Rezension: “Zwischen Himmel und Erde” von Christian Labhardt
Neu im Kino, Rezensionen | 1. Februar 2010 von Nicky Schaefer
Der Schweizer Dokfilm über das Wirken der Steinerschen Lehren in der Schweiz, Deutschland und Ägypten ist ein spannendes Dokument, das viele Fragen offen lässt.
Christian Labhardt fokussiert in seinem Dokumentarfilm auf rund sieben ProtagonistInnen, die alle Rudolf Steiners Lehren auf die eine oder andere Art vertreten – vielleicht mit einer Ausnahme, und zwar dem Sänger Christoph Homberger, der vieles, aber nicht alles in Frage stellt und seine anthroposophische Erziehung auch sehr kritisch anschaut. Ein Bauer, eine Lehrerin an einer Steinerschule, eine Politaktivistin, ein Eurythmiker in Ägypten, ein sehr unkonventioneller deutscher Journalist sowie Bodo von Plato (Mitglied des Vorstands der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft am Goetheanum), das sind die Menschen, die die “Anthroposophie heute” leben. Vieles ist dabei für den Aussenstehenden nur schwer verständlich, und doch fasziniert die Bandbreite des anthroposophischen Entwurfs immer wieder.
Eine weltfremde Ideologie?
Ein Vorwurf, den Christoph Homberger der Anthroposophie macht, ist, dass er sie einerseits für weltfremd hält und andererseits für unfähig zur Veränderung. Der anthroposophische Journalist Sebastian Gronbach ist quasi der Gegenbeweis, dieser verbindet Rave und Steiner und bricht auch mit gewissen Aspekten der Steinerschen Schriften, etwa dem Rassismus. Bodo von Plato will dies zwar nicht gelten lassen, er verweist wie üblich in solchen Fällen auf den “Kontext”, gibt aber zu, das Steiners Aussagen über “Neger” und “Farbige” aus heutiger Sicht verletzen können. Die verräterische Terminologie lässt einen sich fragen, ob Bodo von Plato wirklich im Jahr 2010 (zur Erinnerung: Barack Obama ist Präsident der USA!) angekommen ist.
Engagement
Und doch, sagt Christoph Homberger, hat ihm die Anthroposophie viel gegeben. Die Rituale, Gebete usw. der AnthroposophInnen mögen befremden, und doch ist es bewundernswert, wie sehr sich diese Menschen für andere Menschen engagieren, in der Schweiz, in Deutschland, aber auch in Ägypten, wo Christoph Graf mit Einheimischen Eurythmie praktiziert. Der 1861 in Kraljevec (heute in Kroatien) geborene Rudolf Steiner würde sich zweifellos freuen über den immer noch anhaltenden weltweiten Erfolg seiner Lehren.
Der Glaube an das Gute im Menschen
Sebastian Gronbach (dessen Zeitschrift den Untertitel des Films “Anthroposophie heute” auch im Namen führt) zufolge verbindet die Anthroposophie das Beste aus Christentum und Buddhismus, und das religiöse Element ist denn auch sehr präsent, etwa bei einem Morgengebet in der Steiner- bzw. Waldorfschule, aber auch (möglicherweise) im Rahmen der biodynamischen Landwirtschaft oder der Eurythmie, bei der auch entsprechende Segenssprüche rezitiert werden. Gerade durch diesen Blick wird auch für NichtanthroposophInnen klar, woher das Engagement der von Steiners Lehren beseelten kommt: Es ist der Glaube an das Gute im Menschen. Und daraus kommt sicher auch viel Gutes.
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Infos:
“Zwischen Himmel und Erde”, CH 2009, 82 Min., R: Christian Labhardt, V: Look Now!
Im Kino ab: 04.02.2010













= Meisterwerk








