• Startseite
  • Filmdatenbank
  • Kinostarts
  • Über Cineast.ch
  • Redaktion
  • Impressum
  •  

    Rezension: “The Ugly Truth” von Robert Luketic

    Neu im Kino, Rezensionen | 30. September 2009 von Nicky Schaefer

    Rezension: "The Ugly Truth" von Robert Luketic

    Routinier Luketic legt mit seinem neuen Film eine eher durchschnittliche romantische Komödie vor, die auch Männern gefallen dürfte – cinephilen Menschen sei aber von diesem Werk eher abgeraten.

    Fernsehfrau Abby Richter (Katherine Heigl) wird vom Schicksal hart geprüft. Der chauvinistische lokale TV-Held Mike Chadway (Gerard Butler) arbeitet nämlich neu bei der gleichen Firma. Aber Gegensätze ziehen sich eben an, und schon bald coacht Mike Abby in Sachen Liebesleben.

    Langweilige Genderkomödie nach Schema F
    “The Ugly Truth” ist eine romantische Komödie nach Schema F. Robert Luketic, der mit Filmen wie “Legally Blonde”, “Monster-in-Law” oder “21″ nicht gerade zu Amerikas innovativsten Filmemachern gehört, hat routiniert inszeniert. Gerald Butler und Katherine Heigl sind sicherlich nicht unpassend in den Hauptrollen. Oscars oder Kritikerlorbeeren gibt’s aber auch für sie keine.

    Wie es zu einer RomCom gehört, werden in “The Ugly Truth” Geschlechterklischees bestätigt, um aber am Schluss dann doch zumindest teilweise subvertiert zu werden. Abby und Mike merken dann nämlich, dass sie aufeinander stehen, obwohl sie beide doch gar nicht dem Idealbild entsprechen. Was für eine Überraschung! Und ganz wie in “Hitch” werden auch die “Date-Doktor”-Bemühungen am Schluss zumindest als teilweise sinnlos entlarvt.

    Wer sich also an keiner Stelle überraschen lassen will, dürfte mit “The Ugly Truth” mehr als nur gut fahren. Zugegeben: das Genre RomCom muss sich an gewisse Vorgaben halten. Sicher gibt es charmantere und witzigere romantische Komödien als dieser neue Luketic-Streifen – die Fans werden sich daran nicht stören. Das Drehbuch zu “The Ugly Truth” stammt übrigens von Nicole Eastmean, Karen McCullah Lutz und Kirsten Smith – die Letzteren waren beide auch bei “Legally Blonde” von der Partie.

    Infos:
    “The Ugly Truth”, USA 2009, 96 Min., R: Robert Luketic, D: Katherine Heigh, Gerald Butler, Bree Turner, Eric Winter.

    Im Kino ab: 01.10.2009


    ZFF ‘09: “The Imaginarium of Doctor Parnassus” von Terry Gilliam

    Filmfestivals, Rezensionen | 30. September 2009 von Lory Roebuck

    ZFF '09: "The Imaginarium of Doctor Parnassus" von Terry Gilliam

    Terry Gilliams neuer Fantasyfilm ist ein Gebündel an banalen Ideen. Der letzte Film mit Heath Ledger ist ausserdem eine schöne Huldigung an das verstorbene Schauspieltalent. Der Film lief im Rahmen des Zurich Film Festivals ausserhalb des Wettbewerbs als Schweizer Premiere.

    Der Gaukler Doctor Parnassus (Christopher Plummer) betreibt seit unzähligen Jahren ein sogennantes “Imaginarium” - ein Wandertheater, das das Publikum in die Welt ihrer eigenen Fantasien eintauchen lässt. Doch das Schauspiel birgt ein bitteres Geheimnis: Diverse Wetten mit dem Teufel, Mr. Nick (Tom Waits), haben Parnassus Unsterblichkeit und seine grosse Liebe verschafft. Kurz vor dem sechzehnten Geburtstag von Parnassus’ Tochter fordert Mr. Nick sie als Gegenleistung ein: Valentina (Lily Cole) soll am Tag ihres Geburtstags an den Teufel ausgehändigt werden. Mr. Nick lässt dem verzweifelten Parnassus noch eine letzte Chance: Bringt er in seinem Wandertheater zuerst fünf Seelen auf seine Seite, verzichtet Mr. Nick auf sein Recht auf Valentina. Parnassus horcht auf und erhält Hilfe von einem mysteriösen Fremden namens Tony Shepherd (Heath Ledger), der das Wandertheater wieder auf Vordermann bringt, und in den sich Valentina verguckt – sehr zum Unmut von Theater-Mithelfer Anton (Andrew Garfield). Nur: Auch Tonys Vergangenheit birgt ein dunkles Geheimnis, das in der Fantasiewelt von Doctor Parnassus’ Imaginarium zum Leben erwacht.

