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    Rezension: “Verdammnis” von Daniel Alfredson

    Neu im Kino, Rezensionen | 16. Februar 2010 von Lory Roebuck

    In der Verfilmung des zweiten Bandes von Stieg Larssons erfolgreicher “Millennium”-Trilogie geht es persönlicher zu und her. Leider kann das Sequel nicht kaschieren, dass es im Vergleich zu “Verblendung” mit einem viel geringeren Produktionsbudget auskommen musste.

    Ein junger Journalist bietet Mikael Blomkvist (Michael Nyqvist), dem Chefredaktor des Magazins “Millennium”, eine brisante Story an: Gemäss seinen Recherchen sind etliche Regierungsbeamte in einen Frauenhandelsring verwickelt. Blomkvist möchte mit dem Skandal an die Öffentlichkeit, und auch die mit ihm befreundete Hackerin Lisbeth Salander (Noomi Rapace) hat zu diesem Fall schon ihre eigenen Ermittlungen gestartet. Kurz darauf wird aber der junge Journalist tot aufgefunden – und Lisbeth von der Polizei zur Hauptverdächtigen erklärt. Trotz belastenden Spuren macht sich Blomkvist daran, ihre Unschuld zu beweisen – und stösst dabei auf heikle Details aus Lisbeths Vergangenheit.

    Skandinavischer Krimihit
    Der schwedische Journalist und Herausgeber Stieg Larsson († November 2004) erreichte posthum internationale Bekanntheit, nachdem drei von ihm in seiner Freizeit verfasste Manuskripte als “Millennium”-Trilogie zu internationalen Bestsellern wurden. Band eins, “Män som hatar kvinnor” (eigentlich: Männer, die Frauen hassen; deutscher Titel aber “Verblendung”), war 2008 das meistverkaufte Buch Europas und erhielt noch im selben Jahr eine Kinoadaption. Regisseur Niels Arden Oplev gelang dabei ein spannender Krimithriller von durchaus internationalem Format – und einer der grössten skandinavischen Kinohits aller Zeiten. Auf “Verblendung” folgt nun mit “Verdammnis” (OT: “Flickan som lekte med elden”, wörtlich: Das Mädchen, das mit dem Feuer spielte) die Verfilmung von Buch zwei, inszeniert vom Schweden Daniel Alfredson.

    In “Verblendung” fanden der ungerechtfertigterweise in Verruf geratene Journalist Mikael Blomkvist (Michael Nyqvist) und die junge Hackerin Lisbeth Salander (Noomi Rapace) – die beiden Hauptfiguren der “Millenium”-Saga – bei Nachforschungen im Familienbetrieb eines Grossverlegers zusammen. Die Story von “Verdammnis” dagegen ist viel persönlicher, betrifft die Protagonisten direkt, in dem sie das Puzzle von Lisbeths von Missbräuchen geprägter Vergangenheit zusammenzusetzen beginnt. Die ganze Spannung des Films hängt an diesem Faden, doch das ist gerechtfertigt – denn Lisbeth Salander ist wirklich eine einzigartige Figur: ein androgyner Goth-Punk mit unvergleichlicher IT-Expertise, dem ein Gericht in Teil 1 die eigene Mündigkeit abgesprochen und einen Vergewaltiger als Vormund zugewiesen hat. Natürlich will man als Zuschauer wissen, wie Lisbeth zu diesem Schicksal kam.

    Fernsehhandwerk
    Bei all dieser Rückwärtsgewandheit geht es in “Verdammnis” natürlich auch vorwärts. Anstatt in altehrwürdigen schwedischen Familien dreckige Naziverbindungen aufzudecken muss Blomkqvist dieses Mal herausfinden, wer Lisbeth einen dreifachen Mord anlasten will. Weil bald das ganze Land nach ihr fahndet, wagt sie nicht einmal, mit Blomkvist Kontakt aufzunehmen – so hat das Duo bis zum Schluss des Films keine einzige gemeinsame Szene. “Verdammnis” ist ein Film über den Zusammenhalt zweier Personen, die ungleicher nicht sein könnten (die aber etwas verbindet, das über Freundschaft hinausgeht), eingerahmt von einer soliden Krimihandlung um Zwangsprostitution – das thematische Pendant zur visuellen Brutalität, die Regisseur Oplev in “Verblendung” immer wieder unzimperlich (und wohl auch etwas übertrieben) in den Vordergrund gedrängt hatte.

    Leider steht nicht nur in gewaltsamer Hinsicht die Ästhetik von “Verdammnis” seinem Vorgänger hinten nach. Stilsichere Aufnahmen von schönen nordischen Locations sucht man vergeblich, da das Produktionsteam im Vergleich zu “Verblendung” mit einem weitaus kleineren Produktionsbudget auskommen musste. Finanziert hat das Studio nämlich nur einen Fernsehfilm, der nach dem riesigen Erfolg von “Verblendung” aber zur Kinoveröffentlichung hochgestuft wurde (genau wie der letzte Teil, “Vergebung” – hierzulande ab 3. Juni 2010 im Kino). Weil Regisseur Daniel Alfredson bisher vor allem fürs Fernsehen gedreht hat, gelingt es ihm gesamthaft betrachtet auch nicht, mit “Verdammnis” mehr als einen soliden schwedischen TV-Krimi abzuliefern. Neben den üblichen Kinogängern dürfte das nach dem vielversprechenden Start zur Kinoserie auch die Fans der Romanvorlagen stören.

    Infos:
    “Flickan som lekte med elden”, Schweden/Dänemark/Deutschland 2009, 129 Min., R: Daniel Alfredson, D: Noomi Rapace, Michael Nyqvist, Lena Endre, Jörgen Berthage, Sofia Ledarp, Georgi Staykov, Tanja Lorentzon, Micke Spreitz, Peter Andersson, Yasmine Garbi, Annika Hallin, Per Oscarsson, V: Frenetic Films.

    Im Kino ab: 18.02.2010

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