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    Rezension: “Die Päpstin” von Sönke Wortmann

    Neu im Kino, Rezensionen | 20. Oktober 2009 von Nicky Schaefer

    Rezension: "Die Päpstin" von Sönke Wortmann

    Die Bestsellerverfilmung mit Johanna Wokalek und John Goodman ist von A bis Z misslungen – auch wenn Goodman als Papst witzige komödiantische Elemente beisteuert.

    Johanna wird als Tochter eines Dorfpriesters in Germanien geboren. Der griechische Geistliche Aeskulapius will dem begabten Kind ein Studium an der Schola ermöglichen, doch weiss der frauenfeindliche und intolerante Vater dies zu verhindern. Schliesslich schafft sie aber doch ihren Weg an die Schola – und wird später, getarnt als Mann, zum Mönch. Ihr Kloster in Fulda muss sie aber nach einiger Zeit verlassen, da ihre Brüder ihr Geheimnis spätestens dann entdecken, wenn sie den kranken Mitbruder entkleiden müssen. Johanna pilgert nach Rom, wo sie – unterdessen bekannt als Johannes Anglicus – als bekannter Arzt aufgenommen wird.

    Von Schlöndorff zu Wortmann
    “Die Päpstin” ist einfach ein absoluter Truthahn von einem Film. Noch nie hat der Kinogänger derart unerotische Liebesszenen gesehen wie in Sönke Wortmanns neuem Film. Der Film, auf Englisch gedreht und dann ins Deutsche synchronisiert, leidet zudem unter wirklich grottenschlechten Dialogen – Sönke Wortmann heisst zwar “Wortmann”, aber vom Drehbuchschreiben soll er doch lieber die Finger lassen. Zumindest dann, wenn es um historische Stoffe geht.

    Ursprünglich wollte ja kein geringerer als Volker Schlöndorff den Bestseller von Donna Cross verfilmen – die Constantin wollte aber wohl auf Nummer sicher gehen und hat den Job dem beim Publikum heute beliebteren und jüngeren Wortmann gegeben. Vielleicht hat Schlöndorff auch kalte Füsse gekriegt, nachdem er sich mit “Der neunte Tag” so sehr bei der katholischen Kirche angebiedert hat. Wie dem auch sei: “Das Wunder von Bern” ist eben nicht “Die Päpstin” – dazwischen liegen über tausend Jahre.

    Unkritisch und unfreiwillig komisch
    Ausserdem zeigt gerade “Das Wunder von Bern”, wie unkritisch Wortmann mit der Geschichte umgeht. Konsequenter wäre es gewesen, “Die Päpstin” von A bis Z als Komödie zu inszenieren. John Goodman jedenfalls leistet hier Hervorragendes – allein durch seine körperliche Präsenz. Johanna Wokalek hingegen wirkt als Mann – gelinde gesagt – nicht sonderlich überzeugend.

    Nicht nur sind die Liebesszenen so zurückhalten und unerotisch wie noch nie – auch die Geburt Johannas wird so unrealistisch dargestellt, dass die Menschen sie wohl auch im “Bible Belt” goutieren würden. Aber ob dieser wirklich schlecht gemachte Film je in den USA zu sehen sein wird, muss doch bezweifelt werden. Immerhin ist der Film, der über zwei Stunden dauert, gar nicht so langweilig – nicht zuletzt, weil er oft so unfreiwillig komisch ist.

    Infos:
    “Die Päpstin”, Deutschland/UK/Italien/Spanien 2009, 149 Min., R: Sönke Wortmann, D: Johanna Wokalek, John Goodman, David Wenham, Anatole Taubman, Edward Petherbridge, Iain Glen, Claudia Michelsen.

    Im Kino ab: 22.10.2009

    One Response to “Rezension: “Die Päpstin” von Sönke Wortmann”

    1. [...] warnen vor Sönke Wortmanns Päpstin. Selten so gelitten im Kino, da schliesse ich mich der Meinung von Kollege Nicky Schäfer [...]

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