanel” 12 2504
    8. “Ghosts of Girlfriends Past” 24 2416
    9. “Drag Me To Hell” 16 2281
    10. “Prinzessin Lillifee” 28 2111

    Totale Zuschauerzahl (Top 10) Deutschschweiz: 76′400.

    Zahlen: SFV.


    Neue Details zum US-Remake von “Let The Right One In”

    Ausblicke | 30. Juni 2009 von Lory Roebuck

    Oskar in Thomas Alfredsons "Let The Right One In"

    Von allen Kinofilmen, die ich in diesem Kalenderjahr bisher gesehen habe, war ich von Thomas Alfredsons “Let The Right One In” am meisten angetan. Der einfühlsame Genremix aus Schweden gewann auf der ganzen Welt Anerkennung an Filmfestivals und bei Kritikern, und so überrascht es nicht, dass in den USA bereits an einem amerikanisierten Remake des Films gearbeitet wird.

    Overture Films hat sich die Rechte an Ajvide Lindqvists gleichnamiger Buchvorlage gesichert und “Cloverfield”-Regisseur Matt Reeves mit der Inszenierung beauftragt. Dieser hat nun der LA Times einen kurzen Einblick in den gegenwärtigen Stand des Projekts gewährt. Die Neuverfilmung heisst jetzt offiziell “Let Me In” und ist in der schneebedeckten Berglandschaft Colorados zur Zeit der Präsidentschaft von Ronald Reagan angesiedelt.

    Reeves erzählt im Interview von seiner Begegnung mit dem Originalfilm: “Die Story hat mich sehr mitgenommen und ich hatte eine sehr persönliche Reaktion darauf. Es erinnerte mich an meine Kindheit, mit dieser Metapher des Erlebens der schweren Jugend als schmerzhafter Horror.”

    Viele Anhänger des genialen Originalfilms fragen sich, weshalb ein Remake denn überhaupt nötig sei. Reeves wehrt sich gegen Vorwürfe der Abzockerei: “Ich verstehe, dass Leute wegen ihrer Liebe zum Originalfilm dem Remake zynisch gegenüberstehen und denken, dass ich jetzt daherkomme und das Ganze zerstöre. In Wirklichkeit habe ich aber nichts als Respekt vor dem Original. Es spricht mich aus persönlich Gründen an, nicht aus finanziellen. Würde ich keine persönliche Verbindung spüren, würde ich nicht das Gefühl haben, es könnte ein eigenständiger Film sein, dann würde ich es nicht tun. Ich hoffe, man gibt uns eine Chance.”

    Reeves verspricht, dass die beiden Protagonisten seines Films nicht zu Teenagern gealtert werden, um eine “Twilight”-ähnliche Romanze einbauen zu können. Der Regisseur arbeitet momentan mit dem Casting Director Avy Kaufman - der zuvor bereits Kinder für Rollen in Filmen wie “The Sixth Sense” und “The Ice Storm” gefunden hat - zusammen, um geeignete Jungschauspieler für das Remake zu finden.

    Mehr Details sind bisher nicht bekannt, ausser dass eine zweite Fassung des Drehbuchs fertig ist (Autor unbekannt), das sich scheinbar eher an Lindqvists Roman als an Andersons Film (zu dem Lindqvist aber selber das Drehbuch beigesteuert hatte) orientiert. Overture Films plant mit einem US-Kinostart im Herbst 2010.

    In der Zwischenzeit empfehle ich allen Lesern dieser Seite den Originalfilm “Let The Right One In” von Thomas Alfredson (Infos, Rezension, Trailer und Bilder in unserer Filmdatenbank), den es unterdessen auch schon auf DVD zu sehen gibt.


    Rassismus in “Transformers 2″

    Aktuelle Themen | 29. Juni 2009 von Lory Roebuck

    Mudflap und Skids in "Transformers: Revenge of the Fallen"

    Ich habe in meiner Rezension von “Transformers: Revenge of the Fallen” viele verschiedene Kritikpunkte angeführt, einer davon verdient es aber, separat und vertieft behandelt zu werden. Der durchweg niveaulose Humor des Blockbusters ist oft schon abstossend genug, die immer wiederkehrenden rassistischen Inhalte sind dann aber wirklich schockierend.