    Das Tor zur Gedankenwelt
    Der neue Fantasystreifen “The Imaginarium of Doctor Parnassus” von Terry Gilliam (“Brazil”, “Twelve Monkeys”) überrascht gleich in der ersten Sequenz: Das von Pferden gezogene altehrwürdige Wandertheater macht nicht etwa vor einem viktorianischen Anwesen halt, sondern vor einem Londoner Nachtclub. Das Imaginarium ist ein zeitloses Symbol, sein Betreiber Doctor Parnassus ein tausend Jahre alter Geschichtenerzähler. Doch der Wagen sieht inzwischen heruntergekommen aus und keiner interessiert sich mehr für Parnassus’ Geschichten. Parnassus’ Traum von der Unsterblichkeit hat sich als Fluch erwiesen und er schämt sich inzwischen, vom Teufel (genial: Tom Waits) ausgetrickst worden zu sein. Trotzdem geht Parnassus immer weitere Deals mit Mr. Nick ein, in der Hoffnung, seine Fehler wieder gutzumachen, aber mit der Realität konfrontiert, dass jedesmal alles nur noch schlimmer wird. In der Figurenzeichnung von Parnassus und dem Teufel liegt eine liebevolle Melancholie; Mr. Nick ist zwar devious (hinterlistig), aber nicht devilish (teuflisch). Er fordert Parnassus, den er freundschaftlich Parny nennt, immer wieder zu neuen Wetten hinaus, und diese möchte er dann auch nicht allzu einfach gewinnen.

    Auf der anderen Seite ist da die jüngere Generation, die sich von solchen Legenden unberührt glaubt. Parnassus’ Tochter Valentina (Lily Cole in einem überzeugenden Debüt) wünscht sich nichts sehnlicher als ein normales Leben mit Haus und Familie. Der gutherzige Anton will ihr dabei helfen, von ihrem wurzellosen Dasein wegzukommen und, heimlich in Valentina verliebt, träumt davon, mit ihr durchzubrennen. Was aber alle miteinander verbindet ist das magische Imaginarium von Valentinas Vater, das so viel mehr ist als blosse Vorgaukelei. Im Imaginarium manifestiert sich wieder einmal Regisseur Terry Gilliams Vorliebe für Storys, die sich im Verstand seiner Filmfiguren abspielen. Der Spiegel im Wandertheater ist ein Tor in die Gedankenwelt der Person, die das Imaginarium betritt. Es ist dies eine fantastische Idee, die Gilliam aus natürlichem Antrieb sofort subvertiert: In der Welt des Imaginariums (tricktechnisch fast schon cartoonig präsentiert) streiten sich Parnassus und der Teufel um die Seelen der Besucher, die jeweils den Inhalt ihrer Wetten bilden.

    Letzte Huldigung an Heath Ledger
    Als schliesslich Valentina selbst den Wetteinsatz ausmacht, kommt Parnassus die Hilfe des amnesischen Fremden Tony (Heath Ledger in seiner letzten Filmrolle) gerade gelegen. Tonys Charme und moderne Ideen lassen die Leute vor dem Wandertheater Schlange stehen. “The Imaginarium of Doctor Parnassus” wäre aber kein Gilliam-Film, würde sich hinter Tony nicht auch eine schattenhafte Vergangenheit verstecken, die nach und nach ans Licht rückt. Trotz der geballten Ladung an verrückten Ideen kommt in Gilliams Film somit immer auch eine satirische Dimension zum Tragen, wobei eine banale Parabel mit düsteren und bittersüssen Untertönen entsteht. Ins Korsett eines anständigen Handlungsablaufs lassen sich Gilliams skurille Einfälle aber nicht drängen, und zeitweise muss man etwas bemängeln, dass das Geschehen überbordet und an jeglicher Übersichtlichkeit verliert.

    Letztlich ist “The Imaginarium of Doctor Parnassus” aber eine tolle Würdigung des während den Dreharbeiten verstorbenen Heath Ledgers, dessen immenses Talent und schauspielerisches Spektrum noch ein letztes Mal bewundert werden kann. Auch unter diesem Hinblick erweist sich Gilliams Film als Projekt, in das sehr viel Herzblut investiert wurde. Der anwesende Filmemacher erzählte nach der Premiere dem gebannten Saal, wie die Finanzierung seines Filmes nach Ledgers Tod zusammenbrach (das Büdget des Studios war an die Beteiligung des Stars gebunden) und Gilliam selber psychisch fertig war. Nur durch den generösen Einsatz von Ledgers Berufskollegen Johnny Depp, Jude Law und Colin Farrell (die die Szenen von Tony im Imaginarium spielen, die mit Ledger nicht gedreht werden konnten – was im Film relativ gut aufgeht) kam das Projekt überhaupt wieder auf die Beine. Und brachte Gilliam und sein Team dazu, den wunderbaren Film fertigzustellen, den sie mit Ledger zusammen angestrebt hatten.

    Infos:
    “The Imaginarium of Doctor Parnassus”, Frankreich/Kanada/UK 2009, 122 Min., R: Terry Gilliam, D: Heath Ledger, Christopher Plummer, Lily Cole, Tom Waits, Andrew Garfield, Verne Troyer, Tom Waits, Johnny Depp, Jude Law, Colin Farrell.


