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    “Coraline” in der Deutschschweiz (fast) überall nur auf Deutsch und in 2D

    Aktuelle Themen | 31. August 2009 von Lory Roebuck

    Bei uns gibts keine Geschenke: "Coraline" wird fast überall nur auf Deutsch und in der Flachbildfassung gezeigt

    Ab heute herrscht auf cineast.ch wieder Normalbetrieb; gebräunt und ausgeruht bin ich am Wochenende aus dem Urlaub wieder zurückgekehrt. Ich habe heute die Filmdatenbank mit den Kinostarts der vergangenen Woche aktualisiert, d.h. wer sich noch unschlüssig ist, ob er/sie im Kino z.B. “Coraline” noch sehen möchte, kann auf der entsprechenden Datenbankseite den Trailer anschauen und die wichtigsten Infos zum Film finden.

    Apropos “Coraline”: Auf Grund meiner Ferien hatte ich die Pressevisionierung verpasst (dafür hat Andreas den Film rezensiert) und wollte die Besichtigung des Animationsfilms von Henry Selick heute nachholen. Zu meiner Enttäuschung musste ich aber feststellen, dass “Coraline” hier in Basel nicht im englischen Originalton gezeigt wird. Damit hatte ich noch halb gerechnet; 3D-Filme gibts ja momentan nur auf Deutsch zu sehen (Details).

    Nur: “Coraline” läuft in Basel nicht nur auf Deutsch, sondern auch in der Flachbildfassung! Das erscheint mir dann doch anmassend, und für so eine Sauerei gebe ich bestimmt nicht mein Geld aus. Was sich der Verleih dabei gedacht hat, weiss ich nicht. “Coraline” ist zwar ein Animationsfilm, aber bestimmt nicht für ein kindliches Publikum konzipiert. Evtl. frage ich bei Universal mal nach; ich kann mir aber nicht vorstellen, dass da noch was geändert wird.

    Ausweichmöglichkeiten gibt es kaum, “Coraline” wird fast überall in der Deutschschweiz nur in der deutschen Synchronisation und mit Flachbild gezeigt. Das englische Original gibt es momentan bloss in Zürich im Kino Metropol (nur abends um 18:30 und 21:00 Uhr) zu sehen, die spektakuläre 3D-Version (in der deutschen Sprachfassung) nur in Uzwil (Kino City, 20:45) und Wetzikon (Kino Rio, 20:30).

    Ich breche deshalb mal wieder mit dem Bestreben dieser Seite auf einen exklusiven Fokus auf Kinofilme bzw. -themen und verweise auf die schweizer DVD-Veröffentlichung von “Coraline” am 3. Dezember, die neben der deutschen auch die original englische Tonspur beinhaltet. Ungeduldigere können sich aber bereits jetzt die DVD aus den USA importieren lassen, die sogar in der 3D-Fassung (inklusive vier 3D-Brillen) daherkommt.


    Rezension: “Adoration” von Atom Egoyan

    Neu im Kino, Rezensionen | 31. August 2009 von Nicky Schaefer

    Rezension: "Adoration" von Atom Egoyan

    Atom Egoyan kehrt mit seinem neuen Film zurück zu seinen früheren, persönlichen Werken, knüpft dabei aber auch an sein vorletztes Werk “Ararat” an.

    Simon ist ein aufgeweckter Schüler. Im Französischunterricht muss er einen auf der Geschichte eines Terroristen basierenden Text schreiben. Er versetzt sich in den Kopf eines Sohnes, der beinahe gar nie auf die Welt gekommen wäre, da sein Vater der schwangeren Mutter eine Bombe ins Reisegepäck geschmuggelt hat. Die Lehrerin, Sabine, fordert ihn auf, er soll diese Fiktion weiterspinnen – bald sind nicht nur seine MitschülerInnen von dieser erfundenen Geschichte überzeugt, sondern auch Internet User aus der ganzen Welt. Sabine wird entlassen – sie will aber mit Simon im Kontakt bleiben.

    Intime Geschichte
    Atom Egoyan erzählt mit “Adoration” eine intime Geschichte, die an früherer Werke wie sein Erstling “Next of Kin” aber auch an seinen vorletzten Film “Ararat” erinnert. Es geht um Fragen der Identität, der Erinnerung, um Familiengeschichten, um Rassismus und Toleranz, um Medialität und Fiktionalisierung. Bald schon stellt sich heraus, dass es nicht die Pädagogik ist, die Sabine antreibt – genau so, wie sich Simon verstellt, kann auch Sabine anfangs nicht zugeben, um was es ihr wirklich geht.

