Rezension: “Der grosse Kater” von Wolfgang Panzer
Neu im Kino, Rezensionen | 19. Januar 2010 von Nicky Schaefer
Panzer schiesst ein weiteres Mal daneben – mit seiner Hürlimann-Verfilmung mit Bruno Ganz als Bundespräsident bietet der in Deutschland geborene Regisseur Wolfgang Panzer leider nur TV-Durchschnittsware.
Bundespräsident Kater (Bruno Ganz) hat’s nicht einfach. Sein Sohn liegt im Sterben – er aber stürzt sich um so mehr in die Arbeit. Seine Frau Marie nimmt ihm das übel. Im Besuch des spanischen Königspaares sehen alle eine grosse Chance – sowohl Katers Feinde als auch seine Freunde. Doch wer sind Katers wirkliche Freunde? Und welche Rolle spielt die katholische Kirche?
TV-Soap
“Panzer schiesst ein weiteres Mal daneben”: So hat ein geschätzter Kollege Wolfgang Panzers Nachfolgefilm zum auch bereits misslungenen “Baba’s Song” nach Ende der Pressevisionierung kommentiert. Das sagt eigentlich schon alles – “Der grosse Kater” sollte zwar ein brisanter Film über die Schweizer Politik sein, kommt aber über die TV-Soap nur stellenweise hinaus. Panzer hat mit “Baba’s Song” vor kurzem bewiesen, dass er wirklich dilettantische Filme machen kann – hier wäre der Mut zu weniger Anrühren mit der grossen Kelle sicher von Vorteil, was Panzers früherer Film “Broken Silence” gut illustriert.
Unstimmig
Nicht stimmig ist in “Der grosse Kater” aber nicht allein die seifige Story, die nicht gerade Lust auf Thomas Hürlimanns Romanvorlage (die anders als der Film in den 70er-Jahren spielt) macht. Sprachlich wirkt der Streifen oft unbeholfen, sogar wenn die SchauspielerInnen sich ihrer Muttersprache bedienen dürfen, wirkt alles nachsynchronisiert. Dabei wurde wohl nicht der gesamte Film nachträglich vertont – sicher aber die Stimmen von zahlreichen ProtagonistInnen, darunter auch das spanische Königspaar und Katers Ehefrau. Vielleicht ist es je geradezu unanständig, von einem derart klischierten Werk mehr Realitätsnähe und Brisanz zu verlangen.
Banal
Und doch muss man ja im Grunde genommen genau das verlangen von einer Hürlimann-Verfilmung, da dieser prominente Deutschschweizer Schriftsteller ja bekanntlicherweise immer wieder aus dem eigenen autobiografischen Fundus schöpft. Daniel Schmid war in “Beresina”, der auf hochdeutsch gedreht wurde, sicher konsequenter und auch politisch um Längen brisanter (Stichwort “Bellasi-Affäre”). Selbst Carla Lia Monti hat mit “Räuberinnen” Kollege Panzer einiges voraus, dank ihrem souveränen Umgang mit der Sprache. Das wirkliche Problem ist aber wohl, das “Der grosse Kater” am Schluss nur eins ist – und zwar banal.
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Infos:
“Der grosse Kater”, CH/Deutschland 2009, 100 Min., Regie: Wolfgang Panzer, mit Bruno Ganz, Marie Bäumer, Ulrich Tukur, Christine Paul, Antoine Monod Jr., Martin Rapold.
Im Kino ab: 21.01.2010















= Meisterwerk








