Die besten Kinofilme 2009

Es ist Zeit für eine ausführliche Rückschau auf die Höhepunkte des Kinojahres 2009. Etwa 150 aktuelle Kinoveröffentlichungen habe ich in diesem Jahr visioniert und daraus jetzt eine kommentierte Liste der dreissig Filme zusammengestellt, die mich am meisten beeindruckt, bewegt, unterhalten und angeregt haben.
Berücksichtigt habe ich dafür alle Filme, die zwischen dem 1. Januar und dem 31. Dezember 2009 im Normalprogramm der Deutschschweizer Kinos zu sehen gewesen waren. Verzichtet habe ich hingegen auf Filme, die nur an Schweizer Festivals gespielt wurden und dadurch nur einem kleineren Publikum zugänglich waren.
So hebe ich mir geniale Filme wie “Moon” oder “Sin Nombre”, die ich im Juli am NIFFF respektive im September am Zurich Film Festival gesehen habe, für meine nächstjährige Liste auf – genauso Favoriten auf den Oscar 2009 wie “Up In The Air” oder “Un prophète”, weil sie allesamt erst ab Frühling 2010 in unseren Kinos anlaufen.
Im Vergleich zum Beitrag über meine Lieblingsfilme des ausgegangenen Jahrzehnts habe ich in dieser Liste mit meinen dreissig favorisierten Filmen des Jahres 2009 meine Wahl jeweils in einem Absatz kommentiert und gleich anschliessend mit weiterführenden Links zu unserer allfälligen Rezension und dem Datenbankeintrag versehen.
Sollte beim Lesen also ein Film besonderes Interesse erwecken, lässt sich ganz bequem mit einem Klick unsere genauere Besprechung des Streifens aufrufen, die relevanten Produktionsinfos laden oder via Trailer in die Atmosphäre des Films eintauchen.
Kommentare zur Auswahl sind natürlich erwünscht – diese Liste reflektiert meine persönlichen Vorzüge und es würde mich natürlich interessieren, wie ihr das Kinojahr 2009 eingeschätzt habt und welche Filme eure Highlights gewesen sind. Hier folgt nun meine Auswahl:

30. “Milk” (Gus van Sant)
Gus van Sants biografischer Film über den Schwulenrechtler Harvey Milk – den ersten freimütigen Homosexuellen, der in Kalifornien in ein öffentliches Amt gewählt wurde – zeigt Schauspieler Sean Penn (der für seine Leistung einen Oscar gewann) in Hochform. In den USA fiel die Kinoveröffentlichung des Films zufälligerweise mit der unrühmlichen Annahme von Proposition 8 in Kalifornien zusammen und wirkte deshalb wie ein hochaktuelles Plädoyer für die Akzeptanz von gleichgeschlechtlicher Liebe, obwohl Regisseur van Sant eigentlich (sehr aufmerksam) die Gefühlslage und die politische Bewegung der Sechzigerjahre rekreiert. Die hoffnungsvolle Botschaft des Films durchdringt seine sehr humanen Figuren, doch der Film berührt vor allem dank van Sants sanfter Annäherung an die mitreissende Erzählung von Drehbuchautor Dustin Lance Black (der dafür ebenfalls mit dem Oscar ausgezeichnet wurde).

29. “Amerrika” (Cherien Dabis)
Das Regiedebüt der im amerikanischen Nebraska aufgewachsenen Araberin Cherien Dabis erzählt mit viel Herz und Humor von einer Mutter, die mit ihrem Sohn vom Westjordanland zu Verwandten in den USA zieht, um dem Jungen eine bessere Zukunft zu ermöglichen. Dort angekommen müssen erstmal beide untendurch, weil viele Amerikaner die Araber und Irakis zusammen mit Al Kaida in denselben Topf werfen. Dabis verarbeitet ihre eigenen Erfahrungen vom Leben im ländlichen Amerika zu Zeiten des Golfkrieges und beleuchtet in ihrem Film die Vorurteile, mit denen Araber in den USA während des Irakkriegs konfrontiert werden. Es geht ihr aber auch um den Unterschied zwischen nationaler Identität (ihre Protagonisten haben keine Staatszugehörigkeit und verstehen sich ganz einfach als arabische Palästinenser) und kultureller Verwurzelung. Entstanden ist eine ernste, aber immer auch unterhaltsame Fürsprache für das bessere Verständnis zwischen Kulturen und die Möglichkeit einer friedliebenden Koexistenz.
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28. “Che” (Steven Soderbergh)
Steven Soderbergh füllt den zu einer leeren Ikone des Widerstands verkommenen ehemaligen Revolutionär Che Guevara in einem viereinhalbstündigen Biopic (der bei uns als Zweiteiler veröffentlicht wurde) wieder mit Sinn auf. Anregend ist vor allem die erste Hälfte bzw. Teil 1 (”The Argentine”) – in deren Verlauf der junge Idealist zu Fidel Castros rechter Hand in der Kubanischen Revolution aufsteigt – weil parallel dazu immer wieder eine spätere Rede von Che vor den Vereinten Nationen gezeigt wird, in der er leidenschaftlich gegen den amerikansichen Imperialismus wettert. Das ambitionierte Werk als Ganzes bietet ein sehr eindringliches Kinoerlebnis, da Soderbergh darauf verzichtet, wie gewöhnliche Filmbiografien einfach listenartig die wichtigsten Lebensereignisse abzuticken – und stattdessen den von Benico del Toro perfekt verkörperten Marxisten mit unvermittelt dokumentarischen Blick auf seinen beiden Guerilla-Kriegszügen begleitet.