    Wie schon in “Next of Kin”, wo sich ein kanadischer Junge als Sohn einer armenischen Familie ausgibt, versetzt sich Simon in einen anderen, um mit seiner eigenen Geschichte bzw. derjenigen seiner Eltern ins Reine zu kommen. Erzogen wurde er von seinem Onkel; da aber dieser ihn christlich erzogen hat und sein Grossvater ein ganz übler Rassist war, hatte Simon nie die Gelegenheit, seine arabischen Wurzeln kennenzulernen. Oder vielmehr: Simon hat eine starke Sehnsucht nach ebendiesen arabischen Wurzeln, da ihm das Schicksal diese verwehrt hat.

    Gelungene Umsetzung
    “Adoration” ist ein hoffnungsvoller Film – und dies, obwohl ihn Egoyan im Wissen gedreht hat, dass nicht nur die fiktionale Geschichte wahr ist (d.h. ausserhalb des Films), sondern auch im Wissen, dass der Rassismus des Grossvaters ebenso ein echtes Problem darstellt. Atom Egoyans Film zeichnet sich durch viel Intimität und auch durch eine gelungene Umsetzung des Internets bzw. des Chats auf der grossen Leinwand aus. Dadurch, dass Egoyan anders als in seinem letzten Film “Where the Truth Lies” wie schon in “Ararat” schwierige Themen fiktionalisiert, ist sein Film nicht zuletzt einer der besten über das Internet.

    Zugegebenermassen ist auch das eigentlich ein noch nicht realistisches Element, doch das tut im Grunde genommen nichts zur Sache, denn: wer will schon im Kino E-Mails lesen? Andererseits ist diese Darstellung vielleicht schon in Bälde Teil der ausserfilmischen Realität. Wie dem auch sei – “Adoration” ist zwar wohl nicht Egoyans bester Film, aber sicher einer seiner wichtigsten. Auch wenn er beim breiten Publikum sicher auf weniger Resonanz stossen wird als “The Sweet Hereafter” oder “Where the Truth Lies”.

    Bewertung: 4 Sterne ("stark)

    Infos:
    “Adoration”, Kanada 2008, 100 Min., R: Atom Egoyan, D: Devon Bostick, Arsinée Khanjian, Scott Speedman, Rachel Blanchard, Kenneth Walsh, Dominic Cuzzocrea.

    Im Kino ab: 27.08.2009 (Basel-Stadt) / 02.07.2009


    Video: 100 Jahre Spezialeffekte

    Sonstiges | 31. August 2009 von Lory Roebuck

    Auf Cinematical bin ich auf folgendes Video gestossen, das in einer fünfminütigen Montage die Entwicklung von Spezialeffekten in Kinofilmen während der letzten 100 Jahre zeigt:

    Laut der Clipbeschreibung des Machers auf Youtube wurde das Video ursprünglich für schulische Zwecke kreiert, als Einführung zu einer Vorlesung. Der Clip ist definitiv sehenswert, etwas verwunderlich ist bloss der Sprung von 1993 (”Jurassic Park”) zu 2004 (”Spider-Man 2″) - dazwischen fehlt eindeutig “The Matrix” (1999)!

    Spannend ist auch, dass der Macher Szenen aus “The Abyss” (1989) und “Terminator 2: Judgement Day” (1991) ausgewählt hat, zwei Filme von James Cameron. Ob Camerons neuer Film “Avatar” (ab 17. Dezember im Kino) wohl auch so eine prägende Stellung in der Geschichte der Special Effects einnehmen wird?


    “Twilight”-Sequel “New Moon” schon ab November im Kino

    Aktuelle Themen, Ausblicke | 31. August 2009 von Lory Roebuck

    Kristen Stewart als Bella in "The Twilight Saga: New Moon"

    “The Twilight Saga: New Moon” debütiert am 20. November in den amerikanischen Kinos. Schweizer Fans der Vampirserie hätten ursprünglich bis zum 7. Januar 2010 auf den Film warten müssen; doch nun hat der Verleih Ascot Elite den hiesigen Kinostart auf den 26. November vorverschoben, nur eine Woche nach dem US-Start also.