    Rezension: “Machan” von Uberto Pasolini

    Neu im Kino, Rezensionen | 30. September 2009 von Nicky Schaefer

    Rezension: "Machan" von Uberto Pasolini

    In seinem ersten Film als Regisseur überzeugt der Produzent von “The Full Monty” mit einem humorvollen Film über Menschen aus Sri Lanka, die vom Leben im Westen träumen und sich deshalb als Handball-Mannschaft ausgeben.

    Colombo. Manoj arbeitet als Barmann, Stanley als Obstverkäufer, aber sie kommen trotzdem nicht auf einen grünen Zweig. Ihr grosser Traum: in Europa zu leben und zu arbeiten. Doch leichter gesagt als getan. Die deutsche Botschaft kann sich offenbar ihrem Charme nur allzu leicht entziehen. Da entdecken sie auf einem Flyer, dass in Bayern ein internationales Handball-Turnier stattfindet. Manoj und Stanley wittern eine neue Chance…

    Realitätsnahes Kino aus dem Süden
    Uberto Pasolini ist vor allem bekannt als Produzent des britischen Megahits “The Full Monty”. Mit “Machan” legt er seinen ersten Film als Regisseur vor; das Drehbuch hat er zusammen mit Ruwantha De Chickera, ihres Zeichens Drehbuchautorin und Regisseurin aus Sri Lanka, geschrieben. Uberto Pasolini war es wichtig, dass in “Machan” die Menschen aus dem Süden die Hauptrolle spielen. Anders als in Filmen wie “Blood Diamond” verlässt sich Uberto Pasolini also nicht auf einen Star aus dem Westen, sondern hat Vertrauen in die Story selbst, die auf einem authentischen Fall basiert.

    Die einzigen Westler, die im Film vorkommen, sind denn auch Touristen und Handballspieler – Dialogzeilen haben sie nur ganz wenige inne. “Machan” ist ein unprätentiöser Film, der sich nie an ein westliches Publikum anbiedern will, sondern den Menschen aus dem Süden eine eigene Stimme gibt. Und auch reüssiert: “Machan” ist ein humorvoller Film, der aber vor den sozialen Realitäten nicht die Augen verschliesst. Natürlich wird “Machan” nie so ein grosser Hit werden wie “Slumdog Millionaire” – dafür ist der Film schlicht zu nahe bei der Realität und frei von märchenhaften Elementen.

    Völkerverbindend
    Nach dem Sieg der sri-lankischen Armee über die Tamil Tigers wirkt “Machan” wohl etwas allzu optimistisch, wenn der Film einen völkerverbindenden, aber doch hintergründigen Ton anstimmt: “Wir sind doch alles Sri-Lanker; Singhalesen und Tamilen und ein paar Scheiss-Ausländer”, sagt einer der Protagonisten, um Spannungen zwischen den Mitgliedern der “Mannschaft” abzubauen. “Machan” soll sogar ein tamilisches Wort für ‘Schwager’ sein, das im Singhalesischen für ‘Freund’ benutzt wird.

    Auffällig ist auch, wie oft sich die Protagonisten des Englischen bedienen bzw. die zahlreichen Lehn- oder Fremdwörter aus dem Englischen. Vielleicht wäre Sri Lanka ein friedlicherer Staat, wenn man sich für das Englische als nationale Sprache entschieden hätte – wobei auch in Indien das Englische auch nur dank des tamilisch-südindischen Widerstands gegen das Hindi als einziger Sprache des Staats zu einem offiziellen Idiom wurde. Nominell sind Singhalesisch und Tamilisch zwar beides offizielle Sprachen Sri Lankas, doch in der Realität dominiert wohl das Singhalesische. Vor allem aber haben Tamilen und Singhalesen keine gemeinsame Sprache – im wahrsten Sinne des Wortes. Und anders als in “Machan”.

    Infos:
    “Machan”, Sri Lanka/Italien/Deutschland 2008, 95 Min., R: Uberto Pasolini, D: Dharmapriya Dias, Gihan De Chickera, Dharshan Dharmaj, Namal Jayasinghe.

    Im Kino ab: 01.10.2009


    ZFF ‘09: “El último verano de la Boyita” von Julia Solomonoff

    Filmfestivals, Rezensionen | 30. September 2009 von Lory Roebuck

    ZFF '09: "El último verano de la Boyita" von Julia Solomonoff

    Der argentinische Film von Julia Solomonoff ist ein feinfühliges Drama über Pubertät und Identität, das sich sehr vorsichtig mit einem heiklen Thema auseinandersetzt. Der Film läuft am Zurich Film Festival im internationalen Spielfilmwettbewerb.

    Die zwölfjährige Jorgelina (Guadalupe Alonso) muss zum Beginn des Sommers feststellen, dass ihre ältere Schwester in die Pubertät gekommen ist und sich bewusst von ihr absondert. Jorgelinas Versuche “dazuzugehören” bleiben ohne Erfolg, also zieht sie sich für einige Tage alleine in die Boyita zurück, den im Garten abgestellten Campingwagen. Als ihre Schwester zusammen mit der Mutter für einen Urlaub an den Strand fährt, begleitet Jorgelina lieber ihren Vater auf sein Landgut. Dort angekommen lernt sie den jungen Mario kennen, den Sohn eines Angestellten ihres Vaters. Zwischen den beiden entwickelt sich schnell eine Freundschaft, und auch in Jorgelina blühen erstmals zarte Gefühle auf. Nach und nach bemerkt Jorgelina allerdings, dass Mario ein sonderbares Geheimnis mit sich herumträgt.