    Wie schafft es eine solch grosse Kinoveröffentlichung auf die Leinwand, die nicht nur in vielen Szenen immer wieder kulturelle Klischees propagiert (Nudeln essender alter Mann in Shanghai, Kamel reitende Araber in Ägypten, Schneckenmenü im Pariser Restaurant etc.), sondern gleichzeitig auch mit zwei der anstössigsten Stereotypen einer schwarzen Person in der Filmgeschichte daherkommt?

    Die Rede ist von den beiden Autobot-Zwillingen Skids und Mudflap, die nach einem anfänglichen Auftritt als vermoderter alter Glacéwagen zu einem grünen und einem orangen Chevy aufgerüstet werden. Das Sprechen von Skids und Mudflap entspricht (zumindest im englischen Originalton) dem Stereotyp des städtischen schwarzen Jungen. Beide haben ausserdem grosse Ohren und hervorstehende Zähne und verlautbaren, dass sie nicht viel lesen (bzw. “don’t do much readin’“). Skids hat sogar einen Goldzahn. Mehr als herumblödeln tun die Zwillinge nie.

    Skids und Mudflap

    Zehn Jahre sind inzwischen vergangen, seit dem Film “Star Wars Episode I: The Phantom Menace” von George Lucas ähnliche Vorwürfe angelastet wurden, doch Skids und Mudflap übertreffen (bzw. unterbieten) Jar Jar Binks um einiges. /Film hat sich gefragt, wie es solche Figuren durch die monatelange Entwicklungsphase des Films, durch Meetings und Renderings geschafft haben, um als solch rassistische Karikaturen auf der Leinwand zu landen.

    In einem Pressegespräch gaben die beiden Drehbuchautoren Alex Kurtzman und Roberto Orci das faule Ei zunächst an Regisseur Michael Bay weiter, der seinerseits die Verantwortung am Erscheinungsbild der Figur den beiden Sprechern Tom Kenney und Reno Wilson (ein Afroamerikaner) in die Schuhe schob.

    CHUD zitierte Kurtzman letzte Woche folgendermassen: “Ich glaube, wir sind in vielem einfach Michaels Anweisungen gefolgt. Für diese Figuren hatte er, mehr als für alle anderen, den stärksten Instinkt. Es war unsere Aufgabe, mit ihm Schritt zu halten.”

    Bay hat zu verstehen gegeben, dass er die Figuren so entworfen hat, dass sie Kindern gefallen. Aus diesem Grund hätten Skids und Mudflap eine so cartoonmässige Natur. Bay attestiert aber den Sprechern einen grossen Einfluss: “Die Sprechdarsteller haben für die Zwillinge viel improvisiert. Wenn man Figuren animiert und sie aufbaut, dann ist das nicht so wie bei einem Schauspieler, wo man die Szene dreht und dann weitermacht.”

    Film School Rejects konnte Kurtzman und Orci inzwischen einige offenere Statements zu den beiden Robotern entlocken: “Wir verstehen die Kritik. Ja, der Goldzahn war nicht im Drehbuch, das ist wahr”, sagte Orci. “Es fällt uns wirklich schwer, hier zu sitzen und zu versuchen, das zu rechtfertigen. Das wäre dumm. Wenn sich jemand daran stört, so ist es sein Recht”, meint Kurtzman und sagt weiter: “Wir waren auch überrascht, als wir das gesehen haben.”

    Nachdem die Figuren u.a. auch in der USA Today angeprangert wurden, meldete sich schliesslich Reno Wilson, der Sprecher von Mudflap, zu Wort: “Er ist ein Ausserirdischer, der sich Informationen aus dem Internet raufgeladen hat, und sich dabei diese Persönlichkeit und diese Sprache gebildet hat. Hätte er sich Country-Musik raufgeladen, wäre er ganz anders herausgekommen.”

    Aus Wilsons Perspektive macht das vielleicht Sinn, es ist gut möglich, dass er seine Figur mit diesen Hintergrundinformationen vertont hat. Im fertigen Film fällt aber dieser Kontext weg, und übrig bleibt nur noch die unbestreitbar rassistische Stereotypsierung (der sich Bay nichtmal bewusst zu sein scheint), die rein gar nichts auf der Kinoleinwand zu suchen hat. Ein paar billige Lacher im Film ist das niemals wert.


    Kein rettendes Ufer für Steiners “Sennentuntschi”?