    Auch in Deutschland läuft die Fortsetzung zur Vampirromanze “Twilight” bereits ab dem 26. November. Der deutsche Verleih Concorde Film liess in einer Pressmitteilung verlauten, dass sie mit dem früheren Starttermin des “sehnsüchtig erwarteten” Films den “Bitten und Wünschen von Tausenden von Fans” nachkommt.

    Unter der Regie von Chris Weitz (”About a Boy”, “The Golden Compass”) entstand dieses Jahr in Vancouver und Italien die zweite Verfilmung nach der Bestseller-Reihe von Stephenie Meyer - erneut mit den Shooting-Stars Robert Pattinson, Kristen Stewart und Taylor Lautner in den Hauptrollen.

    In “New Moon” muss Edward (Pattinson) Bella (Stewart) kurz nach ihrem 18. Geburtstag verlassen. Bella zerbricht beinahe daran, einzig die Freundschaft zu Jacob (Taylor Lautner) gibt ihr die Kraft weiterzuleben. Da erfährt Bella, dass Edward in höchster Gefahr schwebt. Und sein Schicksal liegt in ihren Händen.

    Der dritte Film in der vierteiligen Serie, “The Twilight Saga: Eclipse” (von “30 Days of Night”-Regisseur David Slade), läuft übrigens bereits im Sommer 2010 im Kino an, als nur ein knappes halbes Jahr nach “New Moon”.


    Rezension: “Coraline” von Henry Selick

    Neu im Kino, Rezensionen | 28. August 2009 von Andreas Weber

    Rezension: "Coraline" von Henry Selick

    Ein Stop-Motion-Leckerbissen für Fans von grotesker Grusel-Fantasy: “Coraline” vom Regisseur von “The Nightmare before Christmas”.

    Alte, abgelegene Häuser stecken voller Geheimnisse. Vor allem für fantasiebegabte Kinder. Das Mädchen mit dem seltsamen Namen Coraline ist mit ihren Eltern in ein solches Haus umgezogen. Eigentlich würde sie lieber Zeit mit ihren Eltern verbringen, doch diese sind zu beschäftigt, um sich auf ihre Tochter einzulassen, weshalb Coraline beginnt ihr neues Zuhause zu erkunden. Hinter einer kleinen Tür findet sie einen Durchgang in eine Paralleldimension, wo alles ähnlich aber doch ganz anders ist. Ihre “andere Mutter” und ihr “anderer Vater” sind das pure Gegenteil ihrer echten Eltern und verwöhnen sie unaufhörlich. Die benachbarte Welt scheint ein Paradies zu sein, doch ist es irgendwie auch nicht ganz geheuer. Schliesslich haben die anderen Eltern anstatt Augen auf das Gesicht genähte Knöpfe.

    Stop-Motion in modernstem 3D
    “Coraline” ist eine populäre Fantasy-Geschichte des britischen Autors Neil Gaiman aus dem Jahr 2002. Der Regisseur der Verfilmung, Henry Selick, ist kein unbeschriebenes Blatt, sondern ein renommierter Animationskünstler - genauer gesagt Stop-Motion-Künstler. 1993 sorgte seine Adaption der Tim Burton-Geschichte “The Nightmare before Christmas” für Furore. In “Coraline” beweist er erneut, dass er ein Meister seines Fachs ist und dass im Bereich Trickfilm mit der Computeranimation nicht das letzte Wort gesprochen ist. Die Stop-Motion-Technik ist vielleicht momentan kein sehr populärer, aber nichtsdestotrotz ein sehr potenter Konkurrent. Die düster groteske Fantasy-Welt, die Sellick in “Coraline” geschaffen hat, ist atemberaubend, schön und vor allem grossartig animiert. Dass in der Post-Production der PC noch etwas nachgeholfen hat, ist heute ja normal für einen Film mit grossem Budget. Von gestern ist “Coraline” sowieso nicht: Auch hier kommen (oder kämen) mal wieder die aktuellen 3D-Brillen zum Einsatz. Leider wird der Film in der Schweiz in den meisten Kinos nur in der 2D-Fassung gezeigt.