    An der Schwelle zur Pubertät
    “El último verano de la Boyita” von Julia Solomonoff erweckt oberflächlich betrachtet den Eindruck einer Coming of Age-Geschichte. Ein Mädchen steht an der Schwelle zur Pubertät und beobachtet - halb fasziniet, halb abgestossen - wie ihre ältere Schwester bereits in die Reife kommt. Zum ersten Mal wird die junge Jorgelina damit konfrontiert, dass die grosse Schwester auf ihre eigene Privatssphäre besteht. Als sich Jorgelina deshalb für die Dauer der Sommerferien von ihrer Schwester trennt und auf dem Landgut ihres Vaters den fleissigen aber scheuen Mario kennenlernt, so wird man schnell dazu verleitet anzunehmen, dass der Film eine typische Geschichte über das Aufblühen der ersten, jungen Liebe auftischen will. Das stimmt so aber nicht ganz. Tatsächlich keimen in Jorgelina und Mario so etwas wie erste liebsame Gefühle auf - nur ist das nicht bereits der Inhalt des Films, sondern viel eher das Tor zu einem weitaus komplexeren Thema.

    Geschlechtsidentität
    Ungefähr in der Mitte des Films nimmt das argentinische Drama nämlich eine unerwartete Wendung und eröffnet ganz andere Aussichten. Der Hauptdiskurs des Films über die Geschlechtsreife erhält dadurch eine völlig neue Dimension. Dieser Plottwist wirkt dennoch nicht aufgesetzt, da er eigentlich schon in den ersten Einstellungen des Films angedeutet wurde. “El último verano de la Boyita” setzt sich in der Folge mit einem heiklen, fast schon tabuisierten Thema (das an dieser Stelle nicht verraten werden soll) auseinander - und das auf sehr behutsame Art und Weise. Die Kinder- und Laiendarsteller des Films gehen damit sehr gut um, wofür ihnen ein grosses Lob gebührt. Ein Kompliment müsste aber auch an Lucio Bonelli für seine sehr schönen Kameraaufnahmen des argentinischen Hinterlandes ausgesprochen werden. Insgesamt ist Solomonoff mit “El último verano de la Boyita” ein gefühlvoller und sehr anregender Film gelungen.

    Infos:
    “El último verano de la Boyita”, Argentinien 2009, 92 Min., R: Julia Solomonoff, D: Guadalupe Alonso, Gabo Correa, María Clara Merendino , Mirella Pascual, Guillermo Pfening, Silvia Tavcar, Nicolás Treise.


    ZFF ‘09: “Volchok” von Vasilij Sigarev

    Filmfestivals, Rezensionen | 29. September 2009 von Lory Roebuck

    ZFF '09: "Volchok" von Vasilij Sigarev

    Das russische Psychodrama von Vasilij Sigarev ist kompromisslos, aber über weite Strecken leider auch wirr. Der Film läuft am Zurich Film Festival im internationalen Spielfilmwettbewerb.

    Ein siebenjähriges Mädchen wohnt zusammen mit ihrer Grossmutter in einer heruntergekommen Hütte irgendwo im kalten russischen Hinterland. Von Zeit zu Zeit schaut die Mutter des Mädchens vorbei. Das Mädchen sucht nach jedem Besuch mehr und mehr die Nähe der Mutter, doch diese ist nur auf die Befriedigung ihrer eigenen Lebenslust bedacht und schleppt einen Freier nach dem anderen mit ins Haus. Die kleine Tochter wird von ihr nur beiläufig beachtet, doch für ein bisschen Zuneigung nimmt das Mädchen jede Erniedrigung in Kauf. Immerhin bringt ihr die Mutter zur Ablenkung ab und zu Süssigkeiten oder irgendwelche trivialen Gegenstände mit. Eines dieser Geschenke schätzt das Mädchen besonders: ein kleiner Kreisel (russisch “Volchok”, Wölfchen), mit dem ein Märchen um ein Wolfsmädchen einher geht.

    Zirkel
    Der russische Film “Wolfy” (Originaltitel: “Volchok”) von Vasilij Sigarev ist ein psychologisches Mutter-Tochter-Drama, das die archetypische Rolle der Mutter als Ernährerin und Fürsorgerin ihres Nachwuches untergräbt. Eine namenlose Rabenmutter vernachlässigt ihre siebenjährige Tochter aufs Sträflichste, weil sie nur ihren eigenen Trieben fröhnt. Das Mädchen wächst deshalb abgeschottet und wortkarg im russischen Hinterland auf, ohne Freunde und ohne Schulausbildung. Das Mädchen sucht unablässig nach Zuneigung, doch die Mutter lässt sich manchmal Tage, manchmal Wochen, und dann sogar einmal gleich mehrere Jahre lang nicht bei ihr blicken. Trotzdem zieht es sie immer wieder zu ihrer Tochter zurück. Fast als würden beide um etwas kreisen, das sie voneinander fernhält und sie aber gleichzeitig nicht voneinander wegtreiben lässt. So in etwa lässt sich der mysteriöse Kreisel, den das Mädchen von der Mutter als Geschenk erhält, interpretieren.