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27. “Away We Go” (Sam Mendes)
Der vielseitige Regisseur und Oscargewinner Sam Mendes (”American Beauty”) überzeugt mit einem kleinen Indiefilm ohne grosse Stars. Die hierzulande fast gänzlich unbekannten John Krasinski und Maya Rudolph führen den Zuschauer auf ihrer Suche nach einem idealen Zuhause für ihr erstes Kind auf eine Odyssee quer durch die USA. Doch die Bekannten, bei denen die werdenden Eltern auf ihrer Reise halt machen, geben nicht viel mehr als skurille Begegnungen und dysfunktionale Familien her. Mendes holt aus den manchmal etwas abstrusen Ereignissen und dem oft allzu konstruiert wirkenden Drehbuch von Dave Eggers ein Maximum an Humor heraus. Vor allem die erste Filmhälfte hält viele herzhafte Lacher bereit, bevor das Ganze dann etwas ernster wird: Die Hauptfiguren sehen ein, dass so etwas wie eine Musterfamilie gar nicht existiert und dass ihr eigenes Zuhause und ihr Wohlbefinden in ihren eigenen Händen bzw. Bestrebungen liegen. Eine absehbare aber nicht minder sympathische Pointe.
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26. “Gran Torino” (Clint Eastwood)
Regisseur Clint Eastwood gibt sich in seiner ersten Filmrolle seit “Million Dollar Baby” vor vier Jahren abermals als Dirty Harry zum Besten. Der von ihm gespielte Kriegsveteran Walt Kowalski ist ein herrlicher Kauz, der seine rassistischen Vorbehalte überdenken muss, als er sich mit einer Jugendbande anlegt, um sich schützend vor seine wehrlosen asiatischen Nachbarn zu stellen. Der Film zeigt seine Reise zur Erkenntnis, dass er mit den Ausländern von nebenan vielleicht mehr Gemeinsamkeiten teilt als mit seinen schmarotzenden Kindern und Enkelkindern. Walt Kowalski war mitunter die amüsanteste Leinwandfigur des Jahres und alleine schon das Eintrittsgeld wert – zum Glück, denn Eastwood vermag mit dieser Rolle von der Schwäche der vielen Laiendarsteller in seinem Film und dem teilweise klischierten Drehbuch abzulenken. Sollte sich Walt, wie gemunkelt wird, tatsächlich als Eastwoods letzter Auftritt vor der Kamera erweisen, dann war das aber ein würdiger Abgang des Schauspielveterans.
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25. “Just Another Love Story” (Ole Bornedal)
Der neue Streifen vom dänischen “Nightwatch”-Regisseur Ole Bornedal ist alles andere als nur eine weitere Liebesgeschichte. Im fulminant gedrehten Thriller geht es vielmehr um die fatalen Folgen eines Identitätswechsels. Hauptfigur Jonas besucht im Spital eine fremde Frau, mit der er in einem Autounfall verwickelt war. Sie liegt im Koma und er gibt sich gegenüber ihrer Familie als ihr Freund aus. Rapiden Zeit- und Ortsprüngen und furiosen Actionszenen zum Trotz steht ein menschliches Drama im Zentrum von Bornedals Werk: Doch der Wunsch, zwecks eines aufregenderen Lebens in die Haut eines Anderen schlüpfen zu können, wird in ein albtraumhaftes Ende geführt. Jonas Träumerei steigert sich zur Ungeheurlichkeit, aber sein Lügenkonstrukt beginnt langsam einzustürzen, als die Komapatientin zunehmend ihr Gedächtnis zurückerlangt und ihr echter Freund plötzlich vor der Tür steht. Der stürmische Thriller hat Kultpotential.
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24. “Doubt” (John Patrick Shanley)
Als John Patrick Shanley zur Verfilmung seines eigenen mit Preisen überhäuften Theaterstücks ansetzte, konnte er seine Rollen dank der Unterstützung des Studiogiganten Miramax gleich mit mehreren hochkarätigen Darstellern besetzen. So spielt die zweifache Oscargewinnerin Meryl Streep (wieder einmal überragend) eine Nonne, die den ansässigen Priester (Oscargewinner Philip Seymour Hoffman nicht minder beeindruckend) verdächtigt, einen seiner Schüler zu missbrauchen. Das Schauspielensemble ist genial und Grund genug, diesen Film zu sehen, doch Shanley ist auch mutig genug, einige schwierige Fragen zu stellen – an deren Enden, die nicht immer aufgelöst werden, einige unbehagliche Antworten stehen. Das äusserst clevere Drehbuch behält viele der literarischen Motive aus dem ursprünglichen Theaterstück bei, wodurch die beiläufigen Details im Film subtil mit Bedeutung aufgeladen werden: Eine tolle Schatzsuche für Literaturbegeisterte.

