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    Rezension: “The Box” von Richard Kelly

    Neu im Kino, Rezensionen | 13. Januar 2010 von Lory Roebuck

    Richard Kelly, der Regisseur des Kultstreifens “Donnie Darko”, mischt in seinem neuen Film eine “Twilight Zone”-Folge mit der Genesisgeschichte zu einem heterogenen Ganzen, das ganz und gar nicht überzeugt.

    Norma (Cameron Diaz) und Arthur Lewis (James Marsden) sind ein gewöhnliches Ehepaar der amerikanischen Mittelschicht. Arthur hat zwar als NASA Mitarbeiter die Viking Marssonde mitentwickelt, fühlt sich von der Firma aber vor den Kopf gestossen, als ihm trotz guter Prüfungsresultate der Zutritt zum Astronautenprogramm verwehrt wird. Weil somit die erwartete Beförderung ausbleibt, wähnt sich das Paar in einer finanziellen Schieflage. Da kreuzt eines Tages der im Gesicht entstellte Mr. Steward (Frank Langella) vor ihrer Häustur auf, mit einer mysteriösen Box und einem verlockenden Angebot im Gepäck: Drückt einer der Beiden auf den roten Knopf auf der Box, erhalten sie eine Million Dollar – gleichzeitig stirbt aber eine Person, die sie nicht kennen.

    Die Twilight-Box
    Inmitten des konsequent unterkühlt präsentierten Städtchens Richmond Mitte der Siebziger stellt Regisseur Richard Kelly, der 2001 mit “Donnie Darko” den Mystery-Kultfilm erschaffen hat, eine gewöhnliche Familie vor ein moralisches Dilemma: Es winkt ihr schnelles und grosses Geld, um finanziell wieder Fuss zu fassen – mit dem gleichzeitigen Tod einer ihr unbekannten Person bezahlen sie dafür aber einen hohen Preis. Hoch genug, um dem Angebot zu widerstehen und dem eigenen Kind eine bessere Zukunft vorzuenthalten? Denn wie schwer wiegt schon der Tod eines fremden Menschen auf dem eigenen Gewissen? Natürlich wird nach einer bündigen Pro/Kontra-Diskussion schliesslich auf den roten, verheissungsvollen Knopf gedrückt – sonst hätte “The Box” keinen Plot. Und natürlich ist es die Frau, die drückt – sonst funktioniert zum Schluss die biblische Allegorie des Films nicht.

    Diese aporische Konstellation nimmt ungefähr das erste Drittel der Filmhandlung ein und funktioniert gut. Diese Leistung ist aber nicht Richard Kelly anzurechnen, sondern der Kurzgeschichte “Button, Button” von Richard Matheson (1970), die 1986 die gleichnamige 20. Folge der Kultserie “The Twilight Zone” informierte, auf deren Grundlage nun “The Box” entstand. Nur schon das Design der Box im Kinofilm ist eine Hommage an ihr über zwanzig Jahre zurückliegendes Gegenstück. Die “Twilight Zone”-Episode endete damit, dass Mr. Steward dem Paar am Tag nach dem Knopfdruck das Geld aushändigt und die Box wieder mitnimmt – mit dem Vermerk, dass sie neu programmiert und mit dem gleichen Angebot einem anderen Paar gegeben wird, dass sie nicht kennen. Ein ominöses Ende (das von Mathesons Vorlage abweicht), weil es die beiden Protagonisten auf einen Schlag als potentielle Ziele in die Schusslinie wirft.

    Neuzeitliche Bestrafung Evas
    Kelly durchläuft in “The Box” das gleiche Szenario und verbringt so die ersten vierzig Minuten seines Films damit, besagte Episode von “The Twilight Zone” auf der Kinoleinwand nochmals neu herrunterzuleiern. Wirklich dämlich ist aber erst, dass er dieser abgeschlossenen Sinneinheit eine fast eineinhalbstündige Zusatzhandlung anhängt, die ein Musterbeispiel an ziellosem Scriptwriting abgibt. Um seine charakteristische Mysteryatmosphäre, die in seinem bisherigen Oevre wohl nur bei “Donnie Darko” überzeugt hat, heraufzubeschwören, reiht Kelly Auftritte (in ihrer Zurückhaltung) unheimlicher Figuren und abgehobener Plottwists aneinander, die keinem anderen Zweck dienen. Das ist mal ein bisschen “The X-Files”, ein bisschen David Lynch, führt aber lange Zeit nirgends hin. Die meisten Szenen sind voneinander völlig isolierte Sequenzen, die nur dadurch miteinander zu tun haben, dass sie sich in ihrer Abfolge an Lächerlichkeit immer wieder übertrumpfen.

    Wenn dann “The Box” gegen Ende doch noch in eine Art Zielgerade einbiegt, offenbart sich darin eine in ihrer Fahrlässigkeit fast schon wieder interessante Aufarbeitung der biblischen Genesisgeschichte. Wie sich herausstellt, war Normas Drücken des roten Knopfes das filmische Äquivalent zu Evas Biss in den Apfel. Die Verbannung Adams und Evas aus dem Paradies und ihre Bestrafung mit der Sterblichkeit entspricht der lebensbedrohlichen Notlage, in die Norma und Arthur Lewis hineingeraten. Und dieser rätselhafte Mr. Steward ist quasi ein deus ex machina, der Eva/Norma das Verfehlen seines Tests vorwirft und sie für ihre Untat jetzt in der Neuzeit also doch noch bestraft. Sie ist im Auge Gottes der Menschlichkeit nicht würdig. Dieser patriarchalische Subtext ist in “The Box” genauso verwerflich wie in der Bibel – in Kellys Film ist er dazu noch anachronistisch.

    Infos:
    “The Box”, USA 2009, 115 Min., R: Richard Kelly, D: Cameron Diaz, James Marsden, Frank Langella, James Rebhorn, Holmes Osborne, Sam Oz Stone, Gillian Jacobs.

    Im Kino ab: 14.01.2010

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