• Startseite
  • Filmdatenbank
  • Kinostarts
  • Über Cineast.ch
  • Redaktion
  • Impressum
  •  

    Rezension: “Kick-Ass” von Matthew Vaughn

    Neu im Kino, Rezensionen | 19. April 2010 von Lory Roebuck

    Rezension: "Kick-Ass" von Matthew Vaughn

    Matthew Vaughn erschafft dank unabhängiger Finanzierung ein einzigartiges Kinospektakel, das so lustig wie eine “Spider-Man”-Parodie anfängt und so brutal wie “Kill Bill” aufhört. Zwei Stunden furioser Leinwandspass, die man sich nicht entgehen lassen darf.

    Dave Lizewski (Aaron Johnson) ist ein typischer Highschoolschüler: ein grosser Comicliebhaber, dessen einzige Superkraft es ist, Mädchen gegenüber unsichtbar zu sei. Dave plagt schon lange die Frage, weshalb es in unserer medial geprägten Gesellschaft noch keiner gewagt hat, selbst ein Superheld zu sein, zumal grössere und kleinere Verbrecher zu genüge ihr Unwesen treiben. Also bestellt sich Dave kurzerhand einen Taucheranzug im Internet, nennt sich Kick-Ass und geht mit zwei Gummiknüppeln auf die Strasse, um aufzuräumen. Er kriegt zwar wiederholt gehörig auf die Fresse, steigt dank seiner Unablässigkeit und den Handykameras von Passanten aber bald zum Internetphänomen auf. Doch Dave wird immer tiefer in die Welt des Verbrechens verstrickt, hat bald die Schergen von Gangsterboss Frank D’Amico (Mark Strong) am Hals und trifft auf zwei kostümierte Gestalten, die es – im Gegensatz zu Kick-Ass – wirklich drauf zu haben scheinen: Big Daddy (Nicolas Cage) und seine kleine Tochter Hit Girl (Chloë Moretz).

    Neuer Superheldentypus
    Kostümierte Verbrechensjäger, bunte Filmplakate, ein dazugehöriger US-Comic – ist “Kick-Ass” bloss ein weiterer Superheldenfilm aus Hollywood, den wir im letzten Jahrzehnt schon gefühlte fünfzig Mal in immer einfallsloseren Variationen im Kino serviert bekamen? Keineswegs, auch wenn der Film unglücklicherweise so vermarktet wird. Zum Einen hat sich Regisseur Matthew Vaughn nicht einfach im B- und C-Katalog der Marvel- und DC-Comicwelt (und somit bei immer unbekannteren Superheroes) bedient, sondern mit “Kick-Ass” eine ganz neue Figur kreiert. Comicautor Mark Millar (“Wanted”) überzeugte Vaughn an einer Filmpremiere mit seiner Idee zu “Kick-Ass”, worauf sich – zeitgleich – Vaughn mit einer Filmversion und Millar mit einer Comicversion (die sechs Wochen vor dem Kinostart veröffentlich wurde) beschäftigte. In enger Zusammenarbeit haben die beiden jetzt in Comicseiten und auf der Grossleinwand einen neuen Typus an Superheld ins Leben gerufen, der alle seine Vorgänger in sich vereint.

    Dave Lizewski als Teenager-Aussenseiter ist ein Seelenverwandter Peter Parkers, seine Turnübungen auf Hausdächern und in zugemüllten Gassen ein Abbild von Spider-Mans ersten Gehversuchen. Die Desensibilisierung von Daves Nervenenden nach einem Unfall und die Stabilisierung seiner Knochen mit Metallen ist eine Anspielung auf Wolverine in “X-Men”, das Wegreissen seiner Kleider, um das darunter angezogene Heldenkostüum zu offenbaren, ein Zitat aus “Superman” – während das Kostüm von Big Daddy nicht von ungefähr an das des maskierten Rächers in “Batman” erinnert. Der grosse Unterschied ist, dass Dave Lizewski gar keine Superkräfte hat. Denn er lebt nicht in einer Comicwelt mit Superhelden, sondern in einer Welt, in der die Superhelden nur in Comics existieren. Das ginge ja in Ordnung, wären die Bösewichte auch nur auf die Comicseiten gebannt. Dave hat genug vom feigen Wegschauen – das ist der Ausgangspunkt von “Kick-Ass”. Dessen Reflexion aller grossen Comichelden findet so in einer grausamen Welt statt, die nicht diese Helden zum Leben erweckt, sondern deren Fans zur Nachahmung – also zur Zivilcourage – herausfordert.