23. “Watchmen” (Zack Snyder)
Zack Snyder hat es geschafft, die als unverfilmbar geltende Comicbibel auf die Leinwand zu bringen. Die Vorlage aus den Achtzigerjahren war als Abgesang auf Superhelden konzipiert und beeinflusste mit ihren ambivalenten Figuren und ihrem sozialfatalistischen Ton die gesamte Comicnachwelt. Snyder nimmt den Ideenreichtum der Vorlage auf fast huldigend treue Weise auf und erschafft die intelligenteste und komplexeste Comicverfilmung diesseits des Jahrtausends. Währenddem sich die alternative Welt des Films, in der die USA den Vietnamkrieg für sich entschieden hat, dem atomaren Untergang nähert, nimmt sich Snyder alle Zeit, die unterschiedlichen und mitreissenden Vorgeschichten seiner Antihelden abwechselnd vorzustellen. Die maskierten Verbrechensbekämpfer legen ihren Finger auf die vermodernde Gesellschaft, sind aber selbst nicht über alle Zweifel erhaben: Who watches the Watchmen? Sind sie rühmliche Helden oder blosse Vigilanten, die sich über das Gesetz stellen? Zwar nicht ganz so stilsicher wie das ideologisch bedenkliche Sandalenepos “300″, weist Snyders neuestes Werk viel mehr Substanz auf – und hat selbst die Fans der Vorlage zufriedengestellt.
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22. “Coraline” (Henry Selick)
“The Nightmare Before Christmas”-Regisseur Henry Selick hat einen neuen Stop-Motion-Leckerbissen erschaffen, der mit eindrücklichen Bildern vor allem in seiner 3D-Fassung ein wahrlicher Genuss ist. Der Stoff um das Mädchen Coraline, das von ihren Eltern vernachlässigt wird und in einer Parallelwelt auf ungemein nette, aber auch etwas unheimliche Ausgaben von Mama und Papa stösst, entstammt der Feder des populären britischen Fantasy-Autors Neil Gaiman. Das Ganze erinnert an Geschichten aus Klassikern wie “The Wizard of Oz” und “Alice in Wonderland” (oder auch an “Pan’s Labyrinth”), doch Selicks Film braucht sich vor diesen Referenzen nicht zu verstecken. Erwachsene dürften mit der gruselig-grotesken Fantasywelt des Films mehr anfangen können als Kinder. Für diese mag das Ganze etwas zu düster sein, obwohl sich die Story in ihrem Kern für ein besseres Verständnis zwischen Eltern und Kindern ausspricht. Selick beweist mit seinem Werk aber auch, dass nicht alle gelungenen Trickfilme computeranimiert sein müssen.
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21. “Looking for Eric” (Ken Loach)
Der neue Film von Ken Loach ist ungewohnt lustig, lässt aber nicht die sozialkritische Dimension vermissen, die man aus dem bisherigen Werk des Britischen Regisseurs kennt (”Bread and Roses”, “The Wind That Shakes The Barley”). Sein Protagonist Eric Bishop ist ein kleiner Mann, der in der grossen Welt nicht mehr zurechtkommt. Er lebt alleine mit seinen beiden Söhnen, zu denen er schon lange keinen Draht mehr hat, und schlittert einer Krise entgegen, als er beim Babysitten seiner Enkeltochter nach Jahren wieder mit seiner Ex-Frau in Kontakt kommt. Die unbehagliche Lage treibt in beinahe in den Tod, da erscheint ihm der von ihm vergötterte ehemalige Fussballstar Eric Cantona (der Loachs Film mitproduziert hat) als Geist und bringt ihn mit skurrilen Weisheiten (die während Cantonas Karriere als Profisportler in Interviews Gang-und-Gäbe waren) wieder auf den richtigen Lebensweg zurück. Doch als sein ältester Sohn im Haus die Waffe eines Kriminellen versteckt, muss auch die Hilfe seiner Kumpels aus der Arbeit und dem Pub her: Loachs Ode an die people’s power.
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20. “District 9″ (Neill Blomkamp)
Dem Südafrikaner Neill Blomkamp ist mit seinem Spielfilmdebüt ein einzigartiger Science-Fiction-Streifen gelungen. Seine Aliens sind keine Invasoren, sondern sozial Randständige. Das Raumschiff der humanoiden Ausserirdischen schwebt über einem Slum in Johannesburg, wo diese in Armut getrennt von den Menschen leben, welche die Aliens abschätzig als Prawns (Garnelen) bezeichnen. Der schusselige Protagonist Wikus (Sharlto Copley in einer Durchbruchsrolle, die ihm in Hollywood den Part des durchgeknallten Mad-Dog Murdoch im “A-Team”-Kinofilm verschafft hat) soll die Ausserirdischen in ein neues Lager ausserhalb der Stadt umsiedeln, infiziert sich dabei aber mit einer Substanz, die ihn selber zum Prawn mutieren lässt. Der Film läuft zwar am Schluss auf eine Sci-Fi-übliche Materialschlacht hinaus, überzeugen tut er aber dennoch – und zwar in thematischer Hinsicht: Blomkamps Werk allegorisiert die Apartheid und verortet diese Xenophobie an ihrer äussersten Rand: Der Mensch fürchtet sich vor dem ultimativ Anderen, dem Nichtmenschlichen. In seiner Verwandlung glaubt Wikus seine Menschlichkeit zu verlieren, erkennt aber bald, dass in den Prawns mehr Humanität steckt als in seinen gierigen Mitmenschen.