    Nicht unbedingt für Kinder
    “Coraline” hat gar keine allzu originelle Geschichte. Ein Kind, das sich in eine andere, fantastische und abenteuerliche Welt flüchtet, lässt an Klassiker wie “The Wizard of Oz” oder “Alice in Wonderland” denken. Zum Glück schafft es “Coraline” einzigartig zu sein, mit einer Vielschichtigkeit an Details, die mit sehr viel Liebe und Sorgfalt in Szene gesetzt wurden. Ungewöhnlich ist sicher auch, dass “Coraline” trotz seiner Prämisse eigentlich überhaupt kein Kinderfilm ist. Der Film ist so gruselig, dass auch erwachsenen Zuschauern zuweilen ein kalter Schauer über den Rücken laufen kann. Eltern sollten mit ihren Kindern also nur in den Film gehen, wenn sie bereit sind, sich nach dem Film gemeinsam mit dem Gesehenen auseinanderzusetzen. Das könnte sich aber schon lohnen, “Coraline” ist nämlich im Kern ein wirklich schöner Film und ein Plädoyer für ein gegenseitiges Verständnis zwischen Kindern und Eltern.

    Ein Hauch Burton und del Toro
    Unter Erwachsenen dürfte “Coraline” ein breites Publikum ansprechen. Besonders Fans von Tim Burton oder Guillermo del Toro - sprich düsterer Fantasy mit einem grotesken Einschlag - dürften sich bei “Coraline” direkt zuhause fühlen. Hinter diesen beiden Referenzen braucht sich Henry Selick mit seinem Film auch nicht zu verstecken. Das Mädchen Coraline ist eine sehr gelungene und sympathische Identifikationsfigur, in einer höchst spannenden und absorbierenden Geschichte. Nicht zuletzt ist “Coraline” eine schöne Metapher für das eskapistische Kino, wo man sich für eine beschränkte Zeit in eine andere Welt begibt, faszinierende Schauplätze besuchen, Abenteuer erleben und schliesslich die Erfahrung zurück in die reale Welt nehmen darf.

    Infos:
    “Coraline”, USA 2009, 100 Min., R: Henry Selick, D: Dakota Fanning, Teri Hatcher, John Hodgman, Robert Bailey Jr.

    Im Kino ab: 27.08.2009


    Trailer und Plotdetails zu Nolans “Inception”

    Ausblicke, Trailer | 26. August 2009 von Lory Roebuck

    "Inception" von Chris Nolan

    Wieder habe ich kurz Zeit gefunden, von der Hotel-Lobby aus einen neuen Inhalt aufzuschalten. Im Unterschied zu gestern starrt momentan allerdings ein ziemlich sonnengebranntes Gesicht auf den Bildschirm meines Macbooks.

    Ich habe schon vor einigen Monaten auf den neuen Film von Chris Nolan hingewiesen. Genau wie “The Prestige” (2006) Nolans Film zwischen “Batman Begins” und “The Dark Knight” war, so soll nun “Inception” die Zeitspanne zwischen “The Dark Knight” und Nolans drittem Batmanstreifen überbrücken.

    Warner Bros. hat zu “Inception” jetzt einen ersten rund einminütigen Teaser Trailer im Internet veröffentlicht:

    Neben der namhaften Besetzung um Leonardo Di Caprio, Ellen Page, Marion Cotillard, Cillian Murphy, Michael Caine, Joseph-Gordon Levitt und Ken Watanabe wurde über den Film bisher nicht viel preisgegeben. Es handle sich um einen psychologischen Thriller, der sich auf eine bestimmte Weise im menschlichen Verstand abspielt.

    Da der Trailer nur wage Eindrücke vermittelt, gewährt auch er keinen besseren Zugriff auf den unter Verschluss gehaltenen Filminhalt. In Contention ist inzwischen aber in Besitz des Drehbuchs gelangt und kann Abhilfe beschaffen: So spielt Di Caprio scheinbar einen Firmenchef, der einen Weg entdeckt hat, in die Träume anderer Menschen einzudringen.

    Wer wirklich jetzt schon alles über die Handlung von “Inception” wissen möchte, der kann auf In Contention weiterlesen. Seid aber gewarnt: Die Seite hält keine Details zurück. Der Film startet voraussichtlich am 19. August 2010 bei uns im Kino.


    Rezension: “Je l’aimais” von Zabou Breitman

    Neu im Kino, Rezensionen | 26. August 2009 von Nicky Schaefer

    Rezension: "Je l'aimais"

    Stimmige Szenen des Post-Trennungs-Blues wechseln sich in Zabou Breitmans Anna-Gavalda-Verfilmung mit einer wenig glaubwürdigen Liebesgeschichte ab.

