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    Rezension: “Breath Made Visible” von Ruedi Gerber

    Neu im Kino, Rezensionen | 13. Januar 2010 von Nicky Schaefer

    In seinem Dokumentarfilm porträtiert der Schweizer Filmemacher Ruedi Gerber mit Anna Halprin eine Frau, die ganz für ihre Passion – den Tanz – lebt.

    Anna Halprin, geboren 1920, war schon als Kind fasziniert von den religiösen Tänzen ihres Grossvaters. Vielleicht, so vermutet sie, habe sie ihr Leben lang selber diesen Tanz finden wollen, für den ihr Grossvater offenbar alles gegeben hat. Später wurde Anna Halprin nämlich zu einer der grossen Ikonen des Tanzes; nur dank des Tanzes konnte sie auch ihre eigene Krankheit besiegen und gründete die erste gemischtrassige (also schwarz-weisse) Company.

    Postmodern
    Ruedi Gerber zeigt die Passion für den Tanz, die Halprins Werk auszeichnet, in seinem informativen Film klar auf. Dabei kommen nicht zuletzt auch die politisch-weltanschaulichen Implikationen nicht zu kurz. Am Anfang hat sie u.a. die Techniken von Isadora Duncan studiert, fühlte sich aber eingeengt und wurde zur Pionierin des postmodernen Tanzes. Die als Anna Schuman geborene Halprin hat darüber hinaus den Architekten Lawrence Halprin (1916-2009) geheiratet, mit dem sie auch eigene Projekte verwirklicht hat. Schon vor seinem Tod hat sie dessen körperlichen Zerfall in ihrer Arbeit reflektiert. Auch für ihre Projekte mit älteren Menschen ist Halprin bekannt.

    Einblick
    Es ist also – wie wohl aus obenstehenden Zeilen hervorgehen dürfte – weniger das Medium Film, sondern vielmehr das Medium Tanz, das im Zentrum von Ruedi Gerbers Werk steht. Schliesslich ist es auch der erste abendfüllende Dokfilm über Halprin. Gerber leistet hier also auch eine Art Pionierarbeit. Das mag man als Hagiografie abtun; “Breath Made Visible” bleibt aber auf jeden Fall ein spannender Einblick in das Werk Anna Halprins, die sich im Rahmen ihres Kampfes gegen den Krebs auch als bildende Künstlerin betätigt hat.

    Lebenswille
    Dieser unbedingte Wille zum Leben ist es auch, was “Breath Made Visible” für ein Publikum, das sich nicht unbedingt für Tanz interessiert, relevant macht. Man mag von den doch eher esoterisch anmutenden Vorstellungen über die Kraft des Tanzes denken, was man möchte – Anna Halprin bleibt aber eine eindrückliche Person, ein Mensch, der anderen Menschen hilft mit ihrer Arbeit – und der die Gesellschaft auch kreativ verändert.

    Infos:
    “Breath Made Visible”
    , CH/USA 2009, 82 Min., Regie: Ruedi Gerber, D: Anna Halprin, Lawrence Halprin, Merce Cunningham.

    Im Kino ab: 14.01.2010

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