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    Rezension: “Cinco días sin Nora” von Mariana Chenillo

    Neu im Kino, Rezensionen | 8. Januar 2010 von Andreas Weber

    Das gelungene Regiedebüt der Mexikanerin Mariana Chenillo ist eine zartfühlige schwarze Komödie über die Kraft der Versöhnung über den Tod hinaus.

    Seit zwanzig Jahren sind die praktizierende Jüdin Nora und der mittlerweile zum Atheisten gewordene José geschieden, leben aber noch immer in direkter Nachbarschaft. Als José am Tag vor Pessach Nora tot in ihrem Schlafzimmer auffindet, sieht sich der Eigenbrötler mit Dingen konfrontiert, mit denen er eigentlich nichts mehr zu tun haben wollte: mit seiner Ex und mit der Religion. Er realisiert, dass Noras Tod, der sich als Selbstmord herausstellt, ingeniös eingefädelt war, aufgrund der Feiertage steht José eine fünftägige Totenwache bevor. Für das leibliche Wohl der ganzen Familie (später treffen noch Josés Sohn, seine Schwiegertochter und seine Enkeltöchter ein) hat Nora vorgesorgt, der Kühlschrank ist prall gefüllt mit Lebensmitteln und Anweisungen, wie sie zu servieren sind.

    Seilziehen mit einem Geist
    Was sich in der ersten Hälfte von “Cinco días sin Nora” abspielt gleicht einem Seilziehen zwischen José und seiner verstorbenen Ex. José ist es zuwider, dass alles nach ihrem Plan ablaufen soll, weshalb er subtil sabotiert und auch recht ordinär seine Ablehnung gegenüber dem orthodoxen Judentum zum Ausdruck bringt. Dies gipfelt etwa darin, dass er sich von einem christlichen Friedhof einen kreuzförmigen Sarg und kitschigen Beerdigungsschmuck in die Wohnung liefern lässt. Doch immer wieder holt ihn Noras sorgfältige Vorausplanung ein. Der Regisseurin Mariana Chenillo gelang es so in der nur wenige Tage umspannenden Handlung die komplexen Konflikte einer langen Beziehung, deren Scheitern zu Verbitterung führte, spürbar zu machen.

    Versöhnung über den Tod hinaus
    Im Grunde aber geht es in ihrem Film, der frei auf dem Leben (und Sterben) ihrer eigenen Grosseltern basiert, um Versöhnung. Während der Totenwache lässt José seine Ehe nochmal revue passieren. Begegnungen mit Mitgliedern der jüdischen Gemeinde führen zwar oftmals zu Animositäten, selten aber entscheidenderweise eben auch zu einem tieferen Verständnis der Religiosität seiner Ex. Aus der Perspektive von Noras Glauben ist aber gerade ihr Selbstmord ein grosses Problem und ein würdiger Platz auf einem jüdischen Friedhof scheint ausgeschlossen zu sein. Als José dies realisiert, erkennt er auch, dass er eine Entscheidung treffen muss: Führt er sein kindisches Trotzen fort oder setzt er sich für Nora ein und versucht endlich mit ihr und mit sich selbst ins Reine zu kommen?

    Stilsicheres Debüt
    “Cinco días sin Nora” ist in einer simplen, naturalistischen Ästhetik gehalten. Ausflüge in den magischen Realismus, der sich bei der Thematik ja durchaus angeboten hätte, kamen für Mariana Chenillo in ihrem ersten abendfüllenden Spielfilm wohl nicht in Frage. Es braucht auch gar keine geisterhafte Wiederbegegnung von José und Nora; das clevere Drehbuch, die unkomplizierte Bildersprache und das einfühlsame Spiel Fernando Lujáns sind eloquent genug. Der Film erreicht ausserdem eine interessante Balance zwischen dem recht morbiden Witz und seiner herzerwärmenden Botschaft. Beides wird zum Glück nicht bis ins Extrem getrieben und so bleiben peinlich berührende Geschmacklosigkeiten ebenso aus wie jeglicher Kitsch.

    Infos:
    “Cinco días sin Nora”, Mexiko 2008, 92 Min., R: Mariana Chenillo, D: Fernando Luján, Ari Brickman, Enrique Arreola, Juan Carlos Colombo, Angelina Peláez, Arantza Moreno.

    Im Kino ab: 07.01.2010

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