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19. “Fish Tank” (Andrea Arnold)
Die Britin Andrea Arnold hat 2004 bereits einen Oscar für ihren Kurzfilm “Wasp” gewonnen und liefert jetzt mit ihrem zweiten Werk in Spielfilmlänge eine beeindruckende Milieustudie ab. Die 15-jährige Mia lebt in einer Sozialsiedlung, streitet sich andauernd mit der nur wenige Jahre älter aussehenden (und wirkenden) Mutter und prügelt sich mit gleichaltrigen Mädchen. Der einzige konstruktive Kanal für ihre destruktive Ader ist der Breakdance. Gefördert wird sie dabei von Connor, dem neuen Freund ihrer Mutter (gespielt vom genialen Michael Fassbender), der zum ersten Mal in Mias Leben die Rolle einer Vaterfigur einnimmt. Dummerweise erwachen im pubertierenden Mädchen auch erste sexuelle Gefühle, und schon bald fühlt sie sich zu Connor hingezogen. Dieser stellt sich aber als Beau aus der Arbeiterklasse heraus, der bei den Frauen bloss Ablenkung und Vergnügen sucht. Wenn Mia dann Freundschaft bei den sonst verhassten Pikeys (Zigeunern) findet, wird ersichtlich, wie geschickt Arnold mit Klassengegensätzen spielt. Die Entdeckung des Films ist aber die unverblümte Hauptdarstellerin Katie Jarvis, die von einem Castingagenten in einem Bahnhof entdeckt wurde, als sie sich gerade lauthals mit ihrem damaligen Freund stritt.
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18. “Star Trek” (J.J. Abrams)
J.J. Abrams, der Erfinder der populären Fernsehserie “Lost” und Regisseur von “Mission: Impossible III”, wollte mit seiner Neulancierung der klassischen Sci-Fi-Serie das Feuer der inzwischen verstaubten Franchise neu entfachen. Entgegen fast allen Erwartungen und einem Drehbuch voller haarsträubender Löcher ist ihm der unterhaltsamste Blockbuster des Kinosommers gelungen. Abrams lädt auch neue Zuschauer ein auf die Reise in die unendlichen Weiten des Weltraums, in dem er die Serie wieder an ihren Anfangspunkt zurücksetzt und das Zustandekommen der Enterprisebesatzung zeigt. Die jungen Darsteller spielen ihre Rollen mit derselben Energie, die die Handlung schwungvoll und einnehmend nach vorne peitscht. Der Film macht Spass, weil er alle Zutaten eines perfekten Blockbusters besitzt und diese im richtigen Verhältnis mischt: Der Humor sitzt, das Timing der Witze stimmt jedes Mal und die beiden Hauptfiguren Kirk und Spock sind sympathische, leicht zugängliche Helden. Von spektakulären Computereffekten über blendene Lichtspielereien bis zur eindrücklichen Ausstattung ist der Film aber auch optisch eine Wucht.
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17. “Mary and Max” (Adam Elliot)
Aus Australien kommt einer der besten Trickfilme des Jahres: Regisseur und Drehbuchautor Adam Elliots Spielfilmdebüt wurde mit Claymationtechnik realisiert, d.h. mit mühseligen Einzelaufnahmen von Knetmassen analog zu “Pingu”, aber mit cineastischer Tiefe. Im Zentrum steht die Brieffreundschaft der vernachlässigten aber optimistischen Mary in Melbourne und dem neurotischen alten Max in New York – zwei einzigartige Figuren, so unterschiedlich voneinander, wie sie in gleichem Masse verschroben sind. Die Geschichten, die sich Mary und Max in ihren Briefen gegenseitig erzählen, überzeugen mit ihrem Fokus auf schrullige Details abseits des Alltäglichen und strotzen vor Originalität. Eingerahmt wird diese Korrespondenz durch eine Erzählerstimme, der das Geschehen pointiert und lakonisch kommentiert. Ein lustiger und auch tragischer Film über Ausseinseiter, für Ausseinseiter, und definitiv mit Kultpotential.
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16. “The Hurt Locker” (Kathryn Bigelow)
Der bisher überzeugendste Film über den Irakkrieg stammt von einer Frau: Actionregisseurin Kathryn Bigelow (”Point Break”, “K-19: The Widowmaker”) widmet sich Bombenentschärfungen. Bigelow wartet nicht mit einem rasanten Kriegskracher auf, sondern geht den Stoff mit einer dokumentarischen Trockenheit und Authentizität an. Wenn der von Jeremy Renner brilliant dargestellte Einsatzleiter des Bombenentschärfungskommandos (mit fatalistischem Humor) an seine Arbeit geht, beherbergt Bigelows unvermittelte Inszenierungsart Nervenkitzel pur. Der Film reiht zunehmend haarsträubendenere Entschärfungsmission aneinander und psychologisiert nebenher (etwas weniger überzeugend) den Effekt, den diese Erfahrungen auf ihre Figuren ausüben. Stark ist aber auch, wie Bigelow und Drehbuchautor Mark Boal (der im Irakkrieg als verdeckter Journalist in Bagdad unterwegs war) darauf verzichten, Moralapostel zu spielen und politische Botschaften herauszuposaunen. Eines der intensivsten Filme des Jahres, der als grosser Favorit in der kommenden Oscarverleihung gehandelt wird.