    Überfordernde Symbolsprache
    Eines Nachts erzählt die Mutter der Kleinen ein Märchen um ein mit Fell bedecktes Kleinkind, das sie auf einem Friedhof gefunden hat. Die Mutter behauptet, das Mädchen sei dieses Wolfskind gewesen. Während sie diese Fabel erzählt, dreht sich der Kreisel unablässig mehrere Minuten lang. Der Begriff Volchok meint auf Russisch sowohl “Wolf” (bzw. “Wölfchen”) als auch diese Art von Kreisel. Er ist das zentrale Element des Films, das primäre Symbol in diesem symbolträchtigem Film, der auf ein Theaterstück von Sigarev selbst zurückgeht. Der Kurator des Zurich Film Festivals meinte bei der Ankündigung des Films noch, er rege zum Nachdenken an. Das macht “Volchok” tatsächlich: aber weniger aufgrund seiner Thematik, sondern eher, weil der Zuschauer inhaltlich und thematisch nicht immer mitkommt - zu dicht und unklar werden hier Ideen vermengt. Immerhin ist “Volchok” ein Stück kompromissloses Kino, das mit starkem Schauspiel (erwähnenswert ist vor allem die kindliche Hauptdarstellerin) und brillianten Einstellungen halbwegs über seine erzählerischen Schwächen hinwegzutäuschen vermag.

    Infos:
    “Volchok”, Russland 2009, 86 Min., R: Vasilij Sigarev, D: Yana Troyanova, Polina Pluchek, Veronika Lysakova, Andrei Dymshakov.


    ZFF ‘09: “Le père de mes enfants” von Mia Hansen-Løve

    Filmfestivals, Rezensionen | 29. September 2009 von Lory Roebuck

    ZFF '09: "Le père de mes enfants" von Mia Hansen-Løve

    Der französische Film von Mia Hansen-Løve ist ein sachlich-bewegendes Drama um einen charismatischen Produzenten und Familienvater, den die Last seiner Arbeit erdrückt. Der Film läuft am Zurich Film Festival im internationalen Spielfilmwettbewerb.

    Gregoire Canvel (Louis-Do de Lencquesaing) ist ein charismatischer Filmproduzent, der seine Zeit zwischen seiner Arbeit bei seiner Produktionsfirma Moon Films und seiner liebevollen Familie aufteilt. In seinen Beruf steckt er seine gesamte Energie, so dass er während Familienausflügen oft am Telefon hängt, um die Finanzen seiner Filme zu sichern und um die Filmcrews bei Laune zu halten. Trotzdem ist Gregoire ein sehr fürsorglicher Vater, der seine drei Töchter und seine Frau (Chiara Caselli) über alles liebt - so sehr, dass er ihnen den wachsenden Schuldenberg bei Moon Films verschweigt. Als sich die finanziellen Not der Firma zuspitzt, schlägt Gregoires Gefühl von Überdruss bald in Verzweiflung um - aus dem er nur einen Ausweg sieht.

    Produzentenrolle
    Ein Drehbuchautor erdichtet Geschichten und legt den Filmfiguren Wörter in den Mund, die von Schauspielern zum Leben erweckt werden. Ein Regisseur weist Darsteller an, was sie in ihren Szenen zu tun haben, ein Kameramann nimmt diese Szenen auf Film auf. Doch was ist eigentlich das Tätigkeitsgebiet eines Filmproduzenten? Wie “Le père de mes enfants” von Mia Hansen-Løve zeigt, muss sich der Produzent im Wesentlichen darum sorgen, dass die Zusammenarbeit vor und hinter der Kamera erfolgreich durchgeführt werden kann, und dass sie überhaupt zustande kommt. In der Koordination von so vielen Personen steckt enorm viel Arbeit. Und diese steigt Gregoire im Filmverlauf bald einmal über den Kopf. Da wäre beispielsweise ein anspruchsvoller (und destruktiver) schwedischer Regisseur, den Moon Films fördert, weil er immer wieder künstlerisch hochwertige Filme erschafft. Kosten tut solch ein Kunstfilm viel, einnehmen dagegen fast nichts. Für Geldgeber keine gute Investitionsbasis.

    Kollaps
    Hansen-Løves französischer Film spielt sich vor diesem Hintergrund als berührendes Drama um den Kollaps einer Firma und eines Menschen ab. Auf feinfühlige Art beleuchtet “Le père de mes enfants” die Auswirkungen dieser Situation (und danach die Konsequenzen einer tragischen Wende in der Mitte des Films) auf Gregoires Mitarbeiter und Familie. Dabei gibt sich der Film gar nicht einnehmend und baut keine typisch filmischen Konflikte auf. Der Film hat an sich auch gar keinen richtigen Handlungsbogen, sondern vermittelt (ganz gekonnt) Eindrücke und Stimmungen und lebt von der dabei erzeugten Atmosphäre. Hansen-Løve begleitet ihre Figuren auf sachliche Art, was die Tragik der Ereignisse umso erschütternder macht, da sie (auch dank des hervorragenden Darstellerensembles) realitätsnah und bedacht rübergebracht wird.