    Chloé ist deprimiert. Seit ihr Mann sie verlassen hat, lebt sie mit ihrem Kind und ihrem Schwiegervater Pierre in der Provinz, in einer einsamen Berghütte. Da erzählt ihr Pierre die Geschichte seiner grossen Liebe, Mathilde, die er auf einer Geschäftsreise in Hong Kong kennengelernt hatte. Jahrelang haben sich die zwei Verliebten immer wieder gesehen, doch hat es Pierre nie übers Herz gebracht, mit seiner Frau zu brechen. So nahm also das Leben seinen weiteren Lauf – ohne besonders angenehme oder unangenehme Überraschungen, aber auch ohne die grosse Liebe.

    Stimmungsvolle Depro-Szenerie
    Besonders gelungen sind in Zabou Breitmans Film die Szenen in der Berghütte. Im Hintergrund laufen Cartoons, Chloé sitzt apathisch rum, unfähig, sich um ihr eigenes Leben zu kümmern – von ihrem Kind ganz zu schweigen. Da kommt ihr Schwiegervater daher und erzählt ihr von seiner grossen Liebe, die er aufgegeben hat – zugunsten seiner Familie. Ein schwacher Trost für Chloé, mag man einwenden. Aber offenbar tröstet der Alte sie trotz allem.

    Thesenhaft
    Aber gerade diese Tröstung erscheint thesenhaft. Wäre für Chloé nicht vielmehr tröstend, wenn der Schwiegervater ihr die Geschichte seiner Überwindung der Untreue erzählen würde? Aber nein, mit echt gallischem Charme stellt Pierre die Treue selbst als die Verfehlung dar. Vielleicht ist das eine realistischere Sichtweise, die es Chloé ermöglicht, ihren Mann, der sie so schändlich verlassen hat, zu verstehen. Schliesslich, so müssen wir annehmen, hat ihr Mann sie verlassen, um seine eigene grosse Liebe zu leben.

    Blosse Behauptung
    Problematisch erscheint bei diesem Film aber, dass nicht nur die tröstende Funktion nicht wirklich zu überzeugen vermag, sondern dass auch die Liebesgeschichte von Pierre, dem Schwiegervater, und der schönen Mathilde nicht wirklich mitreissend wirkt. Die Passion erscheint vielmehr als blosse Behauptung, ohne diese aber hinterfragen zu wollen. Als kleine Randbemerkung sei noch erlaubt, auf die sehr eurozentrische, klischierte Darstellung der Chinesen in “Je l’aimais” hinzuweisen. Gerade solche Détails sind letztlich verräterisch.

    Bewertung: 3 Sterne ("ordentlich")

    Infos:
    “Je l’aimais”, Frankreich 2009, 112 Min., R: Zabou (Isabelle) Breitman, D: Daniel Auteuil, Marie-Josée Croze, Florence Loiret, Christian Hillet.

    Im Kino ab: 27.08.2009


    Kinogänger wollen den neuen Tarantino sehen

    Zuschauerzahlen | 25. August 2009 von Lory Roebuck

    "Inglourious Basterds" lockt die meisten Zuschauer ins Kino

    Nachdem ich heute Nachmittag den Strand geniessen durfte, habe ich nun etwas Zeit gefunden, von der Hotel-Lobby aus ein Update zu den aktuellen Zuschauerzahlen zu schreiben. Aus zeitlichen Gründen halte ich den Bericht allerdings kürzer als üblich - Analysen überlasse ich weitgehend euch selber.

    103′054 Eintritte wurden zwischen vergangenem Donnerstag und Sonntag (20. bis 23. August) an den Kinokassen in der Deutschschweiz gezählt, gegenüber den 80′793 der Vorwoche macht dieser Wert einen Anstieg um 27.6 Prozent aus.

    Dass wieder mehr Personen ins Kino geströmt sind hat hauptsächlich mit Quentin Tarantinos neuem Streifen “Inglourious Basterds” zu tun, der am Donnerstag anlief und insgesamt 31′579 Zuschauer vor die Leinwand lockte. An ihrem Startwochende hatten Filme wie “The Hangover”, “Tranformers 2″ und “Terminator Salvation” einen ähnlichen Wert erreicht.

