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    Rezension: “Air Doll“ von Hirokazu Kore-Eda

    Neu im Kino, Rezensionen | 14. März 2010 von Nicky Schaefer

    Hirokazu Kore-Eda überrascht mit einer gelungenen Manga-Verfilmung: Ein Werk über das Leben, den Tod, die Beziehungen zwischen den Geschlechtern – nicht zuletzt aber auch eine Hommage an das Kino selbst.

    Junichi lebt allein. Um seinen Alltag etwas aufzupeppen, hat er sich aber soeben eine Gummipuppe gekauft. Er nennt sie Nozomi und hegt und pflegt sie fast schon wie ein Familienmitglied – und freut sich jeden Tag auf die intimen Stunden, die er abends mit ihr verbringt. Doch schon bald wird Nozomi durch eben diese Zärtlichkeiten lebendig – und sucht sich einen Job in einer Videothek. Junichi ahnt noch nichts davon…

    Manga-Verfilmung
    Nach Filmen wie „Maboroshi“ und „Nobody Knows“ wendet sich Hirokazu Kore-Eda, zweifellos einer der wichtigsten zeitgenössischen Regisseure, der populären Kultur zu. Aus einer kurzen Comic-Erzählung von Yoshiie Goda hat er mit viel Liebe einen abendfüllenden Film gemacht – einen Film über das Menschsein an sich, aber zweifellos auch ein Film über die Beziehungen zwischen den Geschlechtern und nicht zuletzt eine Liebeserklärung an den Film an sich.

    Hommage ans Kino
    So empfiehlt Nozomis Kollege einem Kunden, der einen Film über einen richtig verdorbenen Cop sucht, „Bad Lieutenant“ von Abel Ferrara. Aber auch vor klassischen Hollywood-Filmen oder Disneys „Arielle“ verbeugt sich Hirokazu Kore-Eda, der seinen Film in Basel und Zürich auch persönlich vorstellen konnte. Der Puppenspieler, der Nozomi erbaut hat und den sie gegen Ende des Films aufsucht, stehe nicht etwa für Gott, sondern sei eher eine Vaterfigur, so Kore-Eda. Ursprünglich haben ihn offenbar vor allem die erotisch-komischen Szenen angezogen – aber im Grunde genommen geht es auch in „Air Doll“ wie in allen Filmen Kore-Edas um Leben und Tod.

    It’s a man’s man’s world
    Kore-Eda wirft zwar Fragen zur Existenz auf, er beantwortet sie aber nicht. Vielleicht ist es aber doch verfehlt, in Nozomi ein Ebenbild des Menschen an sich zu sehen – schliesslich wurde sie von einem Mann erschaffen, und zwar explizit für andere Männer. So steht Nozomi vielleicht eher für die Frau, wie sie in der männlichen Imagination existiert. Sie muss allerdings nichtsdestotrotz im Kontext der starken Frauenfiguren in Kore-Edas anderen Filmen – wie etwa zuletzt „Hana“ und „Still Walking“ – gelesen werden. Am Schluss verliert Nozomi zwar den Kampf gegen die Welt der Männer – sie hat aber doch versucht, diese zu überwinden.

    Infos:
    “Kûki nin-gyô”, Japan 2009, 125 Min., R: Hirokazu Kore-Eda, D: Duna Bae, Arata, Itsuji Itao, Jô Odagiri, Sumiko Fuji, V: trigon.

    Im Kino ab: 11.03.2010 (nur ZH) / 18.03.2010

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