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15. “Up” (Pete Docter & Bob Peterson)
Nach ihrem letztjährigen Meisterwerk “WALL-E” trumpfen Pixar gleich nochmals auf. Ihr neuster Animationsfilm ist wieder ein Paradebeispiel an effektiver und beherzter Erzählkunst, umrissen von einer detailverliebten Bildsprache und Figuren, die auf den Punkt genau charakterisiert sind. Eine grandiose Montage gleich zu Beginn des Films präsentiert die Leiden und Freuden im langen Leben des Luftballonhändlers Carl Fredricksen – eine fünfzehnminütige Schnellkomposition, die alle Töne trifft und zu Tränen rührt. Dann, scheinbar am Ende des Lebens des inzwischen verbitterten alten Mannes angekommen, fängt das Abenteuer erst an, und was für eines! Wobei: Carl geht die Verwirklichung des Lebenstraums ziemlich stoisch an. Auf seiner Reise (mit einem nervig-sympathischen jungen Pfadfinder im Gepäck) durch die Lüfte in die exotische Welt Südamerikas findet der Kauz aber zu alter Lebensfreude und Begeisterungsfähigkeit zurück. Pixar ist wie fast immer wieder ein Werk gelungen, dass Menschen jeden Alters anspricht – lustig, traurig, mit Tiefgang und trotzdem immer vorzüglich unterhaltsam.
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14. “Harry Potter and the Half-Blood Prince” (David Yates)
Was unterscheidet die “Harry Potter”-Filmreihe von anderen Kinoserien wie “Twilight”, “The Chronicles of Narnia” oder “Pirates of the Caribbean” – bei denen jeweils auch eine Fortsetzung auf die nächste folgt? Der Umstand, dass hier richtige Filmemacher am Werk sind. Davon zeugt auch schon, dass die Crème-de-la-crème an britischen Darstellern um die kleinsten Auftritte in den Filmen buhlt. Die Buchvorlagen von J.K. Rowling sind weltweit so populär, dass Unmengen an verkauften Kinotickets dem Studio auf sicher sind; der britische Regisseur David Yates muss also nicht darauf bedacht sein, seine eigene Vision den Erwartungen des Massenpublikums anzupassen. Mit der freien Hand, die ihm Warner Bros. gewährt, hat er nun den bisher elegantesten, schwermütigsten und zugleich lustigsten Potter-Film geschaffen: Während sich über Hogwarts ein Sturm zusammenbraut, spielen bei den Zauberschülern die Hormone verrückt. Unerfüllte Liebe inszeniert Yates als Weltuntergang – so wie Teenager das eben erleben, aber halt auch passend zum düsteren Tenor des Films, den Kameragenie Bruno Delbonnel in grandiosen Aufnahmen einfängt.
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13. “Where The Wild Things Are” (Spike Jonze)
Auf der Grundlage des nur 333 Wörter langen Bilderbuchklassikers von Maurice Sendak hat Ausnahmetalent Spike Jonze den wohl einzigartigsten Film über die Kindheit gedreht. Zusammen mit dem lebhaften Max (wohl Jonzes neunjähriges Alter Ego), der sich zuhause vor den Veränderungen des Älterwerdens fürchtet, flüchtet er in das Land der wilden Kerle, wo kindliche Bedürfnisse unter Gleichgesinnten ausgelebt werden können. Es handelt sich um eine metaphorische Reise in das Seelenleben des Kindes: Die verschiedenen Wild Things sind jeweils Spiegel von Max’ eigener Gefühlswelt. Ohne diesen vielschichtigen Stoff nur ansatzweise zu überintellektualisieren (der Film wird konsequent aus der Perspektive und dem Gedankenhorizont des Neunjährigen erzählt), führt Jonze seine Hauptfigur und das Publikum in dieser Introspektive zu Einsichten über die Dynamik des Familienzusammenlebens. Ein geistiger Reifeprozess, bei dem Max lernt, die Bedürfnisse anderer zu erkennen und auf diese zu reagieren – erzählt und gefilmt mit ansteckender, kindlicher Lebensfreude.
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12. “Man on Wire” (James Marsh)
Im August 1974 balancierte der Franzose Philippe Petit ungesichert auf einem Drahtseil zwischen den beiden Türmen des World Trade Centers hin und her. Dieses Kunststück und den Lebensweg dorthin hätte man als spannenden Spielfilm umsetzen können, der Brite James Marsh inszenierte stattdessen einen bahnbrechenden Dokumentarfilm. Denn dieser Petit ist selber ein wahnsinnig sympathischer Geschichtenerzähler, ein kleines Kind mit grossen Träumen. Die Exploits, über die er in Interviews im Film redet, zeigt Marsh mit Originalaufnahmen von damals und mit nachgestellten Szenen im Stile eines Raubüberfalls; die Planung gestaltet sich wie die Vorbereitung zu einem Banküberfall. Petits Drahtseilakte (vor dem WTC zwischen den Türmen des Notre Dame und den Pfeilern der Sydney Harbour Bridge) galten als künstlerische Verbrechen des Jahrhunderts; hochgradig illegal, aber ohne dass dabei andere zu Schaden kommen könnten. Das Risiko trägt jeweils nur Petit, der sich immer wieder willentlich auf die Schwelle zum Tod begibt. Neben dem Nervenkitzel bringt Petit, in seinen anmutigen Bewegungen und seinem graziösen Balanceakt, aber auch etwas anderes hervor: Kunst. Ein Dokumentarfilm, spannender als so mancher Spielfilm.