    Aktuelle Themen, Schweizer Film | 29. Juni 2009 von Lory Roebuck

    Filmszene aus Michael Steiners "Sennentuntschi"

    Neue Wasserstandsmeldung betreffend “Sennentuntschi”: Die Rettung ist ausser Sichtweite gerückt, das hochverschuldete Filmprojekt des Schweizer Regisseurs Michael Steiner (”Grounding”, “Mein Name ist Eugen”) droht abzusaufen. Weil jetzt sogar der Bund seine Subventionen zurückfordert, droht die Produktion noch weiter in Schulden abzusinken.

    Laut dem Tages Anzeiger arbeiteten die vielen Geldgeber des Films zusammen mit den Koproduzenten an einer Auffanggesellschaft, unter deren Einwirkung das Bundesamt für Kultur (BAK), die Zürcher Filmstiftung, die SRG und das Schweizer Fernsehen nochmals rund eine Million Franken einbringen sollten, um die Fertigstellung von “Sennentuntschi” zu gewährleisten.

    Am Freitag sind aber scheinbar die Gespräche zur Rettung des Films geplatzt. In der SonntagsZeitung erhoben gestern Andres Brütsch, Vizepräsident der Zürcher Filmstiftung, und Alberto Chollet von der SRG schwere Vorwürfe gegen den Filmchef des Bundes, Nicolas Bideau. Bideau wird wegen seiner “Verschleppungstaktik” (Brütsch) für das Scheitern der Verhandlungen verantwortlich gemacht und agiere “überfordert und hilflos” (Chollet).

    Bideau soll ohne Rücksprache einen alternativen Rettungsplan entworfen haben, obwohl es Anzeichen dafür gegeben hatte, dass sich die Verhandlungspartner auf ein Modell zur Rettung des noch unfertigen Films bald einigen würden. Der Filmchef liess seine Partner kurz vor den abschliessenden Gesprächen am Freitag wissen, dass über die Produktionsfirma zuerst ein Konkursverfahren eröffnet werden müsse, bevor man über die Rettung von “Sennentuntschi” verhandeln könne.

    Bei der Zürcher Filmstiftung tippt man auf Inkompetenz seitens des BAK: “Die Sektion Film”, glaubt Brütsch, “weiss zu wenig genau, was in einer Krisensituation ihre Aufgaben sind. (Sie) kennt ihre rechtlichen Kompetenzen nicht - oder erst jetzt, nach beinahe fünf Monaten der Verhandlungen.” Bideau hat nun überraschend erklärt, dass der Bund von Steiners Firma Kontraproduktion ihre bereits ausbezahlten Subventionen zurückfordert. Der Schuldenbetrag von “Sennentuntschi” dürfte dabei auf über 3 Millionen Franken ansteigen.

    Bideau wehrte sich gegen die ihm angelasteten Vorwürfe: “Ich bin sehr erstaunt, wie die Vertreter der anderen Förderstellen meinen Spielraum beim Bund einschätzen.” Das BAK unterliege als staatliche Behörde “anderen rechtlichen und wirtschaftlichen Zwängen als die privaten Geldgeber.” Bideau sei von den vorliegenden Rettungsplänen nicht überzeugt gewesen, weil sie in rechtlicher und finanzieller Hinsicht zu vieles nicht geregelt hätten.

    Ein wenig Hoffnung für “Sennentuntschi” gibt es aber weiterhin. Brütsch und die Zürcher Filmstiftung wollen mit der SRG, dem Schweizer Fernsehen und den Koproduzenten des Films ihre Rettungsbemühungen vorantreiben. Auch mit dem BAK soll eine Lösung gefunden werden. Denn letztlich seien sich Brütsch und Bideau in einer Sache einig: “Sennentuntschi” soll so gerettet werden, dass auch die Kleingläubiger zu ihrem Recht kommen - und Steiner muss seinen Film fertigstellen können, “unter Bedingungen, die auch für ihn in Ordnung sind.”


    “Transformers 2″ auf Twitter tausendfach gelobt - in identischen Tweets!

    Aktuelle Themen | 29. Juni 2009 von Lory Roebuck

    "Transformers: Revenge of the Fallen"

    “Transformers: Revenge of the Fallen” lief vergangene Woche nicht nur bei uns im Kino an, sondern auch in den USA, wo die Blockbusterfortsetzung von Michael Bay in fünf Tagen bereits 200 Millionen Dollar eingespielt hat. Für das Startwochenende eines Kinofilms in den USA liegt dieser Wert im Rekordbereich; im gleichen Zeitraum wird “Transformers 2″ einzig von “The Dark Knight” (Juli 2008) übetroffen.