    Ikonisches Unikat
    Der Brite Matthew Vaughn mags gerne anders. Erste Erfolge im Filmgeschäft feierte er als Produzent von Guy Ritchies beiden Hits “Lock, Stock and Two Smoking Barrels” (1998) und “Snatch” (2000), bevor er 2004 mit seinem Regiedebüt “Layer Cake” zuerst das Gangsterfilmgenre und drei Jahre später mit seinem Zweitling “Stardust” (nach dem Roman von Neil Gaiman) das Fantasygenre zwar nicht unterwanderte, aber immerhin von einer frischen neuen Seite anging. Diese Linie setzt er nun in “Kick-Ass” fort, aber inhaltlich viel ambitionierter und handwerklich viel ausgereifter. “Kick-Ass” ist ein Kinounikat, ein Film, den man so noch nie gesehen hat. Bezeichnenderweise wurde der Film ohne Studioeinmischung produziert. Vaughn wollte das Projekt bei Sony (seine Partner bei “Layer Cake”) unterbringen, wies aber die Aufforderungen des Studios zurück, die Gewaltszenen abzuschwächen. Andere Studios zeigten Interesse, verlangten aber erwachsenere Hauptfiguren. Doch Vaughn wollte keine Kompromisse eingehen und war von “Kick-Ass” derart überzeugt, dass er das nötige Büdget selber aufbrachte.

    Das ist selten: Eine unabhängig finanzierte Big-Budget-Produktion, die dem Filmemacher alle Freiheiten lässt. Freiheiten, die Vaughn auszukosten weiss und damit polarisiert. “Kick-Ass” wird in den Medien kontrovers diskutiert, denn die stilisierte, grafische Gewalt des Films – Blut spritzt, Köpfe explodieren, Menschen werden grausam ermordet – steht voll und ganz im Dienst der Unterhaltung. Das kennt das Kinopublikum von Tarantino, doch Vaughn setzt noch einen drauf: Die grösste Killermaschine in “Kick-Ass” ist ein elfjähriges Mädchen namens Hit Girl, das sich zum Geburtstag lieber ein Butterflymesser als ein kleines Hündchen wünscht. Hit Girl ist inspiriert von Tarantinos Gogo Yubari (“Kill Bill”) und Luc Bessons Matilda (die 14-jährige Natalie Portman in “Léon”) – gespielt wird sie von Jungdarstellerin Chloë Grace Moretz (Jahrgang 1997!), die solche Filme (geschweige denn “Kick-Ass”) gar noch nicht schauen darf! Hit Girl ist ein Albtraum für Pädagogen und ein Traum für Cinephile, eine ikonische Leinwandfigur, die dem Titelhelden die Schau stiehlt. Sich von solch schonungslos dargebotenen Gewaltorgien unterhalten lassen zu können, erfordert ein gewisses Abstraktionsvermögen.

    Gewaltige Unterhaltung
    Dass “Kick-Ass” von der ersten bis zur letzten Minute die Willigen aufs Grossartigste zu unterhalten weiss, ist aber nicht primär an diesen einzelnen Szenen festzumachen, sondern Matthew Vaughns geschicktem Pacing anzurechnen, also seiner Steuerung des Filmtempos. Viele Actionfilme verschiessen heutzutage ihr Pulver bereits in der ersten Filmhälfte, lassen es bereits ganz zu Beginn so gewaltig krachen, dass das gegen den Schluss gar nicht mehr getoppt werden kann. “Kick-Ass” zeichnet sich in dieser Hinsicht durch einen perfekten Aufbau aus. Was wie eine Loserkomödie àla “American Pie” beginnt, entwickelt sich gemächlich (aber bestimmt) zu einem pulsierenden, krachenden Leinwandspektakel, in dem keine Szene einer anderen gleicht und jede neue Actionsequenz die vorherige überbietet. Oder umgangssprachlich formuliert: Es geht voll ab in diesem Film. “Kick-Ass” bietet einen adrenalinartigen Thrill, der sich nur im Kino erleben – und ausleben – lässt.

    Infos:
    “Kick-Ass”, Grossbritannien/USA 2010, 117 Min., R: Matthew Vaughn, D: Aaron Johnson, Chloë Grace Moretz, Nicolas Cage, Christopher Mintz-Plasse, Mark Strong, V: Universal.

    Im Kino ab: 15.04.2010

    3 Kommentare zu “Rezension: “Kick-Ass” von Matthew Vaughn”

    1. [...] ist rückhaltlos begeistert und weiß über die Produktion: “Bezeichnenderweise wurde der Film ohne Studioeinmischung produziert. Vaughn wollte das Projek… Diesen Beitrag speichern oder [...]

    2. Good write-up, I am normal visitor of one’s site, maintain up the nice operate, and It is going to be a regular visitor for a long time.

    3. Juriste p work, Actuellement poste, Je suis actuelthement are generally recherche d’un emploi dans domaine juridique.
      [url=http://www.galleriamilano.net/public/files/rayban.asp?p=209]ray ban clubmaster taille[/url]
      ray ban clubmaster taille

    Hinterlasse eine Antwort