    Infos:
    “Le père de mes enfants”, Frankreich 2009, 110 Min., R: Mia Hansen-Løve, D: Louis-Do de Lencquesaing, Chiara Caselli, Alice de Lencquesaing, Manelle Driss, Alice Gautier, Eric Elmosnino, Sandrine Dumas.


    ZFF ‘09: “Hangtime” von Wolfgang Groos

    Filmfestivals, Rezensionen | 28. September 2009 von Lory Roebuck

    ZFF '09: "Hangtime" von Wolfgang Groos

    Ein talentierter Basketballer wird vom älteren Bruder unnachgiebig zur Profikarriere gepusht, weil sich dieser ein besseres Leben wünscht. Wolfgang Grooses Beitrag zum Zurich Film Festival ist halb Sportfilm, halb soziales Drama und läuft im deutschsprachigen Spielfilmwettbewerb.

    Vinz (Max Kidd) ist Topscorer beim Basketballverein Phoenix Hagen. Er wird immer wieder von Scouts grösserer Clubs beobachtet und hat das Zeug zum Profispieler. Nur: Will er das überhaupt? Seinem älteren Bruder Georg (Misel Maticevic) standen zehn Jahre vorher die gleichen Türen offen, doch nach dem plötzlichen Unfalltod ihrer Eltern musste er seine Karrierepläne an den Nagel hängen, um sich um den jungen Vinz zu kümmern. Als Manager von Vinz drängt Georg seinen Bruder nun dazu, in die Profiliga zu wechseln. Mit der Abitur in der Hand liebäugelt Vinz aber insgeheim mit amerikanischen Colleges. Nur dem neuen Mädchen (Mirjam Weichselbraun), das das Internetcafé betreibt, erzählt er von seinen Plänen. Die Verhältnisse im Arbeiterquartier im Ruhrgebiet hat Vinz aber genauso satt wie Georg. Basketball scheint die einzige Ausstiegsmöglichkeit zu sein. Doch vor dem grossen Spiel um den Aufstieg des Clubs in die erste Liga scheint Vinz mit dem mentalen Druck der Lage nicht umgehen zu können.

    Fortlebung des Traums im jüngeren Bruder
    “Hangtime” vom deutschen Regisseur Wolfgang Groos kommt als soziales Drama um den Aufstieg aus der Arbeiterklasse daher. Hauptfigur Georg setzt seine ganzen Hoffnungen auf seinen jüngeren Bruder Vinz, den talentiertesten Basketballer aus der Gegend. An sich wollen beide Brüder aus dem Ruhrgebiet raus, denn sie leben im Arbeiterblock in sehr bescheidenen Verhältnissen. Als Manager beschafft Georg Vinz Probetrainings bei Proficlubs und schwärmt ihm seine Visionen einer besseren Zukunft vor. Doch Georg managt Vinz eben auch, um seinen eigenen Traum in ihm auszuleben - ein Traum, der Georg verwehrt blieb, als ihre Eltern ums Leben kamen und er sich als Ersatzvater um den jungen Vinz kümmern musste. Grooses Film zeigt klar, wie deswegen ein Schatten über den beiden Protagonisten hängt: Aus Georgs Sicht schuldet es ihm Vinz, ihn auf seinem steilen Aufstieg mitzunehmen. Vinz fühlt sich seiner persönlichen Entfaltung beraubt, sieht sich aber eben auch in Georgs Schuld. Gerade weil sich die Beiden so nahe stehen, können sie aber nicht darüber reden. Irgendwann müssen aber diese Emotionen hochkochen.

    Versatzstücke aus typischen Sportfilmen
    Dumm nur, dass das wichtige Aufstiegsspiel bevorsteht. “Hangtime” ist zur zweiten Hälfte denn auch ein typischer Sportfilm nach amerikanischem Muster, komplett mit einfallslos sequenzierter Dramatik (Erzielung entscheidender Punkte in letzter Sekunde usw.) und bombastischem Soundtrack. Insgesamt behandelt “Hangtime” das Thema mit etwas mehr Feingefühl (und viel weniger künstlichem Glanz) als vergleichbare US-Produktionen, andererseits ist der Film aber mit genauso wenig Subtilität umgesetzt. Das äusserst sich dann auch in platten Nebenfiguren wie einem völlig überflüssigen Love Interest (gespielt von der früheren MTV-Moderatorin Mirjam Weichselbraun) und Vinzs bestem Freund Ali, ein Möchtegerngangstarapper, der als klassische Comic Relief-Figur herhalten muss. Dass man ob den gesuchten Witzen dennoch lachen muss, ist der alleinige Verdienst von Ali-Darsteller Max Fröhlich - und nicht der des Drehbuchs.