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11. “Frost/Nixon” (Ron Howard)
Ron Howard ist in Hollywood einer der gefragtesten Regisseure – seiner risikofreien Inszenierungsart (z.B. “A Beautiful Mind”) und seinen müden Dan Brown-Verfilmungen (”The Da Vinci Code”, “Angels & Demons”) zum Trotz. Umso überraschender ist es, wie gut ihm sein Film über den kontroversen ehemaligen US-Präsidenten Richard Nixon gelungen ist. Das mag aber auch daran liegen, dass er in diesem Fall ein exzellentes Drehbuch von Peter Morgan (basierend auf dessen eigenem Bühnenstück) als Arbeitsbasis hatte. Morgan hat mit Scripts für Filme wie “The Queen” und “The Last King of Scotland” unter Beweis gestellt, dass er politische Themen in spannende Geschichten verpacken kann – und dieses neue Erzeugnis bewegt sich auf derselben Linie: intelligent und unterhaltend, ohne herablassend zu sein. Der Film stellt Nixon (grossartig gespielt von Frank Langella) weder als Monster dar, noch begnadigt er ihn für seine Untaten. Stattdessen wird eine fehlbare Person präsentiert, die genauso viel zu verlieren hat wie David Frost – der vormalige Fernsehmoderator, der den zurückgetretenen Präsidenten zu einem TV-Interview einlädt, das zu einem der geschichtsträchtigsten Momente des Fernsehens wurde.

10. “The Wrestler” (Darren Aronofsky)
Der innovative amerikanische Filmemacher Darren Aronofsky (”Pi”, “Requiem for a Dream”) verzichtet für einmal auf filmtechnische Experimente und erschafft ein weiteres Meisterwerk. Aus dokumentarischer Nähe begleitet er einen ins Alter gekommenen Sportler, der den Zenit seiner Karriere schon längst überschritten hat. Der unvermittelt direkte Drehstil ist trügerisch: Aronofsky bringt den Zuschauer ganz Nahe an den statuesken Körper des Wrestlers Randy “The Ram” Robinson heran, um dessen Makelhaftigkeit und Zerbrochenheit genauso zu ästhetisieren, wie die graue Landschaft an Wohnmobilheimen, abfalldurchzogenen Strassen und versprayten Hauswänden, in der Randy zuhause ist. Nebenbei räumt Aronofsky mit einigen Ringkampfklischees auf: So sind muskelbepackte Wrestler auch ganz liebe Menschen und ihre abgesprochenen Kämpfe alles andere als verletzungsfrei. Die Intimität, die das Publikum mit Randy teilt, ist herzzerreissend, und funktioniert vor allem dank dem eindringlichen (und Karriere neu lancierenden) Schauspiel von Mickey Rourke.
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9. “Revolutionary Road” (Sam Mendes)
Kate Winslet und Leonardo Di Caprio standen erstmals seit “Titanic” wieder gemeinsam vor der Kamera, doch das schwermütige Drama von Regisseur Sam Mendes (Winslets Ehemann) stellt eine Art Antithese zu James Camerons Welterfolgsfilm von 1997 dar. April und Frank Wheeler sind ein junges Paar aus der amerikanischen Mittelschicht, das zugrunde geht, weil die beiden sich nicht der sozialen Norm anpassen wollen und sich von dieser aber nicht lösen können. Die Geschichte basiert auf dem gleichnamigen Roman von Richard Yates und ist eine Dekonstruktion des Amerikanischen Traums im Suburbia der Fünfzigerjahre. Sie entfaltet sich in einem gemütlichen Tempo und steuert unerbittlich auf den schrecklichen Aufprall zu, der an ihrem Ende wartet. Mendes’ Werk ist das filmische Äquivalent eines in Zeitlupe entgleisenden Zuges – und in beiden Fällen kann man einfach nicht wegschauen. “Revolutionary Road” ist der kompletteste und beste Film in Mendes’ bisheriger Karriere – und wenn man in Betracht zieht, dass Meisterstücke wie “Road to Perdition” oder “American Beauty” seine Filmografie zieren, heisst das einiges.

8. “(500) Days of Summer” (Marc Webb)
Dem Musikvideo-Regisseur Marc Webb ist mit seinem Spielfilmdebüt eine erfrischend originelle Beziehungskomödie gelungen: ein Film über Liebe, der kein Liebesfilm ist. “(500) Days of Summer” erzählt die Geschichte von einer zum Scheitern verurteilten Beziehung zwischen dem romantisch-veranlagten Tom und der pragmatischen Summer. Das geschieht aber auf spannend non-lineare Weise, denn der Film springt ständig zwischen den Höhe- und Tiefpunkten in der 500-tägigen Beziehung das Paares umher. Darin tun sich die kleinen Risse in der Beziehungsfassade auf, die zwischen Toms Anspruch und der nüchternen Realität bestehen. Webb arbeitet nicht einfach Liebesfilmklischees ab, sondern analysiert die Berührungspunkte zwischen zwei ehrlich porträtierten Personen, die eine komplett gegensätzliche Auffassung von Beziehungen haben. Die beiden Hauptdarsteller Joseph Gordon-Levitt und Zooey Deschanel geben ein enorm charmantes Darstellerduo ab; ihre hinreissende Dynamik beschwört zusammen mit dem hippen Indie-Soundtrack und Webbs dynamischer Inszenierung eine Leichtigkeit herauf, die aus dem Streifen ein ganz vergnügliches Filmerlebnis macht.