    Gleichzeitig wird der Film von Kritikern weltweit geradezu verrissen: Rotten Tomatoes verzeichnet eine Akzeptanz von gerade mal 21% und eine durchschnittliche Bewertung von 3.9/10, ein Wert, den “Transformers 2″ mit solch filmischen Absonderlichkeiten wie “Tomb Raider”, “Alexander” und “Miss Congeniality 2″ teilt. Auch die meisten Kinogänger waren scheinbar vom Film enttäuscht, selbst solche, die nur auf ein Actionspektakel aus waren.

    Grundsätzlich ist es im amerikanischen Kinomarkt so, dass Reviews eines Blockbusters keine grosse Auswirkungen auf das Startergebnis des Films ausüben - Hype und Werbung sind genug, um die Kinosäle am ersten Wochenende zu füllen. Negative Bewertungen eines Blockbusters können aber sehr wohl die Langlebigkeit des Filmes an den Kinokassen beeinflussen. Gekoppelt mit schlechtem word-to-mouth von Kinogängern kann ein vermeintliches Kinogrossereignis so schnell von der Bildfläche verschwinden.

    Im Hinblick auf diese Gedanken sollte man jetzt die folgende Nachricht ins Auge fassen: Recherchen von SciFiWire haben ergeben, dass auf der Social Networking-Plattform Twitter übers Wochenende tausende von lobenden Tweets (Einträge der Benutzer) zu “Transformers 2″ aufgetaucht sind. Pikanterweise enthielten aber sämtliche Tweets wortgenau die selbe Nachricht, die von neu registrierten Benutzern minutengenau zum selben Zeitpunkt ins Netz gestellt wurden:

    Im waking up still, got a late start to the day. Oopsy… I watched the new transformers last night at 12:01 at night, haha. Super good …

    Twitter ist in der Schweiz (noch?) nicht so beliebt wie z.B. Facebook, seine Funktionsweise ist aber schnell erklärt: Man stelle sich Facebook vor, aber rein auf die status update Funktion reduziert. Man kann sich die Updates (tweets) von anderen im eigenen Profil anzeigen lassen, in dem man diese Benutzer beobachtet (follow). Was nützt dann aber eine Nachricht wie die oben, wenn der dazu neuerstellte Account von niemandem verfolgt wird? An sich nichts. Nur: Tippt jemand in das Suchfeld von Twitter “Transformers 2″ ein, erscheint der Tweet in den Suchresultaten - und zwar massenweise!

    Die Vermutung liegt natürlich nahe, dass das Filmstudio (oder eine von ihm beauftragte PR-Firma) für das Erstellen dieser Accounts und das Massenveröffentlichen der Nachricht verantwortlich ist, um der negativen Meinungsmache von “Transformers 2″ entgegenzuwirken (und die Langlebigkeit des Filmes zu unterstützen). SciFiWire hat sich diesbezüglich mit Paramount Pictures in Verbindung gesetzt, das Studio wollte aber nicht Stellung beziehen. Kurz nachdem SciFiWire ihren Bericht publizierte, hörte das Registrieren der Propagandaaccounts aber schlagartig auf.

    SciFiWire.com entdeckte über eintausend Mal denselben lobenden Tweet zu "Transformers 2"

    SciFiWire.com entdeckte über eintausend Mal denselben lobenden Tweet zu "Transformers 2".


    Szene aus “Brüno” wegen Jacksons Tod entfernt

    Aktuelle Themen | 29. Juni 2009 von Lory Roebuck

    Sacha Baron Cohen als "Brüno"

    Vergangene Woche fand die Weltpremiere vom “Borat”-Nachfolgerfilm “Brüno” in Los Angeles statt. Laut Risky Biz Blog fehlte dabei eine Szene, die zuvor in den Pressevorführungen der brisanten Komödie noch drin gewesen war. Beim betroffenen Filmmaterial handelt es sich um eine Sequenz über Michael Jackson, die angesichts des kürzlichen Todes des ehemaligen Popweltstars aus dem Film geschnitten wurde.

