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    Rezension: “Troubled Water” von Erik Poppe

    Neu im Kino, Rezensionen | 28. Januar 2010 von Andreas Weber

    Rezension: "Troubled Water" von Erik Poppe

    Das drastische Norwegische Drama befasst sich etwas unscharf mit dem ewigen Thema von Schuld und Sühne, während sich das ungewöhnliche Narrativ auf der Grenze zwischen Kunstvollem und Gekünsteltem bewegt.

    Nach acht Jahren im Knast kommt Jan endlich auf freien Fuss und findet eine Stelle als stellvertretender Organist in einer Kirche. Zwischen ihm und der alleinerziehenden Pfarrerin wird bald eine erotische Spannung spürbar und Jan entwickelt auch ein besonderes Verhältnis zu ihrem Sohn Jens. Dabei verheimlicht er seine Identität, denn ins Gefängnis brachte ihn, dass er für den Tod eines Kindes verantwortlich war. Als Jugendlicher entführte er einen unbeaufsichtigten Kinderwagen, doch aus dem herben Scherz wurde plötzlich blutiger Ernst. Der tragische Vorfall endete an einem Fluss damit, dass ein kleiner toter Körper die Stromschnellen hinuntertrieb, um nie mehr gefunden zu werden.

    Schuld und Sühne?
    “Troubled Water” macht es unmissverständlich: Mit Jan wird kein böser Mensch in die Gesellschaft entlassen. Es gibt auch einen nicht ganz subtilen Hinweis darauf, dass er wohl schon als Jugendlicher bloss ein wenig Beachtung und Liebe wollte, da trug er nämlich einen Pullover mit der Aufschrift “hold me”. Klar wird aber auch, dass Jan Schuld auf sich geladen hat. Der Norwegische Regisseur Erik Poppe versucht in seinem Film dieses zentrale Motiv aus den verschiedensten Perspektiven abzuhandeln, bei dem kirchlichen Umfeld Jans natürlich auch aus der religiösen. Und doch bleiben die Antworten auf die Schuldfrage sowie Konzepte von Rache oder Versöhnung ziemlich schwammig. Man könnte meinen, dem Film ist diese Kernthematik seiner Handlung gar nicht so wichtig wie seine dramaturgische Gesamtkonstruktion.

    Diese ist tatsächlich beachtlich, wenn auch schwerlich ein absolutes Novum. Die Jetztzeit, in der wir Jan begleiten, wie er seinem Beruf als Organist nachgeht und versucht im Alltag wieder Fuss zu fassen, wird immer wieder von Flashbacks an jenen schicksalsmächtigen Vorfall mit dem Kinderwagen durchbrochen. Diese tragische Sequenz offenbart sich so dem Zuschauer nur stückchenweise – und erst am Ende weiss man ganz genau, zu welchem Grad Jan für den Tod des Kindes verantwortlich ist. Interessant ist ausserdem, wie in der Mitte des Films plötzlich der Fokus auf die Mutter jenes Kindes springt. Diese zweite Hälfte rekapituliert aus ihrer Perspektive nochmal die Zeit seit Jans Entlassung aus der Haft, um am Ende beide Handlungsstränge zusammenzuführen. Spätestens hier wirkt die Konstruktion dann aber zu gewollt und artifiziell. Billige dramatische Kunstgriffe kommen zum Einsatz, während eine befriedigende Auflösung auf psychologischer, moralischer und erst recht theologischer Ebene ausbleibt.

    Selbsterfüllende Prophezeihung
    Das Problem an dieser übergestülpten Struktur ist auch, dass sie sich wie eine selbsterfüllende Prophezeihung vor den Augen des Publikums auszubreiten scheint. Die erste Filmhälfte wird von der schrecklichen Vorahnung überschattet, dass auch dem Sohn der Pfarrerin etwas zustossen wird, diesmal ohne Verschulden Jans. Ob dies tatsächlich eintrifft, soll hier natürlich nicht verraten werden. Das ständige, unverhältnismässige Bangen bringt die übrige Entwicklung des Films aber beinahe zum Erstarren. Auch der zweite Teil hat seine inhärenten Probleme: Die Einführung in den Charakter der trauernden Mutter erreicht nicht die nötige Tiefe, so dass ihr Verhalten gegenüber Jan in seiner Irrationalität bloss hysterisch wirkt. Versuche, tiefer in ihre Psyche blicken zu lassen, wirken teils geradezu platt. Etwa wenn sie im Hallenbad untertaucht und vor ihrem inneren Auge den Grund des Flusses sieht – und diesen nach ihrem verstorbenen Sohn absucht.

    Diesen Mängeln weiss “Troubled Water” zum Glück einige Glanzmomente entgegenzusetzen. Nebst der kompetenten Inszenierung und den starken Leistungen sämtlicher Darsteller ragen vor allem jene Szenen heraus, in denen Jan an der Orgel spielt. In dieser teils improvisierten, sehr dynamischen und überaus schönen Musik werden seine Emotionen auf ganz intuitive Weise erfahrbar. Fairerweise muss man sagen, dass “Troubled Water” keine leichte Geschichte erzählt und dabei immerhin teilweise eine ziemlich intensive Wirkung zu entfalten vermag. Insgesamt fischt der Film aber in eher trübem Gewässer, ohne etwas wirklich Besonderes zutage zu fördern.

    Infos:
    “Troubled Water”, Norwegen/Schweden/Deutschland, 2008, 115 Min., R: Erik Poppe, D: Pål Sverre Valheim Hagen, Trine Dyrholm, Ellen Dorrit Petersen, Fredrik Grøndahl, Trond Espen Seim, Angelou Garcia, Henriette Garcia, Terje Strømdahl.

    Im Kino ab: 28.01.2010

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