    Infos:
    “Hangtime - Kein leichtes Spiel”, Deutschland 2009, 95 Min., R: Wolfgang Groos, D: Max Kidd, Misel Maticevic, Mirjam Weichselbraun, Ralph Kretschmar, Max Fröhlich.


    ZFF ‘09: “The Damned United” von Tom Hooper

    Filmfestivals, Rezensionen | 28. September 2009 von Hannah Freeman

    ZFF '09: "The Damned United" von Tom Hooper

    Die filmische Adaption von David Peaces Roman über Brian Clough und den 44 Tagen, in denen er den englischen Fussballclub Leeds United führte, zeichnet sich durch eine Riege von brillanten Schauspielern, grandiosen Bildern und trockenem englischen Charme aus. Der Film läuft am Zurich Film Festival ausserhalb des Wettbewerbs, die Vorstellung am Festival war die Premiere im deutschsprachigen Raum.

    Brian Clough war nicht das, was man als einen umgänglichen Gesellen beschreiben würde - nichtsdestotrotz wird er heute als der beste Manager der englischen Nationalmannschaft, den England nie hatte, gehandelt. “The Damned United” führt den Zuschauer durch die kurze Zeit im Jahre 1974, während der Clough den erfolgreichen Club Leeds United managte, und beschreibt seine Rivalität sowie Obsession mit Don Revie, seinem Vorgänger bei Leeds sowie neuem Nationaltrainer von England. Clough, der weder seinen Mund in der Öffentlichkeit halten kann noch eine besonders bescheidene Ansicht von sich selber hat, profitiert in seinem Erfolg vom Genie seines Assistenztrainers Peter Taylor, welcher ein besonders gutes Händchen in der Auswahl von neuen Spielern zeigt. In Rückblenden verfolgt der Film Cloughs Aufstieg als Trainer von Derby, das 1967 noch Schlusslicht der zweiten Division war und es unter ihm und Taylor bis zum Gewinn der Englischen Meisterschaft brachte. Seine Fixierung und überwältigenden Neid auf Don Revie bringt Clough schliesslich dazu, den verhassten Rivalen von Derby, Leeds United, ohne die Hilfe von Taylor zu übernehmen und das Schwere Erbe von Revie auf sich zu nehmen - eine Entscheidung mit entsprechenden Konsequenzen und schmerzhaften Realisationen.

    Unsympathische Hauptfigur
    Neben Michael Sheen in der Rolle des Brian Clough formen der Ire Colm Meaney und Timothy Spall (welcher durch seine Rolle als Wormtail in den Harry Potter Filmen Bekanntheit erlangte) ein Schauspielensemble, das seinesgleichen sucht; verbunden mit zahlreichen gut besetzten Nebenrollen (beispielsweise Stephen Graham, bekannt aus “This Is England” sowie Tommy aus “Snatch”) lohnt es sich nur schon deshalb, “The Damned United” zu schauen. Zum Teil ist es vielleicht gar zu gut gespielt, und darin liegt die grösste Schwäche des Films: Der zentrale Charakter von Brian Clough ist zuweilen so negativ dargestellt, dass der Zuschauer Schwierigkeiten hat, Sympathie zu empfinden. Glücklicherweise erweist sich Peter Taylor als positive Identifikationsfigur, und das erlösende Ende verbindet die losen Stränge der langatmigen Szenen des Mittelteils, in denen man den schmerzlichen Zerfall Cloughs miterleben muss.

    Ein Fussballfilm, der in der Kabine stattfindet
    Der Fussball selbst bekommt zusammen mit den Spielern (leider?) nur eine Nebenrolle, die wirklichen Bälle werden zwischen den Männern mit der Macht und dem Geld gespielt. Bemerkens- und sehenswert ist schlussendlich jedoch die visuelle Machart und die liebevoll gestalteten Bilder. Während Regisseur Tom Hooper sicherlich genug Gelegenheit hätte, emotionsgeladene Szenen eines Fussballspiels zu verwenden, braucht er überwiegend Aufnahmen der Originalspiele und verzichtet weitgehend auf nachgestellte Szenen. Statt dessen konzentriert er sich auf feine Lichteffekte und die Stimmung vor oder nach dem Spiel in der Kabine, was den Schwerpunkt auf die Schauspieler legt und, so unerwartet es für manchen Zuschauer in einem englischen Film über Fussball sein mag, grossartig mit dem Thema zusammenpasst und das Werk zu einer ganz und gar sehenswerten Momentaufnahme zusammenbringt.

    Infos:
    “The Damned United”, Grossbritannien 2009, 97 Min., R: Tom Hooper, D: Michael Sheen, Colm Meaney, Timothy Spall, Henry Goodman, David Roper, Jimmy Reddington, Oliver Stokes, Stephen Graham.


    Rezension: “The Sound of Insects – Record of a Mummy” von Peter Liechti

    Neu im Kino, Rezensionen | 28. September 2009 von Nicky Schaefer

    Peter Liechtis Pseudodokumentarfilm um einen Menschen, der sich in den Wald zurückzieht, um den Hungertod zu erleiden, ist zwar toll gemacht, wirft aber Fragen auf – etwa, ob es sich hier um eine Literaturverfilmung oder ein Dokudrama handelt.

