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    Rezension: “Vision - Aus dem Leben der Hildegard von Bingen” von Margarethe von Trotta

    Neu im Kino, Rezensionen | 8. Dezember 2009 von Nicky Schaefer

    Rezension:

    Das Biopic über Hildegard von Bingen ist ein gutes Antidot gegen “Die Päpstin” – ein etwas schlichtes, aber dafür auch nicht wirklich hagiographisches Werk mit Barbara Sukowa in der Hauptrolle.

    Hildegard von Bingen stammt aus einer adligen Familie. Bereits in ihrem achten Lebensjahr tritt sie in das Benediktinerkloster Disibodenberg ein. Abt Kuno führt das Kloster wie ein Monarch, doch Hildegard hat in Jutta von Spohnheim eine Mentorin, die ihr viel Wissen weitergibt und ihre musikalische Entwicklung fördert. Trotzdem getraut sich Hildegard nicht, über ihre religiöse Visionen zu reden. Nach dem Tod ihrer Mentorin ermutigt sie der Benediktinermönch Volmar, ihre Visionen zu veröffentlichen. Schliesslich erhält sie die Erlaubnis der Kirche – und kann später gar ihr eigenes Frauenkloster in der Nähe von Bingen gründen.

    Woman’s World
    Margarethe von Trotta interessiert sich für starke Frauen – zuletzt war hier im Kino “Rosenstrasse” zu sehen, ein Film über den authentischen und geglückten Versuch deutscher Frauen, ihre Männer zu retten, die aufgrund jüdischer Religionszugehörigkeit oder jüdischer Vorfahren vom NS-Regime verfolgt wurden. Hildegard von Bingen erscheint in “Vision - Aus dem Leben der Hildegard von Bingen” als Pionierin, die aufgrund ihrer Visionen, die vom Vatikan anerkannt wurden, mehr Freiraum für sich und ihre Nonnen erkämpfte und gegen viele negative Seiten des damaligen Glaubens wie z.B. die Selbstgeisselung wirkte.

    Keine Hagiografie
    “Vision” – auch das Drehbuch stammt von Margarethe von Trotta – zeigt darüber hinaus aber auch, wie manche Schriften der Hildegard aus heutiger Sicht nur noch komisch wirken. Diese humorigen Auflockerungen tun dem Film gut – weniger gut tun dem Film die glücklicherweise nur spärlich eingesetzten CGI-Effekte, mit denen Hildegards Visionen dargestellt werden. Diese wirken eher unfreiwillig komisch – und auch Sunnyi Melles als Mutter der jungen Richardis wirkt zwar lustig, es ist aber unklar, ob dies der Intention der FilmemacherInnen und SchauspielerInnen entspricht.

    Moderne Hildegard
    Verglichen mit der unsäglichen “Päpstin” ist es Margarethe von Trotta sicher gelungen, ein historisches Thema ansprechend zu gestalten, jenseits von reiner Effekthascherei und Geschichtsklitterung. Gleichzeitig ist “Vision” aber sicherlich auch kein grosser Wurf: Die Figurenzeichnung wirkt zum Teil etwas unscharf, wirkliche Spannung kommt nie auf, und gleichzeitig tendiert der Film trotz allem etwas zur Schwarzweissmalerei. Natürlich ist dies nicht die Hildegard des Mittelalters, sondern eine Hildegard des 21. Jahrhunderts – schon nur in sprachlicher Hinsicht.

    Infos:
    “Vision - Aus dem Leben der Hildegard von Bingen”, Deutschland/Frankreich 2009, 110 Min., R: Margarethe von Trotta , D: Barbara Sukowa, Heino Ferch, Hannah Herzsprung, Gerald Alexander, Sunnyi Melles, Lena Stolze.

    Im Kino ab: 10.12.2009

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