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7. “Revanche” (Götz Spielmann)
Der Österreicher Götz Spielmann widmet sich wie jüngst auch Quentin Tarantino (”Kill Bill”, “Inglourious Basterds”) und Chan-wook Park (”Oldboy”, “Lady Vengeance”) dem Thema Rache, verwertet dieses aber nicht als typischen Thriller, sondern als tiefsinniges soziales Drama. Die Spannung des Films entfaltet sich nicht in der Handlung, sondern zwischen den Figuren aus unterschiedlichen Gesellschaftsschichten, die hier aufeinanderprallen. Das Leben vierer grundverschiedener Menschen wird auf jeweils andere Weise erschüttert, als bei einem geplanten Banküberfall etwas grundlegend schief läuft. Der Subtext und die Motivarbeit in diesem klassischen Autorenfilm muten wie hochstehende Literatur an. Keine Einstellung ist verschwendet, alle passen sie wie Puzzleteile zusammen. Ohne Filmmusik und ohne Ausflüchte in stilistische Gewaltexzesse führt Spielmann sein Publikum immer näher an die miteinander vernetzten Schicksale des Bordellarbeiters Alex, der Prostituierten Tamara, des Polizisten Robert und dessen Frau Susanne heran und erschafft ein tiefschürfend authentisches Filmerlebnis.
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6. “Inglourious Basterds” (Quentin Tarantino)
Wenn der von Brad Pitt amüsant dargestellte Südstaatler-Nazijäger Lieutenant Aldo Rain wieder einmal einem Deutschen ein Hakenkreuz in die Stirn ritzt und dabei verkündet, dass das jetzt wahrscheinlich sein Meisterwerk sei, so ist das gleichzeitig Regisseur und Drehbuchautor Quentin Tarantinos Selbsteinschätzung seines neuesten, multisprachigen Films. Und man ist geneigt, ihm dabei zuzustimmen. Neben gewohnt geschliffenen Dialogen verzichtet Tarantino für einmal auf eine Überstilisierung der Gewalt, obwohl reichlich getötet wird, und besinnt sich ganz auf die Charakterisierung seiner drei Hauptfiguren: besagter Aldo Rain, die flüchtige Jüdin Shosanna und der “Judenfänger” Hans Landa (Christoph Waltz im herausragendsten Leinwandauftritt des Jahres). Nach dem Muster eines Romans widmet Tarantino ihnen die ersten drei Kapitel seines Films, bevor er in den letzten beiden die Geschichte des Zweiten Weltkriegs bastardisiert. Den Niedergang von Hitler und seinem Führungsstab verortet Tarantino in ein brennendes Kino – diese kathartische Rachefantasie ist gleichzeitig ein genialer Diskurs über das Medium Kino und hebt Tarantino als Hardcore-Cinephilen in noch nie dagewesener Vollkommenheit hervor.
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5. “Avatar” (James Cameron)
James Cameron hat vor zwölf Jahren mit “Titanic” den erfolgreichsten Kinofilm aller Zeiten geschaffen, mit seinem seither ersten Spielfilm ist ihm nun innert weniger Wochen der zweiterfolgreichste gelungen – zusammen haben die beiden Werke fast drei Milliarden Dollar an den Kinokassen eingenommen! Dass Cameron nicht der einfallsreichste Geschichtenerzähler ist, haben in dieser zwölfjährigen Pause wohl einige vergessen – die an “Pocahontas” oder “Winnetou” angelehnte Handlung von “Avatar” ist aber sympathisch und kohärent genug, um den Zuschauer nicht abzustossen. Und mehr muss der Plot auch nicht leisten, da die von Cameron grundlegend verbesserte Performance Capture- und 3D-Technologie nicht nur die tricktechnisch spektakulärste Arbeit seit “Jurassic Park” darstellt, sondern auch die immersivste Filmwelt aller Zeiten auf die Leinwand zaubert. Der exotische Mond Pandora übereugt samt seiner Lebens- und Pflanzenvielfalt mit ungeheurem Detailreichtum, der nie vom Geschehen ablenkt, sondern eine richtige Natürlichkeit hervorbringt. Im Kern ist es Camerons gewaltige Vision, die mitreisst, weil sie sich durch eine atemberaubende Erhabenheit auszeichnet. Cameron hat ein neues Zeitalter des Kinos eingeläutet, das gegenüber dem Home Cinema wieder einen Mehrwehrt innehat.
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4. “Das weisse Band” (Michael Haneke)
Der österreichische Autorenfilmer Michael Haneke gewann mit seinem neuen Meisterwerk am prestigeträchtigen Filmfestival von Cannes wohl zurecht die goldene Palme. In “Das weisse Band” erkundet er in nüchternen Schwarzweissbildern den Nährboden des Faschismus. Das kleine norddeutsche Eichwald, in dem der Film spielt, ist ein Abbild der Gesellschaft, die zwanzig Jahre später die Nazis und ihre Sympathisanten hervorbringen wird. Im protestantischen Dorf tragen sich mysteriöse Ereignisse zu: Ein Arzt verunfallt auf dem Pferd, der Sohn des Feudalherren wird malträtiert, eine Scheune in Brand gesetzt. Anders als in einem Krimi geht es nicht darum, wer für diese Taten verantwortlich ist, sondern dass sie begangen werden. Die rigide Autoritätenstruktur im Dorf bringt eine Kette an Gewalt hervor, die erst beim schwächsten Glied endet. Die wahren Abscheulichkeiten deutet Haneke aber oft nur zwischen den Einstellungen oder hinter verschlossenen Türen an, anstatt sie direkt zu zeigen, woraus eine enorme Sogwirkung entsteht. Das Grauen lauert in der gespenstischen Stille und eröffnet unheimliche Abgründe.