    “The Hangover” rutschte zwar wieder auf Platz zwei ab, kann gegenüber der Vorwoche trotzdem einen leichten Besucheranstieg vorweisen: 16′465 Kinogänger wollten die amerikanische Komödie in dieser Woche sehen, rund 500 mehr als in der Woche zuvor.

    Auch Pedro Almodóvars Film “Los abrazos rotos” weist eine steigende Tendenz auf, insgesamt 5865 Personen schauten das spanische Drama mit Penelope Cruz - das reichte für Platz 7. Gleich dahinter neu eingestiegen ist Kevin Smiths neuer Streifen “Zack and Miri Make a Porno” mit 4120 Besuchern.

    Die restlichen Werte aus der Top Ten entnehmt ihr bitte der Tabelle am Ende des Beitrags. Zu den Kinoneustarts diesen Donnerstag gehören u.a. neue Filme von John Woo (”Red Cliff”), Henry Selick (”Coraline”) und Nick Cassavetes (”My Sister’s Keeper”).

    Und hier also das vergangene Kinowochenende im Gesamtüberblick:

    Deutschschweiz Woche 34: Do 20.8. - So 23.8.2009
    Filmtitel Screens Besucher
    1. “Inglourious Basterds” 42 31579
    2. “The Hangover” 42 16465
    3. “The Proposal” 55 12969
    4. “My Bloody Valentine 3D” 18 11636
    5. “Ice Age: Dawn of the Dinosaurs” 60 9250
    6. “Harry Potter and the Half-Blood Prince” 47 6055
    7. “Los abrazos rotos” 11 5865
    8. “Zack and Miri Make a Porno” 18 4120
    9. “Public Enemies” 31 3010
    10. “G.I. Joe - The Rise of Cobra” 23 2105

    Totale Zuschauerzahl (Top 10) Deutschschweiz: 103′054.

    Zahlen: SFV.


    Rezension: “Country Teacher” von Bohdan Sláma

    Neu im Kino, Rezensionen | 25. August 2009 von Nicky Schaefer

    Rezension: "Country Teacher" von Bohdan Sláma

    In seinem neuen Film erweist sich Bohdan Sláma erneut als einer der besten tschechischen Filmemacher – aber nicht unbedingt als grosser Humorist und gibt sich (un)bewusst traditionsbewusst.

    Petr ist soeben aus Prag eingetroffen. Er will in der Provinz als Lehrer arbeiten. Nicht gerechnet hat er offenbar mit der schönen Marie, die sich in ihn verliebt. Petr hingegen interessiert sich mehr für ihren Sohn. Als sein Freund Jirka aus der Hauptstadt eintrifft und dieser mit der Freundin von Maries Sohn anbändelt, ist die Katastrophe sicher.

    Fragwürdiger Biologismus
    Petr ist Biologielehrer, das prägt seine Sicht. Offenbar hat er trotzdem – oder eben gerade deshalb – Probleme mit seiner eigenen Homosexualität. Seine Beziehung zu Jirka (in den deutschen Untertiteln wird sein Name kurioserweise ins Englische übersetzt) ist deshalb zum Scheitern verurteilt – trotzdem schafft er es nicht, seine eigene Sexualität zu verleugnen und verliebt sich ausgerechnet in Maries Sohn.

    “Ich denke, der Lehrer sagt es am besten, als er den Schülern erklärt, dass jedes Lebewesen einen Zweck, eine Bestimmung hat”, sagt Regisseur und Drehbuchautor Bohdan Sláma. “Und dieser Bestimmung zu folgen, ist das grösste Geschenk, das ein Individuum dem Ganzen machen kann.” Diese Aussage irritiert etwas, da dieser Biologismus doch etwas überholt wirkt. Aber vielleicht hat Slámas Hauptfigur gerade deshalb solche Probleme mit der eigenen sexuellen Identität.

    Religiöse Prägung – auch in Tschechien
    Denn die Aufgabe der Sexualität ist eben nicht einfach, etwas Gutes zu tun für die Gemeinschaft – auch wenn religiöse Menschen verschiedenster Couleur meinen, das sei die einzige Aufgabe der Sexualität. Klar, vielleicht interessiert sich Petr einfach gar nicht wirklich für Jirka. Aber man muss sich doch fragen, ob er nicht vor seiner eigenen Sexualität flieht, gerade mit seiner unmöglichen Liebe zu Maries Sohn. Vielleicht deutet ihr Name auch darauf hin, dass hier tatsächlich noch stärkere, nämlich religiöse und keineswegs wissenschaftliche Ideologien (nach)wirken.