    Der etwa 40-jährige X. will sterben. Er zieht sich zurück in den Wald, bewaffnet mit Schmerzmitteln und Tee. X. hat genug von der Welt, genug von seiner eigenen unbedeutenden Existenz. Wir begleiten ihn, hören sein Tagebuch, sehen bzw. hören Szenen aus seinen letzten Tagen, die sich mühsam dahinschleichen. Einzige menschliche Begleiter sind die Stimmen aus dem Radio, den X. mitgenommen hat.

    Literaturverfilmung oder Dokudrama?
    Peter Liechtis neuer Film ist eine Literaturverfilmung, hat aber doch mehr von einem Dokudrama, das die letzten Wochen des X. nacherzählt, ohne das Leiden selbst zu inszenieren. Stattdessen verlässt sich Liechti ganz auf die Macht des gesprochenen Wortes, was auf jeden Fall überzeugt – schliesslich basiert der Film ja auch auf Shimada Masahikos Novelle “Miira ni narumade”, der wiederum auf einem authentischen Fall beruhen soll.

    Dies erklärt wohl auch den Anspruch des Films auf Authentizität, der schon im Vorspann markiert wird – bezeichnenderweise etwas umständlich mit dem Worten “according to a true story”. Ehrlicher wäre sicher “according to Peter Liechti”, oder “based on Shimada Masahiko’s work”. Weshalb aber überhaupt einen Film machen, der Authentizität vorspiegelt, wenn es sich doch eindeutig um eine filmische Adaptation eines literarischen Werks handelt? Zudem muss ja nur schon durch die Übersetzung aus dem Japanischen Masahikos Text eine ganz neue Qualität erhalten haben. Tatsächlich spielt “The Sound of Insects” denn auch in Europa, wobei allerdings nie ganz klar wird, wo in Europa sich X. befindet.

    Spirituelle Suche
    Insofern ist es also doppelt schade, wenn Liechti die Chance, das Genre Dokumentarfilm zu hinterfragen, hier so leichtfertig verspielt. Man muss aber wohl annehmen, das Liechti gerade dieses scheinbar Authentische aus dem literarischen Text heraushauen wollte. Rücksicht auf kulturelle Wurzeln oder auch Zweifel an der Realitätsnähe des Stoffes verschwinden so hinter dem Schicksal eines Mannes, der letztlich hoffte, das Reale noch zu erheischen, auch wenn nur ganz am Schluss seines Lebens.

    Immer wieder betont der Erzähler, dass er kein religiöser Mensch sei. Und doch ist es diese religiöse Suche, die Suche nach einem Sinn jenseits des Diesseits, die ihn antreibt. Und nur diese Suche nach Sinn gibt ihm letztlich die Kraft, sich selbst umzubringen. Das aber gerade in dieser Suche nicht jenseits des Lebens, sondern im Leben selbst zu suchen wäre, diese Einsicht bleibt ihm wohl verwehrt. Also viel Lärm um nichts? Für Gesprächsstoff ist jedenfalls gesorgt.

    Infos:
    “The Sound of Insects – Record of a Mummy”
    , Schweiz 2009, 87 Min., R: Peter Liechti, D: Stimme von Alexander Tschernek; Musik u.a. von Norbert Mösling.

    Im Kino ab: 24.09.2009


    Roman Polanski in Zürich verhaftet

    Aktuelle Themen, Filmfestivals | 27. September 2009 von Lory Roebuck

    Roman Polanski

    Soeben erreichte uns diese wichtige Pressemitteilung vom Zurich Film Festival:

    Zürich, 27. September 2009 – Die für heute Sonntagabend vorgesehene Preisverleihung an den Filmemacher Roman Polanski ist auf einen unbestimmten Zeitpunkt verschoben worden. Der zu den grössten Filmregisseuren unserer Zeit zählende Roman Polanski hätte heute in Zürich den Preis für sein Lebenswerk entgegennehmen sollen. Er ist jedoch gestern Samstag bei seiner Einreise in die Schweiz aufgrund eines Begehrens der US-Behörden im Zusammenhang mit einem Haftbefehl aus dem Jahre 1978 festgenommen worden.

    Die Leitung des Zurich Film Festival hat mit Bestürzung und grosser Betroffenheit von dieser Festnahme erfahren. Sie hat entschieden, die für heute Sonntag angesetzte grosse „Tribute to Roman Polanski“-Retrospektive mit ausgewählten Werken von Roman Polanski gemäss Programm durchzuführen. Am Abend findet eine besondere Würdigung des filmischen Schaffens Polanskis durch die Festivalleitung statt, um allen, welche Roman Polanski ihre Bewunderung für sein Schaffen und ihre Solidarität ausdrücken möchten, Gelegenheit dazu zu geben.

    Polanski hatte sich im August 1977 der Unzucht mit einem minderjährigen Mädchen, mit dem er damals in den USA zwecks Fotoshooting zusammengearbeitet hatte, für schuldig bekannt. Vor dem Prozessbeginn im Winter 1978 floh er aber nach Europa ins Exil. Seither steht in den USA ein offener Haftbefehl auf ihn aus.