Rezension: “Bright Star” von Jane Campion
Neu im Kino, Rezensionen | 5. Januar 2010 von Nicky Schaefer
Ausnahmetalent Jane Campion legt mit ihrem Film über die Liebe zwischen Fanny Brawne und John Keats einen ihrer besten Filme vor, der sich auf das Wesentliche konzentriert und zeigt, wo die Neuseeländerin wirklich zu Hause ist.
Der romantische Dichter John Keats lebt in einer Art Wohngemeinschaft zusammen mit Charles Armitage Brown, ebenfalls Dichter. Je länger je mehr interessiert er sich aber zunehmend für seine Nachbarin, die Schneiderin Fanny Brawne, die mit ihrer verwitweten Mutter und ihren zwei Geschwistern zusammen lebt und im Zentrum des Films steht. Anfangs verwirren Keats seine Gefühle noch, und auch Fanny findet erst langsam heraus, dass sich zwischen ihnen eine grosse Liebe entwickelt. Und dies, obwohl sie nichts von Dichtung versteht – und er nichts von Fashion. Nur eins kann die Liebe zwischen den zwei jungen Menschen bedrohen – der Tod.
Romantik
Wie Jane Campion die romantische Poesie Keats in Bilder umsetzt, ist berauschend. Und ebenso stark ist die sprachliche Poesie des Films, die natürlich auch Keats’ eigene Worte nicht ausspart. Der Abspann ist bei “Bright Star” nicht einfach wie üblich mit Musik unterlegt, sondern auch mit der Poesie von John Keats. Auch wenn Keats sich für einen Versager hielt und den Kampf gegen den Tod verloren hat – heute gilt er als einer der grössten romantischen Dichter. Wobei im Film auch ganz prosaische Fragen eine wichtige Rolle spielen.
Realität
Wenn nämlich die Liebe zwischen Fanny und John schon von Anfang an zum Scheitern verurteilt ist, dann ist der Grund ganz banal – Keats war arm und konnte Fanny Brawne keine Zukunft bieten. Jane Campion deutet aber in “Bright Star” auch an, dass sowohl Keats als auch die Brawnes zu den Privilegierten gehörten. Das war natürlich ein schwacher Trost für die Liebenden – in der Romantik ist meist auch kein Platz für soziales Engagement. Schliesslich war die Romantik eine bewusst rückwärtsgewandte Bewegung.
Engagement
Jane Campion blendet aber diesen aus heutiger Sicht weniger erfreulichen Aspekt der Romantik nicht aus; ihr Film wirkt zwar wie aus einem Guss und ist nicht zuletzt deshalb einer ihrer besten, trotzdem schafft sie es, sozialkritischen Elementen viel Platz einzuräumen. “Bright Star” ist wohl gar ihr bester Film überhaupt, und die australisch-britisch-französische Koproduktion zeigt, wie sehr die in Neuseeland geborene Filmemacherin in England verwurzelt ist. Ein Vergleich mit Patricia Rozemas “Mansfield Park” ist wohl durchaus angebracht, denn hier wie dort schaffen es die grossen Filmemacherinnen aus den ehemaligen Kolonien, der Zeit Jane Austens treu zu bleiben, ohne alles zu beschönigen.
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Infos:
“Bright Star”, UK/Australien/Frankreich 2009, 119 Min., R: Jane Campion, D: Ben Whishaw, Abbie Cornish, Kerry Fox, Paul Schneider, Edie Martin, Thomas Sangster.
Im Kino ab: 07.01.2010













= Meisterwerk