    Wie dem auch sei – “Country Teacher” ist ein spannender Film, der viele Fragen aufwirft, die er natürlich weder beantworten will noch muss. “Im Leben passiert es, das man seine grosse Liebe nicht findet” – dieses weitere Statement von Regisseur Sláma deutet darauf hin, dass sich Petr eben im Grunde genommen gar nicht für Jirka interessiert und noch auf der Suche ist. Immerhin hat er seine berufliche Identität gefunden – und als Teil von Maries Familie auch eine Art Liebe, auch wenn diese platonischer Art sein muss.

    Bewertung: 4 Sterne ("stark")

    Infos:
    “Venkovský ucitel”, CR/Deutschland/Frankreich 2008, 117 Min., R: Bohdan Sláma, D: Pavel Liska, Zuzana Bydzovská, Ladislav Sedivý, Marek Daniel.

    Im Kino ab: 27.08.2009


    Rezension: “Still Walking” von Hirokazu Kore-eda

    Neu im Kino, Rezensionen | 24. August 2009 von Nicky Schaefer

    Rezension: "Still Walking" von Hirokazu Kore-eda

    Der japanische Regisseur Hirokazu Kore-eda erweist sich einmal mehr als stiller Meister und präsentiert eine ruhige, aber doch bewegende Familiengeschichte.

    Beim traditionellen Familientreffen zu Ehren des zu jung verstorbenen Junpei, der vor 15 Jahren einem anderen Jungen das Leben rettete und dabei selber ums Leben kam, brodelt vor allem der Konflikt zwischen dem arbeitslosen Sohn und dem Vater. Vater Kyohei wünschte sich eine Arztkarriere für seinen Sohn. Gegen dieses traditionelle Weiterführen der Profession des Vaters wehrte sich Sohn Ryota. Mutter Toshiko wiederum bedauert es, dass ihr Sohn eine Witwe geehelicht hat.

    Generationen
    So ist es vor allem die mangelnde Kommunikation zwischen den Generationen, die Hirokazu Kore-eda in seinem neuen Film zeigt. Wenn ein Film, wie manchmal behauptet wird, keine Geschichte erzählen soll, dann ist “Still Walking” sicher ein gelungenes Exemplar der Gattung. Natürlich kommen die Konflikte während des Verlaufs des Film immer stärker zum Vorschein, etwa auch dann, wenn der unterdessen erwachsene Mann, dem Bruder Junpei damals das Leben gerettet hat, auftaucht.

    Ghosts from the Past
    Die Versöhnung mit der Vergangenheit findet dabei in “Still Walking” nicht statt. Die Eltern – so Ryota im Voice-Over – sind kurz nach diesem letzten Besuch verstorben. Dafür besteht Hofffnung für die immer noch junge Familie von Ryota, die einen anderen Lebensentwurf verwirklicht als frühere Generationen: Ryota mag zwar im Moment arbeitslos sein (was seine Eltern natürlich nicht erfahren durften), dafür arbeitet aber seine Frau, Yukari. Auch Ryotas Schwester Chinami ist ganz klar in dieser neuen Generation verwurzelt.

    Treffen mit dem Tod
    Der Tod ist im ganzen Film präsent – einerseits ist der verstorbene Bruder Junpei ja der einzige Grund, der Ryota noch mit seinen Eltern verbindet. Andererseits ist der Vater des kleinen Kyohei ebenfalls verblichen – er lebt aber, so seine Mutter und Witwe, in seiner Familie weiter. Und Ryota ist ebenfalls sein Vater, auch wenn nicht sein biologischer. Ryotas Familie ist zwar nicht die, die sich seine Eltern gewünscht haben, aber für Atsushi ist es sicher ein besseres Umfeld als das, in dem Ryota selbst aufgewachsen ist.

    Bewertung: 4 Sterne ("stark")

    Infos:
    “Aruitemo aruitemo”, Japan 2008, 114 Min., R: Hirokazu Kore-eda, D: Hiroshi Abe, Yui Natsukawa, You, Kazuya Takahashi, Shohei Tanaka, Kirik Kiki, Yoshio Harada.

    Im Kino ab: 17.09.2009