    Laut /Film ist in der Szene zwar nicht Michael Jackson selber zu sehen, dafür aber seine Schwester LaToya. Diese wird von Brüno interviewt, wobei sich das Gespräch natürlich bald einmal in Richtung Michael verschiebt. Wie zu erwarten durch den Dreck gezogen werden dabei Themen wie Michael Jacksons Stimme, sein Handschuh usw. Als Brüno dann noch LaToyas Handtasche durchsucht und auf ihrem Handy Michaels Nummer entdeckt, stürmt sie empört davon.

    Nach der Nachricht über Jacksons Tod entschied Filmstudio Universal zusammen mit Regisseur Larry Charles, die Sequenz aus der Kopie für die LA-Premiere zu entfernen, “aus Rücksicht für die Jackson-Familie”. Charles sagte nach der Premiere: “Wir entschlossen uns dazu, die Szene heute Abend auszulassen, und wir werden vor dem Kinostart nochmals abwägen, ob sie permanent entfernt wird.” The Guardian glaubt zu wissen, dass die Entscheidung bereits gefallen ist und das Filmmaterial wegbleibt.

    Das letzte Mal, als im Vorfeld einer grossen Kinoveröffentlichung aus Rücksicht auf gegenwärtige Ereignisse kurzfristige Änderungen durchgeführt wurden, war im Herbst 2001. Damals entfernte Columbia aus dem ersten Trailer zu “Spider-Man” eine Szene, die ein Helikopter voller Bankräuber in einem riesigen Netz gefangen zeigte, das zwischen den Türmen des World Trade Center gespannt war. Ein Video davon kann man inzwischen auf Youtube schauen. Die Jackson-Sequenz aus “Brüno” gibts dann wohl erst auf der DVD zu sehen.

    Schweizweiter Kinostart von “Brüno” ist am 8. Juli.


    Trailer zu “Amelia” mit Hilary Swank

    Ausblicke, Trailer | 28. Juni 2009 von Lory Roebuck

    "Amelia" von Mira Nair

    In “Night at the Museum 2″ war noch die bezaubernde Amy Adams als Amelia Earhart zu sehen, in Mira Nairs (”The Namesake”, “Monsoon Wedding”) kommendem biografischem Film über die erste Atlantikpilotin (1897-1937) wird die Rolle von der zweifachen Oscargewinnerin Hilary Swank gespielt.

    Focus Features hat nun den ersten Trailer zu “Amelia” veröffentlicht:

    Dem Trailer nach zu urteilen beinhaltet “Amelia” die klassischen Zutaten eines Biopics: Ein Aussenseiter (hier eine Frau, die in der Aviation scheinbar nichts zu suchen hat) setzt sich gegen Vorurteile und Selbstzweifel durch und landet (evtl. auch nur vorübergehend) obenauf.

    Ronald Bass’s Drehbuch zu “Amelia” basiert auf mehreren Büchern über Earhart, die als weibliches Gesicht der frühen Luftfahrt zu einem nationalen Ikon avancierte. Earhart ware die erste Solo-Pilotin, die  den Atlantik überquerte, und sie flog als erste alleine von Hawaii nach Kalifornien. Sie verschwand 1937 bei ihrem Versuch, den Globus zu umfliegen.

    In “Amelia” in weiteren Rollen zu sehen sind Ewan McGregor, Richard Gere, Virginia Madsen, Joe Anderson, Christopher Eccleston und Mia Wasikowska (die Jungdarstellerin aus Tim Birtons kommendem “Alice in Wonderland 3D”).

    Schweizer Kinostart von “Amelia” ist voraussichtlich der 7. Januar 2010, im Verleih von Fox.


    Retrospektive: “A Room With A View” (1986) von James Ivory

    Retrospektiven | 26. Juni 2009 von Tobias Imbach

    Retrospektive: "A Room With A View" von James Ivory

    Diese ironische und angriffige Gesellschaftskomödie ist nicht nur der beste Film des ruhmreichen Trios Ivory-Merchant-Prawer, sondern auch eine der stärksten Literaturverfilmungen überhaupt.

