Rezension: “Fame” von Kevin Tancharoen
Neu im Kino, Rezensionen | 22. Dezember 2009 von Andreas Weber
Im misslungenen Remake des 80er-Kultfilms “Fame” geht es um junge, talentierte Menschen auf ihrem Weg zum Erfolg oder Scheitern im Showbusiness. Schauplatz ist wiederum die High School of Performing Arts in New York.
Junge Menschen, die ein Traum verbindet: Fame. Alles beginnt mit dem Vorsprechen an der High School of Performing Arts in New York, jener Schule, die sich auf die Förderung noch ungeschliffener Talente spezialisiert hat. Es folgt eine vierjährige Ausbildung, die als besonders hart gilt: Neben Kursen in Tanz, Musik oder Theater haben die Schüler auch den regulären Schulstoff zu bewältigen. Freundschaft und Liebe sind da wichtige Motivationsstützen, ohne eiserne Disziplin geht’s aber einfach nicht. In den letzten Schuljahren folgen die ersten Gehversuche im Showbusiness, die selten von Erfolg gekrönt sind. Auf schmerzhafte Weise erfahren die Schüler die Härte und die Gefahren ihres Berufs - und wie es sich anfühlt, wenn ein Traum platzt.
Junge Talente
“Fame” ist ein Remake des gleichnamigen Alan Parker-Kultfilms aus den 80ern. Das Konzept ist dasselbe: Junge und talentierte Menschen spielen als Schüler der High School of Performing Arts in Rollen, mit denen sie sich sehr gut identifizieren können. Viele von ihnen sind nämlich Abgänger ähnlicher Ausbildungsstätten oder haben ihr Glück in Talentshows gesucht. Im echten Leben haben sie es geschafft, sie sind die Stars einer grösseren Hollywood-Produktion. In ihren Filmrollen befinden sie sich noch auf dem Weg zum Erfolg und “Fame” möchte, dass wir mit ihnen bangen, ob sie den Sprung an die Spitze wohl schaffen werden.
Auch Regisseur Kevin Tancharoen ist ein noch junges Talent. Bereits mit 19 organisierte er Britney Spears’ Welttournee, arbeitete später als Choreograph mit anderen Weltstars zusammen und produzierte zwei eigene Reality-Shows für MTV. Als er mit “Fame” seinen ersten Kinofilm in Angriff nahm, war er gerade mal 24 Jahre alt. Dem fertigen Film nach zu urteilen war er dieser Aufgabe allerdings nicht gewachsen.
Leerer Bilderreigen
Zwar ein Sammelsurium bunter Bilder und rhythmischer Klänge, ergibt “Fame” in seiner Summe ein ziemlich leeres Kinoerlebnis. Mit einer uninspirierten Ästhetik, die in der Schwebe zwischen TV und Kino bleibt, wird uns zu Beginn ein tanzender, musizierender und schauspielernder Ensemblecast von zehn Schülern vorgestellt. Einige dieser Rollen fallen aber recht bald schon unter den Tisch. Die Figuren, die “Fame” zu seinen Protagonisten erklärt, bleiben ebenfalls blass und eindimensional. Indes vermag sich auch die Ensemblewirkung nicht richtig zu entfalten. Die Stärke des Originals war gerade, dass es auf allen Ebenen funktionierte: vom Individuum bis zum Ensemble. Ausserdem hatte es authentische Momente spontan ausbrechender Lebensfreude - Szenen, die im Remake aufgesetzt wirken - und echtes Drama mit teils kontroversen Themen.
Tancharoens Werk wirkt weit harmloser als das beinahe 30-jährige Original und die Häufung melodramatischer Episoden in der zweiten Filmhälfte wird zur Farce, da wir nie richtig an die Figuren herangeführt wurden. Dem Regisseur fehlte wohl der Mut etwas zu riskieren und zugleich fehlte ihm für einen soliden Routinefilm die Erfahrung. So ist “Fame” ein recht profilloses und inkompetent ausgeführtes Machwerk ohne Herz und Seele. All den jungen, schönen und zweifellos auch talentierten Menschen zum Trotz, die darin ihr Können zum Besten geben und die ja auch einen sehr persönlichen Bezug zu ihren Rollen haben.

Infos:
“Fame”, USA 2009, 107 Min., R: Kevin Tancharoen, D: Kay Panabaker, Naturi Naughton, Kherington Payne, Megan Mullally, Bebe Neuwirth, Debbie Allen, Asher Book, Cody Longo, Walter Perez, Charles S. Dutton, Kelsey Grammer, Collins Pennie, Anna Maria Perez de Tagle.
Im Kino ab: 24.12.2009













= Meisterwerk








