Rezension: “Desert Flower” von Sherry Horman
Neu im Kino, Rezensionen | 7. Oktober 2009 von Nicky Schaefer
Die Verfilmung von Waris Diries autobiographischem Bestseller kann leider nur teilweise überzeugen und scheitert an der Schwere des Themas.
Waris (Liya Kebede), die als Kind Opfer der Genitalmutilation wurde, flüchtet aus ihrer somalischen Heimat. In London arbeitet sie unter menschenunwürdigen Bedingungen auf der somalischen Botschaft. Schliesslich wird sie aber von einem Fotografen entdeckt – und macht Karriere als Model. Doch zuerst muss sie sich einerseits ihrer Vergangenheit stellen – und andererseits gültige Papiere auftreiben. Dabei wird sie von dem freundlichen Fotografen Donaldson (Timothy Spall) sowie Marilyn (Sally Hawkins), die sie während ihrer Obdachlosigkeit aufgenommen hat, unterstützt.
Gut gemeinter Fernsehfilm
Sherry Horman macht aus Waris Diries autobiographischem Bestseller “Wüstenblume” einen konventionellen Fernsehfilm fürs Kino. “Desert Flower” leidet einerseits unter den zahlreichen Klischees, andererseits scheitert er an der Schwere des Themas Genitalmutilation. Der charmante Afroamerikaner, der in den Traditionen verhaftete Somalimann in England – hier kommt ein Eurozentrismus zum Ausdruck, der einem Film über ein Thema, das traditionellerweise nur Länder des Südens betrifft, nicht gut ansteht.
Sally Hawkins (”Happy Go Lucky”) und Timothy Spall sind zwar witzig wie immer, aber die Tendenz des Films, überall nach Comic Relief Ausschau zu halten, wirkt auch aufgesetzt und unpassend. Vielleicht kommt hier auch ein kontinentaler Blick zum Ausdruck, der sich noch nicht an ein multikulturelles England gewöhnt hat – trotz “Bend It Like Beckham”. Da darf es auch nicht verwundern, wenn die Concierge, eine Inderin, auch als komische Figur fungieren muss.
Sicher, “Desert Flower” ist gut gemeint. Aber nicht nur sagt der Film im Grunde genommen nichts über die Hintergründe der Genitalmutilation – nein, “Desert Flower” leidet zudem unter einem eurozentrischen Blick, in dem die Genitalmutilation als barbarische, geschichtslose Praxis erscheint. Das ist zwar verständlich, erklärt aber auch nichts. Der Westen erscheint als Retter in der Not – die Probleme des Südens werden alle als hausgemacht verharmlost.
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Infos:
“Desert Flower”, Deutschland/Österreich/Frankreich 2009, 120 Min., R: Sherry Horman, D: Liya Kebede, Sally Hawkins, Timothy Spall, Juliet Stevenson.
Im Kino ab: 08.10.2009













= Meisterwerk








