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    Rezension: “It’s Complicated” von Nancy Meyers

    Neu im Kino, Rezensionen | 20. Januar 2010 von Lory Roebuck

    Nancy Meyers zeigt sich wieder als Fachfrau für romantische Komödien für das erwachsene Publikum. In ihrem neuen Film muss sich die bewährte Meryl Streep zwischen dem übergewichtigen Charmeur Alec Baldwin und dem zurückhaltenden Steve Martin entscheiden.

    Jane Adler (Meryl Streep) lebt seit zehn Jahren von ihrem Ex-Mann Jake (Alec Baldwin) getrennt und führt erfolgreich eine Bäckerei in Santa Barbara. Ihre drei Kinder hat sie liebevoll alleine aufgezogen, und als ihr Sohn Luke vor dem Wegzug ans College steht, beginnt sich Jane zunehmend einsam zu fühlen. Am Abend vor Lukes Abschlussfeier in New York trifft Jane im Hotel auf Jake, der inzwischen mit der viel jüngeren Agness (Lake Bell) verheiratet ist. Das harmlose gemeinsame Dinner mit dem Ex-Mann führt dann aber dank viel Wein zum One-Night-Stand – und bald darauf zu einer richtigen Affäre. Jane ist sich nicht schlüssig, ob sie den wiederaufflammenden Gefühlen trauen kann, und lernt obendrein noch den netten Architekten Adam (Steve Martin) kennen, der gerade selber eine Scheidung zu verarbeiten sucht.

    Authentische Fachfrau
    Die Amerikanerin Nancy Meyers hat sich mit Hits wie “What Women Want” (2000), “Something’s Gotta Give” (2003) und “The Holiday” (2006) als Fachfrau bewiesen, was erfolgreiche romantische Komödien vor allem für Zuschauer im mittleren Alter angeht. Zwei Punkte heben ihre Filme von der biederen Rom-Com-Norm im heutigen Kinomarkt ab. Einerseits arbeitet Meyers vornehmlich mit gestandenen SchauspielerInnen zusammen wie Helent Hunt, Mel Gibson, Jack Nicholson, Diane Keaton, Kate Winslet oder Jude Law. So auch in ihrem neuen Film “It’s Complicated”, in dem die zweifache Oscarpreisträgerin Meryl Streep wieder einmal beweist, dass sie jede erdenkliche Rolle überzeugend meistern kann, Alec Baldwin sich als übergewichtiger Veteran mit einer grossen Portion Selbstironie zum Besten gibt und sogar der sonst so nervende Starkomiker Steve Martin sich in Zurückhaltung übt und so für eine dankbare Überraschung sorgt.

    Andererseits – und genauso wichtig – schreibt Meyers ihre eigenen Drehbücher. Sie muss somit nicht auf unstimmige, zusammengeschusterte Scripts von uneinheitlichen Autorenteams zurückgreifen (wie das sonst bei dieser Art von Film der Fall zu sein scheint). Auch wenn sich “It’s Complicated” wieder grösstenteils innerhalb der klar definierten Grenzen des Genres bewegt, folgt der Film einer klaren Linie, einer von vorne bis hinten beabsichtigten Gedankenabfolge. Natürlich, wenn sie diese Gedanken in vereinzelnte Szenen übersetzt, halten immer wieder genretypische Klischees einzug. Weil hier aber eine Frau ihre selbstersinnte Geschichte filmisch inszeniert, kommt die Story auf der Leinwand immer authentisch rüber – und oft auch charmant (wobei diese Qualität wohl die souveränen Darsteller zu verantworten haben). Mit diesen Mitteln schafft sich Meyers eine grundsolide Basis für ihren eigenen Erfolg.

    Trennung und Neuanfang
    “It’s Complicated” handelt im Grunde genommen von einem Beziehungsdreieck, erzählt diese Geschichte aber mit umgekehrten Vorzeichen: Der ältere Mann (gespielt von Baldwin) hat für einmal nicht eine Affäre mit einer viel jüngeren Frau (Bell), sondern ist mit der jungen Schönheit zu Beginn des Films bereits verheiratet – und begeht den Ehebruch mit seiner gleichaltrigen Ex-Frau (Streep). Diese Variation des Standardschemas ist für sich genommen schon spannend. Eine nette Idee, aus ihrem Potential zu originellen Peinlichkeiten und unverbrauchtem Humor macht Meyers aber zu wenig. Anreize zum Lachen gibt es genug, die meisten Witze wirken aber einfallslos und abgestanden, die Spannungsmomente zu absehbar. Wenn Jake in Janes Zimmer schleicht, sich bis aufs Adamskostüm entblösst und den Laptop – von dem aus Architekt Adam per Webcam zuschaut – vor sein bestes Stück legt, ist das bezeichnend für den mangelnden Zündstoff in diesem Film.

    Nancy Meyers erzählt aber vordergründig die Geschichte einer Frau, die ihren Platz zwischen Trennung und Neuanfang finden will. In dieser Hinsicht überzeugt “It’s Complicated” schon eher, weil sich der Film mit dieser zentralen Thematik ehrlich und ergebnisreich auseinandersetzt. Jane Adler muss sich entscheiden: zwischen der bekannten alten Liebe, die jetzt, da beide Partner verantwortungsvoller geworden sind, doch noch funktionieren und die Kernfamilie wieder zusammenbringen könnte – und der neuen Liebe, die eine Herausforderung darstellt, weil der Wille zum schwierigen Aufbau einer neuerlichen Beziehung vielleicht fehlt. Der Beweis, dass Meyers nicht einfach gedankenlose Unterhaltung servieren, sondern mit ihrem Film eine Aussage machen will, ist darin erkennbar, wie sie von einem erzwungenen Happy-End absieht und stattdessen der Charakterisierung ihrer drei Hauptfiguren treu bleibt und ihre jeweiligen Handlungsstränge zu einem konsequenten Abschluss führt.

    Infos:
    “It’s Complicated”, USA 2009, 115 Min., R: Nancy Meyers, D: Meryl Streep, Steve Martin, Alec Baldwin, John Krasinski, Lake Bell, Mary Kay Place, Rita Wilson, Alexandra Wentworth, Hunter Parrish.

    Im Kino ab: 21.01.2010

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