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3. “Slumdog Millionaire” (Danny Boyle)
“Slumdog Millionaire” hat an der letztjährigen Oscarverleihung erwartungsgemäss abgeräumt. Es stand geschrieben, getreu dem Motto des Films, und alle waren damit glücklich. Denn der neueste Eintrag in Danny Boyles unglaublich vielseitiger Filmografie ist ein wahrer Publikumsliebling und der wohl aufrichtig erbaulichste Film des Jahrzehnts. Die Dickenssche Fabel um einen Jungen aus den Slums im indischen Mumbai, der bei “Wer wird Millionär” nicht des Geldes sondern eines Mädchens wegen mitspielt, ist so lebhaft und frech aufgenommen, dass einem der Film unmittelbar ans Herz wächst. Natürlich macht es überhaupt keinen Sinn, dass jede einzelne Frage, die der Titelheld Jamal in der Spielshow beantworten muss, zufälligerweise (und in chronologischer Reihenfolge) mit einem bedeutsamen Ereignis in seinem bisherigen Leben korrespondiert. Dass aber alles so nett zusammenpasst ist eine innowohnende Notwendigkeit dieses Films, dessen Form und Inhalt sich so aussergewöhnlich elegant decken. Es ziemt der Schönheit, die Boyles Film zu jedem Zeitpunkt verströmt und die neben brutaler Grausamkeit koexistiert. Das dynamische und atemberaubende Werk bezeugt wie schon lange kein anderer Film mehr die Macht des Kinos, sein Publikum zu bewegen.

2. “Antichrist” (Lars von Trier)
Die Premiere des neuen Films des Dänen Lars von Trier entartete letzten Sommer in Cannes zum Skandal. Grafische Gewaltdarstellungen sollen im Publikum Ohnmachtsanfälle ausgelöst haben und die Jury verlieh ihm einen Anti-Award für den frauenfeindlichsten Film des Festivals – aus von Triers Sicht muss ein Film, damit er Kunst sein kann, das Publikum anecken, so wie ein Stein im Schuh. Und ein wahres Kunstwerk ist ihm mit “Antichrist” gelungen. Der Film, in dem sich ein Ehepaar nach dem Tod ihres Säuglings in eine abgeschiedene Waldhütte zurückzieht, pervertiert die natürliche Ordnung ins Chaos und stellt geläufige Strukturen vollständig auf den Kopf. Dort, wo Schuldgefühle geläutert werden sollen, hält das Diabolische Einzug. Der Wald Eden ist nicht Paradies, sondern Hölle, die Frau nicht sorgsame Mutter, sondern kindermordende Hexe. Von Triers Werk ist zweifellos filmische Provokation, die sich auch in darstellerischer Hinsicht über Tabus hinwegsetzt. Wenn auf der Leinwand intime Körperteile verstümmelt werden, erzeugt das eine unheimliche Intensität, zu der auch die eindringlich spielenden Hauptdarsteller Charlotte Gainsbourg und Willem Dafoe ihren Teil beitragen. Zerebrales und kunstvolles Kino, das schockt, wie es schon lange kein anderer Film mehr getan hat.
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1. “Let The Right One In” (Tomas Alfredson)
Ein Junge freundet sich mit einem fremden Mädchen an, das sich als Blutsaugerin entpuppt. Was stark nach “Twilight” klingt ist in Wirklichkeit eine subtiles Drama über das Erwachsenwerden, in gleichem Masse bezaubernd und unheimlich. Der schwedische Film erfindet das Vampirgenre nicht neu und ist nicht frei von gruseligen Bildern; aber im Kern dreht er sich um die einzigartige Freundschaft zweier isolierter Jugendlicher, die sich gegenseitig Halt geben. Alfredson erzählt das Aufeinandertreffen dieser beiden verwandten Seelen in leisen Tönen und inszeniert die Geschichte ganz bedacht, wobei eine wirklich einzigartige Handschrift des Regisseurs zum Vorschein kommt. Was den Film aber auf die Ebene eines wahrhaftig cineastischen Juwels erhebt ist Alfredsons einfühlsamer Drehstil in Kombination mit der makellosen technischen Qualität dieser Produktion. Eröffnet wird im kalten Nordstaat der Blick auf ein verschneites Wunderland, das von Kameramann Hoyte van Hoytemas kühnem Auge in poetischen Bildern festgehalten und von Johan Söderqvists stimmigem Soundtrack perfekt untermalt wird. “Let The Right One In” ist mein Kinofilm des Jahres, weil er Höhen erklimmt, die kein anderer 2009 veröffentlichter Film erreicht hat, und weil er ein wirklich tiefsinniges Filmerlebnis bietet, das über Jahre hinweg seine Wirkung nicht verlieren wird.













= Meisterwerk