    Florenz im Jahre 1907: Die junge Lucy Honeychurch (Helena Bonham Carter) ist in Begleitung ihrer Anstandsdame, der deutlich älteren und prüden Kusine Charlotte Bartlett (Maggie Smith), auf Reisen in der Toskana. Bei ihrer Ankunft in der Hauptstadt der Region allerdings ist das ungleiche Paar schwer enttäuscht. Der Blick aus den Zimmern ihrer Pension ist nicht der Rede wert, ganz anders als ihnen noch angekündigt wurde. Diese unglücklichen Umstände sind schliesslich auch ihr Gesprächsthema beim Nachtessen in der Pension, wo die beiden Britinnen auf weitere Gäste treffen, scheinbar allesamt Landsleute, darunter auch der unbefangene Mr. Emerson (Denholm Elliott) und sein zurückhaltender Sohn George (Julian Sands). Diese zwei zeigen sofort Bereitschaft, ihre grossen Zimmer mit Aussicht gegen jene der Frauen zu tauschen, denn schliesslich “ist es für Frauen wichtig, Zimmer mit Aussicht zu haben. Für Männer nicht.“

    Kurz währendes Glück
    Nach einigem Hin und Her gibt Charlotte Bartlett schliesslich nach und die beiden Frauen beziehen die Zimmer, die ihnen so freundlich angeboten wurden. In den Tagen darauf lernen sich die Gäste besser kennen, besichtigen die Stadt gemeinsam, bis jener verhängnisvollen Ausflug ins Grüne folgt, wo der junge George Emerson Lucy leidenschaftlich küsst – aus dem Nichts heraus, so scheint es, zumindest für sie, für ihn hat sich dies bei der Stadtbesichtigung zuvor schon angekündigt. Lange währt sein Glück allerdings nicht, denn Kusine Charlotte kommt herangestürmt, entsetzt, und reist kurz darauf mit Lucy ab. Ganz ab, zurück nach Hause in die Grafschaft Surrey.

    Als sich George und Lucy einige Zeit später in England wieder sehen, ist sie bereits dem blasierten Cecil Vyse (köstlich: Daniel Day-Lewis) versprochen und wird in Bälde heiraten. Lucy ist mit dieser Situation überfordert - sie weiss nicht, ob sie die tief im 19. Jahrhundert verankerten Wege fortsetzen soll, die sie nun bereits eingeschlagen hat oder sich doch den Welten öffnen soll, die sie in der Toskana kennen lernte und die bereits ihre tiefen Spuren hinterlassen haben.

    Audio-visuelle Opulenz
    Besagte Kuss-Szene in der toskanischen Landschaft gehört zu den mir kostbarsten Film-Momenten überhaupt. Diese Sekunden sind von atemberaubender Intensität und satter Schönheit. Allgemein zeugen die malerischen Szenenbilder und die Kostüme gleichermassen (in diesen Kategorien zurecht mit Oscars ausgezeichnet) von viel Sinn für Details, jedes Bild dieses Films würde auch als Gemälde Bewunderer finden. Die Bilder sind ein Fest für die Augen genauso wie die wundervollen Opernarien Puccinis und der stimmungsvolle Score von Richard Robbins die Ohren verwöhnen. Diese Pracht steht ganz im Gegensatz zum geringen Budget, das nur 3 Millionen Dollar betrug.

    Bis in die Nebenrollen perfekt besetzt
    Neben der Inszenierung sind es vor allem die Schauspieler, die “A Room With A View“ zu seinem Reichtum verhelfen. Helena Bonham Carter war erst 19 Jahre alt, als ihr mit diesem Film der internationale Durchbruch gelang. Sie spielt die zugleich temperamentvolle und doch sehr zurückhaltende Jungfrau, wie es niemand besser könnte. In wundervoll gezeichneten Nebenrollen begeistern vor allem die älteren Damen Judi Dench als leidenschaftliche, aber wichtigtuerische Schrifstellerin und Maggie Smith als altjungferliche Kusine. Allen die Show stiehlt schliesslich aber Denholm Elliott als freidenkender Mr. Emerson, der seinem Sohn einen Weg im Leben finden möchte.

    Literarische Klasse im Film
    Bei ihrer Verfilmung des Romans von Edward Morgan Forster hielten sich Regisseur James Ivory, Produzent Ismail Merchant und Drehbuchautorin Ruth Prawer Jhabvala eng an die Vorlage, dies aber nicht um jeden Preis - so wurde etwa die Rom-Passage weggelassen, was dem Film aber nur zugute kommt. Die literarische Klasse der Vorlage wurde behutsam visualisiert, ohne dabei nur im Geringsten an Vielschichtigkeit einzubüssen – was der Academy schliesslich einen dritten Oscar für das “Beste Adaptierte Drehbuch“ wert war. “A Room With A View“ ist eine Literaturverfilmung so frei jeglicher Mängel, dass sie auf alle Fälle zu den besten ihrer Art gezählt werden darf.